Giri: CEO in Japan sein

Zu meinem Japan-Artikel in MO damals gab es einige interessierte Nachfragen, vor allem zum „Giri“, dem sozialen System gegenseitiger Pflichterfüllung. Giri bedeutet in etwa „der richtige Grund“, und kürzlich ist mir ein sehr gutes Beispiel über den Weg gelaufen, in dem ein Motorrad vorkommt. Als Japan von diesen schweren Erdbeben zerstört wurde, zog das auch das Honda-Werk in Tochigi (etwa 100 km nördlich von Tokio) in Mitleidenschaft. Ein Mitarbeiter starb dort, als die Wand einer Cafeteria zusammenbrach, siebzehn weitere wurden verletzt. Die Lage war unklar, aber man kann sich vorstellen, dass sie auch unentspannt war. Zeit, zu zeigen, dass es einen Boss gibt, der selbst in so einer Krise seine Pflicht tut: Giri. Konkret fuhr Boss Takanobu Ito von seinem Haus mit einer CB 1100 (ein Classic Naked, gibt es in Europa nicht) durch die Schuttfelder und gesperrten Straßen zum Werk, weil ein Auto dort nicht durchpasste. „Nach dem Erdbeben waren viele Straßen gesperrt“, sagte Ito-San. „Ich fuhr mit meinem Motorrad an den Sperren vorbei und das hat geklappt.“

Honda-CEO Takanobu Ito auf seiner perlweißen CB 1100: „Bin damit einfach an den Sperren vorbeigefahren.“ (Bild: Honda)

Der 57-jährige Herr Ito ist mein eines schönes Beispiel für das, was wir hier kaum mitbekommen haben: Eine regelrechte Wiederauferstehung der Industrie Japans trotz Erdbeben, trotz Tsunami, trotz Atom-GAU, trotz Wirtschaftskrise. Ich habe es ja gesagt:

Japan rettet sich selbst

Kommentare:

ältere
  • Clemens Gleich meinte am 20. Februar 2012 um 12:53:

    Und bevor es ein Anderer sagt: Ja, jetzt müssen sie nur noch wieder anfangen, gescheite, neue, marktgerechte Motorräder zu entwickeln. Ich meine euch, Suzuki und Yamaha!

  • Frank Kemper meinte am 20. Februar 2012 um 13:03:

    Also, die neue V-Strom ist ein prima Gerät geworden, finde ich. Ansonsten hast du natürlich wie immer recht.

  • Clemens Gleich meinte am 20. Februar 2012 um 13:10:

    Da haben sie ja nun wirklich nicht viel dran gemacht. Die war schon vorher gut. Blättere gelegentlich im aktuellen Tourenfahrer, in dem sie (sehr unüblich für Deutschland) einen Vergleichstest gegen die BMW GS gewinnt.

  • sinsser meinte am 22. Februar 2012 um 9:55:

    Ja, Ja, ist ja gut.
    Die V-Strom ist ein gutes Motorrad, ja.
    Mag sein.

    Aber auf keine Skala ist sie soweit vorne wie auf der Hässlichkeitsskala. Auch hier genau einen Platz vor der GS 1200.

    Sorry, ein wenig Ästhetik darf´s bei meinem Mopped schon sein.
    Funktionalität hat ja meine Pandlerkarre ausreichend.

    Deshalb würde ich einen solchen Eimer höchstens als Pandlerkarre akzeptieren.

    Da liegt übrigens auch (in Teilen) das Problem Japans. Sie wollen zuviel GUT bauen und zu wenig SCHÖN.

  • Winfried V. Berlepsch meinte am 27. Februar 2012 um 11:41:

    /me like.

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