The Mojo Awards 2011/2012

– Clemens Gleich in Kategorie(n) , – 30.12.2011

Ich bewerte die bes­ten, schlech­tes­ten und ander­wei­tig super­la­ti­vigs­ten oder erwäh­nens­wer­ten Leis­tun­gen des selt­sa­men Jah­res 2011.

Das Mojo-Motorrad des Jah­res 2011

Sechs Zylin­der, ein Affe. So fing 2011 schon an. (Bild: BMW)

2011 war ein sehr selt­sa­mes Jahr, was sich auch in den Motor­rä­dern gezeigt hat. Die Kund­schaft wird immer älter und fet­ter, des­halb ist das ein­zige Sport­mo­tor­rad, das sich noch rele­vant ver­kauft, diese BMW, und in Bolo­gna, dem Geburts­ort wah­rer Sport­göt­tin­nen, bauen sie mit der Ducati Dia­vel jetzt in Rich­tung Chop­per — nicht, weil sie unbe­dingt wol­len, son­dern weil die Kun­den wol­len. Nur BMW schafft es gele­gent­lich, Duca­tis Hightech-Wahn zu top­pen, die­ses Jahr, indem sie einen Rei­hen­sechs­zy­lin­der quer in ein gigan­ti­sches Motor­rad ramm­ten: die BMW K 1600 GT. Bei­des sind Zei­chen der Zeit, aller­dings sind es keine rich­ti­gen Motor­rä­der, wes­we­gen sie sich den drit­ten Platz als hal­bes Motor­rad des Jah­res tei­len müs­sen. Leich­ten Applaus, bitte.

Der Beste Neo-Sporttourer: Kawa­saki Z 1000 SX (Bild: Roland Wildberg)

Der Sport­tou­rer ist wie ange­sagt tot. ZZR, VFR, ‘Busa, alles, wonach sich das vor­frie­si­sche Flach­land frü­her die Fin­ger leckte, das will jetzt kei­ner mehr. Wer­den eben auch älter, die Nord­deut­schen. Inter­es­san­ter­weise ver­kauft sich das fast selbe Kon­zept sehr gut, wenn man es tou­rig von einem Naked Bike ablei­tet. Motor­rä­der wie die Yamaha Fazer sind wei­ter­hin beliebt, und wer keine Fazer will, weil es eine Yamaha ist, wer gene­rell den bes­ten Ver­tre­ter die­ser Gat­tung haben will, der muss unbe­dingt mal Kawa­saki Z 1000 SX fah­ren. Das ist eine knur­rige Kawa und gleich­zei­tig trotz­dem sehr deutsch. Was Bes­se­res gibt es der­zeit für Tou­ren­fah­rer nicht, und des­halb: zwei­ter Platz für die Kawa! Neben­aus­zeich­nung als bes­tes Deut­schen­mo­tor­rad! Don­nern­der Applaus, bitte.

Und schließ­lich… Ach, reden wir nicht lange drum­rum: Das Motor­rad des Jah­res 2011 ist die Tri­umph Street Triple R. Sie kann die­sen Titel abstau­ben, weil Tri­umph ihr drei neue Plas­tik­teile geschnitzt hat, was sie zu einem 2011er-Modell macht. Sie ist das Best Bike Evar, weil sie alles kann. Ein Motor­rad ist jedoch heute ein bis­serl mehr als eine Maschine, es ist (nüch­tern gesagt) eine Frei­zeit­be­schäf­ti­gung. Tri­umph ver­kauft des­halb außen um die Streety (genau wie um die Day­tona) eine Erleb­nis­welt: Kla­mot­ten mit James-Dean-Unterschrift oder Steve-McQueen-Foto drauf, ein groß­ar­ti­ges Rennstrecken-Event, einen Marken-Cup. Ers­ter Platz! Con­nois­seu­ri­ges Kopf­ni­cken (“ich wusste es!”) und mit Scotch ansto­ßen, bitte.

Mot­or­gas­mus! Marken-Cup! Best Bike Evar und of ze Year 2011. (Bild: Triumph)

Und schließ­lich, weil ich auf­grund mei­ner durch täg­li­ches Scotch trin­ken erwor­be­nen hell­sich­ti­gen Fähig­kei­ten in die Zukunft gucken kann, ver­rate ich auch das Mojo-Motorrad des Jah­res 2012: Es ist die Ducati 1199 Pani­gale! Besof­fe­nes mit-den-Füßen-trampeln, bitte.

Das Auto des Jah­res 2011

In letz­ter Zeit hatte ich so viel mit Autos zu tun wie seit mei­ner (Nicht-)Kindergartenzeit nicht mehr, als ich große Kis­ten vol­ler Matchbox-Autos über Sprung­schan­zen an zuneh­mend ver­nar­bende Holz­tü­ren warf. Des­halb bin ich auch dort ein Experte, sagen Experten.

  • Auuf Platz drei: der Nis­san GTR, weil diese fah­rende Play­sta­tion in unter drei Sekun­den auf 100 km/h ist und Leu­ten in Kur­ven den Hals bricht mit ihrem Grip.
  • Auuf Platz zwei: der Lam­bor­ghini Aven­ta­dor, weil… schau ihn dir ein­fach an. Mach ein paar Flü­gel dran und die Amis wer­fen dich damit als Stealth-Bomber-Pilot auf den Iran.
  • Auuf Platz eins: der BMW 1 M, weil er das Auto-Äquivalent der Tri­umph Street Triple R ist.

BMW 1 M Coupe: Die Tri­umph Street Triple R des Auto-Mannes. (Bild: BMW)

Moving on…

Der Rokker-Award

Es ist eine unter Exper­ten bekannte Tat­sa­che, dass Rokker-Jeans die bru­tal teu­ers­ten, aber auch die bes­ten Motorrad-Jeans der Welt sind. Man kann es aller­dings auch über­trei­ben. Als ich mit Toby für MO das Shoot-Out zwi­schen der Kawa­saki ZX-10 R und der KTM RC8 R hoch über den Wol­ken ver­an­stal­tete, trug er für die Fotos die schwarze Rok­ker (Modell “Rokk­star“). Gute Ent­schei­dung. Als wir danach unter den Wol­ken fünf Stun­den lang durch neun Grad kal­ten Regen nach Stutt­gart zurück­fuh­ren, trug er jedoch immer noch die Rok­ker. Nicht so gute Ent­schei­dung, aber immer­hin Hard­core. Ich habe ihm daher das pornös gol­den bedruckte Rokker-Shirt ver­lie­hen, von dem er mir ein Foto machen sollte, das aber ver­ges­sen hat. Des­halb hier statt­des­sen das Bild eines Aschen­be­chers mit einer Kippe drin, die er von mir geschnorrt hat:

Das ist übri­gens die Bar des Dorinth-Hotels am Nür­burg­ring, an die uns der ver­reckte Ford Tran­sit zwang.

Most pro­fes­sio­nal Redaktion

Wann immer ich mit ziem­lich egal wem über den Springer-Verlag spre­che, muss ich an den Hooligan-Spruch den­ken: “No one likes us. We don’t care.” Daran muss ich über­haupt bei eini­gen Unter­neh­mun­gen den­ken, viel­leicht, weil ich sel­ber so ein Hool bin. Jeden­falls has­sen viele Sprin­ger, es gibt dort aber ein paar sehr gute Leute. Es ist wie bei der Motor­rad, nur in grö­ßer. Ich habe durch meine Arbeit schon sehr viele ver­schie­dene Redak­tio­nen von innen gese­hen — keine davon effi­zi­en­ter, pro­fes­sio­nel­ler als die bei Sprin­ger. Das schreibe ich des­halb hier, weil es ein­fach ist, die­sen Ver­lag zu has­sen, wenn man diese Leute nicht kennt. Es wäre auch ein­fach für mich, Dis­tanz zu simu­lie­ren, mit­zu­schimp­fen. Ein­fach und feige. Des­halb ver­leihe ich den guten Men­schen die­sen Bocks­beu­tel Domina, der mich auf fins­te­ren Kanä­len von den Bay­ri­schen Spiel­ban­ken erreicht hat. Ich hoffe, dass der reicht, um mich an den Mossad-Sicherheitsschleusen am Ein­gang vor­bei­zu­schlei­men, um den gan­zen Tag Pater­nos­ter zu fah­ren und es “Arbeit” zu nennen.

Ernied­ri­gendste Rennsportveranstaltung

Der Preis für die ernied­ri­gendste Renn­sport­ver­an­stal­tung ging 2010 an die FIM E-Power Dingsda. Das sollte eine Elek­tro­mo­tor­rad­renn­se­rie wer­den, wurde aller­dings eine Farce:

2011 dann kam eine Pres­se­mit­tei­lung eines Renn­mo­tor­rads mit “end­lich so schnell wie ein Ver­bren­ner!”. Sie mein­ten: Ihr abstru­ser Appa­rat hatte eine Stra­ßen­renn­stre­cke auf Slicks im sel­ben Tempo umrun­det wie ein Gelände-Einzylinder. Ich habe einen Elek­tro­mo­tor in mei­nem Rasie­rer und musste mich trotz­dem mit­schä­men für diese Bla­mage. Des­halb ver­leihe ich 2011 ein pein­lich berühr­tes Hus­ten pau­schal an die gesamte Elek­tro­renn­mo­tor­rad­szene, weil es ganz ehr­lich egal ist, wer diese Comedy ver­an­stal­tet. Downhill-Bobbycar ist seriö­ser. Und schneller.

Wie man es rich­tig machen könnte

Beste jour­na­lis­ti­sche Leistung

Es ist immer etwas schwie­rig, den bes­ten Kan­di­da­ten eines gan­zen Fel­des zu küren. Was, fragt sich die Jury, defi­niert denn die Pro­fes­sion Jour­na­lis­mus an sich? Die­ses Mal war es sehr ein­fach. Der Preis für die beste jour­na­lis­ti­sche Leis­tung geht an Alex­an­der Mayer dafür, den Jour­na­lis­mus auf sei­nen unver­zicht­ba­ren Kern redu­ziert zu haben: den Alko­hol. Kon­fron­tiert damit, irgend­ei­nen Klapp­helm tes­ten zu sol­len, ver­klappte er das Frei­bier in sei­nen Kopf und flüch­tete in der Früh, bevor ihm jemand so einen Klapp­hut ver­ord­nen konnte. Ich ver­leihe ihm ein “Cha­peau”, das ist schot­tisch und heißt “aner­ken­nen­des Prost mit Malt Whisky”.

Bier and Loat­hing am Klapphelm

Schlech­tes­ter Artikel

Der begehrte Preis für den schlech­tes­ten Arti­kel 2011 geht an mich! Ich ver­leihe mir zehn Liter Guin­ness für mei­nen vom Teu­fel beses­se­nen Irland-Artikel, des­sen pure Lek­türe dazu führt, dass sämt­li­che Leser danach nicht mehr mit mir spre­chen. Mit die­ser Leis­tung schaffe ich das Unmög­li­che und schlage den Dauer­ti­tel­fa­vo­ri­ten Jeff Jarvis.

Bes­ter Boss

Meine erste Arbeits­stelle hatte einen Chef, der eine Küche in sei­nem Büro hatte, in der ich in einem Anfall von (mei­ner) Nor­ma­li­tät einen ver­we­sen­den gan­zen Lachs zu Kohle briet. Dass er mich danach den­noch noch zu sei­nen Pool-Parties am Grill ein­ge­la­den hat, spricht Bände über seine Güte als Chef — denn wozu sind Chefs sonst da, wenn sie nicht wenigs­tens gele­gent­lich ihr Geld mit mir tei­len? Sowas ist schwer zu top­pen, vor allem, weil ich ja seit Jah­ren kei­nen Chef mehr habe. Ich habe aller­dings tem­po­räre Chefs, wenn ich mich vor­über­ge­hend in Redak­tio­nen hin­ein­ku­schele, um mich fürs beheizt wer­den bezah­len zu las­sen. Einer davon war 2011 Ans­gar Heise, der mir sei­nen Mase­rati Quat­to­porte gege­ben hat, damit ich damit in sei­nen Medi­en­ob­jek­ten her­um­trol­len konnte. Das ist jetzt das neue “schwer zu top­pen”. Ich ver­leihe ihm als Preis meine Bereit­schaft, ihm jeder­zeit wie­der die bedrü­ckend schwe­ren Zünd­schlüs­sel für die­sen Wagen abzunehmen.

Mein Tausend-Jahre-Blick. Wegen Mafia-Auto und so. (Bild: die­ses Heise-Mädel, des­sen Namen ich ver­ges­sen hab)

Längste Nacht­schicht

Es gibt wenige Men­schen, die mit mir in mei­nen Nacht­schicht­pha­sen vol­ler Kof­fein und Hal­lu­zi­na­tio­nen kon­kur­rie­ren kön­nen. Einer davon ist die alte Oschers­le­ber René, der Mojo­ma­schi­nen­me­cha­ni­ker. Oft habe ich ihn 2011 nachts um drei ange­ru­fen, weil der Motor etwas mager lief oder die Elek­trik zuckte, stets hatte ich das Gefühl, dass er erst vor einer hal­ben Stunde gefrüh­stückt hatte. Ich ver­leihe ihm daher die Traum­ma­schine Sega Dream­cast, was den wei­te­ren Vor­teil hat, dass er der Ein­zige in mei­nem Bekann­ten­kreis ist, der die­ses skur­rile Gerät zu wür­di­gen, zu pro­gram­mie­ren gar! weiß.

Damit sind wir am Ende. Das Jahr ist rum. Und obwohl es sehr selt­sam war, obwohl es erfreu­li­che­res gab als die­sen Herbst, stimmt mich der Win­ter milde. Wir wer­den bei Heise Autos mit der best­denk­ba­ren Beset­zung ins neue Jahr gehen, ich schiebe soeben ein wei­te­res wich­ti­ges Medi­en­wan­de­laus­pro­bier­pro­jekt an den Start und es gibt zwei wei­tere höchst erfreu­li­che Dinge, die ich nur als erfreu­lich mar­kie­ren kann, weil sie ansons­ten strickt­lieh kon­fi­den­schl sind. Dar­auf einen Toast! Ent­zün­den wir den Sprengstoff!

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