Das Motorrad des Jahres 2013: Honda MSX 125

Der Herbst ist da, die beste Zeit, sinnlose Awards zu verleihen! Das Motorrad des Jahres zum Beispiel, das ist für mich immer schon bei seiner Erstvorstellung klar definiert. Die Ducati 1199 Panigale war zum Beispiel bereits bei ihrer Vorstellung auf der EICMA 2011 das Motorrad des letzten Jahres. Die KTM 1290 Superduke wird trotz des kommenden Honda-V4-Supersportlers das Motorrad des Jahres 2014, das war schon beim irren Prototypen klar, und ich glaube nicht, dass selbst der hässliche Sauerkrauttopf der Serienversion, die ich nächste Woche fahre (HARRHARR!! Sorry.) das noch niederreißen kann. Und selbst wenn, behaupte ich einfach dasselbe weiterhin, ich bin ja jetzt ein internationaler Verlag und muss mich daher wie einer verhalten. Leider. Pressegesetz. Das Motorrad dieses Jahres des Herrn 2013 jedenfalls ist überhaupt kein solches Geschoss, sondern eine 125er: die Honda MSX 125 (nennen wir sie „Monkeysex“). Das war schon klar, als sie in Thailand vorgestellt wurde, und dass sich Honda sowas in Amerika und Europa traut, erfreut meine schrumplige schwarze Seele.

Den Fuß weiiit nach vorne strecken, der Asphalt ist stets sehr nah.
Steht er oder fährt er? Man weiß es nicht.

Wer sich einmal auf die Monkeysex gesetzt hat, dem muss man die Verleihung dieses prestigeträchtigen Awoards nicht erklären. Wer noch nicht die Gelegenheit hatte: Es ist die Essenz des Motorradfahrens. Es ist alles dran, was Spaß macht: diese Einfachheit des Konzepts, präsentiert in einer Form, die unterfordert und daher zum Spielen einlädt. Der ganze Rest – fehlt. Fertig. Doch ich möchte dieses wunderbare Kleinkrad auch der technophilen BMW-Kundschaft schmackhaft machen, was mir gelingt durch die folgende Erläuterung der von Honda verbauten Hightech-USPs.

  • Vergessener Leichtbau
    Honda hat eine vergessen geglaubte, unglaubliche Billig-Leichtbautechnik wiederentdeckt. Dabei spart man Gesamtgewicht durch Dinge weglassen! Das da vorher keiner drauf gekommen ist! Deshalb hat die MSX keine Wasserkühlung, keinen Kühler, kein ABS und lässt sehr viel Material durch Schrumpfung weg: Leichtbau durch Kleinbau.
  • Vergessene Kühlung
    Wie beim Leichtbau gruben die japanischen Ingenieure tief, bis sie aus Erkenntnissen der alten Ägypter darauf schlossen, dass der Motor ständig von einem praktisch allgegenwärtigen Gas umströmt werden würde, das eine geringe, aber in der Flussmasse nutzbare Wärmeabfuhrkapazität aufweist. Schwarz angemalt und berippt strahlt er außerdem Hitze gut ab und Sympathie aus.
  • Manuelle Traktionskontrolle
    Traktionskontrollen sind ja sehr beliebt, doch nicht alle funktionieren so super, wie sie sich bezahlen lassen. Das liegt an der sogenannten „Elektronik“, von den Kennern unter den Traditionalisten auch „Satanswerk“ genannt. Deshalb verbaut Honda ein revolutionäres Feedback-System: Die Schwinge leitet Schwingungen in den Rahmen ein, die von den für Schlupf besonders empfindlichen Nerven am Anus des Fahrers über den Sitz wahrgenommen werden. Stellt er Schlupf an Hinterrad fest, kann er stufenlos vermittels eines Drehgriffs am rechten Lenkerende das Motordrehmoment regeln, also den Schlupf selbst ein- bis abstellen. Genial!
  • Hoher Spastfaktor
    Der BMW-Kunde möchte gesehen werden. LED-Tagfahr-Schminkspiegellampen am stets neuesten Modell kommen jedoch schnell sehr kostenintensiv, vor allem, wenn noch die (steigenden!) Preise für ausreichend abriebfeste Warnwestenmodelle bedacht werden. Mit Monkeysex ist das alles unnötig, denn einen Mann auf einem gelben Clownsmotorrad übersehen nur noch Autofahrer, die unsere gesetzlich zugelassene Höchstanzahl von Schlaganfällen am Lenkrad längst überschritten haben.
  • Serienmäßiger Muschimagnet
    Dieses evolutionär wertvolle Feature hat nichtmal die BMW K 1600 GT, und die kommt immerhin mit einem Elvis-Presley-Sound-System! Es funktioniert so: Ein feinstofflich ausgeführter Attraktor sendet die Wellenformen „niedlich“ und „der will nur spielen“ zusammen mit „kümmer dich!“ und „Mann“ aus, die kombiniert einen nicht bewusst wahrnehmbaren, aber vorhandenen Zug auf die Eierstöcke ausüben. Die Muschi muss dem schließlich konstruktionsbedingt folgen.
  • Virtuellimmanenter Angstzerstäuber
    Die Monkeysex ist so klein und doof, dass jeder Anfall von Angst sofort in einen Lachanfall zerstäubt wird. Nützlicher Nebeneffekt: Wirkt auch auf überhöhten Eigenernst in derselben Weise.

Hoffentlich konnte meine kurze, berichtende Liste der wichtigsten Technikbestandteile im Monkeysex auch dem Tourenfahrer klarmachen, warum die Verleihung des Awards „Motorrad des Jahres“ alternativlos im besten politischen Sinne ist. Anderenfalls empfehle ich dringend die Anschaffung des Krads oder eines separaten Eigenernstzerstäubers.

Der Barmherzige beschwerte sich, ich solle mir gefälligst mehr Mühe geben mit Fotos. Das nächste Mal, Gerhard, wenn das Fahren langweiliger ist.
Der Barmherzige beschwerte sich, ich solle mir gefälligst mehr Mühe geben mit Fotos. Das nächste Mal, Gerhard, wenn das Fahren langweiliger ist.

Honda MSX 125 2013

Ist: der beste Monkeysex, den du je haben wirst.
Kos­tet: 2.990 Euro (plus Überführung macht 3.175 Euro)
Leis­tet: brutale 10 PS (7,2 kW) bei 7.000 U/min
Stemmt: 11 Nm bei 5.250 U/min aus 125 ccm
Wiegt: 102 kg voll­ge­tankt
Tankt: 5,5 Liter Normal
Hat: als einziges (!) Motorrad seiner Klasse einen serienmäßigen Muschimagneten und einen flussstarken Angstzerstäuber. Sensationell ist das doch.

Kommentare:

ältere
  • Dirk Klatt meinte am 10. Oktober 2013 um 14:10:

    Das Teil hat das Zeug zum Kultobjekt, wenn es nur nachhaltig von Honda vorgehalten wird. Hoffentlich endet es nicht vorrangig nur als Appendix mobiler Zweitwohnungen, die in meiner Ecke zunehmend die Straßen und die besten Motorradtreffs verstopfen und eigentlich längst verboten gehören.
    In einem irrt der Autor indes. Einen sereienmäßiger Muschimagneten haben auch Harleys an Bord, nur die Funktionsweise ist anders.

    • Clemens Gleich meinte am 10. Oktober 2013 um 14:14:

      Ta-haa! Harlay offeriert aber nix in der Klasse „kleine Clownsmotorräder“, also bleibt es das Einzige der Klasse.

  • Sex, Bananas and Rock ‘n’ Roll | MoJomag meinte am 10. Oktober 2013 um 14:30:

    […] Sie verdient die Auszeichnung mit einzigartigen Features. […]

  • Dirk Klatt meinte am 10. Oktober 2013 um 14:59:

    @Clemens Gleich: Das ist sozial ….die Kleinen sollen ja auch einmal eine Muschi abkriegen….;-)

  • sinsser meinte am 10. Oktober 2013 um 16:35:

    -Manuelle Traktionskontrolle
    -Serienmäßiger Muschimagnet
    -Virtuellimmanenter Angstzerstäuber

    *lol* Klasse Text. Danke.

  • Tobias meinte am 10. Oktober 2013 um 18:07:

    Wenigstens hat mal jemand (Honda) verstanden, dass es bei der Wiederbelebung einer Legende nicht drauf ankommt das es retro ist sondern das es den Geist der Idee weiter trägt, leider zu selten (BMW => adipöser Mini).

    Stimmt schon Harleys sind grosse Clownsmotorräder für Dicke Clowns, nur lache ich bei denen nicht mit dem Fahrer sondern eher über ihn. Ausserdem zieht der Harleymagnet doch etwas anderes Beutegut an als ein richtiges Clownsmotorrad.

  • Clemens Gleich meinte am 10. Oktober 2013 um 18:35:

    @Tobias: Also „Mamas“? Urg. Dann lieber Albernmännerfetischistinnen.

  • Dirk Klatt meinte am 11. Oktober 2013 um 10:01:

    @Tobias: Ich bin immer wieder überrascht, wie verhasst bei vielen hier doch die Marke Harley und ihre Fahrer sind? Dabei haben viele Harleyfahrer eine langjährige Motorradvita und eben Harley als letzte Evolutionsstufe des Motorradfahrens für sich entdeckt oder sie fahren – wie ich – auch noch ganz andere Kräder.
    Vielleicht gibt es aber auch regionale Unterschiede. Hier im Norden kommen alle ganz entspannt miteinander aus. Bist Du schon einmal eine Harley gefahren Tobias? Probier‘s einmal aus. Für mich ist es Entspannung pur. Dabei hatte ich früher auch meine Vorbehalte, bis ich mehr zufällig – damals immerhin als Ducatisti – eine Probefahrt auf so einem Kackstuhl gemacht habe. Danach musste ich so ein Teil haben.Daneben bin ich auf anderem Gerät aber auch sehr fix unterwegs. Beides macht Freude und beides hat seine Berechtigung. Die Motivation zum Motorradfahren speist sich eben aus vielen Quellen. Klar gibt es unter den Harleyfahrern viele Spinner und Poser, aber die gibt es bei den „Gebückten“ mindestens ebenso häufig.
    P.S.: Übrigens die im Durchschnit dicksten Fahrer findet man nach meiner Wahrnehmung eher auf 1200‘er Bandits oder 1600‘er BMW. Und Frauen stehen tatsächlich auf Harley…nicht nur die Mamas 😉

  • Tobias meinte am 11. Oktober 2013 um 12:01:

    @Dirk du unterstellst mir Hass das ist nicht nett.

    Ich hatte bisher noch keinen Grund einen Harleyfahrer zu hassen (soweit ich das sehe nette Leute), ich finde sie lustig aber eben anders lustig als einen Mann auf einem Clownsmotorrad. Dazu kommt das gefühlt bei den chopper Fahrern die Sehnsucht nach Anerkennung (seht mich an ich bin nicht Langweilig) am höchsten ist.

    Ich geb zu das ich eine Harley noch nie gefahren bin, aber ich hab mitbekommen wie anstrengend es damit sein muss ernsthaft zu fahren (meine Definition von ernsthaft, ist mir klar das jeder hier seine eigene Vorstellung hat).

    Das Regionale sprichst du ja schon an, ich lebe im Süden hier fängt die Entspannung an wenn die ersten Kurven in Sichtweite kommen. Und irgendwie haben mich Funkensprühende Anbauteile die einen aushebeln, noch nie entspannt.

    PS. Das blödste Grinsen hatte ich bisher auf einer Duke 200 und das ist der komplette Gegenentwurf einer Harley, ich denke ich bin nicht bekehrbar.

  • Dirk Klatt meinte am 11. Oktober 2013 um 14:07:

    @Tobias: Es lag mir fern Dich bekehren zu wollen. Ich mache mir nur immer gern persönlich ein Bild, bevor ich etwas beurteile. Zu meiner Passion „Motorradfahren“ gehört es dabei auch, möglichst viele Entwürfe zum Thema kennenzulernen. Vor diesem Hintergrund wechsel ich fast jährlich eines meiner Kräder markenübergreifend und „erfahre“ ein anderes. Und jede sich bietende Gelegenheit zu einer Probefahrt wird natürlich dankbar wahrgenommen. Endgültig angekommen bin ich dabei immer noch nicht. Die einzigen Konstanten, die sich langsam dabei herausgebildet haben sind bisher 2-Zylinder und dazu immer eine Harley in der Garage, sozusagen als motorischer Stressless-Sessel und für die herbstliche Putzorgie am Samstagnachmittag zur Bundesligaschow im Radio (vielleicht bin ich pervers, aber ich hab Spaß daran). Und ja, ich bin auch schon KTM gefahren und es hat mir gefallen. Vor diesem Hintergrund hab ich Dir einfach eine Probefahrt empfohlen und wenn Du dafür den aktullen Road King nimmst werden Dich – anders als bei den Softtails – auch keine Anbauteile aushebeln. Den kriegt man nämlich nur sehr spät und dann mit sehr, sehr viel Mut auf die Bretter – auch im Süden. Also, den Vorwurf des Hasses nehm ich zurück, aber Dein Urteil, dass Harleyfahrer durchweg keine ensthaften Motorradfahrer seien, kann ich so nicht stehen lassen. In diesem Sinne ein schönes, tolerantes Wochenende ….hier hinterm Deich kann man sogar noch verritabel cruisen…

  • vanmeer meinte am 14. Oktober 2013 um 16:07:

    Prima Rezension.

    Und wenn jetzt noch ein Vergleichstest hinsichtlich Angstzerstäubung und clowneskem Empfinden mit der Hyosung Karion, das wäre großartig.

    • Clemens Gleich meinte am 17. Oktober 2013 um 15:09:

      Die Hyosung ist schon wieder viel zu groß.

  • Horst meinte am 5. November 2013 um 11:27:

    Tach alleman!

    Klingt komisch, is aber so !!

    Grüsse HORST

    ——————
    Wo fliegt der schwule Adler hin, natürlich zum Horst 😉

  • Rückspiegel: Best of 2013 | MoJomag meinte am 7. Januar 2014 um 0:00:

    […] ein Jahr im Voraus verkünde. Den Titel diesmal erhält die fortschrittlichste Honda der Welt: die MSX 125. Mit Ausstattungseinzigartigkeiten wie dem serienmäßigen Muschimagneten, einem ausgezeichneten […]

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