Test KTM 690 Duke

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 27.01.2010

Die aktu­elle KTM Duke ist ein Motor­rad, das ich mir wie die Vun vor­ge­stellt habe, das aber eher gefah­ren wird wie eine alte Supermoto.

Lei­der hat auch die KTM einen Ein­zy­lin­der­mo­tor, zum Glück ist er aber lei­ser, damit man sein Tuckern nicht ertra­gen muss, und er ist mit sei­ner elek­tro­nisch gesteu­er­ten Dros­sel­klappe auch tau­send­mal bedien­ba­rer als jener der Vun. Den­noch wird es ein gro­ßer Tag für leichte Motor­rä­der sein, wenn Ein­zy­lin­der end­lich durch E-Antriebe mit Reich­weite ersetzt wer­den kön­nen. Ja, stei­nigt mich, ihr Ein­zy­lin­der­fans, ihr wisst genau, dass ich recht habe. Die Sin­gles kön­nen dann wie­der in Not­strom­ag­gre­ga­ten vor sich hin­tu­ckern, wo sie bei Kon­stant­dreh­zahl kein Band brau­chen, und wo ich mich vor allem nicht drauf­set­zen muss.

Auf die KTM setzt man sich jedoch ganz gern. Die Ösis haben es irgend­wie drauf, gute Ergo­no­mie zu bauen. Um das Motor­rad halb­wegs fah­ren zu kön­nen, mon­tiert man sich mit dem Schritt im Lenk­kopf, lie­ge­stützt den Len­ker und zieht das Hin­ter­rad irgendwo weiiit hin­ter sich her. Alles Andere fühlt sich irgend­wie komisch an, depla­ziert. Die Beherrsch­bar­keit braucht sie auch, weil sie jedes­mal, wenn man ein biss­chen Schräg­lage wagt, zu rut­schen anfängt. Das Fahr­werk hat beim Rum­bum­meln kei­nen Grip, trotz Öhlins-Fahrwerksexperten am Ort. Wenn man här­ter damit umgeht, funk­tio­niert es irgend­wann, es ist alles gera­dezu über­di­men­sio­niert, aber als Otto­nor­mal­fah­rer find ich es schwer, in den Bereich “bru­tal fah­ren” zu kom­men, ohne in “bissi schräg fah­ren” vor­her Schiss zu krie­gen, oder hin­zu­fal­len oder den Bereich irgend­wie magisch zu über­sprin­gen. Auf dem Test­par­cours war die KTM natür­lich die Schnellste.

Und ich finde sie die schönste. Sie pola­ri­siert mit ihrem Weltraumkäfer-Design, und ich ver­stehe jeden, der davon speibn muss, aber ich mag es. Ich mag die kan­ti­gen Linien, den mus­ku­lö­sen Hals, die kon­ver­gie­ren­den Kan­ten all­über­all. Wenn auf dem Pla­ne­ten Vega ano­rek­ti­sche, aber car­ni­vore Zie­gen mit Exos­ke­lett und Dun­lo­prei­fen leben, dann sehen sie aus wie die neue Duke.

Sie ist hoch­ha­ckig zu fah­ren und es gibt für Fah­rer wie Bei­fah­rer über­all beque­mere Motor­rä­der, aber die Duke fährt man gern, selbst wenn man das jeden Tag macht. Jeden­tag­fah­rer freuen sich bestimmt auch dar­über, wie gut das Ding beschraub­bar ist. Mit einer Schraube löst man den Tank, den man dann an Schnell­ver­schlüs­sen abklip­pen und tau­schen kann. Ein Tank­tausch geht hier schnel­ler als ein­mal voll­tan­ken, falls jemand grad Endurance-Racer sucht.

Das ist mir wirk­lich mal an einem Orts­schild pas­siert, als ich pro­bierte, wie schnell man von Rei­se­ge­schwin­dig­keit auf 50 abbrem­sen kann. Fast auf die Fresse gefal­len. (Bild: KTM)

KTM 690 Duke Modell 2009/2010

Ist: eine car­ni­vore Ziege vom Pla­ne­ten Vega mit Exos­ke­lett und Dunlop-Reifen
Kos­tet: 8.995 Euro
Leis­tet: 65 PS (48 kW) bei 7.500 U/min
Stemmt: 67 Nm bei 5.500 U/min aus 654 ccm
Wiegt: 163 kg voll­ge­tankt
Tankt: 13,5 Liter Super
Ver­braucht: unter 5 l auf 100 km
Hat: fast nichts. Das macht sie so gut.

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