Bier and Loathing: Ich fahre Citroen DS5 Hybrid4

– Clemens Gleich in Kategorie(n) , , – 09.04.2012

Für ein hochgeheimes Projekt über elektrische Innenarchitektur fahre ich gerade ganz viele Autos. Eins davon ist der Citroen DS5 Diesel-Hybrid. Er erfüllt zunächst sämtliche Hass-Kriterien: Diesel? Check. Umweltverträglichkeitsanmaßung? Check. Nach dem ersten Regen rostig und generell aus Frankreich? Check and Double-Check. Entsprechend verhält sich diese Maschine, wenn man tatsächlich fahren will, nicht nur dahinrollen: Das Sichtfeld eignet sich weder zum zügig vorausschauend fahren noch zum parken und der automagische Modus ist völlig verwirrt von Vollgas: “Huch! Äh. Ich schalte hoch! Nein, lieber doch runter… Oder doch hoch? Ich schalte jetzt erstmal den Elektromotor an und trinke einen Kaffee.” Wie viel Drehmoment wann an welcher Achse anliegt, ist so vorhersehbar wie Roulette, und jeder Schaltvorgang des automatisierten Schaltgetriebes dauert drei Jahre, in denen das Fahrzeug langsamer wird. Der “Auto”-Mode ist nämlich eigentlich der Economy-Mode. Es wird besser im Modus “Sport”, der eigentlich “Normal” heißen sollte. Richtig Sprit sparen tut übrigens selbst “Auto” nicht: 6,5 Liter im Allesmix. Ich habe mit BMWs 320d im selben Mix rund 6 Liter auf 100 km verbrannt.

Ein gutes Projekt zum Schöntrinken also, dachte ich. Den Wein brauchte ich dann allerdings für etwas anderes: Ich musste damit klarkommen, dass ich dieses Auto mag. Das fängt an, sobald man das Fahren endlich aufgibt, weil es der DS5 trotz sehr guter Straßenlage mangels responsivem Antrieb nicht so richtig kann. Genausogut könnte man versuchen, eine 1856 kg schwere Sahnetorte zu fahren, nur weil sie ein Lenkrad aus Marzipan hat. Nein, man sollte den DS5 als eine rollende Lounge sehen oder eine Vinothek. Man sitzt dort drinnen auf (optionalen, teuren) gesteppten Gangsterledersitzen, die Welt zieht geräuschlos draußen vorbei, man kann sich bei jeder Geschwindigkeit unterhalten, die Sonne scheint durchs Glasdach und es plätschert angenehm temperierte Musik aus der Anlage. Bei sanftem Streicheln des Gaspedals tut der Auto-Mode-Antrieb endlich das, wozu er gebaut wurde: im Hintergrund verschwinden. Als stressfreies Reisemobil ist der DS5 schwer schlagbar und ich verstehe jetzt den Kollegen, der sagte: “Der DS5 ist der beste französische Wagen seit 20 Jahren.” Er gehört außerdem zu den schönsten, denn er sieht fast aus wie das Raumschiff, mit dem Elvis zu seinen Bar-Gigs fliegt. Es fehlen nur ein paar Finnen und knallepinker Lack.

In dieser Vinothek vor mich hinsüffelnd finde ich sogar den Hybridantrieb wollenswert. Er kann sich bei 5000 oder mehr Euro Aufpreis (je nach Ausstattungsvariante) niemals amortisieren — vor allem, weil der Elektromotor aufgrund seines fixen Übersetzungsverhältnisses praktisch nur innerorts arbeitet. Aber man kann die Vinothek in rein elektrischer Schleichfahrt zwei, drei Kilometer in die Garage rollen, lautlos rangieren und den Antrieb auf “ständig Allrad” schalten, um zum Beispiel seine Ski ins verschneite Chalet hochzufahren. Selbst wenn die Batterie dabei leer wird: Der vergrößerte Generator versorgt die Hinterachse direkt mit seinen 7-8 kW — ein dieselelektrischer Antrieb also. Diese Technik macht den Wagen spannend und wie bei der Harley Forty-Eight werde ich ihn für Heise Autos jemandem geben, der spannende Technik wirklich kauft. Wahrscheinlich wird er den DS5 lieben. Wenn nicht, trinken wir in dieser fahrenden Lounge einfach mehr Wein auf die frohe Botschaft, die mir der freundliche Citroen-Mann offenbarte: Es soll bald einen neuen Citroen DS3 Racing geben — mit 50 PS mehr.

Toby stellt anhand der Infografik die Weißweintemperatur ein, damit wir stilgereicht auf den nächsten DS3 Racing anstoßen können: *ka-pliing*

Woanders wird gesagt …

  1. Die Citroen DS 5 Hybrid im Test – die André Art der Fortbewegung | czyslansky - geschrieben am 8. Februar 2013 um 11:50

    […] Robert Basic / Sebastian Bauer / Clemens Gleich / Björn Habegger / Mario Lehmann / Robert Lemm / Christian S. / Gerd Kebschull / Can […]

Kommentare

  1. Clemens Gleich - geschrieben am 9. April 2012 um 21:15 Uhr - #

    Was Andere kritisieren: Das Fahrwerk sei zu hart abgestimmt für das Konzept. Diese Kritik ist berechtigt, die breite Spur in Verbindung mit den harten Dämpfern erlaubt allerdings sehr spritsparende Kurvengeschwindigkeiten (“Never brake”).

    Was Andere verbrauchen: 6,3 Liter (Zeit, Auto Zeitung beim Peugeot 3008 mit selbem Antrieb) Es liegt also nicht an meinem Klumpfuß.

  2. Daniel Braun - geschrieben am 10. April 2012 um 16:37 Uhr - #

    Ampera fahren.
    Da macht das Konzept zumindest Sinn.

  3. Clemens Gleich - geschrieben am 11. April 2012 um 17:46 Uhr - #

    Zweite Verbrauchsmessung über 400 km mit Hälfte Autobahn, Hälfte Landstraße und rund 20 km “Sporchht”-Modus ausprobiert: knapp zehn Liter. Das ist okay, aber sicher nix Besonderes für einen Diesel.

  4. sinsser - geschrieben am 18. April 2012 um 15:47 Uhr - #

    sorry, 10 Liter für nen Diesel-Hybrid sind okay? Hallo?

    Mein seliger Audi 3.0 quattro Benziner mit 220PS und Automatik hat nur knapp über 11 gebraucht.
    Wieviel PS hatten das Ding? 400?
    Also bitte.
    Alles über 8 Liter in dem von Dir skizzierten Mix ist einfach nur frech.

  5. Clemens Gleich - geschrieben am 19. April 2012 um 12:42 Uhr - #

    Du musst ja bedenken, dass das Franzosen sind! Es erstaunt mich, dass sie es überhaupt fertigbringen, jedes Auto mit exakt vier Rädern auszuliefern.

  6. Flans - geschrieben am 23. April 2012 um 13:48 Uhr - #

    Um der zu erwartenden Fragenflut vorzugreifen: Welcher Wein war es denn nun, der Dich zu dem sprachgewaltigen Artikel bei heise inspirierte und Dich über die unerwartete Zuneigung zur DS5 Hybrid4 tröstete?

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