Neu: Yamaha Super Ténéré

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 25.02.2010

Frü­her, als alles noch bes­ser war, gab es eine Honda Africa Twin und eine Yamaha Super Ténéré. Heute, wo alles grad wie­der bes­ser wird, gibt es eine BMW F 800 Africa Twin und jetzt wie­der eine Yamaha Super Ténéré.

Sehr geehrte Damen und Her­ren der Geschäfts­lei­tung, liebe Aktio­näre. Wir von Yamaha sind ebenso stolz wie froh, unse­ren Top-Konkurrenten zum Markt­seg­ment­füh­rer BMW R 1200 GS, die ehr­wür­dige FJR 1300, radi­kal moder­ni­siert und den Bedürf­nis­sen ange­passt vor­stel­len zu kön­nen. Die FJR war trotz der­sel­ben Käu­fer­schicht zuletzt tech­no­lo­gisch stark ins Hin­ter­tref­fen gera­ten. Das wird jetzt anders, weil wir jetzt alles genauso machen wie BMW.

Ka-Bam! Lang und bes­ser als erwartet.

Die neue XT 1200 Z Ténéré hat zwei Zylin­der in Reihe, aber nicht gleich­läu­fig, son­dern mit 90° Kur­bel­wel­len­ver­satz. Das hat Yamaha damals mit der TRX 850 ein­ge­führt, damit die mehr wie eine Ducati klingt, hat es spä­ter auf die TDM über­tra­gen, deren ansons­ten glei­cher Motor vor­her ein Gleich­läu­fer war (360° Zünd­ver­satz), und mitt­ler­weile haben sich die Her­stel­ler (Tri­umph ja auch) der­art in diese krumme Kur­bel­welle ver­liebt, dass sie ein Qua­si­stan­dard bei Rei­hen­zwei­zy­lin­dern gewor­den ist. In der Pres­se­mel­dung steht irgend­was von Dreh­mo­ment­vor­tei­len, ihr könnt es genau­so­gut ein­fach zuge­ben: Ihr habt es ein­fach gemacht, weil das so schon fer­tig, getes­tet, bewährt war. Leis­tung: 110 PS. Wie die neue GS halt. Wei­ters zwei Aus­gleichs­wel­len und Tro­cken­sumpf­schmie­rung, um durch gerin­gere Bau­höhe Boden­frei­heit zu gewin­nen (205 mm). Hin­ter­rad­an­trieb über Kar­d­an­welle und Zwei­arm­schwinge, wie vom Vor­gän­ger FJR 1300 bekannt (ne, die lass ich mir nicht wegargumentieren).

Im Cock­pit stellt man den gan­zen Elek­tro­ni­k­quatsch ein.

In Sachen Elek­tro­nik hat die Ténéré jetzt eine zwei­stu­fig ein­stell­bare Antriebs­schlupf­re­ge­lung, Yama­has elek­tro­ni­sches Dros­sel­klap­pen­stell­sys­tem YCC-T mit ver­schie­de­nen Ansprech­modi und ein ABS-Kombibremssystem (eben­falls in Set­tings ein­stell­bar). Die Beschrei­bung des ABS lässt dar­auf schlie­ßen, dass die aktu­elle, neunte Gene­ra­tion von Bosch zum Ein­satz kommt, die auch in der neuen Kawa­saki 1400 GTR, der Kawa­saki VN 1700 sowie der BMW S 1000 RR ver­baut wird — bei letz­te­rer als “Race ABS”.

Jahaa, sagen jetzt die BMW-Kunden, die­ses Zeug hat die GS schon seit tau­send Jah­ren. Was stimmt. Yamaha gibt sich aller­dings wirk­lich Mühe im Detail. Die Fuß­ras­ten zum Bei­spiel haben Gum­mipöm­pel, die beim dahin­lul­lern im Sit­zen schön federnd-entkoppelnd wir­ken, im Ste­hen jedoch run­ter­ge­drückt wer­den, sodass der Stie­fel in die Metall­zähne der Raste greift. Die Radia­to­ren sind stein­schlag­ge­schützt an der Seite ange­bracht. Die Sitz­bank ist höhen­ver­stell­bar. Der Rah­men ist aus Stahl, kann also gerich­tet wer­den. Das Heck ist ver­stärkt, damit es Welt­rei­se­ge­päck oder selbst fet­teste Qual­len auf dem Bei­fah­rer­sitz erträgt. Es gibt eine Bord­steck­dose im Cock­pit. Es gibt einen seri­en­mä­ßi­gen Haupt­stän­der. Es gibt sogar einen Stein­schlag­schutz für die Schein­wer­fer. Das alles wird jedoch ziem­lich zunichte gemacht durch die Angabe: “261 kg fahr­be­reit”, die wahr­schein­lich bedeu­tet: “mit Sprit über 270 kg”, also so viel wie die Fett­sau Vara­dero. Ich bin mal Vara­dero gefah­ren. Ich möchte das nicht unbe­dingt wie­der­ho­len. Tätärä fah­ren dage­gen möchte ich trotz Gewicht mal. Sie macht näm­lich – zumin­dest auf dem Daten­blatt – bis aufs Gewicht alles richtig.

Im ers­ten Ver­kaufs­jahr hat die Ténéré als “First Edi­tion” außer den genann­ten Sachen noch seri­en­mä­ßig: Koffer-Set aus Alu, Motor­schutz aus Alu und die Scheinwerfer-Protektoren. Alles drei wird ab 2011 Auf­preis kosten.

Die neue Yamaha R 1200 GS Varaténéré

Yamaha XT 1200 Z Ténéré Modell 2010

Ist: die kon­se­quente Fort­füh­rung der FJR 1300. Doch.
Kos­tet: 14.750 Euro
Leis­tet: 110 PS (81 kW) bei 7.250 U/min
Stemmt: 114 Nm bei 6.000 U/min aus 1199 ccm
Wiegt: 261 kg “fahr­be­reit”. Geschätzt voll­ge­tankt: gute 270 kg
Tankt: 22,6 Liter (wahr­schein­lich Super)
Hat: eigent­lich alles, was auch die GS hat. Nur in schwerer.

Bil­der: Yamaha

kom­plette Pres­se­mit­tei­lung angu­cken

Kommentare

  1. Stefan Gerngross - geschrieben am 16. Juni 2010 um 21:13 Uhr - Kommentar-Link

    Ich bin ges­tern auf der neuen Tenere geses­sen aber noch nicht gefah­ren. Nach über 100tkm denke ich lang­sam über eine Nach­fol­ge­rin für meine Africa Twin (94, 750, RD07) nach.
    Durch den tie­fen Schwer­punkt ist mir die XT1200Z sofort sehr sym­pa­thisch gewe­sen.
    In Sachen Boxer bin ich ein gebrann­tes Kind. Nach extrem nega­ti­ven Erfah­run­gen mit einer R100GS Dakar habe ich, bis vor Kur­zem kei­nen Boxer mehr ange­schaut.
    Ich dachte bis­her über die GS800 nach, da KTM 990 zu teuer. Ich hatte mich rie­sig auf die XT1200Z gefreut und jetzt das.….…
    ABS UND ANTISCHLUPF NICHT ABSCHALTBAR!!!!!!!!!
    „Motor­rad“ — Test­be­richt schreibt noch: „…Gasstoß in Schräg­lage im Schot­ter, kein Pro­blem, die Elek­tro­nik regelt zuver­läs­sig.…“ und wei­ter: „…das braucht kei­ner…„
    Sind die noch zu ret­ten? Wie kann eine Enduro so ver­saut wer­den? Wie fährt man mit dem Teil enge Schot­terser­pen­ti­nen?? Der Abgrund lässt Grüßen.

    So jetzt habe ich mei­ner Ent­täu­schung über die­ses Teil Luft gemacht. Danke fürs lesen. ;-)
    Grüße,
    Stoffel.

  2. Clemens Gleich - geschrieben am 17. Juni 2010 um 11:53 Uhr - Kommentar-Link

    Die nicht abschalt­ba­ren Assis­tenz­sys­teme sind unver­ständ­lich, pas­sen aber in Yama­has selt­same Pro­dukt­po­li­tik (es geht hier haupt­säch­lich um Haf­tung, um Ver­ant­wor­tung, die kei­ner über­neh­men will). Wenn das Ein­satz­ge­biet der AT haupt­säch­lich auf der Straße (auch unge­teert) war, würde ich auch die gan­zen 17-Zöller tes­ten: Tri­umph Tiger 1050, KTM 990 SMT, Ducati Mul­tis­trada 1200. Die machen auch und gerade sehr schlechte Stra­ßen mit und sind imo sehr rei­se­taug­lich. Ein gro­ßes Vor­der­rad zahlt sich erst in Geröll oder wege­lo­sem Off­road rich­tig aus oder wenn alle Stra­ßen der Reise wirk­lich aus höh­len­gro­ßen Schlag­lö­chern bestehen.

Hinterlasse eine Antwort

Melde Dich mit Deinem Facebook- oder Twitter-Account an:

Connect with Facebook

Oder fülle einfach folgende Felder aus: