Enttäuschung und Strafe: Honda CR-Z

– Clemens Gleich in Kategorie(n) , – 12.05.2010

Ich stelle mich mei­nen Vor­ur­tei­len in Sachen Hybrid­tech­nik und fahre Hon­das legi­ti­men Nach­fol­ger­flit­zer des CRX.

Ich hasse Hybrid­au­tos. Das ist inso­fern bemer­kens­wert, als das nicht immer so war. Toyo­tas ers­ten Prius zum Bei­spiel, den liebte ich, wie ich jedes Stück selt­same, anders­ar­tige Tech­nik liebe. Doch dann geschah etwas Trau­ma­ti­sches: Leo­nardo diCa­prio kaufte sich einen, genauso wie eine Mil­lion andere Bio­na­de­bie­der­män­ner, die den Prius als eine Art bigot­tes State­ment ver­wen­den, das man zur Not auch fah­ren kann — solang der V8 in der Werk­statt steht zum Bei­spiel. Für mei­nen im Web abge­la­de­nen Hybridhass habe ich auch Flak­feuer gekriegt. Das ist so der nor­male Stand der Dinge. Seit den Neun­zi­gern bin ich im Netz ein Arsch, wenn ich bei jedem Flame War nach­den­ken würde, dann … müsste ich ja nach­den­ken. Geht nicht. Aus­ge­schlos­sen. Ein Pos­ting jedoch war beson­ders. Ein Pri­us­be­sit­zer (Hallo, Marc!) schickte mir eine Flash-Schematik der Planetengetriebe-Kraftkopplung im Prius, einem Stück ele­gant gelöste Tech­nik. Es hat mich daran erin­nert, was ich vor lan­ger Zeit nett am Prius fand. Es soll jetzt also kei­ner sagen kön­nen, dass ich mich mei­nen Vor­ur­tei­len nicht stelle, denn ges­tern habe ich mei­nen ers­ten Hybrid gefah­ren: den Honda CR-Z.

Kom­pakte Kombo aus Vier­zy­lin­der und Elektro-Booster (Bild: Honda)

Die­ses Auto ist sehr selt­sam. Es hat ein manu­el­les Getriebe, einen klei­nen Rei­hen­vier­zy­lin­der mit 114 PS und einen kom­bi­nier­ten E-Motor / Schwung­scheibe / Star­ter, der bis 14 PS und 78 Nm bei­steu­ert. Bei der ers­ten Ankün­di­gung hab ich ihn noch bei den klei­nen Spaß­wa­gen wie Mini Cooper oder den fran­zö­si­schen schneller-Varianten ihrer Klein­wa­gen ein­sor­tiert. Er ist jedoch viel extre­mer, als seine beschei­dene Motor­leis­tung impli­ziert: Die Boden­frei­heit ist gering, ich habe beim Wen­den auf einem Schot­ter­park­platz mit der Front­schürze biss­chen Bag­ger gespielt. Die Sitze sind tief. Der Innen­raum ist beengt und warm, ich habe auf der Auto­bahn die Fens­ter geschlos­sen und musste bei 17° C Außen­tem­pe­ra­tur die Kli­ma­an­lage ein­schal­ten (eine Krank­heit vie­ler moder­ner Wagen). Es gibt eine Rück­bank, die man gleich raus­schmei­ßen sollte, weil dar­auf nur dann Lili­pu­ta­ner sit­zen kön­nen, wenn man ihnen die Beine abschnei­det. Im gro­ßen Dach­rück­fens­ter sieht man die Wol­ken, im klei­nen Senk­recht­rück­fens­ter sieht man nichts außer das schreck­ver­zerrte halbe Gesicht der Oma, die man gerade beim Ein­par­ken über­fährt. Und der Kof­fer­raum ist unge­fähr so groß wie meine Schreib­tisch­schub­lade. Unter der Abde­ckung dort sitzt ein Sty­ro­por­teil, das die übli­chen Werk­zeuge hält, und dar­un­ter wie­derum schwer­punkt­güns­tig auf dem Boden­blech die Nickel-Metallhydrid-Batterie. Bis auf die Bat­te­rie jetzt ist es also ein per­fekt auf­ge­brüh­ter sinn­lo­ser Sport­wa­gen im klei­nen Espresso-Format. I like.

Beginn auf dem Handling-Parcours. Dazu hat Honda den Wagen zwei Zen­ti­me­ter tie­fer­ge­legt, ansons­ten ist alles Serie. Zwi­schen den Pylo­nen wird klar, dass die Optik zumin­dest bei so engen Kur­ven eins ihrer Ver­spre­chen hält. Das Chas­sis neigt sich merk­lich, die tie­fer lie­gende Karos­se­rie setzt dabei jedoch nir­gends auf. Es ver­win­det sich auch wenig, das typi­sche Klein­wa­gen­ge­fühl, bei ärge­ren Fahr­ma­nö­vern in einem gro­ßen Schuh­kar­ton zu sit­zen, fehlt — wozu auch der tie­fere Schwer­punkt bei­trägt. Ja, ja, auf der Packung steht was von Sprit spa­ren drauf, aber Honda hat der Ver­su­chung wider­stan­den, auf den CR-Z diese Sprits­par­rei­fen mit acht­zig Pro­zent Hol­zan­teil zu mon­tie­ren. Das von der Insight-Plattform genom­mene und gekonnt ange­passte Fahr­werk darf also funk­tio­nie­ren. Es hat Grip. Viel­leicht weiß Honda, was andere Ana­lys­ten wis­sen: Für poten­zi­elle Käu­fer ist trotz allem grü­nen Umden­ken der Sprit­ver­brauch immer noch bes­ten­falls ein B-Argument. A-Argumente sind zum Bei­spiel: “will ich”, “sieht gut aus”, “fährt schön” oder sogar “macht einen grü­nen Dau­men” für mei­nen Freund Leonardo.

Yes. I em very dra­ma­ti­cal. I em not very silent. I kill you now.

Was der CR-Z nicht macht, ist rein elek­trisch fah­ren. Das finde ich schade, ich mag die Mög­lich­keit, mich anzu­schlei­chen. Jetzt musste ich doch wie­der die letz­ten Meter zu Fuß gehen, als ich an die Außen­wand des Poli­zei­prä­si­di­ums Frank­furt… aber las­sen wir das. Der elek­tri­sche Motor ist gene­rell über­haupt nur im Hin­ter­grund ver­tre­ten, er fällt eigent­lich nur durch das Mar­ke­ting auf. Er sorgt brav für mehr Dreh­mo­ment, er hilft beim Sprit spa­ren und er tut das vor allem hin­ter den Kulis­sen. Es ist wie diese E-Fahrräder: Man denkt sich: so ein Scheiß, in Wirk­lich­keit sind jedoch beide, CR-Z und Pedel­ecs, Mani­fes­ta­tio­nen von Tech­nik, wie sie sein muss: ein­fach, trans­pa­rent, unauf­fäl­lig hilf­reich.

Drau­ßen auf den Land­stra­ßen des – wo bin ich? – Oden­walds? geht das Kon­zept auf. Es gibt die mitt­ler­weile all­ge­gen­wär­tige Sport-Taste, die mehr elek­tri­sche Unter­stüt­zung lie­fert, bei glei­cher Gas­pe­dal­stel­lung mehr Gas gibt und weni­ger Sprit spart. Sie ändert außer­dem das Set­ting der Ser­vo­len­kung. Da sollte man drauf drü­cken, sobald die erste Kurve in Sicht­weite kommt, denn mit maxi­mal 124 PS “Sys­tem­leis­tung”, wie sie Honda angibt, braucht man etwas Anlauf. Im Sport­mo­dus tut man dann das, was in allen klei­nen Autos so Laune macht: den Motor dre­hen, bis er Schrau­ben kotzt. Und dann noch ein biss­chen mehr. Der E-Motor über­nimmt dabei die Rolle eines Kom­pres­sors, er legt mit Hand bezie­hungs­weise Dreh­mo­ment an, um das Auto aus der Kurve zu schleu­dern (im posi­ti­ven Sinn jetzt). Ich kann mich daran erin­nern, wie viel Spaß ich mit dem S 2000 im Regen hatte, bei jedem Abbie­gen hängt der Arsch raus, und die­sen Spaß macht der CR-Z bei Sonne. Das hört sich nur für jemand nach Belei­di­gung an, der noch nie S 2000 im Regen gefah­ren ist. Es ist ein gro­ßes Kom­pli­ment. Wer hätt’s gedacht: Ein klei­ner Hybrid ver­langt gera­dezu kate­go­risch, dass man fährt, als hätte man sich beim Tan­ken die Hose ange­zün­det. Und genau das habe ich getan. Also das mit dem Fah­ren jetzt, nicht das mit der Hose. Große Stra­ßen jedoch sind lang­wei­lig, weil der CR-Z dafür zu wenig Leis­tung hat. Er joggt mit 180 die Auto­bahn ent­lang, wenn er genug Zeit hat, die zu errei­chen. Alles nicht sein Ding. Sein Revier ist die Stadt, der Handling-Parcours, die nächt­li­che Spon­tan­renn­stre­cke im Indus­trie­ge­biet. Oder aktu­ell der Odenwald.

Es gibt einen „Economy“-Modus, der Sprit spa­ren hilft. Er macht den Tacho grün. (Bild: Honda)

Plötz­lich jedoch: Leis­tungs­ver­lust! Was ist los? Sprit? Nein. Über­hit­zung? Sabo­tage? Frank­fur­ter Poli­zei? Nein, alles nein, alles falsch. Es liegt an der Bat­te­rie. Sie ist leer. Ab einem bestimm­ten Lade­stand gibt es kei­nen elek­tri­schen Boost mehr. Das Sys­tem ver­langt dann impli­zit vom Fah­rer, dass er sie auf­lädt. Das geht zum Bei­spiel beim Rol­len im Schie­be­be­trieb oder etwas stär­ker beim leich­ten Betä­ti­gen der Bremse. Dann polt das Sys­tem um, der Motor wird zum Gene­ra­tor, die Bat­te­rie lädt. Sie lädt sogar ziem­lich schnell, aber der unge­trübte Spaß ist erst­mal vor­bei. Ich fühle mich mit die­ser hun­de­trai­ner­haf­ten Kon­di­tio­nie­rung ein biss­chen unan­ge­nehm belehrt: “Wenn du berg­auf wie ein Idiot fah­ren willst, musst du bergab fah­ren wie ein ande­rer Idiot: Leo­nardo diCa­prio.” Es ist alles kein gro­ßes Pro­blem, eine rundere Fahr­weise langt, um die Bat­te­rie auf Fül­lung zu hal­ten. Doch ist die Frei­heit, wie ein Idiot zu fah­ren, nicht die Frei­heit an sich? Wer hat das gesagt? Richard von Weiz­sä­cker wahr­schein­lich. Er würde den CR-Z den­noch gut fin­den. Ich würde ihn bes­ser fin­den mit einem Kom­pres­sor plus einem Tur­bo­la­der, die für Dreh­mo­ment und Ökono­mie sor­gen. Dann müsste ich mir nur um eine Ener­gie­sorte Sor­gen machen. Aktu­ell aus­ge­führte Bei­spiele der Kon­kur­renz zei­gen, dass Auf­la­dung zu ver­gleich­ba­ren Ver­bräu­chen führt. Blei­ben wir aber mal rea­lis­tisch: Meine Mei­nung ist mit­nich­ten mas­sen­kom­pa­ti­bel. Der CR-Z wird sich als Hybrid bes­ser ver­kau­fen, des­halb auch das ent­spre­chende Mar­ke­ting. Leo­nardo kann sich zum Bei­spiel einen kau­fen und so tun, als hätte er kei­nen Spaß.

Das kleine Honda-Auto hat meine Vor­ur­teile ent­täuscht, indem es als Gan­zes toll ist. Es hat mich außer­dem regel­recht bestraft für meine Fahr­weise, mich zu einer runde­ren gezwun­gen. Wer will bei gut 100 PS für 1200 kg schon wegen einer lee­ren Bat­te­rie auf den E-Motor ver­zich­ten, der in vie­len Berei­chen das ver­füg­bare Dreh­mo­ment ver­dop­pelt? Er ist hoch­gra­dig unprak­tisch, sogar gemes­sen an ande­ren Lifestyle-Kleinkarren wie dem Mini, dem Alpha Romeo MiTo oder dem Fiat 500. Und trotz­dem: Aus die­sem Quar­tett würde ich den CR-Z neh­men und gucken, wie ich das keil­för­mige Auto in die qua­dra­ti­sche Pas­sung mei­nes All­tags häm­mern kann.

So haben sie ihn gemalt. So haben sie ihn gebaut. (Bild: Honda)

Honda CR-Z

Ist: ein Hybrid mit Schalt­ge­triebe im Sportwagen-Dressing
Kos­tet: 21.990 Euro (Basis­ver­sion)
Leis­tet: 114 PS (84 kW) bei 6000 U/min plus 14 PS bei 1500 U/min
Stemmt: 145 Nm bei 4800 U/min aus 1497 ccm plus 78 Nm bei 1000 U/min
Wiegt: 1245 kg leer
Tankt: 40 Liter Super.
Hat: mir die Hose angezündet

Woanders wird gesagt …

  1. Enttäuschung und Strafe: Honda CR-Z : Motorsphere - geschrieben am 5. Februar 2011 um 18:06

    […] Quelle: Mojomag […]

Kommentare

  1. Winfried v.B. - geschrieben am 19. August 2010 um 21:22 Uhr - Kommentar-Link

    Das‘ mal wie­der ein rich­tig gei­ler Arti­kel und ob mei­nes hämisch-kotzigem Lachen kommt gerade Schatzi um die Ecke um zu sehen was los ist. Kannst Du mal eine Rubrik auf­ma­chen: Meine fie­ses­ten Verrisse?

    Btw. wurde von einem Ein­trag her­ge­lootst, den ich nicht kom­men­tie­ren konnte. Ging um Deine Ex, der Du gedrückt hast, sie müf­fele nach Gum­mi­braut, wenn sie vom Assi.. ähm, Schlam­pen­toas­ter kommt. Ist das die glei­che, die Du zum Shi­ver fah­ren in der Berg­hütte beim Psychopathen-Martin hast sit­zen lassen?

    Und zuletzt, es nervt, das ich mich alle 2h neue bei Twit­ter anmel­den muss, damit hier mein schi­ckes Bild­chen erscheint… aber das kann ich Dir und Dei­ner Seite wohl nicht zum Vor­wurf machen.

  2. Clemens Gleich - geschrieben am 20. August 2010 um 10:10 Uhr - Kommentar-Link

    Nein, das war eine andere Frau. Der „Schlam­pen­toas­ter“ war übri­gens ihr eige­ner Aus­druck, ich kannte den vor­her gar nicht.

  3. Chris G. - geschrieben am 4. Januar 2011 um 03:08 Uhr - Kommentar-Link

    Cle­mens ich mag Deine Schreibweise…Beim CR-Z siehst Du aber wie sehr die Japa­ner beim Motor­rad und Auto im Dun­keln tappen.Der CR-Z hat keine Power,keinen Platz und ver­braucht immer noch zu viel.Der Golf TDI macht mehr Spass,ist flotter,hat mehr Platz,verbraucht weni­ge­rund ist…Made in Germany,was ja Heut­zu­tage auch nicht ganz Unwich­tig ist.
    Mein Fazit;Golf TDI oder Cor­vette.
    Ent­we­der rich­tig spa­ren oder rich­tig auf die Kacke hauen.Solange die BRD-Oekobonzen den Sprit noch nicht voel­lig dem Volk unbe­zahl­bar gemacht haben. […] Gib Gas!

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