Anziehend: Shark, Shoei. Abstoßend: Händler

Clemens Gleich in Kategorie(n) , , - 16.07.2010

Letz­tens war der Shark-Pressemann Ste­fan Piwek zu Besuch in Stutt­gart. Seine Truppe über­nimmt in Zukunft den Deutsch­land­ver­trieb der ita­lie­ni­schen Marke Spidi, was alles in allem sehr erfreu­lich ist. Das Gespräch ging dann natür­lich in Rich­tung gescheite Anziehsa­chen auf dem Motor­rad. Meine mitt­ler­weile resi­gnierte Theo­rie war: Die Leute wol­len in schwar­zen Plas­tik­tü­ten oder Press­wurst­le­der­pel­len rum­ren­nen, das gefällt denen. Seine Ant­wort aus der Pra­xis war erstaun­lich: “Nein.” Er konnte das außer mit Zah­len noch mit einem erstaun­li­chen Bei­spiel unter­mau­ern: Es gibt einen Shark mit Schmet­ter­lin­gen und Glit­zer drauf — sogar in einer rosa Vari­ante! Die­ser Helm ver­kauft sich in Deutsch­land sehr gut, wenn man sich traut, ihn anzu­bie­ten. Mehr noch: Deut­sche Motor­rad­fah­rer kau­fen mitt­ler­weile anteil­mä­ßig die meis­ten Glit­ter­ling­helme in Europa. Ste­fans Mei­nung nach steht das Ange­bot bei den Händ­lern zwi­schen dem, was die Leute eigent­lich tra­gen wür­den und der Rea­li­tät. Wahr­schein­lich hat er recht. Jah­realte Trau­er­sä­cke sind auch redu­ziert noch jah­realte Trau­er­sä­cke. Das ist mehr als Mode: Mate­ria­lien altern auch, Kevlar/Aramid zum Bei­spiel bei jeder Dosis UV-Licht. Außer­dem ist Motor­rad fah­ren noch Lebens­art, Hobby, ver­dammt! Da geht es auch um gut aus­se­hen, oder zumin­dest albern aus­se­hen, wie die Ver­käufe von Helm­hör­nern, –ohren und –iro­ke­sen­bürs­ten nahelegen.

Händ­ler soll­ten als Kauf­leute wis­sen, wel­che Kund­schaft was will. In die­ser Hin­sicht kann ich sogar ein biss­chen mit­re­den, denn ich bin gelern­ter Kauf­mann. In der Rea­li­tät has­sen die meis­ten Händ­ler ihre Kun­den. Es gibt einen gro­ßen Laden in Würz­burg, in den ich nicht gehe, wenn der Chef am Tre­sen steht — genauso wie viele andere. Einige kom­men gar nicht mehr. Mein Ver­mie­ter wollte dort ein Motor­rad kau­fen und es vor­her fah­ren, ein Mann nahe dem Ren­ten­al­ter mit genug Geld. “Wozu willst du denn das Motor­rad haben, hm?”, blaffte der Chef. Der alte Mann kam natür­lich nie wie­der. Aktu­ell helfe ich gerade einer Freun­din, Motor­rad­sa­chen zu kau­fen. Es ist immer noch so schreck­lich wie bei mir damals. Ein Laden hatte eine Allround-Damenhose in einer Größe. Andere Grö­ßen bestel­len? Klar, wenn du alle kaufst. Wenn so jemand in drei Jah­ren bei sei­ner Geschäfts­auf­gabe dann das Inter­net ver­flucht und “war­ru­uum?!” schreit, muss man ihm die Wahr­heit sagen: Weil du’s nicht raffst, Mann!

Bei Hel­men gibt es noch den meis­ten Mut, und ich habe ein paar beson­ders schöne getes­tet, die es teils sogar im Laden umme Ecke gibt. Wer seine Größe weiß, dem emp­fehle ich jedoch zum eige­nen Bes­ten, im Inter­net zu bestel­len. Und wer einen der fünf guten Motorradsachen-Händler welt­weit im Zugriff hat, sollte Gott auf Knien dan­ken und dort dann mal die bei­den hier ausprobieren:

Shark RSR II Carbon

Shoei XR 1100 (Video)

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