Entenquirl: Sea-Doo RXP-X 260

Letztes Jahr war ich in Schottland segeln, wobei mir schmerzlich bewusst wurde, das falsche Wasserfahrzeug gewählt zu haben. Ich fuhr in einem Meeres-Wohnmobil! Da erinnerte ich mich daran, dass ich ja kürzlich auf dem Privatsee eines verrückten Holländers die Antithese kennengelernt hatte: das Meeres-Motorrad, ein Sea-Doo RXP-X 260 RS. Das Wichtige in der Bezeichnung ist die Zahl 260, denn so viele PS orgelt sich der Kompressor-Dreizylinder heraus. Eine andere wichtige Zahl lautet 368 kg, das ist das Trockengewicht. Beide Zahlen miteinander verrechnet plus einen Fahrer ergeben ein Leistungsgewicht, das auf der TG-Skala auf „adäquat“ ausschlägt. Vergleichbar adäquat motorisierte Landfahrzeuge sind etwa ein Lamborghini Aventador oder ein Ferrari F12 oder jedes adäquate Motorrad.

Kann ja nix passieren, ist ja nur Wasser. Ha!
Kann ja nix passieren, ist ja nur Wasser. Ha!

Ein kleiner Zeigefingerhebel steuert das Gas. Kann-ja-nix-passieren-ist-ja-Wasser-nassforsch dran gezogen schießt die stachlige Maschine in gefühlten Null Sekunden auf eine Geschwindigkeit, bei der Wasser sehr hart wird und wirft den Fahrer dann auf dieses harte Wasser, sobald er auch nur ans Lenken denkt. Die Seitenbeschleunigungen beim Kurven fahren sind mir völlig unverständlich. Ich wusste nicht, dass (hartes) Wasser sowas kann. Es ist ständig, als hinge das Sea-Doo quer an einer senkrechten Wand, und dann kommt ein Sumoringer von oben und reißt dich runter.

Das hat nicht jeder: Schubumkehr. Bremst oder rückwärtst.
Das hat nicht jeder: Schubumkehr. Bremst oder rückwärtst.

Das RXP hat also alles, was ein Fahrzeug unterhaltsam macht. Erst jenseits von 90 km/h wird der Vortrieb spürbar geringer, die Endgeschwindigkeit wird mit 120 angegeben, und wer schonmal 120 km/h ohne Federung gefahren ist, kann sich gut vorstellen, dass man sich dazu lieber einen glatten, großen See aussucht — vorzugsweise von einem verrückten Holländer geinhabert. Auffällig ist, dass 120 auf dem Wasser eine unnatürliche Geschwindigkeit ist. Selbst nervöse Enten reagieren auf Objekte mit dieser Relativgeschwindigkeit überhaupt nicht mehr, wie ich in (sehr kurzem) Erschrecken feststellen musste. Deshalb ist es gut, dass der RXP als einziges Gerät seiner Klasse eine Bremse in Form einer Schubumkehr hat, die außerdem im Hafen als praktischer Rückwärtsgang funktioniert. Dieses Feature rettet Entenbabies, und damit haken wir auch den letzten wichtigen Fahrzeugpunkt „Wie verkaufe ich es der Familie?“ ab: Denk doch an die Kinder!

RXP-X-260-side-BlkGrn-MY13Sea-Doo RXP-X 260

Kann: bremsen. Echt jetzt!
Leis­tet: 191 kW (260 PS) aus einem Kompressor-Reihendreizylinder
Wiegt: 368 kg trocken
Tankt: 60 Liter Super
Hat: außer Schubumkehr-Bremsen noch alles, was Spaß macht, inklusive Tankreichweite.
Macht: Flocken aus Enten. Leider.
Kos­tet: 17.499 Euro

“Was soll schon schiefgehen?!“ Wie man sich in seiner eigenen Bugwelle versenkt.
„Was soll schon schiefgehen?!“ Wie man sich in seiner eigenen Bugwelle versenkt.

Bilder: Hersteller und Stefan Bischoff

Kommentare:

ältere
  • Eine Spur, keine Straßen | MoJomag meinte am 13. Dezember 2014 um 15:47:

    […] wusste ich das damals schon, als ich in Holland den Entenquirl Sea-Doo RXP-260 gefahren bin. 120 km/h auf Wasser über Enten! Springt! Macht Männchen! Und wenn man einen Fehler macht, […]

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