Messeauslese

Clemens Gleich - 01.03.2010

Ich hasse Mes­sen. Weil mir das aber nie­mand glaubt, krieg ich für jede fach­lich rele­vante Messe nette Ein­la­dun­gen freund­li­cher Men­schen. Die sind dann der ein­zige Grund, über­haupt hin­zu­ge­hen, denn sie sind ja the­ma­tisch geballt dort. Meis­tens drü­cke ich mich, selbst zu Zei­ten in Fest­an­stel­lung mit bestim­men­dem Chef. Ich betone meine Abwe­sen­heit sogar mne­mo­tech­nisch güns­tig, indem ich damit angebe, was ich mache, wäh­rend der Rest muf­f­lige Mes­se­luft atmet und an ‘ner Kör­ri­wuast aus Plas­tik lutscht. Urlaub machen zu Mes­se­zei­ten ist zum Bei­spiel ein super State­ment. Ich war ein­mal frei­wil­lig auf der IAA, damals war ich neun Jahre alt und wollte mich in alle Por­sche Cabrios set­zen. Ich wollte nicht in diese schwarze Plas­tik­müll­tonne kot­zen, aber genau das ist pas­siert, das ist mein ganz per­sön­li­ches Mes­se­ge­fühl bis heute. Warum steht das hier? Weil die Woche eine Messe namens “Motor­rä­der” in Dort­mund statt­fin­det, der ich nicht ganz so emo­tio­nal abge­neigt bin, weil ich einer Afterhours-Standparty dort Teile mei­nes Füh­rer­scheins ver­danke. Fürs Nicht­er­schei­nen auf der Motor­rä­der­messe jedoch brauch ich weder Urlaub noch Aus­rede. Es gibt tat­säch­lich was auf Mes­sen, das man sich übli­cher­weise nur dort holen kann, nicht vor­her: die Mes­se­er­käl­tung. Aber diese heim­tü­cki­sche Form der Tuber­kel­seu­che hab ich dies­mal auch schon jetzt vorab.

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