Angeschaut: Robocop 2014

Ein Remake eines Klassikers hat eigentlich nur zwei Chancen: Entweder er versucht eine eigenständige Neuinterpretation des Themas oder er wird scheiße. Ein Film steht nie außerhalb seiner Zeit, und Robocop war einfach ebenso bezeichnend für unsere Gefühle gegenüber Maschinen in den Achtzigern wie es der Terminator war. Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, welchen der zwei Wege die neue Robocop-Verfilmung genommen hat. Ich bin der Ansicht, sie ist den ersten Weg gegangen. Zusammen mit mir sind andere Nerds dieser Ansicht, die den Film mit altmodischen Adjektiven wie „klug“ auszeichnen, mit denen schon Verhoevens Film beschrieben wurde. In den Achtzigern erlebte endlich auch der Mainstream mit Ehrfurcht bis nur Furcht, wie gnadenlos Industrieroboter ihre Arbeit erledigen. Die Ängste der Industrialisierung, dass wir in ein Rad einer mechanischen Maschine kommen, die uns zufällig wie eine Naturgewalt zerkleinert, wurde in den Achtzigern komplementiert von der Angst, eine Maschine könnte uns beurteilen, zum Töten markieren und dann versuchen, ihre übersimplifizierte Entscheidung mit der Gnadenlosigkeit eines Industrieroboters umzusetzen. Robocop zeigt außerdem das in den Achtzigern plötzlich breitenwirksam gewordene Bewusstsein über die Macht globaler Megakonzerne. Aber jetzt ist 2014. Wir fürchten uns heute zusätzlich vor der Allgegenwärtigkeit dicht vernetzter Maschinen, die Ozeane von Daten verarbeiten, die uns gar nicht zur Verfügung stehen und unsichtbar bleiben, vor manipulativen Medien und ihrem Einfluss auf den Mob.

Genau hier spielt der neue Robocop überraschend feinfühlig auf. Samuel Jackson mimt den Meinungsmedienmann, der aus bewusst offen gelassenen Gründen Kampfdrohnen im US-Inlandsmarkt sehen will, die Polizeiarbeit erledigen. Schnitt in ein Krisengebiet, in dem Laufdrohnen Patrouille laufen. Aktuelle Themen geben den Takt des Films an. Dazu kommen Nebenströmungen aus zum Beispiel der Bewusstseinsforschung: „Ist das Murphy?“, fragt da jemand anlässlich der drastisch verbesserten Performance von Robocop in seinem zweiten großen Praxistest. „Nein“, antwortet der Wissenschaftler, „das ist eine Maschine. Murphy ist nur Passagier.“ Alle gucken blöd. „Aber er glaubt, dass er selber handelt.“ Ein Neurochip spielt ihm das vor. Solche Details der Fragestellungen zu Bewusstsein, Selbstwahrnehmung und freiem Willen werten für uns Nerds die Geschichte enorm auf. Genauso sind die Narrative zu Drohnen und eigenintelligenten Prothesen flüssig schluckbar, weil nahe an einer möglichen zukünftigen Realität. Für das Genre Actionfilm mit seinen normalerweise durchgängig haarsträubenden Narrativen ist das bemerkenswert gut.

Operation geglückt, aber Patient möchte sterben. Der Doktor hat seine Seele schon verkauft und zieht die aber-Ihre-Frau-Karte. (Bild: Sony Pictures / Studiocanal)
Operation geglückt, aber Patient möchte sterben. Der Doktor hat seine Seele schon verkauft und zieht die aber-Ihre-Frau-Karte. (Bild: Sony Pictures / Studiocanal)

Als Schwäche empfand ich ausgerechnet den Hauptdarsteller Joel Kinnaman, der am Kevin-Costner-Syndrom leidet, also nur zwei Gesichtsausdrücke hat. Auch seine Frau im Film (Abbie Cornish) spielt irgendwie nicht besonders glaubwürdig, was vielleicht daran liegt, dass sie den Murphy-Schauspieler nicht sonderlich zu mögen scheint. Das wird wettgemacht durch Gary Oldman, der den zwischen Versuchung und Gewissen zerrissenen Doktor spielt, und Michael Keaton, der mit Gusto Omnicorps dynamischen CEO gibt. Ich möchte jedem diesen Robocop empfehlen, und wer es noch nicht getan hat, sollte die Achtziger nachholen und Paul Verhoevens Film ebenfalls angucken. Wer Nerd und Freund von SF-Filmen ist, wird beide mögen. Robocops Motorrad ist übrigens eine 2010er Kawasaki Z 1000.

Kommentare:

ältere
  • 3-plus-1 meinte am 14. Februar 2014 um 15:38:

    Aus unpassendem Anlass möchte ich die Gelegenheit mal nutzen zu erwähnen, dass aktuell auf Pro7MAXX – also das erste Mal im Free-TV – die zweite Staffel von Terminator SCC läuft. Könnte den einen oder anderen Nerd vielleicht interessieren, der sich ausgerechnet zu dieser Rezension verirrt hat.

    PS: Pro 7 MAXX ist im DVB-T-Bouquet z.B. in Hamburg und dadurch Free-TV
    PS/2: Was hatte Robocop bei Verhoeven eigentlich für ein Motorrad?
    PS III: „OCP“ klang viel böser als „OmniCorp“. Letzteres erinnert viel zu sehr an Gillies „Datacorp“

  • Thimo meinte am 14. Februar 2014 um 16:54:

    Als der erste Robocop im Kino lief, war ich mehr an Fummeln interessiert, als am Film – geschweige denn irgendwas von der „message“ kapiert. Später auf VHS (!) habe ich den Film auch ganz gesehen. Ist ein all-time-favourite.

    @Clemens: „Richtiges“ Remake oder „freier“ interpretiert?

    @6-minus-2: Meiner Erinnerung nach war der erste Robocop ein Öko und ging viel zu Fuß, fuhr gar kein Moped, ab und zu mal einen Hybriden (oder Elektro-Karre).

    • Clemens Gleich meinte am 16. Februar 2014 um 12:46:

      @Thimo: Ich würde sagen, irgendwo zwischen Neuinterpretation und Neuauflage. Der Grund ist sichtbar: Sie wollten den alten Film gelegentlich zitieren, weil sie ihn selber geil finden. Beispiel Musik, Beispiel einzelne Szenen, Beispiel Grundhandlung. Die neuen Sachen sind der Geschmack mit den Drohnen, der so gut in den Zeitgeist passt, die neue Ästhetik, und die fast schon perfide Änderung der Einspieler: Im Eighties-Robocop erklärten (wie in Starship Troopers) Werbeclips aus dieser Welt diese Welt. Im 2014er-Robocop gibt es eine Sendung „The Novak Element“, bei der vollkommen unklar ist, ob das Werbung, eine eigene Meinung oder bezahlte Propaganda ist. Sehr 20XX … Schau Dir von beiden Filmen die Trailer an, sie sagen Dir die Stimmung recht gut. Am Trailer habe ich auch entschieden, den neuen Film anzugucken.

  • 3-plus-1 meinte am 15. Februar 2014 um 13:50:

    @Thimo

    Oh, dann hatte ich das wohl mit dem Dienstmotorrad aus Judge Dredd verwechselt. Aber der war auch von 1995 und nicht aus den 1980ern.

    Mein Pseudonym bezieht sich übrigens auf das erste „Office-Paket“, das ich am Rechner nutzte. Bei welchem Rechner es im ROM steckte überlasse ich dann der eigenen Recherche.

  • Christian meinte am 19. Februar 2014 um 22:28:

    Hollywood-Kacke habe ich mir als Kind reingezogen aber Heute ist mir meine Zeit einfach zu Schade mit der juedischen Hollywood Propaganda meine Zeit zu vertun oder gar dafuer noch zu bezahlen.Die muessten mir 30 Euro die Stunde bezahlen mir Das anzutun…;-)))
    Kino ist fuer Kinder oder Maedels.Maenner gehen in die Kneipe!

    • Clemens Gleich meinte am 19. Februar 2014 um 23:28:

      … und Nazis gehen nach Amerika.

  • Volker meinte am 24. Februar 2014 um 19:36:

    @3-plus-1: Terminator S.C.C.? Episch. Und m. M. n. weit unterbewertet. Natürlich gibt es da und dort ein paar Längen, gab es bei „Akte X“ und „Navy CIS“ aber auch (und ob!). Allein schon der Pilot. Ein Traum. Mir ist da nicht nur einmal ein fettes „YESSS!“ ausgekommen. DVD-Kaufempfehlung mit Suchtcharakter. Sowas schaut man (mit viereckigen, blutunterlaufenen Augen) an einem Wochenende durch. Und fragt sich, warum die Serie abgesetzt wurde.

    Aber mei. Dann halt noch „Terminator Sal(i)vation“ im Nachgang, zwar etwas durchschaubar (BItte: Wer oder was soll Marcus Wright schon sein, wenn nicht ein Cyborg, den das bösen Mädel von Cyberdyne auf John Connor gehetzt hat?), aber gut gemacht. Allein schon die T-600-Interpretation mit der Minigun in der Hubschrauberszene. Das rockt. Ich stelle mir gerade vor, so ein Gerät als Wachhund im Flur zu haben, wenn die serbokroatische Knackerbande meine Haustüre aufbricht. Aber leider braucht man für das Monstrum vermutlich ein baustatisches Gutachten.

    Aber ich schweife ab. Danke, Clemens, für Deine IMDB-verdächtige Rezension. Ich spielte schon ernsthaft mit dem Gedanken, mir den Film (also Robocop 2014) zu geben, konnte aber nicht so recht einschätzen, ob es nur ein fades Remake des 1987er Klassikers mit einem gute agierenden Peter Weller (der wohl auch kaum mehr Gesichtausdrücke stemmen kann als Joel Kinnaman, hoffentlich kommt er nie auf den Gedanken, im Remake von Water*gähn*world zu mimen) wäre. Das hätten wir nun klargestellt: Ist es nicht.

    Jetzt muß ich nur noch eine hübsche Version fürs Pantoffelkino orgen, denn die besseren 2/3 lassen mich wohl nicht aus dem Haus. Zumindest nicht mit Jogginghose, Feinripp, Bier und Chips, wie es angemessen wäre.

    Herzliche Grüße,
    Volker

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.