Saving Energy: Batterieideen für die Elektrozukunft

– Clemens Gleich in Kategorie(n) , – 10.02.2010

Mignon kennt jeder. Aber ken­nen Sie auch die Baum­bat­te­rie, den Stra­ßen­bahn­kon­den­sa­tor, die betank­bare Bat­te­rie oder den Span­nungs­wand­ler für die mensch­li­che Haut?

Eine elek­trisch fah­rende Zukunft braucht neue Bat­te­rie­tech­nik, wenn wir wei­ter­hin mit Por­sche Cayennes bei 240 über die deut­sche Auto­bahn crui­sen wol­len (und das wol­len wir). Wir unter­su­chen gute, mitt­lere, schlechte, absei­tige und main­strea­mige Ideen und spre­chen außer­dem über Mac­Guy­ver, weil es sonst kei­ner tut.

Die betank­bare Batterie

Heute: Auto kommt an die Tank­stelle. Ben­zin­tank ist in zwei Minu­ten voll. Mor­gen: Auto kommt an die Tank­stelle. Akkus laden län­ger, als man in einer Kas­sen­schlange steht, in der jeder mar­tia­lisch “Pay­back” ver­langt. Eine mög­li­che Lösung für diese Elek­tro­fahr­zeug­pro­ble­ma­tik sind soge­nannte “Redux-Flow”-Batterien. Zwei flüs­sige Elek­tro­lyte wer­den in sepa­ra­ten Tanks gespei­chert und in einem noch­mal sepa­ra­ten Leis­tungs­mo­dul zusam­men­ge­bracht, wo sie eine Span­nung erzeu­gen. Die ent­la­de­nen Pro­dukte flie­ßen in andere Tanks ab, von wo man sie zur Ladung recy­clen kann, zum Bei­spiel beim Brem­sen. Man kann aber auch vor allem den gan­zen ver­brauch­ten Kla­datsch ein­fach durch schon gela­dene Elek­tro­lyte aus­tau­schen und den lang­wie­ri­gen Lade­vor­gang der ent­la­de­nen Flüs­sig­kei­ten den Tank­stel­len überlassen.

Ver­suchs­trä­ge­r­auto vom Fraunhofer-Institut mit einer Redux-Flow-Batterie. Sieht kart­bahn­taug­lich aus für mich. (Bild: Fraunhofer)

Die Baum­bat­te­rie

Ame­ri­ka­ni­sche For­scher sind auf Bäume gesto­ßen. Sie konn­ten sich nicht vor­stel­len, wozu sowas gut sein soll, also steck­ten sie Elek­tro­den hin­ein und siehe da: Man kann das Zeug zur Strom­er­zeu­gung ver­wen­den. Plat­ziert man näm­lich metal­lisch gleich­ar­tige Elek­tro­den ein­mal im Baum, ein­mal im Boden, ent­steht offen­bar durch die unter­schied­li­chen ph-Werte von leben­dem Holz und Wald­bo­den eine elek­tri­sche Span­nung. Aller­dings eine win­zige: zwi­schen zwan­zig und eini­gen hun­dert Mil­li­volt lie­gen an. Damit lässt sich nicht viel anfan­gen, daher wol­len For­scher von der Uni Washing­ton diese Ener­gie lang­sam sam­meln und für genüg­same Sen­so­ren ein­set­zen, die zum Bei­spiel Feuch­tig­keit oder Wald­brände mes­sen. Indes hat unser For­scher­team unter Dr. Clüm eine hun­dert­fach über­le­gene, robuste und bewährte Strom­quelle aus einem alten Casio-Solartaschenrechner extra­hiert und in die USA geschickt. Wir erwar­ten in Kürze die Aus­zeich­nung mit dem ame­ri­ka­ni­schen For­schungs­preis dafür, dass wir her­aus­ge­fun­den haben, wozu die Sonne gut ist.

Die Sofort­la­de­bat­te­rie

Eine wei­tere Ant­wort auf die Elek­tro­tank­stel­len­frage (“wieso soll ich so lang war­ten, mein Oppl Asdra tankt schnel­ler?”) könnte eine Wei­ter­ent­wick­lung von Lithium-Eisen-Phosphat-Batterien sein, die inner­halb von Sekun­den gela­den wer­den kann. Diese Art Bat­te­rien gibt es schon, sie erfreuen sich der­zeit eini­ger Beliebt­heit als Star­ter­bat­te­rien in Motor­rä­dern oder Renn­stre­cken­fahr­zeu­gen, weil sie deut­lich leich­ter sind als her­kömm­li­che Blei­ak­kus. Ger­brand Ceder und sein Assis­tent Byoung­woo Kang vom Mas­sa­chu­setts Insti­tute of Tech­no­logy (MIT) konn­ten so einer Bat­te­rie fan­tas­ti­sche Lade­zei­ten von 10 – 20 Sekun­den bei­brin­gen, wo sie vor­her sechs Minu­ten brauchte. Ceder stellte näm­lich fest, dass der Eng­pass beim Laden gar nicht durch eine etwa zu lang­same Bewe­gung der Ionen ent­steht (denn sie bewe­gen sich offen­bar sehr schnell), son­dern am Kris­tall­git­ter des Metalloxids, wo sich regel­rechte “Elek­tro­nen­staus” bil­de­ten. Ceder baute aus glas­ar­ti­gem Lithi­um­phos­phat eine Art Umge­hungs­au­to­bahn, die die­sen Stau auf­löst. Wei­te­rer Vor­teil: Auch das Ent­la­den geht schnel­ler, die Bat­te­rie stellt also mehr Leis­tung pro Zeit­ein­heit zur Verfügung.

Strom aus Menschenhaut

Minispan­nungs­wand­ler vom Fraun­ho­fer Insti­tut. Sie hat­ten noch ein Bild mit einem hüb­schen Frau­en­fin­ger, aber ich habs nicht mehr gefun­den. (Bild: Fraunhofer)

Moderne Elek­tro­nik braucht oft sehr geringe Men­gen an Strom, die man eigent­lich direkt am Kör­per her­stel­len könnte. Das Pro­blem hier­bei sind die oft win­zigs­ten Span­nun­gen, wie sie zum Bei­spiel die Baum­bat­te­rie lie­fert. Das Fraun­ho­fer Insti­tut hat jetzt einen 1,5 mm x 1,5 mm klei­nen Span­nungs­wand­ler ent­wi­ckelt, der schon ab 20 Mil­li­volt arbei­tet. Diese Span­nung könnte ein ther­mi­scher Gene­ra­tor lie­fern, der diese aus der Dif­fe­renz von Haut­wärme zu Umge­bungs­wärme erzeugt. Um etwas Sinn­vol­les zu tun, sam­melt der Wand­ler die Ener­gie in einem Akku, der dann bis zu 3,3 Volt abgibt. Das reicht als Span­nung für den MP3-Player, für das Tele­fon, für eigent­lich alle gän­gi­gen Klein­an­wen­dun­gen. Wie lange man Musik hören kann, nach­dem man einen der­art aus­ge­stat­te­ten Player einen gan­zen Tag am Kör­per getra­gen hat, muss sich zei­gen (hint: “kurz”), die Ent­wick­ler rech­nen der­zeit immer­hin mit Wir­kungs­gra­den von 30 bis 80 Pro­zent (je nach Last und Ein­gangs­span­nung). Haupt­ex­port­markt könn­ten die USA sein, wenn dort die Baum­bat­te­rie Schule macht.

Ess­bare Batterie

Remi­nis­zenz an die Schul­zeit: schmut­zig grauer Lin­ole­um­bo­den, lang­wei­lig graue Tische, auf­fäl­lig graue Phy­sik­leh­rer. Immer­hin konn­ten sie aus einem Apfel und ein paar schimm­li­gen Ste­ckern Strom erzeu­gen. Mit zwei gal­va­nisch unter­schied­li­chen Metal­len — meis­tens nimmt man ein­fach Kup­fer und Zink bezie­hungs­weise ver­zink­tes Eisen — piekt man den sau­ren Apfel an und erhält eine elek­tri­sche Span­nung. Meh­rere Elek­tro­den und Apfel­stü­cke in Reihe geschal­tet errei­chen Span­nun­gen von meh­re­ren Volt, die wie­derum aus­rei­chen, um Dioden leuch­ten zu las­sen oder eine kleine Uhr zu betrei­ben. Tat­säch­lich gab es in den unsäg­li­chen Acht­zi­gern ner­dige Digi­tal­uh­ren, deren vor­ge­se­hene Strom­quelle ein Apfel war. Das­selbe geht übri­gens auch mit Kar­tof­feln. Wenn einem also ein­mal unter­wegs der Strom aus­geht und man nur Kup­fer­blech, Zink­blech, einen Gulasch­spieß aus Holz (das ist wich­tig), ein Mes­ser und einen Kar­tof­fel­acker zur Ver­fü­gung hat, emp­fiehlt Mac­Guy­ver Fol­gen­des: Kar­tof­feln in Schei­ben schnei­den, Ble­che jeweils abwech­selnd dazwi­schen legen, Strom an den äuße­ren Kon­tak­ten abgrei­fen. Man kann die Spieß­bat­te­rie spä­ter am Lager­feuer gril­len und essen.

Unsicht­bare Batterien

Eines der aktu­ell span­nends­ten For­schungs­ge­biete ist die Nano­tech­nik. Beschich­tun­gen und Mate­ri­al­tech­nik haben schon lange den Weg aus die­ser For­schungs­dis­zi­plin in den All­tag gefun­den, doch Nano­ma­schi­nen blei­ben wei­ter Spiel­zeug für Leute mit Labor­zu­gang. Es gibt zum Bei­spiel schon For­schun­gen, Sper­ma­gei­ßel­zel­len­mo­to­ren und andere Antriebe für diese Maschi­nen ein­zu­set­zen, nur die Ener­gie­ver­sor­gung macht noch Kopf­schmer­zen. Eine mög­li­che Lösung kommt von der US-amerikanischen Uni­ver­si­tät Tulsa. For­scher dort gie­ßen einen lei­ten­den Kunst­stoff in eine Waben­struk­tur aus Alu­mi­nium, die an bei­den Sei­ten mit einer Elek­tro­den­schicht ver­schlos­sen wird. “Ha”, sagen Nörg­ler jetzt, “das mach ich in mei­ner Küche auch”, aber die ein­zel­nen Alu­wa­ben sind 60-mal klei­ner als der Durch­mes­ser eines mensch­li­chen Haa­res. Ähnlich klein sieht jedoch die Strom­stärke aus, die diese Bat­te­rien lie­fern: Die Uni­ver­si­tät Tulsa gibt ein Nano­am­pere an. Das, geben die For­scher zu beden­ken, rei­che immer­hin für Nano­ma­schi­nen aus. Hier ist ein Bild eines fet­ten sol­chen Bat­te­rie­clus­ters aus mei­ner Küche ->. So klein ist die näm­lich. Die Bat­te­rie meine ich, nicht meine Küche.

Die Zucker­bat­te­rie

Zucker ent­hält eine Menge Ener­gie, das weiß jeder, der schon­mal Cola in seine Kin­der gefüllt hat, die er danach nicht mehr sedie­ren konnte. Die in Lon­don lebende Desi­gne­rin Daizi Zheng greift diese Idee in einem Design-Projekt auf, dass sie “für einen Kun­den” erstellt hat. Sie hat eine Attrappe aus einem Tele­fon mit ange­schlos­se­nem Kunst­off­co­la­tank gebaut, denn das Gerät soll seine Ener­gie über Enzyme aus der ein­ge­füll­ten Zucker­lö­sung gewin­nen. Ihre Bat­te­rie soll “mit einer Fül­lung poten­zi­ell drei– bis viel­mal so lange hal­ten wie kon­ven­tio­nelle Lithium-Batterien”. “Bei einer lee­ren Bat­te­rie blei­ben nur Sau­er­stoff und Was­ser übrig”, behaup­tet sie auf ihrer Web­site. Ganz so ein­fach ist es nicht, sonst könnte man Cola an der Tanke näm­lich nicht nur im Shop, son­dern auch an der Zapf­an­lage kaufen.

Der Stra­ßen­bahn­kon­den­sa­tor

Klei­ner Aus­flug in die Tech­nik: Ein Kon­den­sa­tor ist ein Strom­spei­cher, der seine Ladun­gen ein­fach auf zwei durch ein iso­lie­ren­des Dielek­tri­kum getrennte Metall­ober­flä­chen spei­chert. Im Ver­gleich zu einer Bat­te­rie hält er viel weni­ger Ener­gie, kann diese aber viel schnel­ler abge­ben und auf­neh­men. Außer­dem ver­schleißt er nicht, wie das Akkus tun. Seit Neu­es­tem fährt im Uni-Viertel Hei­del­berg eine Stra­ßen­bahn mit dicken Kondensator-Packs auf dem Dach herum. Ein Grund dafür sind die emp­find­li­chen Mess­ge­räte des physikalisch-technischen Insti­tuts, die bei Nut­zung der Ober­lei­tun­gen anschla­gen, ein wei­te­rer ist Ener­gie spa­ren: Bergab kann die Bahn elek­tri­sche brem­send Ener­gie auf dem Dach spei­chern, statt sie beim Brem­sen unnütz als Hitze weg­zu­wer­fen. Es gibt außer­dem bereits Gelän­de­mo­tor­rä­der von Suzuki und Gas­Gas, die ohne Bat­te­rie eine Ein­spritz­an­lage betrei­ben kön­nen: der Kick­star­ter füllt einen Kon­den­sa­tor, der dann die Pumpe mit Strom versorgt.

Die Suzuki RM-Z 450 hat auch so einen Stra­ßen­bahn­kon­den­sa­tor, damit man sie ohne Bat­te­rie anki­cken kann. (Bild: Suzuki)

Die Papier­bat­te­rie

For­scher der US-Universität Stan­ford beschäf­ti­gen sich seit eini­ger Zeit mit Ener­gie­spei­chern aus Kohlenstoff-Nanoröhrchen und Silber-Nanodrähten. Jetzt haben sie her­aus­ge­fun­den, dass sich stink­nor­ma­les Papier ziem­lich gut als Trä­ger­ma­te­rial eig­net, weil es porös ist. Sie tra­gen es auf wie Tinte und errei­chen damit zwar eine Ener­gie­dichte, die viel klei­ner ist als bei bis­he­ri­gen Bat­te­rien, aber immer­hin dop­pelt so hoch wie jene moder­ner Super­kon­den­sa­to­ren. Wei­tere Vor­teile: Form­bar­keit (die Bat­te­rie funk­tio­niert auch zer­knüllt noch), viele Lade­zy­klen (ca. 40.000) und ein­fa­che Ent­sorg­bar­keit (ca. Papierkorb).

Die bekannte Batterie

Die bewährte Lithium-Ionen-Batterie bleibt eben­falls nicht ste­hen. Wis­sen­schaft­ler in Graz wol­len der Tech­nik zu einer dop­pel­ten Ener­gie­dichte ver­hel­fen. Ihr Ansatz: Die Gra­zer ver­set­zen ein Sili­zi­um­gel mit Lithium und schmie­ren das als extrem dünne Schicht auf eine Gra­phit­platte. Bekannte Tech­nik, sigi­ni­fi­kant ver­schlankt. Rei­chen wird diese Evo­lu­tion auf län­gere Sicht jedoch nicht: Die For­scher geben zu, dass für die Zukunft des Elek­tro­au­tos nicht weni­ger als eine Revo­lu­tion nötig ist. Ein ande­rer Ansatz ist es, den flüs­si­gen Elek­tro­ly­ten durch eine Poly­mer­fo­lie zu erset­zen, wie es schon im Modell­bau für Hoch­leis­tungs­fahr­zeuge üblich ist. Diese Akkus sind sehr leis­tungs­fä­hig, aber auch zu emp­find­lich für den Ein­satz im All­tags­auto: Tief­ent­la­den, Über­la­den, zu hohe oder zu tiefe Tem­pe­ra­tu­ren zer­stö­ren sie.

Die gedruckte Batterie

Auch bei der guten alten Weg­werf­bat­te­rie gibt es Fort­schritte. Das Fraunhofer-Institut hat eine Bat­te­rie ent­wi­ckelt, die dün­ner als ein Mil­li­me­ter und leich­ter als ein Gramm ist. Hierzu wer­den abwech­selnd Schich­ten aus Man­gan und Zink im Sieb­druck­ver­fah­ren auf­ge­tra­gen — wie beim T-Shirt-Druck. Eine sol­che Bat­te­rie soll für Groß­kun­den einen “ein­stel­li­gen Cent­be­trag” pro Stück kos­ten, und da sie so dünn ist, wird sie wahr­schein­lich die plär­ren­den Gruß­kar­ten der Zukunft mit Strom ver­sor­gen. Auch ver­schie­denste Visi­ten­kar­ten­kon­struk­tio­nen sind damit denk­bar. Wär ja auch nett: Strom ist aus, hör ich halt mit unge­woll­ten Visi­ten­kar­ten meine MP3s.

Die Alko­hol­bat­te­rie

In Japan bereits am Markt und in einer limi­tier­ten Stück­zahl von 3000 zu ver­kau­fen: Toshi­bas Brenn­stoff­zelle “Dyna­rio”. Das Gerät hat etwa die Abmes­sun­gen eines Taschen­bu­ches und soll mit einer Tank­fül­lung von 14 ml Metha­nol etwa zwei Handy-Akkus laden kön­nen. 250 ml Nach­füll­flüs­sig­keit kos­ten umge­rech­net etwas über 20 Euro — ein kna­cki­ger Preis ange­sichts der All­ge­gen­wart elek­tri­scher Ener­gie. Toshiba ver­langt für das Dyna­rio den Gegen­wert von fast 240 Euro und will mit den 3000 Gerä­ten tes­ten, ob es einen End­nut­zer­markt für Brenn­stoff­zel­len gibt. Eine Ver­mark­tung für Deutsch­land ist der­zeit nicht ange­kün­digt. Seit die Bild geschrie­ben hat, die Brenn­stoff­zelle kommt wie­der und ist zwei­fel­los die Zukunft, ver­kauf ich aller­dings eh alle Aktien in Sachen Brennstoffzellen.

Hinterlasse eine Antwort

Melde Dich mit Deinem Facebook- oder Twitter-Account an:

Connect with Facebook

Oder fülle einfach folgende Felder aus: