Usabillility. Ty. Titty.

Herzlich willkommen zum Usability-Labor Gleich. Hier erstmal ein Bier. Das enthält nämlich die wichtigste Komponente unserer geschäftlichen Kompetenz: flüssige Besoffenheit. Ne, wirklich: Kathrin Passig hat heute eine Usability-Test-Empfehlung rumgeschickt, nämlich die [hier], deren zentraler Bestandteil betrunkene Barbesucher sind, weil die am besten indifferente, abgelenkte, dumme Benutzereingaben simulieren können. Die Idee ist grandios! Sie ist umso grandioser, als mir sofort zehn Bars einfallen, bei denen man mit dem Motorrad direkt an die Betrunkenen heranfahren kann. Die sollen dann mal an so einem Cockpit rumdrücken und den Tageskilometerzähler auf Null stellen.

Das ist ein guter Test, weil man manche Rückstellmechanismen nichtmal nüchtern kapiert. Bei der Triumph Street Triple muss man irgendwie drei Knöpfe auf einmal zwei Sekunden gedrückt halten, was erstens mit Handschuhen keinen Spaß macht, man jedoch zweitens einfach nicht drauf kommt. Genauso MV Agusta: bei laufendem Motor auf den Starterknopf drücken und ein paar Sekunden draufbleiben. Ne, is klar, Luigi. Da waren nicht die Usability-Testkarnickel hacke, sondern die Cockpit-Funktions-Designer.

Was? Das steht im Handbuch? Komm mir doch nicht mit so nem Quatsch! Handbuch! Die Zielkundschaft für Motorräder ist zu über 90 Prozent männlich, da liest doch keiner ein zwanzigsprachiges Buch voller beunruhigender Dinge wie „Das Fahrzeug wird mit nicht eßbaren Teilen hergestellt. Aus diesem Grund diese Teile nicht beißen, lutschen, kauen oder schlucken.“ <- Das ist keine Erfindung, sondern steht so wörtlich im Handbuch meiner Mille. Hab ich gehört. Aber zurück ins Cockpit: Dessen Funktionen müssen sich durch wildes Dranrumdrücken mit einem Bier in der Hand und vier im Kopf von allein erschließen (meine nach DIN standardisierte Cockpittestmethode). Bei BMW bin ich zum Beispiel immer hupend die Heizgriffe einschaltend abgebogen, bis sie endlich ihre tausend (gut: drei) Knöpfe auf einen Knubbel reduziert haben wie alle anderen auch. BMW ist allerdings der einzige Hersteller, bei dem es sich lohnt, den Bordcomputer mitzubestellen, weil sich dessen praktische Funktionen wie Durchschnittsgeschwindigkeit (zum Posen), Lap-Timer (zum Messen zum Posen) oder Tankreichweite (zum Ankommen zum Posen) mit einem Knopf links am Lenker bedienen lassen.

Oder im Auto. Das passt zwar in weniger Bars als ein Motorrad, dafür passt eine kleine Bar in jedes Auto. Und dann soll mal so eine angeschickerte Testperson BMWs iDrive oder das Daimler-Analogon bedienen. Wahrscheinlich stellt sie in kürzester Zeit die Selbstzerstörung ein. Der Versuchsleiter (ich) crasht dann in einem fetten Feuerball in die Hölle, von wo aus er überkomplexe Interfaces für Fahrzeuge verteufelt, damit seinen werten Zuhörern ein Auffahrunfall erspart bleibt, weil sie ob dieser Entscheidungsgrundlage doch lieber BMW Motorrad als BMW Auto fahren. Oder so ähnlich.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.