Triumph Sprint ST 1050: Aston einspurig

Clemens Gleich in Kategorie(n) , - 10.03.2010

Ges­tern schrieb Triumph-Mann Michael Nier "die ST ist der Aston Mar­tin unter den Motor­rä­dern". Das musste ich ihm sofort klauen. Also hier ein kur­zer Schnell­test der Tri­umph Sprint ST 1050, mit der ich letz­tes Jahr in Schott­land war. Ja, das war in MO, nur hatte ich da vor lau­ter Whisky kei­nen Platz mehr, über das Motor­rad zu schrei­ben. Was ein biss­chen schade ist, denn ich mag Sport­tou­rer, viel­leicht die ein­zige gute Erfin­dung der Acht­zi­ger Jahre. Heute wer­den sie ein biss­chen durch "Tall-Rounder" ersetzt, wie Kevin Ash Motor­rä­der à la Tri­umph Tiger 1050, KTM 990 SMT, Ducati Mul­tis­trada 1200, Kawa­saki Ver­sys oder etwas tou­riger auch die ganze GS-Klasse nennt. Das ist ein­fach die neue Mode, denn rein objek­tiv sind Sport­tou­rer die bes­se­ren Rei­se­ma­schi­nen, weil eh kei­ner das macht, was die GS in der Wer­bung macht und jedes Motor­rad gepress­ten Dreck oder Schot­ter pro­blem­los fährt. Sport­tou­rer haben den bes­se­ren Wet­ter­schutz, vor allem für unter der Gür­tel­li­nie, sie sind für Auto­bah­netap­pen viel ökono­mi­scher, weil wind­schnit­ti­ger und sie sind außer­dem schnel­ler und schö­ner — was mich zur ST führt.

Bevor ich die ST mal gefah­ren bin, habe ich alles an ihr gehasst bis auf das Aus­se­hen. Das fand ich cool. Als ich die Maschine dann für die Whisky-Tour durch Schott­land abge­holt habe, hat es zehn Kilo­me­ter gedau­ert, bis ich alles an ihr geliebt habe inklu­sive ihr Aus­se­hen: diese drei­ge­teil­ten Schein­wer­fer! Die­ses drei­ge­teilte Cock­pit! Die­ser drei­ge­teilte Aus­puff! Und die­ser drei­ge­teilte Brenn­raum! Der Motor hat zwar ein Getriebe, nur wirk­lich brau­chen tut mans jetzt nicht, das modu­liert ein­fach den Ton. Anschie­ben tut er irgend­wie immer, ange­strengt wirkt er dabei nie. Ich habe in die MO geschrie­ben, dass die Sprint ST die der­zeit wohl beste Inter­pre­ta­tion des The­mas Sport­tou­ring ist, was ich hier­mit noch­mal bestä­ti­gen möchte. Erstaun­lich eigent­lich, denn Kon­struk­tion wie Optik sind seit ihrer Ein­füh­rung 2005 weit­ge­hend gleich geblie­ben. Der Fah­rer sitzt sehr bequem. Die Bei­fah­re­rin sitzt sehr bequem. Die ST macht ein­fach im Grunde alles rich­tig: Sie ist nutz­wer­tig genug, um ent­spannt gewalt­zu­tou­ren. Dabei ist sie inter­es­sant genug, um Rei­bungs­punkte fürs Herz zu bie­ten. Drei­zy­lin­der an Ein­arm­schwinge zum Bei­spiel, gar­niert mit Aston-Martin-Verkleidungsschlitzen.

Zwei Schnit­zer hat sie sich auf der Whisky-Tour geleis­tet: Ers­tens gin­gen die Kof­fer zwei­mal auf, danach habe ich sie mit halo­gen­gel­ben Spann­gur­ten gesi­chert. Zwei­tens schwitzte der Motor leicht Öl auf mei­nen lin­ken Fuß — Dich­tung kaputt. Aber irgend­wie kann man einem (gut, ein­spu­ri­gen) Aston dafür nicht rich­tig böse sein. Werde das sofort nach­ho­len, wenn ich je mit einer Tri­umph lie­gen­bleibe. Bis jetzt scheint mir das unwahrscheinlich.

Isle of Arran: Ein Tank voll Sprit, zwei Kof­fer vol­ler Fla­schen und eine sitzt am Lenker.

Tri­umph Sprint ST Modell 2009

Ist: "der Aston Mar­tin unter den Motor­rä­dern."
Kos­tet: 12.140 Euro (ABS kos­tet 600 Euro Auf­preis)
Leis­tet: 126 PS (93 kW) bei 9.250 U/min
Stemmt: 105 Nm bei 7.500 U/min aus 1050 ccm
Wiegt: 248 kg voll­ge­tankt
Tankt: 20 Liter Super
Hat: den gol­de­nen Mit­tel­weg zwi­schen Emo­tion und Tou­ren­nutz­wert gefunden.

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