Gefahren: Porsche Boxster S (981)

Toby hat mich damit verwundert, dass er den Porsche Boxster gut findet. Ist der Bub krank? Wieso will er sich in das Auto der Finanzberater und „ich-bring-dich-ganz-groß-raus“-Pornographen setzen? Time to investigate! Zuallererst: Ja, ich wusste vorher, dass der Boxster besser ist als alle diese motorisierten Picknickkörbe, mit denen er allerweil verglichen wird. Wurzeln solche Vergleiche irgendwo in der Realität oder sind sie ein Konstrukt Autoheftemacher? Ich meine: Stellt sich wirklich jemand die Frage: Kauf ich den Pockster, den Mercedes SLK, einen Audi TT oder kaufe ich dieses Kratzgeräusch von Peugeot? Möchten Sie lieber gesund und reich sein oder krank und arm? Hm. Schwierig. Wahrscheinlich gibt es zwei Interessengruppen, einmal die Friseure im Herzen, einmal die Fahrer. Die folgende Einschätzung ist für die Fahrer gedacht.

Zunächst mal: Was ist das für ein Wagen? Schreiber sind am besten leicht beeinflussbar, eine Antenne für alle Vibes eines Fahrzeugs. Den Charakter des Fahrzeugs, mit dem ich mich gerade beschäftige, kann man am schnellsten an meiner Einkaufsliste ablesen. Solange ich KTM Duke fahre, will ich immer Militärrationen kaufen. Weil es die im Edeka nicht gibt, werden es meistens Bananen. Im Jaguar F-Type V8 S habe ich einen fetten Lappen Rumpsteak gekauft, zusammen mit einem Wein, schwerer als der Samtvorhang im Moskauer Bolschoi-Theater. Beim Boxster waren es eine Dorade, ein Gläschen Lachskaviar, eine Flasche Riesling aus dem Elsass, ein Graubrot und ein Schnelltest auf Chlamydien. Wer wenig Zeit hat, weiß jetzt alles, was es über dieses Fahrzeug zu sagen gibt.

Auf dem Weg zur Ruhe

Wie den Dschäääg habe ich den Pockster mit auf meine Duke-Teststrecke genommen, im Schwarzwald die Ruhesteinstraße runter, dann die 500 queren und am Allerheiligenwasserfall vorbei nach Oppenau zum Tanken fahren. Es gibt zwei wichtige Unterschiede. Erstens ist der F-Type 197 cm breit, der Boxster 180 cm. Das ist der Unterschied zwischen „hrch! Anstrengend!“ und „diese Straße auf diesem Fahrzeug macht Laune“. Und zweitens hat sich Porsche die Mühe gemacht, passende Winterreifen für ihren Mittelmotorantrieb auszusuchen (die Pirelli Sottozero auf dem Jag hatten aus irgendeinem Grund null Grip). Die Conti Wintercontact haben tadellos in Regen und Schnee funktioniert. Ach was, „tadellos“: Dieses Auto ist zum Fahren exquisit wie kein anderes seiner Preisklasse oder überhaupt aller Preisklassen. Die herrlich austarierte Balance spürt der Fahrer im Lenkrad, der Motor hat Elastizität, und es ist sogar einfach zu fahren. Im Pockster kann ich so tun, als könne ich gescheit Autofahren, als könne ich sogar kontrolliert Driften! Die elektronischen Fahrhilfen piepen nie, geben nie auf, haben immer eine Antwort, und wenn es die der Schadensbegrenzung jenseits des Ereignishorizonts möglicher Rettung ist. Die meisten sind außerdem abschaltbar.

Zum Fahren kommt eine echte Alltagstauglichkeit: In den vorderen Kofferraum passt der Getränkeeinkauf für eine Familie, hinten der Einkauf dazu, und der Beifahrersitz ist dann auch noch frei. Im Teillastbetrieb ist außerdem der Verbrauch sehr human. Das alles hat mich so überwältigt, dass ich schon bei meiner Rückfahrt aus dem Schwarzwald noch im Auto Toby anrufen musste, um ihm mein Verständnis auszudrücken. Weniger Verständnis habe ich für Porsche. Um ihren Fahnenträger 911 attraktiver zu machen, ist der Boxster mit Absicht schlechter als nötig gemacht. Früher gab es für die Mittelmotormodelle noch nichtmal ein Sperrdifferenzial in der Aufpreisliste. Das ist im aktuellen Boxster zum Glück anders. Aber er hat immer noch zu wenig Leistung für seine rund 1,4 Tonnen Leergewicht. Man dreht, bis das Teil Schrauben kotzt, kommt aber trotzdem nicht so richtig zügig die Berge hoch. Quittung bei mir war: von Oppenau nach dem Warmstart an der Tanke nach Hause auf 153 km 30,36 Liter verbraucht, was 19,8 Litern auf 100 km entspricht. Bisserl viel für nur Landstraße. Kombinierter Verbrauch über alles inklusive Autobahn waren 13,7 Liter, was ein guter Wert ist. Grundsätzlich bräuchte ein Auto dieses Gewichts einfach den 400-PS-Motor aus dem Porsche 911 Carrera S. Damit könnte man außerdem Leistung aus der fleischigeren Drehzahlmitte abrufen, was einigen Sprit spart.

Fahrerzit

Zumindest gibt es ein sehr eindeutiges Fazit für Fahrer: Es gibt in diesem Segment kein besseres Auto, um damit Landstraßen zu beheizen. Macht euch nicht unglücklich mit einem Audi TT RS oder anderen Nasenbären, das hier ist das Beste. Fragt egal wen, wer das Teil gefahren ist, wird mir entweder zustimmen oder ist kein Fahrer, sondern ein Friseur. Toby und ich überlegen uns gerade Ausreden für lauter Geschichten mit Porsche Boxstern drin. Die sind total interessant. Für uns. Für alle anderen Interessenten habe ich bei Heise noch aufgeschrieben, wie man einen Porsche Boxster am sinnvollsten preiswert konfiguriert:

Little Brother: Porsche Boxster S

Elegant, exquisit zum Fahren und alltagstauglich. Schade, dass er hinterm 911 anstehen muss.
Elegant, exquisit zum Fahren und alltagstauglich. Schade, dass er hinterm 911 anstehen muss.

 

Porsche Boxster S (981)

Ist: vom Prinzip her der beste Porsche
Kostet: ab 60.191 Euro
Leistet: 315 PS (232 kW) bei 6.700 U/min
Stemmt: 360 Nm von 4.500 bis 5.800 U/min aus 3.436 ccm
Wiegt: 1.395 kg (EG-Leergewicht)
Tankt: 64 Liter Super Plus
Verbraucht: 13,7 l pro 100 km im Schnitt über alles, 19,8 l beim Landstraßenbrennen
Hat: einfach zu wenig PAUÄRR!

Kommentare:

ältere
  • Winfried V. Berlepsch meinte am 18. Februar 2014 um 14:01:

    Wie weit verwandt sind eigentlich Boxster und Cayman? Ich dachte bisher, der eine sei eben nur die (schwere) Cabrioversion vom andern.

  • Thoralf meinte am 18. Februar 2014 um 14:22:

    Umgekehrt wirds ein Schuh, der Cayman ist die Coupé-Version des Boxter. Klingt nach Haarspalterei, aber der Boxter ( 1. Gerneration ) war eher, und beim 981 trägt der Cayman das Anhängsel c ( 981c) und nicht das Cabrio.
    Ansonsten, schöner Bericht aber,
    1. nicht meine Preisklasse ( nein, meine „Armut“ kotzt mich nicht an, ich habe andere Prioritäten 😉 )
    2. selbst wenn es meine Preisklasse und Fahrzeugkategorie wäre , würde ich wohl irgendeinen Z-irgendwas fahren … so bin ich eben, meine SF848 ist vermutlich auch nicht die bestmögliche Wahl, ich würde dennoch derzeit nix anderes wollen.
    3. ich bin trortzdem kein Friseur :p

    • Clemens Gleich meinte am 18. Februar 2014 um 15:13:

      Thoralf, Toby hat seinen Boxster wegen Elektrikmacken verkauft und fährt seitdem ebenfalls Z4. Ist dem Vernehmen nach sehr zufrieden damit.

  • Alex meinte am 18. Februar 2014 um 15:16:

    Durchs Lierbachtal … schöne Straße, schöner Text.

  • Christian meinte am 19. Februar 2014 um 22:23:

    Cabrios sind doch nur was fuer Tunten.Der Cayman S waere schon ein tolles Auto mit dem 400PS Boxer aus dem 911 Carrera S der wiederum einen 500PS 8 Zylinder Boxermotor braucht.Natuerlich sind PORSCHE feine Autos aber preislich selbst fuer das Gebotene weit ueber der Schmerzgrenze angesiedelt.
    Poserautos fuer Boersenspekulanten und Bankster die sich so etwas von unseren Steuern und Spareinlagen leisten.Dann schon lieber einen prolligen Corvette V8 Glasfibersarg aus USA Gebraucht fuer 25% des Einstiegpreises der fast genausoviel Spass macht…Meine Meinung!
    Habe selbst eine 2004 Z06 mit 410PS/550NM bei 1400Kg Vollgetankt fuer 20 grosse Scheine.Da stimmt noch die Relation von Einkommen und Preis fuer‘s Gebotene!
    Ich Weiss dass Euch meine Armut ankotzt…;-)))

  • Winfried V. Berlepsch meinte am 24. Februar 2014 um 15:22:

    …Natuerlich sind PORSCHE feine Autos aber preislich selbst fuer das Gebotene weit ueber der Schmerzgrenze angesiedelt…

    Ich kann leider nicht mitreden, da ich selbst noch keinen Porsche gefahren bin, aber wenn ich mir den Grundpreis eines 135i anschaue, dann finde ich einen Cayman S geradzu günstig.

  • Dirk Klatt meinte am 25. Februar 2014 um 11:52:

    @Winfried V. Berlepsch: Widersprich dem Christian nicht ….der hört sonst nie auf. Kerle die offene Wagen fahren sind nun einmal Tunten. Porsches generell Poserautos …genau wie Ducatis, Ninetten, Guzzis,Harleys, Triumphs Bonnevilles alles Spielzeugkräder für einfältige Poser sind. Der Mann weiß wovon er redet ..also bitte verinnerlicht das endlich…

  • Warum werden meinte am 16. März 2014 um 11:42:

    nur weil sie Redakteure sind?

    ES IST TOTAL UNFAIR. ICH SCHREIBE AUCH GUTE TEXTE!!!!!!

  • Günther meinte am 1. Oktober 2014 um 10:00:

    Der Christian ist noch die Antwort schuldig wie sich Boersenspekulanten und Bankster von STEUERN Dinge kaufen können. Vielleicht weiss Christian Dinge über den Lauf der Wirtschaft die wir alle nicht wissen.
    Kurven ist er wohl mit der Corvette auch noch keine gefahren – hinten und vorne Blattfedern – wie am LKW – echt!!! Da ist jeder Porsche eine sowas von andere Liga – es gibt schon Gründe warum die Corvettes, Mustangs etc. billiger sind. Aber Hauptsache 500 PS – booooah.

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