Der Tod lacht

Clemens Gleich - 13.01.2010

Im Novem­ber ist der Tod immer nahe — in Form der Novem­ber­de­pres­sion lacht er uns an. Hier ein Buch zum Zurücklachen.

Die Ana­to­mie hat in der Öffent­lich­keit einen schwe­ren Stand. Ers­tens ist sie eine Wis­sen­schaft mit viel Latein, doch sowohl Wis­sen­schaft als auch Latein sind der­zeit ganz und gar aus der Mode. Zwei­tens ist die Ana­to­mie untrenn­bar mit dem Tod ver­hei­ra­tet. Ohne Tod keine Lei­chen, ohne Lei­chen keine Prä­pa­rate für die nächste Gene­ra­tion die­ser Dis­zi­plin. Ohne den Tod gäbe es nur Lebend­prä­pa­rate. Jeden­falls: über die Ana­to­mie lesen will kaum jemand. Nur der Stu­dent, der muss. Dass die Ana­to­mie aber span­nend für Leser jeg­li­chen Igno­ranz­gra­des sein kann, beweist der Ana­tom und Dozent Hel­mut Wicht mit sei­ner Geschich­ten­samm­lung “Ana­to­mi­sche Anek­do­ten”. Dort schreibt er mit einer fast alt­mo­di­schen Hin­gabe an die Schön­heit der deut­schen Spra­che und aus jener klas­si­schen deut­schen Seele, die sich ewig fragt nach dem Sein, dem Sinn, und die das Wort “Welt­schmerz” erfun­den hat, Deutsch­lands viel­leicht edels­ten Export in andere Sprachen.

Das Büch­lein besteht aus einer Samm­lung kur­zer Essays, Gedan­ken­gänge und Geschich­ten auf dickem Papier mit far­bi­gen Illus­tra­tio­nen. Der Inhalt hängt sich lose an die Ana­to­mie an, es geht aber tat­säch­lich um Mensch­li­ches, um Dinge, die man abends mit Freun­den am Kamin dis­ku­tiert, bei einem Glas Wein, wäh­rend drau­ßen der Tod des Jah­res ansteht, der kalte Regen aufs Dach plät­schert. Die­ses Buch erklärt ziel­ge­nau, warum die nächste Stufe der Evo­lu­tion der schlei­mige Arsch­krie­cher sein könnte. Es zeich­net bach­kris­tall­klar nach, wie Sig­mund Freud von Para­si­ten zur mensch­li­chen Psy­che kam. Es erzählt von Arsch­ba­cken und Leo­par­den im Hirn, der Suche nach der Seele, den Mit­tel­fin­gern net­ter alter Damen und von Goe­the. Hel­mut Wicht prä­sen­tiert in die­sem Buch außer­dem die Wahr­heit und die Schön­heit und tätigt noch nie dage­we­sene wis­sen­schaft­li­che Aus­sa­gen über deren Hände. Das Buch ent­hält außer­dem eine Karte der USA. Warum? Fin­den Sie es her­aus. Lesen Sie es. Es lohnt sich.

*Das* Novem­ber­buch 2009

16,95 Euro
100 Sei­ten
ISBN 978−3−7985−1897−1
Steinkopff-Verlag

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