Gekauft: Kawasaki Ninja 300

Im September 2012 traf ich sie das erste Mal. Sie stand auf einem Podest, und ich war über alle Maßen froh, sie zu sehen, weil ich dachte, ich hätte mich versehentlich freiwillig zu irgendeiner Elektrogurkenpräsentation gemeldet. Stattdessen stand da ein kleines Motorrad, an dem alles schön war, was mir an der 250 missfiel. Ich fasse die 250er zusammen: Sie sah (mit Absicht?) ein bisschen so aus wie eine 2006er Kawasaki ER-6f, die wiederum wie ein sehr langweiliger Rentnerdildo aussah. Gut, dass diese Zeiten vorbei sind. Die optische Einstiegshürde aus dem Weg fegte ich mit dem üblichen Klassenausflug der Kradjournos durch den Odenwald. Es war wundervoll. So muss das damals gewesen sein, als der Mann vor mir (Guido Kupper) noch eine ganz kleine Kradbratze war: Immer am Gasanschlag und gerade deshalb so befriedigend. Die Maschine auswringen, statt sich seiner eigenen Leistungsdefizite schämen zu müssen.

Odenwald! Whee!
Odenwald! Whee!

Nach der Gestaltung hat Kawa auch bei der Ausstattung das meiste richtig gemacht. Es gibt eine Benzinuhr, es gibt einen großen Tank (17 Liter), es gibt eine mechanisch zuziehende Kupplung mit entsprechend geringer Bedienkraft und Anti-Hopping-Rampe, es gibt eine Vollverkleidung, die das Wetter um den Fahrer herumdrückt, es gibt ein ABS. Die kleine Kawa hat nur zwei echte Nachteile: Sie ist erstens zu schwer (Gewicht vollgetankt mit ABS: 177 kg) und sie ist zu teuer für ihr Marktsegment: 5600 Euro? Komm schon, Kawa! Trotzdem ging ich gleich nach der Probefahrt zu meiner Freundin, um ihr zu eröffnen, dass die Ninja ihr nächstes Motorrad wird. Das ist jetzt eingetreten.

Der Herausforderer war die KTM 390 Duke. Eigentlich ist die KTM das bessere Angebot, die Österreichische bringt mehr Motorrad für weniger Euro. Allerdings war sie auf die nächste Zeit komplett ausverkauft. Angebote aus ganz Deutschland (“verfügbar!“) entpuppten sich als fiese Köder (“Ja, nee, wir können Ihnen eine bestellen. Wann die geliefert wird …“). Wichtiger jedoch war: Sie fand die Ninja einfach schöner, dieser vielleicht wichtigste aller Kradkaufgründe. Um einen so großen Sympathiebonus aufzuholen, hätte die 390 Duke schon sehr außerirdisch passen müssen, und dass sie das nicht tat, sah ich schon auf den ersten zehn Probefahrtmetern im Rückspiegel. Also blieb es bei der Kawa. Es hat Vorteile, dass die keiner will. Die Definition eines lohnenden Kaufs: gute Dinge ohne Nachfrage. Sie kaufte einen Vorführer zum guten Preis. Sie hat es nicht bereut.

Die Einfahranleitung ist schockierend, ja: unmöglich, aber zum Glück stimmt der Händler mir zu, dass sie außerdem Quatsch ist. Ansonsten gibt es nichts, was ich dem neuen Familienmitglied weiter ankreiden möchte. Ich bin neidisch. Zum Glück hat Honda angerufen und gesagt, ich stehe auf der Liste für die gelbe MSX 125, wenn die zur nächsten Saison aus dem Fuhrpark verkauft wird.

Saturdays are for riding this.
Saturdays are for riding this.

Kawasaki Ninja 300 2013

Ist: jetzt Familie.
Kos­tet: 5.595 Euro
Leis­tet: 39 PS (29 kW) bei 11.000 U/min
Stemmt: 27 Nm bei 10.000 U/min aus 296 ccm
Wiegt: 177 kg vollgetankt mit ABS
Tankt: 17 Liter Normal
Hat: eine bescheuerte Einfahranleitung und zu viel Gewicht, aber hey: Deswegen fliegt man noch nicht aus der Familie.

Kommentare:

ältere
  • Wohin mit all dem Geld? | MoJomag meinte am 8. Oktober 2013 um 9:30:

    […] Warum man eine Ninja 300 kauft […]

  • Der-Alte Griesgram meinte am 8. Oktober 2013 um 12:42:

    Gute Wahl. Riesenhubräume haben einen kleinen – ach ne doch nicht, ich habe ja selber eine 12hunderter, aber so kleine Maschinen machen einfach mehr Spaß, wenn ich nicht gerade schnell über die Bahn will nehme ich auch die 250er.

  • Clemens Gleich meinte am 8. Oktober 2013 um 13:24:

    Ich erinnere auch die 500er-Hondas, die Dir so gut gefallen haben. Grad passiert ein schönes Revival der kleinen Hubräume, der bezahlbaren Maschinen. Darüber hinaus: Die Ninja fährt rund 170 km/h Endgeschwindigkeit, und die Herzdame fährt auf der Autobahn üblicherweise eine Reisegeschwindigkeit von 160. Passt also.

  • sinsser meinte am 8. Oktober 2013 um 15:47:

    ja, für ein Mädel sicher schick. Und das Kawa-Grün ist einfach immer wieder klasse.
    Ich selbst wäre für das Teil aber wohl zu lang und zu fett.
    Für die 390er Duke sowieso.
    Mir würde daher sowas als Kurzstreckenmöpp eher taugen:

    http://www.motorradonline.de/news/vorstellung-honda-crf-250-m/480938

  • Daniele meinte am 8. Oktober 2013 um 16:34:

    Und was würdest du denjenigen empfehlen, denen die 390er Duke ebenfalls nicht passt (weil zu gross)? Bin auch die 690er (2013) probegefahren. Die sitzt wie angegossen, aber ich fand den Motor für den Stadtverkehr nicht optimal geeignet.

    • Clemens Gleich meinte am 8. Oktober 2013 um 19:44:

      Viele große Mädels sind glücklich mit der Kawasaki Versys oder einer BMW F 800 R. Oder die NC700-Baureihe von Honda angucken. Oder die neuen 500er von Honda. Sind halt alle mindestens 40 kg schwerer als die KTMs. Leider. Ansonsten gibt es noch Supermotos wie etwa Yamaha WR 250 X. Das ist aber schon sehr hoch und sehr speziell. Muss man wollen und mögen.

  • sinsser meinte am 8. Oktober 2013 um 19:52:

    Die Yamsel geht ja preislich mal gar nicht:

    Unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers zuzüglich Nebenkosten:
    WR250X € 7.195,00

    Spinnen die?

  • Clemens Gleich meinte am 8. Oktober 2013 um 19:56:

    Man kriegt bei Yamaha tatsächlich sehr viel Fahrwerk, aber wie Du selber an der eigenen Reaktion siehst, ist das nicht das richtige Angebot in der 250er-Klasse.

  • der "allmächtige" meinte am 8. Oktober 2013 um 21:31:

    weiterer Gebraucht-Tipp für Kurzbeinige/50-PS-Freunde: Moto Guzzi Breva 750
    Eckdaten: siehe 500er Honda, nur mit 750cc

    Sind die 500er Hondas eigentlich wirklich so gut wie es überall steht?

    • Clemens Gleich meinte am 8. Oktober 2013 um 21:42:

      Die 500er sind tatsächlich sehr gelungene Motorräder zu einem echt fairen Preis. Ich find sie allerdings viel zu schwer. Ich meine, die CBR 500 R wiegt vollgetankt 196 kg. Die Kawa ist schon zu schwer, wo kommt das Gewicht überhaupt her?

  • Peter K. meinte am 9. Oktober 2013 um 7:38:

    Wo das viele Gewicht herkommt? Ganz einfach:

    Man sieht das z.B. an der Schwinge. Bei preiswerten Mopeds ist die aus einfachen Rechteckrohren geschweißt, günstiger „Baustahl“, dafür mit mehr Wandstärke für die entsprechende Belastbarkeit.

    Man spart Arbeitsschritte und Materialkosten ein, aber es ist eben schwerer. Hochfesten Stahl, Hydroforming, variable Wandstärken und Wärmebehandlung zur Erhöhung von Festigkeit und Gewichtsersparnis; das alles kostet mehr Geld in der Fertigung, und das sieht und „fühlt“ man dann auch am Endprodukt.

    Um bei der Schwinge zu bleiben: bei der KTM Duke 125 bis 390 wird anscheinend das gleiche Bauteil verwendet, bei höheren Stückzahlen kann man die Kosten durchaus so weit drücken das auch etwas anspruchsvollere Konstruktionen in der preiswerten Klasse möglich sind.

  • sinsser meinte am 9. Oktober 2013 um 7:59:

    Zitat Clemens „Man kriegt bei Yamaha tatsächlich sehr viel Fahrwerk“:

    Das mag ja sein, und auch das Gewicht ist für Dich bestimmt ein Pro-Argument. Aber ein Mopped mit der Optik einer DT80LC1 von 1982 inkl. der Spiegel einer DT50M von 1976, dazu orangene Blinker……..und das Ganze zu dem Preis einer neuen LC4 640 Prestige aus 2006, welche ja auch kein Nasenbohrerfahrwerk hatte, dafür aber doppelt soviel Leistung und sonst auch hochwertige Komponenten?
    Hallo? Frech. Wer kauft sowas?

    • Clemens Gleich meinte am 9. Oktober 2013 um 14:20:

      Fahr mal eine WR. Ist eine echt gute Mopete. Dass sie am Markt vollkommen vorbeigeht, siehst ja selber. Die LC4 640 Prestige wiegt 30 kg mehr. Das ist im Gelände mehr als eine Welt.

  • sinsser meinte am 9. Oktober 2013 um 15:13:

    Weiß ich, weiß ich.
    Obwohl es eigentlich nur 25 kg Gewichtsunterschied sind (136 zu 160). Hatte bis vor kurzem ne Husa 450 mit rund 110kg. Vorher ne LC400 mit 135kg.
    Aber die hatten für Ihr Geld wenigstens auch entsprechend Leistung.
    Davon mal ganz ab, ne Prestige ist natürlich ne Supermoto, und die funktionierte auch mit 160kg vollgetankt auf Kartbahnen ganz gut.

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