Angeguckt: The Unrideables, die 500er-GP-Doku

unride-Packshot-WEBAuf ITV lief dieses Frühjahr eine Doku über die Zweitakt-Rennmonster des 500er-GPs, die es jetzt als deutsche Übersetzung auf DVD gibt. Ich hatte es auch fast vergessen, aber DVDs sind diese Scheiben, auf denen wir eine Zeitlang Daten speicherten. Oft findet sich im Haushalt noch ein verstaubter Schlitz für sie. Das Thema der 500er wird mir immer wieder ans Herz getragen, denn ich kenne so viele Rennfahrer, die mir so viele Szenen erzählt oder gezeigt haben, aber ich kenne einfach die Zeit nicht persönlich, und eine gute Doku kann in so einem Fall Wunder des Verständnisses wirken. In „The Unrideables“ erzählen Rennsportgrößen wie Eddie Lawson, Kevin Schwantz, Kenny Roberts, Wayne Gartner, Randy Mamola und Niall Mackenzie über den zunächst unmöglich erscheinenden Ritt auf einer Maschine, deren Stimmung wetterabhängig mit der Grundtendenz zum Homizid war.

Das ist auch die Stärke der Doku: Ich bin ein Geschichtenmensch, ich kann mir den ganzen Tag die Stories der Racer anhören. Hier sind sie gespickt mit den Originalaufnahmen aus den damaligen Fernsehübertragungen plus ein paar Perlen (*Hu-Stripper-st*). Die Doku schwebt jedoch ansonsten völlig in der Luft. Es fehlt eine Zugangsrampe aus der Vergangenheit: Wieso fuhren sie mit Zweitakt-500ern, wieso sind spitze Zweitakt-Rennmotoren so eigen? Das sind Fragen, die man kurz einordnend beantworten kann. Weiters hört die Doku einfach auf, ohne nachvollziehbaren Grund, ohne Bogen, ohne Pointe oder Kringel. Ganz konkret: Man kann nicht Mick Doohan einführen und dann aufhören. Die Machart weckt den Verdacht, dass der beleuchtete Zeitausschnitt von ITV willkürlich danach ausgewählt wurde, welche Rennfahrer grad Zeit für Interviews hatten.

Ich habe das Gefühl, durch einen kleinen Schlitz ein kleines Bisschen der 500er-Zeit mitbekommen zu haben. Ich glaube auch, dass die DVD gut für jemanden taugt, der die Geschehnisse schon kennt und ein bisschen in nostalgischen Sporterinnerungen schwelgen möchte. Für Neuinteressierte wie mich ist die Doku zu freischwebend, zu unsortiert. Es gibt sie für 16,99 Euro bei Tante Louise.

Kommentare:

ältere
  • Das Böse ist weiß | MoJomag meinte am 22. Oktober 2013 um 12:30:

    […] The Unrideables — Doku über den 500er-GP […]

  • Christoph meinte am 22. Oktober 2013 um 22:09:

    Hahaha,

    Du findest die DVD altertümlich? Ich habe noch die Doku über Randy Mamola
    „King without a Crown“ irgendwo auf, Achtung, vauhaess (VHS) rumliegen, das dazugehörige Abspielgerät hab ich nie weggeschmissen, es kann ja sein, das man nochmal schauen will 🙂

    Nette Doku übrigens, hab ihn damals am ‘90 in Assen (ohne Chance auf einen Podestrang, aber mit viel Spass und Herzblut beim Fahren) bewundern dürfen, glaube auf Cagiva oder so.

    Also, viel Spass beim stöbern nach alten Dokuschätzen auf den Winterflohmärkten, egal ob auf DVD oder Kassette. Irgendwie muss man sich ja die Motorrad-lose Zeit vertreiben..

    Solong

  • Andreas Johland meinte am 28. Oktober 2013 um 19:50:

    Ich war ja durch die Rezension schon ein wenig vorbereitet, aber nach dem Anschauen der Doku bleibt doch ein irgendwie fader Nachgeschmack.
    16, 99 € für eine DVD sind zwar nicht die Welt, aber meiner Meinung nach zu viel für das Gebotene. Wirkt auf mich wie eine Pflichtübung, wie ein halbärschiger Saisonrückblick, den ein Praktikant beim Sportsender zusammengeschludert hat.
    Die schillernden Fahrerpersönlichkeiten bleiben blass und Kenny Roberts sr. mit albernem Strohhut hat immer alles kommen sehen.
    Da hätten sie in der zur Verfügung stehenden Zeit lieber ein „Best of“ über Kevin Schwantz‘ teilshahaarsträubende Fahrmanöver, unterlegt mit den Originalkommentaren, bringen sollen. Das hätte bestimmt satter gemacht.
    Aber vielleicht gibt‘s das ja schon…

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