Hybrid: die (un)elegante Lösung

Clemens Gleich in Kategorie(n) - 08.03.2010

Vor eini­ger Zeit schrieb mal ein klu­ger Beob­ach­ter, den deut­schen Inge­nieu­ren seien Hybrid­lö­sun­gen unsym­pa­thisch, weil sie so stark kom­pro­miss­be­haf­tet, so wenig ele­gant sind. Oh, wir krie­gen ein Pro­blem nicht gelöst, dann bauen wir halt ein­fach einen zwei­ten, ande­ren Motor dazu. Das war natür­lich lange, bevor jeder und seine Oma Elek­tro­au­tos oder Hybrid­fahr­zeuge ankün­digte, als gäbs mor­gen kei­nen Sprit mehr, doch ich glaube, an der Aus­sage ist was dran. Ich weiß, dass an der Aus­sage für mich was dran ist. Oder bes­ser: war, denn auch das ist ein biss­chen her. Damals gab es nur Toyo­tas Prio­nen und gleich posi­tio­nierte, gleich lang­wei­lige Autos, bei deren Name jetzt mal ver­nach­läs­sig­bar ist, weil sie näm­lich auch gleich aus­sa­hen wie der Prius.

Dann habe ich mich jedoch letz­ten April mit mei­nem Kol­le­gen Ger­not Gop­pelt von heise Autos mal beim Kaf­fee über Antriebs­tech­ni­ken unter­hal­ten. Es war sehr ange­nehm, weil Ger­not viel Sach­kennt­nis mit wenig Ökoge­schwa­fel paart. Das ist eine sel­tene Kom­bi­na­tion. Die meis­ten haben es anders­rum. Auf jeden Fall sagte er (durch­aus zu Recht), dass sich mit die­sel­elek­tri­schen Hybrid-LKWs die ohne­hin schon gute Treib­stoff­ef­fi­zi­enz der Nutz­fahr­zeug­mo­to­ren für die Lang­stre­cke ver­bes­sern lie­ßen, weil man bergab so toll Strom spei­chern kann und das zusätz­li­che Gewicht bes­ser zu lösen ist als an einem Auto. Zudem könn­ten dann man­che LKW stück­weise rein elek­trisch fah­ren, damit sie Anwoh­nern weni­ger auf die Ner­ven gehen. Macht Sinn.

Oder Por­sche: Mit ihrem GT3 Hybrid erzeu­gen sie gerade in der Brems­zone Ener­gie, die, in einem Schwung­rad­sys­tem gespei­chert, fürs Raus­be­schleu­ni­gen aus dem Eck zur Ver­fü­gung steht. Auch das macht Sinn, wenn am Ende bes­sere Run­den­zei­ten raus­kom­men. Dass dem durch­aus so sein könnte, dar­auf weist auch der 918 Spy­der hin, der in Genf vor­ge­stellt wurde: 500 ver­brannte PS an den Hin­ter­rä­dern (aus einem V8, mua­ha­haha), zuschaltbar-zusätzliche 216 elek­tri­sche PS auf die Vor­der­rä­der, um die Nord­schleife in weni­ger als sie­ben­ein­halb Minu­ten (geschätzt, aber mög­lich). Por­sche sagt außer­dem "3 l Ver­brauch", was sie wahr­schein­lich auf dem Park­platz an eine Kabel­trom­mel gesteckt gemes­sen haben, also ver­ges­sen wir das ganz ein­fach wie­der. Wich­tig ist: Der Spy­der ist schnel­ler als der Por­sche Car­rera GT und seit lan­gem mal wie­der ein Por­sche, der nicht exakt wie ein 911 aus­sieht, die ich eh alle seit Jah­ren nicht mehr aus­ein­an­der­hal­ten kann, unab­hän­gig vom Bau­jahr. Er sieht direkt gut aus.

Noch bes­ser sieht Citro­ens Kon­zept­karre "Sur­volt" aus. Wilde Linien, kom­pakte Karos­se­rie, kleine, auf­ge­druckte Mus­ter. Die Fran­zo­sen kön­nen schon schön malen. Mit der Tech­nik haben sie's dann meis­tens nicht so. Zum Sur­volt gibts zum Bei­spiel noch keine Pläne, wie das Teil denn ange­trie­ben sein soll. "Elek­trisch halt", sagt Citroen. Aha. Ich glaube, Citroen berei­tet sich auf eine Art hybride Fer­ti­gung vor. Die Fran­zo­sen über­neh­men dabei rein die Gestal­tung und jemand ande­res mit Ahnung (Por­sche zum Bei­spiel oder MAN oder MB Trucks) bauen ein Auto in die Hülle. Das wäre dann mein drit­tes Bei­spiel einer Arbeits­tei­lung, die wirk­lich Sinn macht.

Der Por­sche 918 Spy­der: kommt gut aus Ecken raus. (Bild: Porsche)

Citroen Sur­volt: kommt mal ganz groß raus. Wenn jemand ihm einen Motor baut. (Bild: Citroen)

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