MZ: Mein Zombie

Seit ich mich mit Motorrädern beschäftige, ist die ostdeutsche Motorradmarke MZ eine Art Zombiehure, auf der jeder abrockt, wie er gerade lustig ist. Immer, wenn man denkt, jetzt ist Schluss, kommt eine Pressemitteilung, ein Zucken aus Zschopau, wahrscheinlich vom Hausmeister dort, der wahrscheinlich seit Jahren darauf hofft, endlich zum letzten Mal das Licht auszumachen und MZ in Frieden sterben zu lassen, vielleicht gar mit einem Rest Würde. Bevor das passieren kann, spaziert jedoch immer der nächste Interessent daher, um seine Gelüste an der Leiche MZ auszuleben. Das Ganze erinnert mich frappierend an die Szene aus Tarantinos „Kill Bill“, in der dieser perverse Buck die Komaleiche mit einer ranzigen Dose voll Vaseline schänden will.

MZ-Management und Arbeiterschaft in der leeren Produktionshalle mit ihrem Geldofen. (Bild: MZ)

Manchmal denkt man, jetzt geht es nicht mehr ärger, sonst implodiert das Multiversum. Meistens kommt genau in diesem Moment über den Maik-Verteiler eine MZ-Meldung, die einem die Schuhe auszieht, die sprachlos macht. So wie heute. Die neuen … nennen wir sie mal „Manager“ von MZ wollen in der Rennserie Moto2 einsteigen. Dazu sollten Laien zwei Dinge wissen: Erstens fährt man üblicherweise dann Rennen, wenn man dazu säckeweise überzähliges Geld hat, das man damit verfeuern kann, weil man es damit verfeuern wird. Zweitens steht MZ wie immer kurz vor dem Bankrott und hält die Hände auf für Kredite von Banken und dem schwer geprüften Land Sachsen. Das Starterfeld in der Moto2 ist voll, MZ auf der Warteliste, aber die MZ-Manager sagen: Wenn wir keinen Startplatz mehr kriegen, fahren wir halt in der Spanischen Meisterschaft mit. Sie sagen außerdem, das Rennsportengagement sei ihr „Marketingkonzept“. Klar, Chekov, mit spanischen Schulkindern um die Wette fahren ist massenfesselndes RTL-Samstagabendprogramm! Aber lassen wir die Pressemitteilung selbst sprechen:

Wenn es mit der WM in 2010 noch nicht klappt, fahren wir in der spanischen Meisterschaft mit unserer MZ moto2 und können mit einem Chassis für rund 40.000 Euro dort weiterentwicklen um dann sicher 2011 die WM zu fahren.“ so Wimmer am Ende eines für die Entwicklung der Marke MZ wichtigen Tages.

Mit der „Entwicklung der Marke MZ“ immerhin hat er recht: Die Leichenschändung geht weiter.

Ich habe keine emotionalen Aktien bei MZ, doch immerhin war ich mal in Zschopau. Dort haben früher Tausende diese DDR-Zweitakter gebaut. Die modernen MZeiten müssen jedem dort wehtun, der ein Herz für den Maschinenbau im Erzgebirge hatte. Ich zünde jetzt eine Kerze für die an.

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