Gefahren: Moto Guzzi California 1400

Guzzis California war stets der Fahnenträger der Marke: Ein klassisch gestalteter Tourer, der feierte, dass Guzzi der LAPD 1974 einen Schwung ihrer 850er-Motorräder verkaufen konnte. Jetzt gibt es eine Neue auf der Höhe der Technik, die fast alles richtig macht und an einem entscheidenden Punkt alles falsch.

Eine gute Teststrecke ist eine, die zum Motorrad passt. Deshalb passt es zur neuen 1400er, von einem Poserort in den nächsten Poserort zu fahren. Weniger passend: Dazwischen liegt eine Kurvenstrecke, und die passt überhaupt nicht zu ihr. Aber zuerst die Einordnung: Ja, die neue Guzzi California ist in allen objektiven Punkten besser als eine Harley-Davidson Road King. Sie hat ein besseres Chassis mit besseren Feder-Dämpfer-Elementen, mit denen sie besser fährt. Sie hat einen besseren Motor, ein echtes Sahnestück. Sie hat bessere, richtig gute Bremsen. Sie rostet nicht schon ab Werk, sie ist generell aus besserem Material gemacht. Sie hat sogar echten, eigenen Rock ‚n‘ Roll — etwas, das allen Japano-Softchoppern mit ihrer bemühten Kopiererei komplett abgeht. Der kommt daher, dass Moto Guzzi eine alte, cool gewordene Marke mit echtem Potenzial ist, das sehr langsam, aber mit einiger Sicherheit jetzt tatsächlich erschlossen wird. Die Verkaufszahlen steigen nach langer Durststrecke endlich wieder. Der Rock kommt jedoch auch aus der Geschichte der Cali selbst.

Kurveeen! …kann die neue Guzzi nicht wirklich. Was seltsam ist, denn gerade Kurven waren die Stärke früherer Californias.

Anfang der Siebziger schnappte sich Guzzi einen Liefervertrag mit der kalifornischen Polizei. Vorher fuhr die California Highway Patrol CHP dort Harleys, jetzt kriegten sie modifizierte V7-Modelle mit erst den typischen 750 ccm, die später etwas amerikanischer auf 850 wuchsen, denn Guzzi unterbot Harley einfach massiv. Es war ein bisschen so wie mit den Guzzis, die unsere Berliner Polizei vor einigen Jahren so unglücklich machten, nur offenbar viel fruchtbarer, denn es erschien danach weltweit eine zivile Variante namens „California“, die mit amerikanischer Ausstattung und dem Schuss mehr unersetzlichen Hubraums mehr tat, als einfach Freunde zu finden: Sie hielt die Flagge mit dem Guzzi-Adler so hoch, wie es wenige andere Guzzis in der über 90 Jahre langen Geschichte vermochten. Eine Guzzi „Berlin“ dagegen wird es nie geben. Jedenfalls war die California wie die Konkurrenz bei Harley eine chromkitschige Cruising-Maschine, aber weil sie von einem richtigen Motorrad abstammte, konnte sie beeindruckende Schräglagen fahren, die jedem Sportster-Fahrer die Schamesröte ins Gesicht trieben. Ihre hohen Trittbretter über den kurvengünstigen schmalen Reifen wirkten wie eine dicke Frau, die ihren Rock hochrafft und auf gut trainierten Ballettfüßen vollkommen überraschend uneinholbar vorbeitrippelt. Dieses Erbe tritt die Neuauflage an.

Den Tacho mochte außer mir niemand. Ich mochte nicht, dass man die Drehzahl kaum ablesen kann.

Auf dem Papier macht die Neue alles richtig: einstellbare Traktionskontrolle, ABS, LED-Tagfahrlicht, elektronisch gesteuerte Drosselklappen mit einstellbarem Ansprechverhalten, gute Verarbeitung und eine gute Zubehörauswahl, der eigentlich nur das kugelfeste Windschild der ersten Polizeimaschinen fehlt. Sie sieht außerdem grandios aus. Endlich haben Guzzis Ingenieure von ihrer Sucht nach Chromplastik aus Obis Duschkabinenabteilung abgelassen, von dem die Cali 1400 glücklicherweise nur noch Reste trägt. Die glitzige Plaste wird ersetzt durch ehrlich verchromte Stahlteile. Der glänzende Beifahrerhaltebügel hat daher die Anfassqualität einer Luxusyacht-Badeleiter. Miguel Angel Galluzzi hat die neue California gestaltet, und der weiß, was er tut. In seinem Portfolio stehen Meisterwerke des Industriedesigns wie die Ducati Monster oder die Aprilia RSV4. Er hat der Versuchung widerstanden, nach japanischem Vorbild einen Italo-Softchopper zu zeichnen, der einfach Harley kopiert. Er hat klassische Guzzi-Linien mit der Moderne verbunden, ohne sich an die schnell verfallende Milch der Mode zu halten. „Wir müssen unseren eigenen Weg gehen“, sagt auch der Projektleiter. Richtig. Aber die Fahrt zeigt, dass etwas schrecklich schiefgelaufen ist.

Die Schleifer sind nötig, denn die Reifen sind breit und die Trittbretthalter unnachgiebig.

Denn die Cali ist ein Cruiser geworden. Nichts mehr mit normalem Motorradfahren: In der ersten Kurve setzen bei kaum erkennbarer Schräglage die Trittbretter auf. Guzzi hat da schöne, wechselbare Schleifer dran, die man auch braucht, denn unmittelbar danach setzen hart funkenschlagend die Hilfsrahmen der Trittbrettträger auf. Als Fahrer ist man auf seiner Linie also ziemlich zementiert, was schlecht ist, wenn ein Fahrradfahrer schwankt oder sonstwas Unerwartetes passiert. Es bleibt die Wahl zwischen einem Kriechgang ohne Schräglage und einer ernsten Bedrohung für Leib und Leben. Die Gynäkologenstuhl-Sitzposition in Verbindung mit einer homöopathischen Menge an Federweg bedeutet obendrein, dass jeder Schlag voll ins Kreuz geht, und der Radstand des schweren Schiffs bedeutet echte Arbeit in richtigem Winkelwerk oder gar Kehren. Was habt ihr getan da im Werk Mandello? Wo ist die beleibte Ballerina geblieben? Schräglagen-fahrende Cali-Fans erwartet eine herbe Enttäuschung ihrer Erwartungen, denn die Neue ist wie diese Urlaubsbekanntschaft: Sie ist nett, intelligent, gutaussehend, witzig, aaaber sie hat männliche Geschlechtsteile. Die werden der Zweisamkeit sehr früh im Weg stehen.

Das Verhältnis Motorradfahrer-Fahrradfahrer wird sich mit der Cali nicht bessern, denn entweder wird sie Drahteselreiter überqueren, weil sie mit Speed nur eine Linie kennt oder sie wird ihnen ohne Speed bergauf im Weg herum stehen. Bergab eh.

Wie gesagt: Das ist alles noch deutlich besser als bei Harleys Road King, und die verkauft sich hervorragend. Die Cruiser-Cali wird ebenfalls ihre Kunden finden, denn sie ist gut gemacht. Aber du würdest dich auch nicht auf einen Hundehaufen setzen, nur weil der gut gemacht ist, deshalb der Expertenrat: Cruiser sind nur etwas für vollkommen Ahnungslose — Zitat des Experten Jo Soppa. Die Käufer wissen es einfach nicht besser, sonst würden sie bei einem Classic-Faible eine Triumph Bonneville kaufen. Die sieht nett aus und ist ebenfalls langsam, aber sie benutzt zumindest nicht deine Bandscheiben als Federelemente. Wer jedoch bis hier gelesen hat, ist nicht mehr ahnungslos. Er kann warten, bis Guzzi den genialen 1400-ccm-Motor der neuen Cali in ein richtiges Motorrad vom Schlage der kommenden, klassischen BMW-Nakeds baut, denn das haben sie wohl vor. Oder er kann das Erlebnis vorwegnehmen, einem sehr exklusiven Kenner-Club beitreten und eine Moto Guzzi Griso 1200 kaufen.

Homosexuelle ohne Schräglagenwunsch freuen sich über die neue Cali; Homosexuelle mit Schräglagenwunsch vermissen die alte.

Moto Guzzi California 1400

Ist: keine beleibte Ballerina mehr, sondern nur noch unsportlich fett.
Kos­tet: 19.600 Euro als hier gezeigte Touring-Variante. Es folgt noch eine ohne Schwuchtelscheibe (“Custom“).
Leis­tet: 97 PS (71 kW) bei 6.500 U/min
Stemmt: 120 Nm bereits bei 2.750 U/min aus 1.380 ccm
Wiegt: 337 kg leer (Herstellerangabe)
Tankt: 20,5 Liter Super. Wie bei manchen Harlays geht die Reservelampe kurz nach Halbtank an — neeeerv.
Verbraucht: 8,5 Liter Super auf 100 km. Ich verifiziere gern gelegentlich diese Messung bei einem deutschen Serienmodell, möchte aber zur Messung noch sagen: Die von mir hier empfohlene Griso 1200 hat 9,3 Liter gesoffen. Viele Piaggios haben diesen Hang zur Schluckerei.
Hat: einen der erlebniswertesten Motoren der letzten Zeit. Der muss schnell in ein richtiges Motorrad.

Bilder: Guzzi

Kommentare:

ältere
  • Michael meinte am 20. Dezember 2012 um 0:37:

    Hi Clemens,
    toller Bericht, Danke. Wegen der Schräglagenfreiheit: Nach soo wenig sieht das auf den Fotos aber gar nicht aus. Hast Du ein Foto einer Harley Road King, die schräger daherkommt? Die sollte doch einer der Hauptwettbewerber sein.
    Ich vermute eher, das die neue Guzzi DIR zu unsportlich ist. Aber Du würdest die auch nicht kaufen, wenn Sie noch etwas tiefer runter ginge ohne aufzusetzen.
    Du fährst schliesslich eine KTM Duke. Nicht ganz exakt die Zielgruppe für Guzzi….
    Ich bin mir sicher: Den Motor werden wir bald noch in einem anderen Motorrad sehen. Und mit dem kannst dann vielleicht auch Du deinen Frieden schliessen.
    Gruss Michael

    • Clemens Gleich meinte am 20. Dezember 2012 um 0:41:

      Nope, die Road King geht nicht schräger, aber sie fährt wegen ihrer schmaleren Reifen höhere Kurvengeschwindigkeiten (habe das mal gemessen), weil sie mit denen weniger Schräglage braucht. So ist halt die Physik. Ich würde trotzdem von diesen beiden stets die Guzzi empfehlen, vielleicht sogar in Amerika.

  • carlo parodi de tomaso meinte am 7. Januar 2013 um 22:36:

    Bei Guzzi und Harley über Kurvengeschwindigkeiten zu diskutieren ?

    Wen interessieren schon Rundenzeiten…

    Das Produkt Spaß kommt bei beiden ganz gut raus .

    Grundvorraussetzung dafür ist immer ne ordentliche Portion Eier.

    Die passen herrvorragend in die Sitzmulde der Guzzi !

  • Pete Prellbock meinte am 12. Januar 2013 um 17:18:

    Hi Clemens,

    das ist der beste Fahrbericht den ich seit langem gelesen habe. Den gequirlten Scheiß aus den einschlägigen Magazinen kann man ja nur schwer ertragen. Bitte weiter so.
    Ein schöner klassischer Griso- Verschnitt mit dem 1400er ohne zu viel Retro- Barock könnt ich mir sehr gut vorstellen.

    Gruß

    Pete

  • Frank, Dieter meinte am 13. Januar 2013 um 11:28:

    Selten habe ich ein derart dämliches Geschwätz gelesen wie in diesem Vergleichstest. Homosexuelle mit oder ohne Schräglagenwunsch – was hat das in einem Motorradtest zu suchen? Wenn jemand grundsätzlich keinen Whisky mag, sollte man Ihn kein Tasting leiten lassen. Ich bevorzuge selbst auch andere Motorradkategorien, aber dieser Test ist völlig
    daneben.

  • Peter meinte am 13. Januar 2013 um 12:07:

    Danke Frank, Dieter für deinen Kommentar. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!

    • Clemens Gleich meinte am 14. Januar 2013 um 12:20:

      Von mir auch ein DANKE, Frankkommadieter! Ich möchte auch NICHTS hinzufügen! Die Guzzi kann nur großartig sein, das hat schon Einstein bewiesen damals.

  • Alexander meinte am 14. Januar 2013 um 12:39:

    “Homo­se­xu­elle mit oder ohne Schräg­la­gen­wunsch — was hat das in einem Motor­rad­test zu suchen? Wenn jemand grund­sätz­lich kei­nen Whisky mag, sollte man Ihn kein Tas­ting lei­ten las­sen. Ich bevor­zuge selbst auch andere Motor­rad­ka­te­go­rien, aber die­ser Test ist völ­lig daneben.“

    GENAU! Recht hat er! Was ist das hier überhaupt für ein verkommener Laden!?

  • sinsser meinte am 15. Januar 2013 um 8:10:

    Soso, die MO-Leserschaft hat diesen widerlichen Haufen Buntmetall also zur besten Neuerscheinung 2012 gewählt.
    Höchste Zeit mein Abo zu kündigen, sonst denkt noch jemand, das wäre auch meine Meinung. O Tempo´a, oh mo´es.

    • Clemens Gleich meinte am 15. Januar 2013 um 10:46:

      Hä? Wirklich die MO-Leserschaft? Vielleicht waren es die Redakteure. Die meisten MO-Reds hegen ja so viel Sympathie gegenüber Guzzi, dass (mir) schon vor der Probefahrt klar war, was im Test stehen wird. Wir könnten uns auf „Motor des Jahres“ einigen, weil der Panigale-Antrieb ja nun wirklich etwas speziell für die breite Käuferschaft ist.

  • sinsser meinte am 15. Januar 2013 um 17:01:

    naja, präzisiert müsste es heißen: Die interssanteste Neuheit der EICMA nach Ansicht der Besucher von mo-web.de.

    Mit 54,5 Prozent. Auf Platz 2 ist die Suppenduck mit 16,7%.

    Kann man die (geistige?) Vergreisung der deutschen Moppedfahrer anschaulicher darstellen? Ich meine nein.

    • Clemens Gleich meinte am 15. Januar 2013 um 18:46:

      Neue Superduke unter ein Fünftel? Ich fechte die statistische Signifikanz dieser Daten an. Da haben doch wieder nur drei Dutzend Leut mitgemacht — offenbar alles Dschobbr-Fahrer, weil die ja Zeit haben.

  • Biker Kuno meinte am 14. Februar 2013 um 15:56:

    @Clemens Gleich: ……sorry, aber den Road King mit dem Fahrwerk seit 2010 schickt man nur mit sehr viel Mut und sehr, sehr spät „auf die Bretter“. Es gibt wohl kaum einen Cruiser, der flotter zu bewegen wäre. Ganz anders als beispielsweise die Softtail-Modell, die schon bei kleinster „Kränkung“ das Kratzen anfangen. Kann mir dies Urteil nach 32 Jahren Motorradfahrens mit fast Allem was 2 Räder und einen Motor hat erlauben. Ansonsten netter Artikel …viel schlimmer an der Guzzi sind z.B. Fender aus Kunststoff ….wenn schon fett und oldschool, dann richtig. Man hätte die alte Cali vielleicht nicht vorschnell aus dem Programm nehmen sollen.

    • Clemens Gleich meinte am 22. Februar 2013 um 11:13:

      Ich kenne nur die Road King von 2008, und die hatte ein scheußliches Fahrwerk. Dass sie dennoch meine GPS-gemessene Bergwertung gewann (hauptsächlich der schmalen Reifen wegen), zeigt nur, wie scheiße Cruiser generell fahren. Beim Plastik geb ich Dir 100 % recht. Wenigstens ist das bisserl besser geworden als noch vor kurzem. Die Guzzi Cafe Racer ging gar nicht, da war alles glänzende Plastik, man fühlte sich wie beim Hornbach in der Duschkopfabteilung beim anfassen.

  • Biker Kuno meinte am 25. Februar 2013 um 13:06:

    2010 wurde das Fahrwerk des Road King massiv überarbeitet und erhilet auch breitere Reifen (180‘er hinten). Seitdem verfügt der Road King über eine enorme Bodenfreiheit für einen Cruiser und und ein wirklich steifes Fahrwerk (Zuladung übrigens 249 kg!, für Amis halt ). Der King ist deshalb zwar noch keine Super Moto, aber mit einem geübten Fahrer und 103 CUI-Motor kann man mit ihm sogar gelengentlich Sportfahrer in Erstaunen versetzen und in tiefe Selbstzweifel stürzen (…macht irre Spaß;-). Er ist mit Abstand das agilste Krad der Company – Sportster eingeschlossen. Und wenn sich jemand hier vielleicht eine Herritage Softtail anschaffen möchte, sollte er vorher alternativ den Road King probieren. Der kann mehr als nur posen und hat eine viel höhere Zuladung. Baujahre vor 2010 haben tatsächlich – wie Clemens auch schreibt – ein grausiges Fahrwerk – wie ein Lämmerschwanz. Clemens, mach doch einmal eine Probefahrt auf dem aktuellen Modell und berichte. Wird bestimmt ein launiger Beitrag.

    • Clemens Gleich meinte am 28. Februar 2013 um 11:18:

      Werde gelegentlich eine neuere Road King fahren.

  • Markus meinte am 15. März 2013 um 21:30:

    Schwuchtelscheibe?..gehts noch?
    die ösis sagen in dem fall: geh scheissn Schreiberling…
    und steck dir deine Homophobie in dein Hutband…
    heieieieieiei….

  • Kylaidos meinte am 24. März 2013 um 8:55:

    Morn!
    Bin gestern die Cali Custom probegefahren! Wie Clem richtig kund tut ein echter geiler Sahnemotor. Wie von der Schnur gezogen fliegt man voraus. Viele Kehren bin ich nicht gefahren. Denke aber auch hier hat Clemenz wiedermal Recht. Die Schräglagenfreiheit müsste besser sein. Aber im Ganzen ist die Custom ein herrliches Motorrad. Nach jahrelanger Erfahrung mit der alten Cali, der MG Sport und meiner aktuellen MG Stelvio NTX dürft ihr da draussen mir das glauben. Wünsche eine schöne Saison. Take Care and stay Alive!
    Kylaidos

  • Dirk Klatt meinte am 2. Dezember 2013 um 11:58:

    ….ich war am Wochenende zur „Weihnachtsfeier“ beim freundlichen Italohändler in Dithmarschen. Neben vielen wundervollen roten Renndiven hab ich mir bei der Gelegenheit auch die California nochmals genau angeschaut …einmal abgesehen für die im Fahrbericht so bemängelte Bodenfreiheit – die von einem Sportfahrer natürlich kommen muss und aus dessen Sicht völlig berechtigt ist – stelle ich fest, dass es in diesem Segment (Cruising-Tourer/Touren-Cruiser) derzeit kein schöneres und und wohl auch kein besseres Krad gibt. Wer ein wenig affin für diese Art Motorrad ist, sollte sich die California unbedingt ansehen. Sie ist derzeit für mich konkurrenzlos …da ich – neben einer deutlich sportlicheren Maschine – auch immer einen fetten Cruiser zur Entspannung im Bestand habe, werde ich dieses Schmuckstück demnächst Probefahren und möglicherweise gegen amerikanisches Eisen tauschen ….auf jeden Fall gibt die „neue Calli“ viel Anlass zu hoffen, dass Moto Guzzi wieder nachhaltig auf die Beine kommt und das ist für mich als Fan der Marke die schönste Botschaft….Nur eine Bitte noch: Tauscht die Plastikfender gegen welche aus Metall aus ….die paar Kilo und Teuronen machen den Bock dann auch nicht mehr viel fetter…

  • Clemens Gleich meinte am 2. Dezember 2013 um 12:08:

    @Dirk Klatt: Ja, fahr sie unbedingt mal. Der Motor ist ein Sahnestück, die Verarbeitung ist besser geworden, der Chromplastikanteil zumindest reduziert. Wenn Du Guzzis und Cruiser magst, kannst damit sehr wenig falsch machen. Achtung, bei der Präsentation auffällig: Der Motorlauf ist offenbar stark abhängig von einer unzeitgemäß weiten Serienstreuung. Wenn Du eine richtig Gute fährst, solltest versuchen, genau die auch zu kaufen und keine andere. Weiters: Der Verbrauch war sehr hoch, das ist bei neuen Guzzis oft so. Vielleicht gibt es schon ein magereres Mapping.

    Auf jeden Fall: Bitte berichte.

  • Dirk Klatt meinte am 2. Dezember 2013 um 13:26:

    @Clemens Gleich: Danke Clemens für die Hinweise. Ich werde ganz genau hineinhorchen in meinen Vorführer und sehr ausführlich Probefahren. Irgendetwas typisch italienisches musste ja noch kommen, so von wegen Serienstreuung. Man sollte aus dem Stelvio-Disaster eigentlich doch gelernt haben. Bevor der Bock so richtig gut in Form und für ensthafte Marktanteile in seinem Segment bereit war, war er durch die erste schwache Produktionsserie leider schon diskreditiert. Ich hoffe, dass läuft bei der „Calli“ anders. Bin sehr gespannt und werde berichten, auch im Vergleich zum Road King.

  • Dirk Klatt meinte am 4. Dezember 2013 um 9:17:

    @Clemens Gleich: Ich hab mich noch ‚mal in Guzzisti-Kreisen schlau gemacht. Die ersten produzierten Maschinen haben tatsächlich stark verbesserungswürdige Mappings, die unter anderem zu sehr hohem Verbrauch führen sollen. In der Regel werden diese bei der 1.000‘er Inspektion upgedatet. Da sich diese Guzzi nun nicht wie geschnitten Brot verkaufen wird, muss man wohl davon ausgehen, dass noch viele Maschinen der ersten Chargen bei den Händlern stehen. Also bei Kaufinteresse gleich den Händler auf das Thema ansprechen.

    Noch ein Wort zu Herrn Sopa….“Cruiser sind nur etwas für vollkommen Ahnungslose“ — Zitat des Experten Jo Soppa. „Die Käufer wissen es einfach nicht besser, sonst würden sie bei einem Classic-Faible eine Triumph Bonneville kaufen“ (Anmerk.: natürlich LSL veredelt ;-).

    Sorry Herr Sopa, aber da muss ich widersprechen: Ein fetter Antrieb mit 1400 + x ccm ist nun einmal etwas völlig anderes, als ein asthmatischer 800 ccm-Motor. Es gibt Menschen, die mögen so etwas und die „arbeiten“ auch gern ein Motorrad. Auch wenn sich Herrn Sopa das nicht erschließt. Und ich bin erst nach rund 28 Jahren Motorrad – mit allen möglichen Krädern – darauf gekommen. Also wohl eher nicht ahnungslos. Deshallb fahr ich aber trotzdem noch gern leichte, potente Maschinen. Der Reiz liegt für mich auch in der Vielfalt.

    • Clemens Gleich meinte am 4. Dezember 2013 um 10:59:

      Dirk! Exzellente Recherche! Da ist ja richtig Dings, Nutzwert drinne.

  • Roy Rojas Wahl meinte am 5. Januar 2014 um 6:42:

    Ich habe beide Californias ueber lange Strecke gefahren, die „alte Vintage“ mit dem 1064 Motor, und die neue 1400… Kann also Handling zB sehr gut vergleichen. Und ganz ehrlich, ich weiss nicht, vielleicht liegt hier ja eine Verwechslung vor, und dieser Artikel hier wurde in Wirklichkeit ueber ein anderes Krad (Harley?) geschrieben… Meine Moto Guzzi 1400 Touring habe ich mittlerweile ungefaehr 10000 km gefahren, und sie ist ein wahres Handling-Wunder!! Die Kurvenfreudigkeit und -freiheit ist bei der groesseren 1400 mindestens genauso gut wie meiner alten „Vintage“. Und weil man niedriger sitzt als bei der Vintage hat die 1400 einfach ein VIEL besseres Kurvengefuehl – man sitzt so zusagen „in“ dem Motorrad, und nicht „auf“ dem Krad bei bei der „Vintage“.
    Nur eines stimmt in diesem Artikel: Der Benzinverbrauch der 1400 ist hoeher…. Aber dafuer bekommt man eine California „on steroids“ (quattrovalvole!!!) ; bezueglich zur guten alten „Vintage“ ist es ein bischen so, als wenn man einen modernen ICE Hochgeschwindigkeitszug mit einer guten alten Strassenbahn vergleicht… Mit anderen Worten: Waehrend die „Vintage“ ein solides Tourenmotarrad ist, macht die 1400 macht einfach mehr Spass und gibt tatsaechlich wahre Adrelaninstoesse! Nicht schlecht fuer einen Cruiser (ich glaube der Autor von diesem Artikel mag einfach keine Cruisers) Sicher – sie ist keine Le Mans oder Griso – aber dafuer einfach viel komfortabler!! Gruss, Roy U. Rojas Wahl

  • Dirk Klatt meinte am 6. Januar 2014 um 11:42:

    @Roy Rojas Wahl: Moin Roy, wie ist denn der Verbrauch Deiner Calli konkret? Ich denke gerade darüber nach, meine recht sparsame Harley möglicherweise gegen die neue 1400‘er zu tauschen. Hast Du eine Empfehlung zum „Sound Engineering“?

    Im übrigen glaube ich gar nicht, dass Herr Gleich grundsätzlich keine Cruiser mag. Er gehört einfach zu den „Heizern by Nature“, für die solche Fahrzeuge eher nicht gemacht sind und aus seiner Sicht hat er recht. Würde man beispielsweise einen Fahrbericht des gesetzteren Klaus Herder – auch immer sehr unterhaltsam – zur neuen California lesen, wäre der vermutlich deutlich positiver. Man muss halt immer berücksichtigen, für welchen Zweck und welche Adressaten man welches Moped empfiehlt und ich vermute Herr Gleich kann gar nicht cruisen.
    Nebenbei gesagt würde mich cruisen allein auch nicht glücklich machen, aber es gibt einem häufig Augenblicke tiefer Entspannung, innerer Einkehr und stillen Glücks…. (irgendwie bin ich noch weihnachtlich gestimmt 😉

    • Clemens Gleich meinte am 6. Januar 2014 um 13:53:

      Cruisen können ist denke ich nicht die Frage, denn es gibt keine Schwierigkeit für jeden normalen Motorradfahrer, das zu tun. Es geht meistens darum, dass viele Fahrer nicht cruisen wollen. Mich persönlich stört bei Cruisern dieses Überzüchtete, wie ein Show-Dackel auf einer Ausstellung nach rein optischen Gesichtspunkten. Deshalb hoffe ich auf sowas wie BMWs R nineT mit dem 1400er-Guzzimotor. Denn den finde ich wunderbar und habe ihn noch jedem Cruiser-Freund empfohlen. Mit dem Verbrauch muss man bei Guzzi wohl zunächst leben, wobei es eine ganze Reihe von Tunern gibt, denen ich zutraue, den Verbrauch und das Drehmomentloch in den Griff zu kriegen.

  • Dirk Klatt meinte am 6. Januar 2014 um 15:00:

    @Clemens Gleich: …..das ‚nicht cruisen können‘ war natürlich auch in keiner Weise fahrtechnisch gemeint ….das beherrscht selbstverständlich jeder Kradist …es erschließt sich eben nur nicht jedem …das wollte ich sagen. ….ich versteh auch, dass vielen, das Barocke dieser Fahrzeugsgattung überhaupt nicht liegt ….ich finde es nur herrlich entspannend mit einem fetten anchronistischem V2 die Landschaft – gespiegelt in einem einem fettem Chromscheinwerfer – an sich vorbeizieghen zu lassen ….genauso gern lass ich es aber mit anderem Material aber auch richtig krachen.
    Wäre toll, wenn Guzzi es hinbrächte, den 1400‘er in ein dynamischeres Chasis zu verpflanzen. Allein mir fehlt der Glaube….

  • Dirk Klatt meinte am 31. Januar 2014 um 13:24:

    Mal eine kleine Meldung zur California ….die Probefahrt steht noch aus, weil hier im Norden Schnee und Eis regieren. Interessant ist aber der rasante Preisverfall für das neue Modell. Die 1.400‘er Touring bekommt man jetzt schon so um 16.000,– € beim regulären Händler. Das alte Modell in der Ausführung Anniversario wird als „Neufahrzeug“ ohne Kilometer zum Teil bereits teurer gehandelt. Entweder ist schon das erste UpDate in der Mache und ich hab nichts davon mitbekommen oder bei Guzzi ist wieder einmal richtig was in die Hose gegangen.

  • Dirk Klatt meinte am 21. März 2014 um 10:25:

    Gestern bin ich die neue California probegefahren. Bei Claus Carstens in Hennstedt in Dithmarschen. Eine übrigens sehr empfehlenswerte Adresse für italienische Kräder. Da ich direkt von einem 2011‘er Road King mit 1, 7 Liter-Maschine umgestiegen bin, hier der Versuch eines halbwegs objektiven Vergleiches. Was ist besser an der Calli? Bremsen, Fahrwerk, Motor. Also eigentlich alles Wesentliche. Und trotzdem wollte kein Funke überspringen. Der Motor ist eigentlich kein Cruiseraggregat. Er braucht etwas mehr Drehzahl. Das Drehmomenterlebnis ist nicht das erwartete. Die Harley hat jenseits objektiver Kriterien etwas, was der Guzzi abgeht. Und man kann mit dem King tatsächlich „schräger“. Guzzi sollte den Motor anders „verpacken“, dann kann was darsus werden (Sporttourer o.ä.).
    Eine ganz andere Geschichte ist die Probefahrt der Panigale und der Duc Supersport 1000 DSaus 2003, die mir der gute Claus Carstens im Anschluss zur Probe unter den Hintern schob. Nennt es Blasphemie, aber der alte Zweiventiler hat auf der Landstraße tatsächlich mehr Spaß gemacht. Vielen Dank meinerseits an Claus, der mir mit der Möglichkeit zu ausgedehnten Probefahrten ein richtig guten Motorradtag bereitet hat.

    • Clemens Gleich meinte am 22. März 2014 um 20:22:

      Ich bin auch der Ansicht, dass dieser Motor sich sehr gut in einem Guzzi-Big-Bike machen tät.

  • J50+ meinte am 25. März 2014 um 14:46:

    Also ich kann Clemens (zumindest an dieser Stelle …) sehr gut verstehen. Die California war immer besonders, weil sie fett daher kam UND TROTZDEM großartig Kurven fahren konnte. Dass die Neue das jetzt nicht mehr kann, ist schade (… und der Vergleich mit der dicken, aber balletterfahrenen und damit sportlich schnellen Dame ist ganz, ganz großartig!) und verzichtet auf ein zentrales Alleinstellungsmerkmal von Guzzi.
    Für mich sollte ein Motorrad halbwegs flott um die Ecken kommen, und dann darf es zur Not auch etwas mehr wiegen. Aber nur dick und schwer alleine mach mir hier in Mitteleuropa keinen Spaß.

  • Urs Stoeckli meinte am 12. August 2014 um 15:54:

    Zum Thema Spritkonsum kann ich entwarnen. Bei meiner 1400 Touring hat sich der Verbrauch nach 5000 km bei ca. 6 Litern/100km eingependelt. Ist sicher kein Glanzwert aber in Ordnung. Meine 11er Stelvio nimmt nicht weniger.
    Hatte vorher noch eine 09er Road King, die ich durch die Cali ersetzt habe. Abgesehen von subjektiven Kriterien meine ich, dass die Guzzi fast alles besser kann. Die Schräglagenfreiheit, welche naturgemäss nicht zu den obersten Kriterien gehört, finde ich brauchbar genug und gefühlt deutlich besser als bei der Road King.

  • Dirk Klatt meinte am 4. September 2014 um 21:09:

    @Urs Stoeckli: ….das Fahrwerk des Road King wurde mit dem Modell 2010 massiv überarbeitet und geht seitdem deutlich besser ums Eck…

  • Adrian Hirmer meinte am 24. September 2014 um 12:51:

    Fahre neben einer 2003er Cali EV seit letztem Jahr auch eine Cali 1400 Touring. Nach gut 20.000 km jage ich damit mittlerweile sehr beherzt durch die Alpenpässe. Man darf sie halt nicht in die Kurven drücken, da sie dann früh aufsetzt. Wenn man die Cali jedoch durch leichte Verlagerung des Oberkörpers nach innen in die Kurve „zieht“, geht es ganz ohne Aufsetzen schon sehr, sehr viel schneller. Und kaum langsamer als mit der alten Cali, deren Reifen ohne Angststreifen von manchen beherzten Ausritten erzählen…

    Langstreckenkomfort und Fahrstabilität sind phänomenal! Sie wirkt bereits ab Schrittgeschwindigkeit auch handlicher als die alte – ich konnte es kaum glauben!

    Der Verbrauch liegt bei ca. 5,5 bis 6 Liter/100 km und damit um über einen Liter über meiner alten Cali, die ein echtes Sparwunder ist. Besonders im Stadtverkehr neigt die 1400er zum Saufen, während die niedrigsten Verbräuche ausgerechnet bei forcierten Alpenfahrten auftreten. Verkehrte Welt, aber besser als andersrum. Die Tankanzeige ist ein Witz. Mittlerweile weiß ich jedoch sehr genau, wie weit ich mit der Reserve komme, ohne zu früh nachzutanken.

    Mann und Maschine müssen halt erst „zusammenwachsen“, dann entdeckt man die fahraktiven Gene der California mit der Zeit wieder!

    Ich möchte BEIDE nicht missen.

  • Harald Schmidtke meinte am 10. Dezember 2014 um 14:16:

    Nix „Schwuchtelmaschine“ – einfach nur einzigartig und gut gemacht.

  • Ralf Dietz meinte am 29. Januar 2015 um 11:14:

    Hallo,

    ich möchte mir nun im Frühjahr ne Custom kaufen – nun zu meiner Frage: Weis jemand
    ob sich zu den Baurehen 2013 / 2014 / 2015 sich bezueglich Produktupdate etwas getan hat

    Wenn ich bei BMW immer beobachte – da gibt es jedes Jahr Veränderungen in de den Modellreihen – Softwareupdate / Tankdeckel / Kabelverleggung / die / und das …….

    Gruesse

  • Klaus Bal Le meinte am 19. Februar 2015 um 20:54:

    Hallo Ralf! Es hat sich nicht viel getan, bis auf ein paar kleine Änderungen, die man aber nicht sieht! Es wurde z.B. der Krümmer geändert und das vordere Schutzblech erhielt eine Verstärkung! Mein Verbrauch mit der Touring liegt bei ca. 6 – 6,5 Liter

    Grüße

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