WWF 3: Der automatische Erfolgsgipfel

– Clemens Gleich in Kategorie(n) , , , – 24.11.2011

Im ruhmreichen letzten Teil der Wellness-Wander-Fahrzeug-Trilogie stellen wir das weltbeste Gepäcksystem vor (es heißt „Jörg“), überwinden kleinere Hutprobleme und überholen eine Ducati von außen.

Dies ist die Welt, die der kleine Honda-Roller retten wird. So schööön...

Wir leben in einer vernetzten globalisierten Welt, die synergistische Herausforderungen an nachhaltige Nachhaltigkeit mit dem Fehdehandschuh in verdutzte Gesichter schlägt. Auch unser Hobby, das Motorradfahren, muss sich daher gefallen lassen, dass der Bionadestammtisch es hinterfragt: „Muss das denn sein?“ „Also, wirklich jetzt!“ „Aber ist das nicht laut und unsinnig?“ „Komm du mir nach Hause.“ Und so weiter. Wir sind proaktiv vorgegangen, wir haben nicht gewartet, bis die Mitglieder dieses Stammtisches als wütender Mob mit Fackeln aus erneuerbaren Biobrennstoffen vor unserem Tor stehen, nein: Wir haben gehandelt. Wir haben das Projekt WWF in die Welt gerufen, um ebendiese zu retten. Schon die Design-Phase war geprägt von geradezu alkoholisch umwerfenden Erfolgen, die am Ende genauso glorreich weitergeführt werden sollten auf unserer streng geheimen Teststrecke in den verkalkten Alpen.

Die Anreise geht gut mit 200 km/h.

Es gibt zwei große Probleme, mit denen sich alle Alpentourer plagen: Erstens die Anreise, zweitens das Reisegepäck. Wir freuen uns, Ihnen berichten zu können, dass wir beide Probleme restlos befriedigend gelöst haben. Zunächst das Hinkommen: Früher sind die Leute einfach mit dem Motorrad hingefahren. Aber wir wollen auf keinen Fall lange Motorrad fahren! Motorradfahren ist umweltschädlich! Und gefährlich! Viele fahren daher mit einem Hänger an einem Zweispurfahrzeug, zum Beispiel einem Auto oder gleich einem Wohnmobil. Das ist auch umweltschädlich und gefährlich, gleichzeitig jedoch egal, weil das in der Anhängerkonfiguration keiner weiß. Gott schütze uns vor gesellschaftlicher Ächtung. Diese Lösung ist jedoch auch langsam. Langsam wollen wir aber nur auf dem Motorrad. Der Schicklgrubersohn hat die Autobahnen bestimmt nicht zum Dahinschleichen bauen lassen. Hier zeigt sich ein weiterer der unendlichen Vorteile des WWF-Zoomer: Er passt samt großzügigem Gepäck hinten in einen schimmligen Opel Astra Kombi. Der schafft mit Anlauf bergab immerhin 200 km/h, sodass WWF-Fahrer zukünftig doppelt so schnell im Zielgebiet sein können — bei halbem Raumverbrauch!

Vor Ort dann bedrückt den Alpenkradisten sein Gepäck. Wer kennt sie nicht, die traurigen Szenen, wenn ein dicker, steifer, alter Mann versucht, in den schmalen Zwischenraum zwischen Tankrucksackhochhaus und Heckgepäckgebirge zu springen? Es ist ein würdeloses Schauspiel mit dem Tod: 87,3 Prozent aller Motorradtoten in den Alpen gehen auf die Rechnung aggressiver Bepackungsvarianten. Da spricht nur keiner drüber. Nein, für uns Verantwortliche, Verantwortungsvolle vom Projekt WWF war klar, dass die althergebrachten Lösungen zu schlecht sind. Wir wollen 87,3 Prozent weniger Tote. Wir haben daher in unermesslich aufwendiger Entwicklungsarbeit das erste selbstfahrende Gepäcksystem perfektioniert. Es heißt Jörg. Jörg nimmt alles Reisegepäck auf sich, und sollte sich ein Gepäckproblem ergeben, tja: dann stirbt wenigstens nur er. Zum Projekt WWF gehört diesbezüglich auch ein Ehrenfriedhof, auf dem Gepäcksysteme unterirdisch in den wunderbaren Kreislauf zurückrecycled werden. Das ist gelebte (beziehungsweise im Falle Jörgs nicht mehr gelebte) Nachhaltigkeit!

Die Augen sind rot, aber entspannt. Die Füße sind schweißig, stehen aber bereit zum Füßeln. In der Cola ist Rum. Es kann losgehen.

Solcherart versorgt stehen wir ruhig, entspannt und in niedrigem Füßelabstand nahe des Gipfel am höchsten Punkt der Teststrecke. Die Luft ist angenehm temperiert, im Bierdosenhalter hängt eine kalte Cola. Der Fahrer trägt Cowboy-Stiefel mit Absatz, weil ein Absatz weiter nach unten kommt, was Sicherheit beim Füßeln gibt. Somit können selbst Menschen mit negativer Beinlänge vom Zoomer-Sitz aus bequem den Boden erreichen. Den Torso schützt ein Rentiermantel. Rentiere haben in Lappland zahlenmäßig alle anderen Ledertiere ausperformt, weil ihre Haut perfekt ist zum Motorradfahren, so der logische Schluss von Experten. Darum gibt es nichts besser Geeignetes als WWF-Bekleidung. Darüber trägt der Fahrer zwei verschiedenfarbige Warnwesten. Jeder ernsthafte Motorradreisende hat stets mindestens zwei Warnwesten dabei, daran erkennt man ihn. Auf dem Kopf schließlich der Australienhut, über dessen Vorzüge wir uns nicht weiter auslassen müssen, weil wir das letztes Mal schon getan haben.

Wegen Windgeschwindigkeit nötig: fixierende Schurwollmütze über Lederhut

Doch aus dem toten Winkel des Unerwarteten fällt schnell ein Nachteil des Hutes auf: Er kann nicht mit der vom WWF produzierten enormen Windgeschwindigkeit mithalten und wird mehrmals auf die Straße geblasen, wo ihn das Gepäcksystem überrollt. Ratlosigkeit. Die Leistung des Motors ist enorm, der erste Gedanke geht natürlich in Richtung Drosselung. Mehrere kW sind ohnehin unziemliche Hoffart, Wahnwitz gar, bedenkt man, dass ein Goldfisch sein Leben lang ohne sie auskommt. Detuning scheint der beste Weg. Doch es ergibt sich eine schnellere Lösung zumindest für den Moment: Die zweite Warnweste hält den Hut als Kopftuch. Wohlgemerkt: Der Fahrer bleibt sichtbar geschützt, denn er trägt ja noch eine andere darunter. Wohl dem, der immer mehrere Warnwesten bei sich trage! Später rüsten wir das System durch eine Schurwollkappe auf, die den Hut über geflochtene Kinnbänder fixiert — alles Bio!

Von diesem Punkt an laufen die Tests wie geschmiert, als habe der Herrgott eine Armee von Englein nur für unseren Erfolg abgestellt. Die vormaligen Bedenken, es könne am Berg etwas durch überhitzen passieren, macht Hondas Over-Engineering haltlos: Eine Wasserkühlung mit seitlichem, steinschlaggeschützten Kühler nebst Gebläse sorgt selbst nach stundenlangem Dauervollgas für Temperaturen, die Handwärme kaum übersteigen. Dabei verbrauchte der Einzylinder unter zwei Liter pro hundert Kilometer in bemerkenswerter Laufkultur. Es ist mit Abstand der kultivierteste Einzylinder, mit dem wir je in den Alpen waren — Indianerehrenwort!

Verdorben durch BMWs, die alle zu viel leisten (die S 1000 RR mit ihren gotteslästerlichen 200 PS!), bewarfen uns Häretiker der Alpenlehre in ihrer eitlen Leistungsgier mit schrägen Blicken. Doch der WWF-Zoomer hatte keinerlei Probleme, sich zu behaupten. Als der Fahrer eine Ducati ST3 außen überholen muss, ist die Lage klar: Das Projekt WWF hat den vollwertigen Alpentourer geschaffen. Noch mehr Beweise für seine Perfektion zu suchen, wäre Eitelkeit, also eine Todsünde. Dennoch können wir es uns nicht verkneifen, weitere Fahrer zum Probieren zu zwingen: Sie stiegen alle mit einem breiten Grinsen von Bauchnabel zu Bauchnabel ab, man kann es nicht anders sagen.

Was wird der WWF-Zoomer also verändern? Wenig, das ist ja das Gute. Er passt in alpenübliche Reisegeschwindigkeiten, in die üblichen Nutzungsprofile. Doch er macht im Gegebenen alles besser. Er ist also eine Lösung passgenau für das aktuelle Problem, dessen CO2-Impact-Footprint er mindert, bis die erlösend erleuchteten Zeiten kommen, in denen wir als Gesellschaft die Lust zum sinnlos, blöde und gefährlich in der Gegend herumfahren vollkommen abgelegt haben. Und er ebnet den Weg dorthin.

...und siegreich zogen wir von dannen, mein Koffer Jörg und ich...

Schockierende Filmaufnahmen vom Berg und dieser Ducati

Kommentare

  1. Gerald H - geschrieben am 25. November 2011 um 18:54 Uhr - #

    Verstehe ich das Gelesene richtig? Hoch ist ist das „Motorrad“ als Gepäck gefahren, im Sattel saß der Fahrer nur abwärts. Oder musste der Zoomer auch mal eine Steigung nehmen? Wenn ja, wie (schnell)?

  2. Gerald H - geschrieben am 25. November 2011 um 19:48 Uhr - #

    Gerade das Video gesehen, das alle meine Fragen beantwortet. Jedenfalls alle meine Fragen zu diesem speziellen Thema. Obwohl, doch nicht. Was war die Geschwindigkeit bergauf ohne Fußnachhilfe? 5 km/h? Negativ?

  3. Clemens Gleich - geschrieben am 27. November 2011 um 20:01 Uhr - #

    Die Geschwindigkeit bergauf lag je nach Steigung meist zwischen 7 und 11 km/h, mit über 20 (!) km/h an den (wenigen) weniger steilen Streckenabschnitten. Das ist mehr als genug.

  4. fiete - geschrieben am 5. Dezember 2011 um 23:46 Uhr - #

    Moin.
    Du bist der Beste ………m it Ab stand !!

  5. fiete - geschrieben am 5. Dezember 2011 um 23:49 Uhr - #

    Wenn Du ein Kind von mir willst …….. um Himmels Willen …. bitte melde Dich !

  6. Dieter Liessmann - geschrieben am 6. Dezember 2011 um 17:36 Uhr - #
  7. Clemens Gleich - geschrieben am 6. Dezember 2011 um 17:57 Uhr - #

    Dieter! How very wonderful!

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