Weltraumaffenanzug

Clemens Gleich in Kategorie(n) - 13.04.2010

Mein Renn­stre­cken­raum­an­zug ist fer­tig. Die Kombi ist von Waco und groß­ar­tig gewor­den. Bes­ser kann man sich als Vor­stands­vor­sit­zen­der der Bonobo Society nicht anziehen.

Meine Archi­tek­tin Tanja hat mir mei­nen Alko­hol­rat­ge­ber zurück­ge­ge­ben, sodass ich end­lich das kor­rekte Zitat zu den Welt­rau­maf­fen pos­ten kann:

Stel­len Sie sich Ihre Party als eine die­ser alten, mit einem Schim­pan­sen bemann­ten Rake­ten vor, die man frü­her ins All gejagt hat. Das waren gewal­tige Brum­mer, die bedeut­same wis­sen­schaft­li­che Mis­sio­nen erfüll­ten, und störte es dabei, dass ein irr­lich­ternd bli­cken­der Affe das Ding geflo­gen hat? Nicht im Gerings­ten. Im Gegen­teil. Es ver­lieh die­sen Mis­sio­nen die Aura extre­mer Hipness.

- Frank Kelly Rich in “Die feine Art des Sau­fens

Die­ses Zitat habe ich ver­fälscht aus dem Gedächt­nis zitiert, als ich aus dem Hafen der Fest­an­stel­lung in den Pazi­fik freien Schaf­fens los­se­gelte, denn es beschreibt die per­fekte Arbeits­ein­stel­lung, die sich bei mir meis­tens so ab 21 Uhr und dem zwei­ten Scotch ein­stellt. Außer­dem mag doch jeder Affen. Also ich schon. Beson­ders Welt­rau­maf­fen. Es gibt ein wei­te­res groß­ar­ti­ges Zitat aus Wiki­pe­dia über Ham, den ers­ten Welt­rau­maf­fen der USA:

“Der Schim­panse über­lebte den Flug, zeigte aber wäh­rend des Flugs nicht viel Inter­esse, die ihm gestell­ten Auf­ga­ben auszuführen.”

So gehts mir auch manch­mal. Und dann gibt es da ja noch die Renn­stre­cke. Kol­lege Maik hat eine sil­berne, ein­tei­lige Leder­kombi für die­sen Ein­satz­zweck. Vor lan­ger Zeit musste er die mal für ein Foto-Shooting auf der Land­straße anzie­hen. Mit­tags ging er zum Bäcker, für alle ein­kau­fen. Er hatte dabei das Gefühl, frisch von der Mar­s­ex­pe­di­tion die irri­tiert bli­ckende Bäcke­rin zu scho­cken. Es gibt Leute, an denen pral­len so sub­tile Unan­ge­mes­sen­hei­ten ab wie Arbeits­an­wei­sun­gen von Schim­pan­sen; Leute, die Leder­stram­pel­an­züge in Papa­gei­en­far­ben zu Beer­di­gun­gen tra­gen oder spon­so­ren­be­ta­ckerte Rad­fahr­fe­tisch­klei­dung auf ihrem Weg zur Arbeit, bei der man jedes Arsch­haar ein­zeln sieht, weil der dünne Stoff so straff sitzt. Es gibt sie, aber ich gehöre nicht dazu.

August 2007, Prä­sen­ta­tion B-King: Sau­bere Fahr­tech­nik aus Keith Codes Buch und Übung. (Bild: Suzuki)

Nun habe ich mir aller­dings für 2010 vor­ge­nom­men, was ich schon 2009 tun wollte: viel mehr fah­ren, vor allem Renn­stre­cke. Ers­tens, weils Spaß macht, zwei­tens, weil ich die Übung brau­che. Letz­tens hat mich ein Leser gefragt: “Ich hab gele­sen, dass du den Mopped-Schein recht spät gemacht hast. Wie hast du das mit dem Fah­ren so schnell hin­be­kom­men? Fah­r­er­trai­ning, Natur­ta­lent oder Wahn­sinn?” Keine Ahnung, wieso viele Leute den­ken, dass man fah­ren kann, weil man schrei­ben kann; die Wahr­heit, die ich dem guten Mann sagte, lau­tet schlicht: Es ist ganz ein­fach: Ich habe es nicht magisch “hin­be­kom­men”. Ich fahre scheiße. Im dumme-Sprüche-Buch mei­nes Vaters steht: “Selbst­er­kennt­nis ist der erste Schritt zur Bes­se­rung.” 2009 ging alles ein biss­chen drun­ter und drü­ber, aber die­ses Jahr könn­ten ein paar Pläne auf­ge­hen. Toby hat zum Bei­spiel einen gro­ßen, guten Platz gefun­den, wo man Platz hat, end­lich Whee­lies zu ler­nen. Und MO wird zwar immer lang­sa­mer, immer genie­ße­ri­scher mit die­sen Umbau­ten, aber jetzt hab ich ja noch die Fast­bike. Da wird schnell gefah­ren, zum Bei­spiel auf der Rennstrecke.

So sah der erste Ent­wurf im Bier­gar­ten aus. Die getusch­ten Rein­zeich­nun­gen auf dem Maß­blatt lie­gen noch beim Waco.

Die Renn­stre­cke ist sehr gut geeig­net zum Üben, weil sie Schräg­la­gen­scheu abbaut, weils Platz gibt zum Hin­fal­len. Dort sieht man in sil­ber­nen Stramp­lern vom Mars auch nicht mehr wie ein Außer­ir­di­scher aus, son­dern wie jeder andere. Was mich schon zum eigent­li­chen Anlass die­ses Pos­tings bringt: Mei­nem Anzug. Mei­nem Raum­an­zug. Ich wollte einen, der aus­sieht wie from outer space, dabei augen­zwin­kernd bleibt und (ganz wich­tig) eine authen­ti­sche Welt­rau­maf­fen­be­schrif­tung hat. Zu mei­ner gro­ßen Ver­wun­de­rung ver­kauft das kei­ner fer­tig. Also habe ich im Bier­gar­ten fix zum Mode­de­si­gner umge­lernt, das Teil selbst gemalt und die Ent­würfe dann Wal­ter Aust von der Leder­schnei­de­rei Waco gege­ben. Der Anzug hat mir so gut gefal­len, dass ich die Ent­würfe außer­dem Phi­lip gege­ben habe, der das Screen­de­sign der Seite gemacht hat, damit das Männ­chen da rechts auf der Start­seite so aus­sieht wie es das heute tut. Jeden­falls ist die­ser Tage das fer­tige Pro­dukt vom Waco gekommen:

Die Hosen­beine gehen über die Stie­fel, die Ärmel über die Hand­schuhs­tul­pen, des­halb haben die Beine unten so einen Schlag. Der Anzug besteht haupt­säch­lich aus hoch­wer­ti­gem Alpen­rinds­le­der, zonen­weise aus Kevlar-Stretch, Schrift und Affen­kopf aus die­sem Kunst­le­der, das man für Ver­zie­run­gen nimmt. Wahr­schein­lich kann man die Fit­zel damit bes­ser schnei­den. Wegen Wet­ter habe ich das Teil noch nicht im Ein­satz gehabt, aber eins ist schon mal sicher: Rein optisch bin ich damit gannz weit vorn. Die Welt­rau­maf­fen­hom­mage gefällt mir so aus­neh­mend gut, dass ich gleich noch Schnei­de­plot­ter­da­ten davon für T-Shirts erstellt habe. Stay tuned! Ich möchte den Abend beschlie­ßen mit einem wei­te­ren Zitat mei­nes guten Kol­le­gen Frank Kelly Rich:

Es trifft wohl zu, dass einige der Welt­rau­maf­fen nicht bei bes­ter Gesund­heit zur Erde zurück­ge­kehrt sind. Man­che sind sogar über­haupt nicht zurück­ge­kehrt. Aber was soll’s? Sie wuss­ten, wor­auf Sie sich ein­lie­ßen, als Sie den Flyer mit dem Slo­gan DIE MUTTER ALLER PARTYS unter die Leute brachten.

In die­sem Sinne: Prost!

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