Test Kawasaki Z 1000 2010

– Clemens Gleich in Kategorie(n) , – 05.10.2010

Man kann mit viel Auf­wand sein Motor­rad auf voll­for­ma­tig por­no­prol­lig käm­men. Oder man kann ein­fach eine 2010er Kawa­saki Z 1000 kaufen.

Ges­tern, ca. 18.00 Uhr: Ein Ehe­paar in sei­nen Sech­zi­gern steht vor der am Haus gepark­ten Z 1000 und strei­chelt den Schlan­gen­le­der­sitz. Der Mann, nen­nen wir ihn mal rea­li­täts­nah “Herr­mann”, betrach­tet gedan­ken­ver­sun­ken den rost­ro­ten Lack. Genau die Farbe hatte er an sei­nem Opel Sena­tor frü­her, in einer (für ihn) bes­se­ren Zeit. Viel­leicht hatte er sogar mal einen Bit­ter SC, stille Was­ser sind tief. Heute, nach einer Ein­stel­lungs­fahrt mit Nachwuchs-Fastbiker Toby, ca. 16.30 Uhr, große Begeis­te­rung: “Das Teil sieht im Rück­spie­gel aus wie eine Kano­nen­ku­gel vom, was­wei­ßich, Mars oder so.” Vor­hin, ca. 17.15 Uhr, die liebe Mit­be­woh­ne­rin: “Boah, was hast’n da für ‘ne Karre? Geht ja gaar nicht!” Es ist schwer, zur Z 1000 gar keine Mei­nung zu haben. Es ist ein­fach, sie zu has­sen. Sie macht es einem aber auch genauso ein­fach, sie zu mögen — eine Eigen­schaft, die unend­lich wich­tig ist für den teu­ren Her­zens­ge­gen­stand Motorrad.

Wer Proll oder Por­no­dar­stel­ler ist, muss die­ses Motor­rad ein­fach lie­ben. (Bild: Mio)

Das erste Wort, das einem zu so einer Eigen­schaft ein­fällt, ist “Cha­rak­ter”. Und das erste Wort, das einem wie­derum bei der Ver­wen­dung von “Cha­rak­ter” im Kon­text “Motor­rad” ein­fällt, ist “Schrott” — Schrott, der stän­dig im Arsch ist näm­lich. Mit der Z 1000 ist Kawa­saki jedoch offen­bar ange­tre­ten, um zu bewei­sen, dass ein Motor­rad mit Cha­rak­ter trotz­dem gescheit funk­tio­nie­ren darf. So ist die Basis ein­fach ein japa­ni­sches Big Bike, wie es sein sollte. Schau dir das Bild der Z an und stell dir vor, wie das Teil wohl fährt. Fer­tig? Gut. Ziem­lich genau so fährt sie sich. Die Geo­me­trie sorgt für sehr ein­fa­che Fahr­bar­keit, der Motor hat Manie­ren und schau­fel­weise Schub, die Ergo­no­mie geht Nippon-typisch eher in Rich­tung Ita­lie­ner als dass sie deut­sche Holz­fäl­ler hofiert. Über 185 cm ist es nicht mehr per­fekt, bei über 190 cm wird die Sitz­po­si­tion lang­sam albern. Trotz ihrer Optik, die sie groß macht, passt das Sitz­drei­eck für Kleine ziem­lich gut. Ein Kol­lege ist 170 cm, der sieht auf Fotos ziem­lich genau in die Z ein­ge­passt aus. Biss­chen abge­schweift, es ging darum: Die Basics sind alle da, alles funk­tio­niert, alles ist lang­zeit­ge­tes­tet. Italo-Fans mögen es lang­wei­lig fin­den, wenn der Kern des Kraft­werks sta­bil ist, ich für mei­nen Teil brau­che aller­dings keine Kern­schmelze nachts am Stra­ßen­rand der Ucker­mark in mei­nem dann nur noch kur­zen Leben, weil mich die wil­den Wolfs­ru­del Bran­den­burgs zer­rei­ßen, lange, bevor im fah­len Mor­gen­grauen end­lich der ADAC zöger­lich anrückt.

Um die­sen soli­den Grund­auf­bau ste­hen lau­ter Sachen, die man ein­fach lie­ben (oder has­sen) muss. Das mit Abstand Beste ist der Motor. Beim Rum­bum­meln brum­melt er wie jeder andere große Vier­zy­lin­der. Es gibt jedoch einen Bereich, in dem bei Voll­last irgend­wel­che Klap­pen auf­ge­hen wie Tore zur Hölle. Es ist exakt so wie das Duett, das ein T-Rex mit God­zilla zum Anlass des Jüngs­ten Gerichts anstim­men würde. Es ist außer­dem: voll geil. Jeder, der auch nur einen Fit­zel Herz für Ver­bren­nungs­mo­tor­ge­räu­sche hat, wird die­sen Bereich bei jedem Über­hol­vor­gang auf­su­chen und dort einen per­fek­ten Augen­blick lang glück­lich sein. Ziem­lich glück­lich bin ich auch über die schwarz anodi­sier­ten, teil­weise abge­schlif­fe­nen und polier­ten, dann über­la­ckier­ten Alu­fel­gen, die aus­se­hen wie frisch vom Optik-Tuner. Die schwar­zen Fuß­ras­ten sind eben­falls abge­schlif­fen, sodass sie auch im Regen den Grip haben, den ein­fa­che, unbe­han­delte Guss­ras­ten ver­mis­sen las­sen. Die Sitz­bank der rost­brau­nen Vari­ante mit ihrem Schlan­gen­le­der­druck ist die Steil­vor­lage schlecht­hin für Kri­ti­ker. Ich würde die als Käu­fer unbe­dingt haben wol­len (es gibt sie im Werks­zu­be­hör zum Nach­rüs­ten für die ande­ren Farb­va­ti­an­ten). Ich würde mir dann näm­lich Cowboy-Stiefel aus Kro­ko­dil­le­der dazu besor­gen, eine fette Gold­kette und einen Stall vol­ler Nut­ten. Gibt’s bestimmt bald alles im Kawa-Originalzubehör.

Der Fah­rer­sitz ist schlan­gen­le­dern. Der Bei­fah­rer­sitz ist ein Vibrator.

Das Fahr­werk funk­tio­niert kom­pe­tent, tut das aber bei Kälte wie der kom­pe­tente Kol­lege, der kei­nen Bock mehr hat, die innere Kün­di­gung (net­ter Begriff, ne?) schon hin­ter sich. Es arbei­tet kor­rekt, kommt beim Fah­rer aber lust­los an, unwil­lig, obwohl das Rad zwei­fel­los gut dem Boden folgt. Bei den Foto­fahr­ten über Stra­ßen­bahn­schie­nen krachte und klap­perte es, als wür­den wir eine GS foto­gra­fie­ren, weil das Fahr­werk tram­pelte wie eine fette Frau. Als ich mich der Z jedoch mit Bel­zer Duo­grip und Schrau­ben­dre­her näherte, fand ich her­aus, dass das Setup schon ziem­lich opti­mal für die Land­straße ist, da gibt es für mich nichts zu dre­hen. Das Ansprech­ver­hal­ten der Dämp­fer bes­sert sich bei stei­gen­der Dämp­feröl­tem­pe­ra­tur deut­lich, viel­leicht hat der Kol­lege “Fahr­werk” ein­fach genauso die Schnauze gestri­chen voll von Kälte wie unge­fähr jeder Mop­ped­fah­rer, der den letz­ten Win­ter live mit­er­le­ben musste. Bis zur schwer fass­ba­ren glo­ba­len Erwär­mung mit Pal­men­wuchs in Bot­trop muss man auf der Z vor allem an kal­ten Tagen damit leben, dass es über Asphalt­ab­sätze ein biss­chen kracht.

Die schönste Art, eine Kette zu span­nen: pornö­ser Exzenter

In die­sem Jahr bin ich schon­mal Z 1000 gefah­ren, über die sich Kawa­saki bei der Rück­gabe beklagt hat wegen Kor­ro­sion. Auf die­ser ers­ten Tour hat die erste Z nur gele­gent­lich feuch­ten Boden mit Salz­res­ten gese­hen, also war Kor­ro­sion bei die­ser jetzt einen genauen Blick wert. Sie hat bei mir ein­mal kurz Regen gese­hen, auf der Über­füh­rungs­fahrt. Kein Salz. Ob sie vor­her mal Salz abge­kriegt hat, keine Ahnung, sie zeigt kei­nen Rost, wohl aber die­ses typi­sche weiße Auf­blü­hen an Stel­len wie den Bremsschlauch-Fittings. Das wird die Funk­tion der Z nicht son­der­lich beein­träch­ti­gen, es stört halt die pornöse Optik. Es könnte auch Käu­fer stö­ren, nur schrei­ben wir doch mal Tache­les: Motor­rad­fah­rer aus der Por­no­in­dus­trie haben der­zeit keine Alter­na­tive. Jungs, ihr braucht die­ses Motor­rad. Und schickt uns bitte den ers­ten Porno, in dem die Z vor­kommt, als Rezen­si­ons­ex­em­plar in die Redak­tion. Danke.

Ach ja: fährt gut. (Bild: Mio)

Kawa­saki Z 1000 MJ 2010

Ist: Porno.
Kos­tet: 11.295 Euro
Leis­tet: 138 PS (102 kW) bei 9.600 U/min
Stemmt: 110 Nm bei 7.800 U/min aus 1043 ccm
Wiegt: 223 kg voll­ge­tankt
Tankt: 15 Liter Super
Hat: geschlif­fene Ras­ten, geschlif­fene Fel­gen, unge­ho­bel­tes Design und natür­lich einen Exzenter.

“Mio” ist Tanja O’Kelly, die unter mio-fotografie.de für gute Fotos zu errei­chen ist.

Kommentare

  1. Basti - geschrieben am 10. September 2011 um 21:49 Uhr - Kommentar-Link

    Wie ist die Optik bei gro­ßen Fah­rern (1,88+) ? Nur große Jungzzz kom­men in Por­nos vor! ;-)
    Macht mal nen Foto, mit nem Pornomann!

  2. Clemens Gleich - geschrieben am 10. September 2011 um 21:59 Uhr - Kommentar-Link

    Also, ich weiß, dass ein Kol­lege mit 197 cm dar­auf eine sehr gute Figur macht. Ein Foto von ihm hab ich grad aber nicht.

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