Rapid Kindermaching

Eins meiner derzeitigen Lieblingsthemen ist Rapid Prototyping, diese Maschinen, die in magischer Schichtarbeit dreidimensionale Objekte geradezu ausdrucken und deshalb gern „3D-Drucker“ genannt werden. Gestern erzählte mir eine Freundin, sie habe gelesen, dass Frauenkliniken 3D-Modelle frischer Föten ausdrucken wollen — für blinde Väter! Es soll praktisch ihr Äquivalent zum Ultraschallbild werden und wahrscheinlich ebenso obskur. Sie zeigt ihm (sehend) ein Ultraschallbild: „Unser Baby!“ Er sieht nur verkrisselte Klumpen: „Oooh! Äh… Wunderschön!“ Sie gibt ihm (blind) einen 3D-Klumpen: „Unser Baby!“ Er fühlt nur ein warziges Stück Gummi: „Aahrg!! Oh. ‚Tschuldigung, Schatz, hab es vor Schreck fallen lassen. War aber wunderschön. Schwester! Fegen Sie das weg, ja? Danke.“ Die armen blinden Väter. Früher hatten sie wenigstens den Vorteil, dass ihnen Ultraschallbilder erspart blieben.

Die Freundin brachte aber einen viel wichtigeren Punkt ins Gespräch: „Es müsste ganz anders sein, es müsste richtiges Prototyping sein: Man zeigt der Gyn seinen Kerl und die druckt dann das mögliche Kind aus. Dann könnte man sehen, ob‘s was wird.“ Ich halte ihre Idee für genial. Hätten wir das nur schon früher gehabt, dann wär der Bundestag heute leer und alles besser. Wenn aus dem 3D-Drucker nämlich so ein fahler Klaus aus Plastik fällt, ein Wolfgang oder schlicht ein Depp, schreibt die Frau mit Edding drauf „sorry, es liegt nicht an dir, aber es ist Schluss“ und schickt das Teil als begründete Beziehungsterminierung mit der Post zum DochnichtDNAspender. Bisher musste man Deppen erst umständlich großziehen, um das machen zu können.

Sie hatte aber noch weitere Ideen, die zwar technisch so unmöglich sind wie es 3D-Drucker früher waren, aber nicht weniger genial: „Wenn es aber passt, wird gleich der passende voll funktionale Uterus ausgedruckt und die Sache mit der Schwangerschaft hätte ihren Schrecken verloren.“ Da eine Frau in der Schwangerschaft 90 Prozent ihrer abstrakten Verarbeitungsleistung verliert und damit auf demselben Untergürtelniveau denkt wie ihr Mann oder ihr Hund, ist das zum echten Vorteil des Haushaltes, wenn sie normal bleibt. Sie könnte ihren kühlen Intellekt zum Beispiel dazu nutzen, erstmals seit vielen Jahren etwas Sinnvolles im (wir erinnern uns: leeren) Bundestag zu überlegen.

Wir drucken uns einen Uterus aus Stahl: SLM-Maschine, Bild: BMW

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