Test Honda Crossrunner

– Clemens Gleich in Kategorie(n) , – 14.06.2011

Honda will sich mit dem VFR-Mashup “Crossrun­ner” auf alle Stühle gleich­zei­tig set­zen, ent­spre­chend der Beliebt­heit sol­cher Tall­roun­der. Beim Fah­ren fällt vor allem eines auf: der große grüne Bereich.

Zunächst mal zum Ver­ständ­nis: Der Honda Crossrun­ner ist die Motorrad-Variante die­ser “This-is-Spartaaa!!“-Youtube-Videos. Er greift Sachen auf, die es schon gibt, und reicht sie auf unter­halt­same Weise neu dar, wie wir Jour­na­lis­ten­schnö­sel sagen wür­den. Und um beim Ver­gleich zu blei­ben: Die Honda VFR 800 wäre “300” (also opu­len­ter Pathos mit Sport­am­bi­tio­nen aus der Airbrush-Düse), der Crossrun­ner ist *räus­per* SPARTAAA!! (also nur zum Spaß). Das sage nicht nur ich, das sagen genauso höchst ernste Motor­rad­re­dak­teure. Sie sagen es viel­leicht etwas weni­ger elo­quent, weni­ger ver­wir­rend, weni­ger laut oder sie sagen ein­fach gene­rell weni­ger. Sie sagen vor allem “warum nicht gleich so?” und mei­nen damit den Motor. Der hat jetzt ein durch­gän­gig schön stei­gen­des Dreh­zahl­band, statt die­sen Dreh­mo­ment­sprung beim Umschal­ten auf Vier­ven­til­be­trieb. Die neue VTEC–Abstim­mung dage­gen zieht an die­ser Stelle ein­fach prak­tisch genauso wei­ter wie vor­her — mit dem unter­hal­ten­den Unter­schied, dass es im Umschalt­be­reich plötz­lich klingt, als hätte jemand einen Sack Tep­pichnä­gel in die Ansaug­stut­zen geschüt­tet. Die­ses hei­sere Röh­ren kommt so uner­war­tet aus der Kehle des V4, dass man sich erst erschrickt und ab dann aus­schließ­lich in die­sem akus­tisch sehr grü­nen Bereich fah­ren will.

Das ist der wich­tigste Punkt, denn der V4-VTEC-Motor war schon immer das Unter­hal­tungs­zen­trum der VFR. Der Rest ist solide Basis: gutes Fahr­werk, optisch wie war­tungs­tech­nisch nette Ein­arm­schwinge, hohes Gewicht, bom­ben­feste Zuver­läs­sig­keit. Der Crossrun­ner ist nur etwas höher mit mehr Feder­weg. Der Len­ker sitzt höher. Die Instru­mente sit­zen höher, hin­ter der Scheibe, am Rand eines schwar­zen Lochs aus scheuß­lich häß­li­chen Plas­tik­ver­klei­dun­gen, in das man min­des­tens fünf respekt­lose Bot­schaf­ter der Per­ser wer­fen kann, ohne die Achs­last signi­fi­kant zu ver­än­dern (sowas muss der Käu­fer ja wis­sen!). Der Käu­fer sollte auch wis­sen, dass Honda den Crossrun­ner bei 200 km/h per Begren­zer abre­gelt (betrifft sowohl den fünf­ten als auch den sechs­ten Gang), und das wenig schmuuv. Bei der VFR 1200 mit ihren sanft schlie­ßen­den elek­tro­ni­schen Dros­sel­klap­pen hätte es kei­ner gemerkt, dass sie ohne Abre­gel noch etwas schnel­ler als (echte) 250 km/h lau­fen könnte, wenn sie es nicht gesagt hät­ten. Beim Crossrun­ner haben sie es (mir) vor­her nicht gesagt, was im ers­ten Scho­ck­mo­ment aus­sieht, als wäre der Sprit alle. Mir per­sön­lich ist es ein unüber­seh­ba­rer Graus, wenn ich auf Auto­bah­netap­pen nicht an VW Pas­sats vor­bei­komme. Wer jedoch eh nie schnel­ler als 160 fährt, der hat gerade fünf­zehn Sekun­den sei­nes Lebens sinn­los beim Lesen der letz­ten Sätze verloren.

Schon bei den ers­ten Bil­dern gab es zu die­sem Motor­rad zwei Lager. Die einen woll­ten unbe­dingt fah­ren. Die ande­ren sahen in die­sem Jetski-Design den Unter­gang Hon­das plus der west­li­chen Welt. Die erste Gruppe sollte ihren Plan in die Tat umset­zen und fah­ren. Es fährt so, wie man sich das vor­stellt — bis der Sack Tep­pichnä­gel durch den Ansaug­trakt schnor­chelt. Ab dann wird’s bes­ser. Es gibt Alter­na­ti­ven, die span­nen­der sind. Die KTM 990 SMT zum Bei­spiel. Oder die Ducati Mul­tis­trada 1200. Beide sind (außer teu­rer) auch wesent­lich moder­ner im Auf­bau. Sie sind aller­dings auch um Län­gen unzu­ver­läs­si­ger. Wer also jeden Tag und dann um die Welt fah­ren will, ist mit einem Crossrun­ner bes­ser bedient. Wenn es unspan­nend wer­den sollte: ein­fach in den grü­nen Bereich drehen.

Sieht wie ein Ski-Do aus“, sagte man. „Ist Absicht“, sagte Honda.

Honda Crossrun­ner 2011

Ist: im grü­nen Bereich.
Kos­tet: 10.790 Euro
Leis­tet: 102 PS (75 kW) bei 10.000 U/min
Stemmt: 74 Nm bei 9.250 U/min aus 782 ccm
Wiegt: 240 kg voll­ge­tankt, 433 kg zuläs­si­ges Gesamt­ge­wicht
Tankt: 21,5 Liter Super
Hat: span­nen­dere Kon­kur­ren­ten, die unzu­ver­läs­si­ger sind.

Bil­der: Honda

Woanders wird gesagt …

  1. Gefahren: Honda Crossrunner : Motorsphere - geschrieben am 16. Juni 2011 um 10:01

    […] Quelle: Mojomag […]

Kommentare

  1. Der-Alte Griesgram - geschrieben am 14. Juni 2011 um 21:00 Uhr - Kommentar-Link

    200 km/h darf nicht die Höchst­ge­schwin­dig­keit sein, schon gar nicht von etwas Einspurigem.

  2. Michael - geschrieben am 15. Juni 2011 um 07:02 Uhr - Kommentar-Link

    Stimmt! 200 Sachen sind zu wenig. Das fahr ich ja aus Ver­se­hen schon mal zwi­schen zwei Ort­schaf­ten. Und 240 Kilo sind auch seee­ehr üppig. 220 hät­ten auch gereicht.

    Das Design sieht mir auch zu wenig „schnell“ aus. Ein Jet­ski, ok. Aber ein lang­wei­li­ger. Und hat keine Ups­i­de­down Gabel! Ich wusste gar nicht das es sowas heute noch gibt, abge­se­hen von der BMW F 800.

  3. markus - geschrieben am 15. Juni 2011 um 08:03 Uhr - Kommentar-Link

    An der Upside-down Gabel ist halt gespart wor­den. Der Motor ist ja schon teuer genug. Die oben genannte Kon­kur­renz ist auch geschätzte 5.000 Euro teurer.

  4. Berthold Blickle - geschrieben am 15. Juni 2011 um 21:15 Uhr - Kommentar-Link

    Das hohe Gewicht und die Tele­ga­bel erin­nern ein­fach nur daran, dass es sich beim ledig­lich Cross-Runner um die hoch­bei­nige Neu­auf­lage eines über 10 JAhre alten Motor­rads han­delt.
    Angi­sichts des­sen und der auf mich albern wir­ken­den 200 km/h-Begrenzung soll­ten sich Inter­es­sen­ten mal bei der Kon­ku­renz umse­hen, da gibt’s moder­ners zu ähnli­chen Prei­sen, legen­däre Zuver­läs­sig­keit hin oder her.

  5. butterfly - geschrieben am 16. Juni 2011 um 21:52 Uhr - Kommentar-Link

    hab das ding jetzt mal life gese­hen — ist unge­fähr so lang­wei­lig unin­spi­riert wie auf den bil­dern — das ding kommt nach gene­ra­tio­nen von tdms, v-stroms. tigers und ähnli­chen hoch­ge­setz­ten stra­ßen­bikes (tall bikes nach clemens-nomenklatur) ein­fach einige licht­jahre zu spät auf dem markt und lie­fert nix, was andere nicht schon lang anbie­ten. und den vtec gag könnte honda auch mal wie­der in der mot­ten­kiste ver­schwin­den las­sen, hat schon sei­nen grund warum 99,9 pro­zent aller motor­rä­den ohne diese ’fas­zi­inie­rende’ tech­nik fahren.…

  6. Bike Tour Germany - geschrieben am 23. Juli 2011 um 07:31 Uhr - Kommentar-Link

    Haupt­bild : Alter, du hät­test die drei Pflan­zen am Knie weg-retuschieren sol­len :-)
    Ich dachte schon du bist der HELD und fährst mit dem Ding und DIESEN REIFEN n’ Berg rauf, lach.

  7. Clemens Gleich - geschrieben am 23. Juli 2011 um 11:08 Uhr - Kommentar-Link

    Diese drei Pflan­zen sind das Beste am Bild!

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