The Mojo Awards 2011/2012

Ich bewerte die besten, schlechtesten und anderweitig superlativigsten oder erwähnenswerten Leistungen des seltsamen Jahres 2011.

Das Mojo-Motorrad des Jahres 2011

Sechs Zylinder, ein Affe. So fing 2011 schon an. (Bild: BMW)

2011 war ein sehr seltsames Jahr, was sich auch in den Motorrädern gezeigt hat. Die Kundschaft wird immer älter und fetter, deshalb ist das einzige Sportmotorrad, das sich noch relevant verkauft, diese BMW, und in Bologna, dem Geburtsort wahrer Sportgöttinnen, bauen sie mit der Ducati Diavel jetzt in Richtung Chopper — nicht, weil sie unbedingt wollen, sondern weil die Kunden wollen. Nur BMW schafft es gelegentlich, Ducatis Hightech-Wahn zu toppen, dieses Jahr, indem sie einen Reihensechszylinder quer in ein gigantisches Motorrad rammten: die BMW K 1600 GT. Beides sind Zeichen der Zeit, allerdings sind es keine richtigen Motorräder, weswegen sie sich den dritten Platz als halbes Motorrad des Jahres teilen müssen. Leichten Applaus, bitte.

Der Beste Neo-Sporttourer: Kawasaki Z 1000 SX (Bild: Roland Wildberg)

Der Sporttourer ist wie angesagt tot. ZZR, VFR, ‚Busa, alles, wonach sich das vorfriesische Flachland früher die Finger leckte, das will jetzt keiner mehr. Werden eben auch älter, die Norddeutschen. Interessanterweise verkauft sich das fast selbe Konzept sehr gut, wenn man es tourig von einem Naked Bike ableitet. Motorräder wie die Yamaha Fazer sind weiterhin beliebt, und wer keine Fazer will, weil es eine Yamaha ist, wer generell den besten Vertreter dieser Gattung haben will, der muss unbedingt mal Kawasaki Z 1000 SX fahren. Das ist eine knurrige Kawa und gleichzeitig trotzdem sehr deutsch. Was Besseres gibt es derzeit für Tourenfahrer nicht, und deshalb: zweiter Platz für die Kawa! Nebenauszeichnung als bestes Deutschenmotorrad! Donnernder Applaus, bitte.

Und schließlich… Ach, reden wir nicht lange drumrum: Das Motorrad des Jahres 2011 ist die Triumph Street Triple R. Sie kann diesen Titel abstauben, weil Triumph ihr drei neue Plastikteile geschnitzt hat, was sie zu einem 2011er-Modell macht. Sie ist das Best Bike Evar, weil sie alles kann. Ein Motorrad ist jedoch heute ein bisserl mehr als eine Maschine, es ist (nüchtern gesagt) eine Freizeitbeschäftigung. Triumph verkauft deshalb außen um die Streety (genau wie um die Daytona) eine Erlebniswelt: Klamotten mit James-Dean-Unterschrift oder Steve-McQueen-Foto drauf, ein großartiges Rennstrecken-Event, einen Marken-Cup. Erster Platz! Connoisseuriges Kopfnicken (“ich wusste es!“) und mit Scotch anstoßen, bitte.

Motorgasmus! Marken-Cup! Best Bike Evar und of ze Year 2011. (Bild: Triumph)

Und schließlich, weil ich aufgrund meiner durch tägliches Scotch trinken erworbenen hellsichtigen Fähigkeiten in die Zukunft gucken kann, verrate ich auch das Mojo-Motorrad des Jahres 2012: Es ist die Ducati 1199 Panigale! Besoffenes mit-den-Füßen-trampeln, bitte.

Das Auto des Jahres 2011

In letzter Zeit hatte ich so viel mit Autos zu tun wie seit meiner (Nicht-)Kindergartenzeit nicht mehr, als ich große Kisten voller Matchbox-Autos über Sprungschanzen an zunehmend vernarbende Holztüren warf. Deshalb bin ich auch dort ein Experte, sagen Experten.

  • Auuf Platz drei: der Nissan GTR, weil diese fahrende Playstation in unter drei Sekunden auf 100 km/h ist und Leuten in Kurven den Hals bricht mit ihrem Grip.
  • Auuf Platz zwei: der Lamborghini Aventador, weil… schau ihn dir einfach an. Mach ein paar Flügel dran und die Amis werfen dich damit als Stealth-Bomber-Pilot auf den Iran.
  • Auuf Platz eins: der BMW 1 M, weil er das Auto-Äquivalent der Triumph Street Triple R ist.
BMW 1 M Coupe: Die Triumph Street Triple R des Auto-Mannes. (Bild: BMW)

Moving on…

Der Rokker-Award

Es ist eine unter Experten bekannte Tatsache, dass Rokker-Jeans die brutal teuersten, aber auch die besten Motorrad-Jeans der Welt sind. Man kann es allerdings auch übertreiben. Als ich mit Toby für MO das Shoot-Out zwischen der Kawasaki ZX-10 R und der KTM RC8 R hoch über den Wolken veranstaltete, trug er für die Fotos die schwarze Rokker (Modell „Rokkstar“). Gute Entscheidung. Als wir danach unter den Wolken fünf Stunden lang durch neun Grad kalten Regen nach Stuttgart zurückfuhren, trug er jedoch immer noch die Rokker. Nicht so gute Entscheidung, aber immerhin Hardcore. Ich habe ihm daher das pornös golden bedruckte Rokker-Shirt verliehen, von dem er mir ein Foto machen sollte, das aber vergessen hat. Deshalb hier stattdessen das Bild eines Aschenbechers mit einer Kippe drin, die er von mir geschnorrt hat:

Das ist übrigens die Bar des Dorinth-Hotels am Nürburgring, an die uns der verreckte Ford Transit zwang.

Most professional Redaktion

Wann immer ich mit ziemlich egal wem über den Springer-Verlag spreche, muss ich an den Hooligan-Spruch denken: „No one likes us. We don‘t care.“ Daran muss ich überhaupt bei einigen Unternehmungen denken, vielleicht, weil ich selber so ein Hool bin. Jedenfalls hassen viele Springer, es gibt dort aber ein paar sehr gute Leute. Es ist wie bei der Motorrad, nur in größer. Ich habe durch meine Arbeit schon sehr viele verschiedene Redaktionen von innen gesehen — keine davon effizienter, professioneller als die bei Springer. Das schreibe ich deshalb hier, weil es einfach ist, diesen Verlag zu hassen, wenn man diese Leute nicht kennt. Es wäre auch einfach für mich, Distanz zu simulieren, mitzuschimpfen. Einfach und feige. Deshalb verleihe ich den guten Menschen diesen Bocksbeutel Domina, der mich auf finsteren Kanälen von den Bayrischen Spielbanken erreicht hat. Ich hoffe, dass der reicht, um mich an den Mossad-Sicherheitsschleusen am Eingang vorbeizuschleimen, um den ganzen Tag Paternoster zu fahren und es „Arbeit“ zu nennen.

Erniedrigendste Rennsportveranstaltung

Der Preis für die erniedrigendste Rennsportveranstaltung ging 2010 an die FIM E-Power Dingsda. Das sollte eine Elektromotorradrennserie werden, wurde allerdings eine Farce:

2011 dann kam eine Pressemitteilung eines Rennmotorrads mit „endlich so schnell wie ein Verbrenner!“. Sie meinten: Ihr abstruser Apparat hatte eine Straßenrennstrecke auf Slicks im selben Tempo umrundet wie ein Gelände-Einzylinder. Ich habe einen Elektromotor in meinem Rasierer und musste mich trotzdem mitschämen für diese Blamage. Deshalb verleihe ich 2011 ein peinlich berührtes Husten pauschal an die gesamte Elektrorennmotorradszene, weil es ganz ehrlich egal ist, wer diese Comedy veranstaltet. Downhill-Bobbycar ist seriöser. Und schneller.

Wie man es richtig machen könnte

Beste journalistische Leistung

Es ist immer etwas schwierig, den besten Kandidaten eines ganzen Feldes zu küren. Was, fragt sich die Jury, definiert denn die Profession Journalismus an sich? Dieses Mal war es sehr einfach. Der Preis für die beste journalistische Leistung geht an Alexander Mayer dafür, den Journalismus auf seinen unverzichtbaren Kern reduziert zu haben: den Alkohol. Konfrontiert damit, irgendeinen Klapphelm testen zu sollen, verklappte er das Freibier in seinen Kopf und flüchtete in der Früh, bevor ihm jemand so einen Klapphut verordnen konnte. Ich verleihe ihm ein „Chapeau“, das ist schottisch und heißt „anerkennendes Prost mit Malt Whisky“.

Bier and Loathing am Klapphelm

Schlechtester Artikel

Der begehrte Preis für den schlechtesten Artikel 2011 geht an mich! Ich verleihe mir zehn Liter Guinness für meinen vom Teufel besessenen Irland-Artikel, dessen pure Lektüre dazu führt, dass sämtliche Leser danach nicht mehr mit mir sprechen. Mit dieser Leistung schaffe ich das Unmögliche und schlage den Dauertitelfavoriten Jeff Jarvis.

Bester Boss

Meine erste Arbeitsstelle hatte einen Chef, der eine Küche in seinem Büro hatte, in der ich in einem Anfall von (meiner) Normalität einen verwesenden ganzen Lachs zu Kohle briet. Dass er mich danach dennoch noch zu seinen Pool-Parties am Grill eingeladen hat, spricht Bände über seine Güte als Chef — denn wozu sind Chefs sonst da, wenn sie nicht wenigstens gelegentlich ihr Geld mit mir teilen? Sowas ist schwer zu toppen, vor allem, weil ich ja seit Jahren keinen Chef mehr habe. Ich habe allerdings temporäre Chefs, wenn ich mich vorübergehend in Redaktionen hineinkuschele, um mich fürs beheizt werden bezahlen zu lassen. Einer davon war 2011 Ansgar Heise, der mir seinen Maserati Quattoporte gegeben hat, damit ich damit in seinen Medienobjekten herumtrollen konnte. Das ist jetzt das neue „schwer zu toppen“. Ich verleihe ihm als Preis meine Bereitschaft, ihm jederzeit wieder die bedrückend schweren Zündschlüssel für diesen Wagen abzunehmen.

Mein Tausend-Jahre-Blick. Wegen Mafia-Auto und so. (Bild: dieses Heise-Mädel, dessen Namen ich vergessen hab)

Längste Nachtschicht

Es gibt wenige Menschen, die mit mir in meinen Nachtschichtphasen voller Koffein und Halluzinationen konkurrieren können. Einer davon ist die alte Oschersleber René, der Mojomaschinenmechaniker. Oft habe ich ihn 2011 nachts um drei angerufen, weil der Motor etwas mager lief oder die Elektrik zuckte, stets hatte ich das Gefühl, dass er erst vor einer halben Stunde gefrühstückt hatte. Ich verleihe ihm daher die Traummaschine Sega Dreamcast, was den weiteren Vorteil hat, dass er der Einzige in meinem Bekanntenkreis ist, der dieses skurrile Gerät zu würdigen, zu programmieren gar! weiß.

Damit sind wir am Ende. Das Jahr ist rum. Und obwohl es sehr seltsam war, obwohl es erfreulicheres gab als diesen Herbst, stimmt mich der Winter milde. Wir werden bei Heise Autos mit der bestdenkbaren Besetzung ins neue Jahr gehen, ich schiebe soeben ein weiteres wichtiges Medienwandelausprobierprojekt an den Start und es gibt zwei weitere höchst erfreuliche Dinge, die ich nur als erfreulich markieren kann, weil sie ansonsten stricktlieh konfidenschl sind. Darauf einen Toast! Entzünden wir den Sprengstoff!

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