iWin in myPad

Alle schreiben grad über Apple. Ich will auch. Deshalb jetzt hier eine Kurzanleitung, wie man Windows 7 Ultimate auf einem Mac Mini installiert, ohne das Boot Camp zu brauchen. Zuerst: Warum will man das? Weil der Mac Mini gut gemacht ist. Er ist leise, miniklein, nicht zu teuer, braucht sehr wenig Strom und reicht für praktisch jede Desktoparbeit aus, wenns nicht grad Maya oder täglich brutale Photoshop-Filter über 20 Megapixel sein müssen. Es gibt keinen gleichwertigen Ersatz von Dell oder so, und wenn doch, will ich das wissen. Meine zwei Totschlagkriterien für „nur Windows“ sind jedoch:

  1. Windows 7 ist für Tastaturuser gegenüber OSX das effizientere System (ich arbeite gelegentlich mit OSX, ich kenn das). Win7 hat ein volltextindiziertes Dateisystem, in dem ich mit einem Windows-Tastendruck alles per Texteingabe finde, auch Programme. Die Ultimate-Edition hat außerdem eine Dateisystemverschlüsselung, die auch die Auslagerungsdatei berücksichtigt. Kleiner Vorteil gegenüber TrueCrypt.
  2. Das noch totschlagendere Argument ist jedoch schlicht: „Bestand“. Ich werde mir ganz sicher nicht für einen Tausi die Mac-Version von Photoshop holen.

Apple verkauft den Mac Mini  zum Glück ohne jedes Geraffel, ohne Tastatur, ohne alles, was für Windows-Nutzer heißt, dass sie nicht Zeug zwangskaufen müssen, das sie eh schon haben. Ich habe zum Beispiel die Ergo-Tastatur „Microsoft Ergonomic Keyboard 4000“. In schwarz. Das Teil ist so gut, dass ich sogar zwei davon habe, falls ich längere Texte auswärts schreiben soll. Die meisten Leute haben ja keine Ahnung von gescheiten Tastaturen.

Der Mac Mini verwendet Standard-PC-Hardware: Core 2 Duo, nVidia 9400m, nVidia-Speichercontroller. Sonderzubehör wie die Kameras an den MacBooks fehlen. Es ist schlicht ein kleiner PC. Das weiß Apple und verwendet daher kein BIOS, sondern EFI — wahrscheinlich einfach, um sich noch irgendwie abzugrenzen. Windows 7 kann EFI, deshalb ist es im Endeffekt egal. Also erstmal Windows 7 kaufen. Führende Experten (Kollege Andreas Beier und Axel Vahldiek von der c‘t) empfehlen, die System Builder Edition zu nehmen. Die ist gedacht für Leute, die neue Systeme bauen, was ja im Fall „Mac Wini“ irgendwie zutrifft, vor allem aber muss Microsoft diese OEM-Version in Deutschland nach dem Gesetz jedem verkaufen. Es gibt sie zum Beispiel bei Amazon, wie übrigens auch den Mac Mini. Mit der neuen Windows-7-DVD penetriert man nun den Schlitz vorne am Mac und bootet von ihr (“C“ gedrückt halten). Wie jede Windows-Installation erlaubt auch diese, die Platte neu zu partitionieren. Machen. Alle Partitionen löschen, gerade die von Mac OS X, die kostet nur Speicher, den Windows haben soll. Partition(en) erstellen, der Installer sagt dann irgendwas von „muss jetzt noch eine anlegen für System“, wohl für diese EFI, egal, passt schon, Chekov, mach einfach.

Tja, und dann bootet Windows. So einfach ist es. Am Anfang steht es nackt und ohne Treiber da, über Autoupdate holt es sich jedoch fast alles von allein. Wenn das passiert ist, gibt es noch zwei kleine Probleme: Erstens gibt es keinen Sound. Windows installiert meist Treiber für irgendeinen Intel-Soundchip, der Mini verwendet jedoch einen Realtek ALC885 HD Audio. Passenden Treiber installieren, badaaa!, Sound geht. Das zweite Problem ist ein gelbes Ausrufezeichen im Gerätemanager, den es auch in Win7 noch gibt. Es klebt da auf einem nicht weiter spezifizierten „Koprozessor“. Irgendjemand hat herausgefunden, dass diese Warnung weggeht, wenn man irgendeinen Cache abschaltet, aber ich bin für Caches und daher für die viel bessere Lösung: passende Treiber installieren, nämlich die nVidia-Chipsatz-Treiber. Die gibt es entweder auf der nVidia-Seite oder (doch wieder) im Boot Camp auf der MacOS-X-DVD, die dem Mac Mini (vielleicht nur deswegen) beiliegt: Boot CampDriversNVidiaNVidiaChipset64 oder ähnlich (ich habe ein 64-Bit-Windows hier laufen). Treiber für SMBus und SMU per Häkchen installieren, fertig.

Meine Neukaufentscheidung ging sehr hoppladihopp, weil mein alter PC kurz vor einer Deadline abgeraucht ist, ich ihn mit etwas Panzertape, WD40 und Nagellack über die Ziellinie brachte und parallel den Mini mit seinem Windows 7 bei Amazon schon bestellte. Aber ich bin sehr zufrieden. Als ich einem Freund von meiner neuen Anschaffung erzählte (“Mac mit Windows! Ist super!“), sagte er „Du bist Satan!“. Nachdem ich weitere geschockte Reaktionen gesehen habe (“wenns wenigstens ein Liiiinux gewesen wär!“), bereite ich mich mental schonmal darauf vor, für diese Anleitung „Hitler“ genannt zu werden. Die Aufregung ist allerdings völlig umsonst, denn dem Wini geht es sehr gut. Windows 7 nennt ihn etwas abschätzig einen „Lunchbox-Computer“, aber er funktioniert perfekt, inklusive aller ACPI-Energiesparoptionen und Suspend-to-RAM und Suspend-to-Disk. Ich kann sogar die Sendeleistung aller Funkantennen über Windows‘ Energieoptionen regeln. Wer also wie ich Satan oder Hitler ist, findet im Mac Mini einen echt gut gemachten kleinen PC für einen leisen Schreibtisch oder als kleines Media Center. Gesprächsthemen mit Mac-Missionaren finden ist dann auch kein Problem mehr (“Aber wiiesooo bist du Satan?!!“).

What would Jesus *not* do? Install Windows 7 on a Mac Mini perhaps.

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