Ich packe meine Sachen: Kleidung

Mit der VFR eine Gewalttour fahren, das fiel mir damals so ein. Jetzt bietet sich mit Hondas VFR-Roadtrip eine an. Eine Gewalttour muss gut vorbereitet sein, deshalb bin ich immer vorbereitet, weil ich so oft gewalttätig fahre. Ich lebe hier praktisch aus meinem Kulturbeutel, was es mir auch erspart, Zahnbürsten in den Badezimmern der Stadt zu verteilen, wie es die Kleingeldprinzessin empfiehlt. Ich kann immer losfahren. Allein. Und das ist der Punkt: Diesmal bin ich nicht allein, sondern wir sind zu acht. Ja, Gruppen können gut funktionieren, wenn sie eingespielt sind. Doch aus unserer Gruppe kenne ich exakt 1,42 Leute persönlich.

Warum das ein Problem ist, erklärt der Forscher (in diesem Fall: ich) damit, dass eine hohe Belastung zu entsprechendem Stress führt. Stress wiederum führt zu Hass. „The hate is very real“, sagte Sir Ranulph Fiennes den „Worst Explorers in the World“, als sie mit dem Auto zum Nordpol fahren wollten. Es fängt allerdings meistens schon weit vor dem Nordpol an, vielleicht schon im Odenwald. Deshalb grüble ich bereits jetzt über die Basics. Leder oder Textil fahren im September? Boxer oder Brazilian String? Wohlfühlen ist gut gegen Stress ist gut gegen Hass. Die Standardlösung wär ja gewesen, in meiner BMW-Kampfkartonjacke zu fahren, aber die widersetzt sich aktuell allen Versuchen, sie für Fotos sauber zu kriegen. Ein Hilfegesuch an BMWs Bekleidungsabteilung ist soeben raus. Vielleicht wissen die was. Tourenleder fände ich ja für Fotos am schönsten, allerdings wird der eiskalte Regen wie es aussieht schon heute nacht in Schnee übergehen, also wird das wohl zu kalt sein.

Waschmaschine nutzlos, Bürste erfolglos, Clemens ratlos

Und dann eben Equipment-Masturbation. Wir werden Foto-Objektive aus geschliffenen Rohdiamanten mitnehmen, eine Batterie von abstrus auflösenden Filmkameras, genug Mikrowellenfunksysteme, um ein kleines Huhn zu garen und genug Navis, dass sie uns vom Hass ablenken, indem sie uns wahnsinnig machen. Es geht überhaupt generell um etwas Ablenkung in der Arbeit. Meine Liste umfasst bis jetzt eine faltbare Reiseschreibmaschine, einen monolithischen MP3-Player, das Gesamtwerk von Samuel Langhorne Clemens, ein Feuerzeug, ein Sack Kabelbinder, ein Fallmesser und zwei Flaschen Talisker, möglichst in Fassstärke.

Das mag jetzt übertrieben erscheinen. Doch das haben meine Begleiter auf der letzten Tour auch gesagt, und dann ist diese unschöne Sache mit den Fleischerhaken und den „Brigitte“-Heften auf dem Linoleumboden passiert. Lieber Vorsicht als Nachsicht.

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