Neu: Kawasaki W 800 2011

Kawa hat ihren Königswellen-Paralleltwin mit knapp 800 Kubik wieder aufgelegt. Schees klees Mopped, aber wie auch die Bonnie viiiel zu leise.

Als 2006 die Kawasaki W 650 nicht mehr in Europa verkauft wurde, haben die Retrofans geschrien, weil das Motorrad so sympathisch war. Mittlerweile fährt Triumph mit ihrer Retroklassikschiene schön Geld ins Haus, und für nächstes Jahr gibt es auch wieder eine Weh von Kawa. Sie haben auch ein Video gedreht dazu, das schön ein Problem dieser Retroeimer zeigt: Sie sind alle derart leise, dass man gar nicht weiß, ob der Motor überhaupt an ist. Beim MO-Dauertester (eine Bonnie) besteht dieses Problem sogar noch mit einem von Lautmacher Maik persönlich ausgewählten Zubehörschalldämpfer: Man hört die Bonnie nicht neben einer serienmäßigen BMW F 800 R.

Die neue W 800 hat eine Einspritzanlage und versucht ansonsten, wie die alte 650er zu sein. Geringe Verdichtung, mehr Schwungmasse, wenig Leistung, ein gemütliches Motörchen zum friedlichen Bodenwellen reiten. Kawasaki gibt sich außerdem Mühe, wo immer möglich Metall zu verwenden anstatt dieses schreckliche Chromplastik, das mich immer an Plastik-Duscharmaturen vom Obi erinnert.

In der Pressemitteilung steht auch eine wichtige Warnung: „TRADITIONELLES FAHRGEFÜHL“ Wer nur moderne Motorräder kennt, hier eine Erklärung: Heutiges Fahrgefühl ist, das gesamte Motorrad (hohes Motorrad) oder einen Teil davon (niedriges, sportliches Motorrad) unter sich durchzudrücken und die Reifen in die Ecken zu werfen (also gefühlt jetzt). Traditionelles Fahrgefühl ist es, wenn es weder Knieschluss noch eine sonstige Integration gibt, man auf dem Motorrad sitzt statt satt integriert und sich das Motorrad unter einem bewegt wie ein Stehaufmännchen. Man drückt es nicht unter sich weg, sondern drückt sich selbst oben weg ins Kurveninnere. Die Feder-/Dämpferelemente fühlen sich bei Retros an wie ein Packen dreckige Unterhosen. Wer das total geil findet, braucht eine dieser Retromaschinen, wenn er nicht gleich einen Klassik-Cruiser fahren will. Und wer will das schon?

Die W 650 fanden viele sympathisch, aber wenige haben sie gekauft. Die Neue hat in einem veränderten Markt bessere Chancen und sieht so aus:

Bilder: Kawasaki

Das Video zeigt: man hört nix

Kawasaki Z 1000 MJ 2010

Ist: wahrscheinlich viel zu leise.
Kostet: ab 8.100 Euro
Leistet: 48 PS (35 kW) bei 6.500 U/min
Stemmt: 62 Nm bei 2.500 U/min aus 773 ccm
Wiegt: 216 kg fahrfertig (Herstellerangabe)
Tankt: 14 Liter, wahrscheinlich ist die Oktanzahl dem Motor egal
Hat: mehr Blech als Plastik, aber auch ein „traditionelles Fahrgefühl“. Also Vorsicht!

Kommentare:

ältere
  • Bernd meinte am 7. Oktober 2010 um 13:41:

    Hallo Clemens,

    was meinste denn mit dieser Aussage?
    “Die Neue hat in einem ver­än­der­ten Markt bes­sere Chan­cen“

    Wie hat sich der Markt in den letzten vier Jahren verändert, das die W800 bessere Chancen haben soll?

    Gruß
    Bernd

  • Clemens Gleich meinte am 7. Oktober 2010 um 18:40:

    Naja, ich meine, dass diese Art Rockabilly-Style aktuell besser ankommt als noch vor kurzem. Sieht man auch am Erfolg der aktuellen Triumph Bonnevilles. Sie ist günstig (wichtig wegen Rezession), unaufgeregt (wichtig wegen alternder Zielgruppe), retro (dito) und man kann sie definitiv gern haben. Aber ich mag mich mit dieser Einschätzung täuschen, vielleicht verkauft sie sich auch genauso mager wie die 650er.

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