Swabian Technology

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 14.03.2010

In Stutt­gart und Umland woh­nen die Schwa­ben. Das sind autis­ti­sche, (im kon­kre­ten Freud’schen Sinne) anal­fi­xierte stramme Nazis ohne Sozi­al­ver­hal­ten, aber mit genia­lem Erfin­der­geist. Das Fern­rohr und der Büs­ten­hal­ter, der Ben­zin­mo­tor und das unbrenn­bare Papier, das stammt alles von hier. In Stutt­gart und Umland wohne auch ich. Ich bin ein autis­ti­scher, … aber las­sen wir das. Das für diese Erör­te­rung Wich­tige an mir ist, dass ich von woan­ders her­komme, also ein “Neig’schmeckter” bin, wie die Urein­woh­ner sagen, oder ein “Wirt­schafts­flücht­ling”, wie ver­ängs­tigte Immi­gran­ten aus Ham­burg sich hier selbst oft bezeich­nen. Wenn Sie selbst Schwabe sind (ein freund­li­ches “Heil Hone­cker!” Ihnen), blät­tern Sie wei­ter, Sie ken­nen das alles schon. Dem Rest der Repu­blik möchte ich die schwä­bi­sche Genia­li­tät anhand all­täg­li­cher Bei­spiele in mei­nem Haus näher­brin­gen. Die­ses Haus ist unge­fähr so kon­stru­iert wie Helms Klamm aus der Ver­fil­mung von Herr der Ringe, es hat über­all Mau­ern, Trep­pen und abschließ­bare Stahl­tü­ren, die zehn­tau­send Orks aus­hal­ten, min­des­tens. Den­noch oder des­we­gen sind in die­sem Haus in der mit vom Flur noch­mals mit zwei abschließ­ba­ren Türen gesi­cher­ten Wasch­kü­che die Steck­do­sen eben­falls abschließbar.

Wahr­schein­lich, seehr wahr­schein­lich ist die abschließ­bare Steck­dose auch eine schwä­bi­sche Erfin­dung. Ihr Sinn im kon­kre­ten Fall der Wasch­kü­che liegt in einer aus­ge­fuchst ver­leg­ten Elek­trik: Jeder Ste­cker läuft über den Strom­zäh­ler der ent­spre­chen­den Woh­nung. Oben, hin­ter der Woh­nungs­tür, hängt dann ein wahr­haft genia­les Panel. Dar­auf sind neben je einem Knopf für Licht, Dienst­mäd­chen und Kell­ner (lei­der umfunk­tio­nert zum Tür­öff­ner) noch zwei unschein­bare Schal­ter, nur mit “An” und “Aus” beschrif­tet. Der eine davon schal­tet das Licht in besag­ter Wasch­kü­che nicht nur so frei, dass man es unten anschal­ten kann (denn sonst gibt es dort kein Licht), son­dern schal­tet es außer­dem über einen magne­ti­schen Kreis­schal­ter auf den Strom­zäh­ler des Ers­ten, der die­sen Schal­ter auf “An” legt. Der zahlt das Kel­ler­licht über seine Strom­rech­nung. Genial! Ich meine: Das Haus ist fünf­zig Jahre alt! Der wich­ti­gere Schal­ter ist den­noch der andere: Er schal­tet die Klin­gel stumm und ver­hin­dert damit, dass Schwa­ben sich an mei­ner Tür mit wei­te­ren ihrer tech­ni­schen Errun­gen­schaf­ten bemerk­bar machen.

Kommentare

  1. Made - geschrieben am 27. November 2010 um 12:24 Uhr - Kommentar-Link

    Hallo Cle­mens,

    ich lese schon seit Jah­ren mit Begeis­te­rung Deine Arti­kel in der MO und habe jetzt erst mit­be­kom­men, daß Du eine eigene „Home­page“ betreibst.
    Als Schwabe habe ich es mir nicht neh­men las­sen, Dei­nen Arti­kel über Schw­abn zu lesen -» „Swa­bian Tech­no­logy“. Das mit den Nazis kann ich nicht nach­voll­zie­hen, den Rest aber teil­weise schon. Ins­be­son­dere im Raum Stutt­gart ist halt der Pie­tis­mus beson­ders aus­ge­prägt. Komm doch mal nach Ober­schwa­ben, da sind die Leute deut­lich „Fest-freudiger“, liegt viel­leicht auch daran, daß man hier über­wie­gend katho­lisch ist ( da wer­den einem ja die „Sün­den“ erlas­sen ). Grins !
    Ansons­ten mach ein­fach wei­ter so. Ich freue mich auf viele neue Arti­kel von Dir.

    Ach übri­gens, schwä­bi­sche Leit­spruch „Mir ken­net älles, außer Hoch­deutsch„
    Aber hast Du bestimm schon mal gehört .… .

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