E-Bikes sind sehr schwul

Gestern bin ich E-Bike gefahren. Mit Durchstieg, damit ich mir die Eier nicht anhaue, wenn ich absteigen muss. Es war (Achtung, voll unkorrekt:) der voll schwulste Moment seit mir ein homosexueller Mann das Eagles in Stuttgart zeigen wollte. Da liefen Filme, wo sich Männer den Po untersucht haben und dazu konnte man was trinken. Jetzt war das E-Bike fahren nicht unbedingt so schwul im Sinne von tuntig, sondern eher pussymäßig. Also passt der Begriff schwul, wenn man es analysiert, nicht wirklich zum E-Bike fahren. Das verhält sich ähnlich (vielleicht), wie Jan Delay auch nicht meinte, dass Heino ein Nazionalsozialist sei, sondern halt ein – wie er es ausgedrückt hat, ein „Nazi“ und damit so was wie „Spießer“ und „rechtskonservativ“ und „heimattümelnd“ meinte, glaube ich. Aber der Heino hat es ja dann dem Jan auch erklärt, dass er kein Nazi ist, und ich glaube, der Jan hat es verstanden. Und in diesem Sinne ist mein Erlebnis mit einem E-Bike sehr schwul gewesen.

Aber es lag gar nicht mal am Motor, sondern am Rad selber. Weil ich mir das Bein gebrochen habe, habe ich Angst davor, unvorhergesehen absteigen zu müssen und damit die Heilung des Beins zu beeinträchtigen. Jetzt schwebte ich durch Stuttgart mit einem Frauen-Ausflugsrad mit niedrigem Durchstieg und Vorderrad-Naben-Elektro-Unterstützung. Dazu trug ich, auch geliehen, eine türkis-blaue Softshell-Jacke, weiße Radhandschuhe und einen Helm. Weil mein Bein immer noch mit der Heilung eines 40 Zentimeter langen Schnitts von der OP beschäftigt ist, bin ich ziemlich langsam gefahren. Eben so, wie eine Rentnerin am Steinhuder Meer entlang radeln würde, wenn sie einen sportlichen Sonntagsausflug machen wöllte. Mich haben dann ganz viele Menschen auf normalen Fahrrädern überholt. Ich weiß jetzt, wie es wird, wenn ich alt bin. Und wie es wäre, wenn ich eine alte Frau werden würde.

Das Schlimme daran: Es könnte wirklich so kommen, weil man im Alter gern unbemerkt den Respekt vor sich selbst verliert. Das merkt man zum Beispiel daran, dass man nicht mehr mit der Mode geht, oder mit der falschen, zum Beispiel eine praktischen Mode bevorzugt, und nicht mehr eine, die gut ausschaut. Dann fährt man als alte Frau in einem Kunststoff-Softshell am Steinhuder Meer und freut sich darüber, dass das Softshell so schön winddicht ist und trotzdem atmungsaktiv und auch sogar ein paar Regentropfen abhält und es nur 299 Euro gekostet hat, treppel, treppel …

Vielleicht noch eins: Mit Motorradfahren hatte dieses E-Bike Erlebnis nix zu tun, aber ich bin gut und heile und ganz ohne zu schwitzen (was auch am Softshell lag) zu Hause angekommen, bin nach vorne vom Sattel abgestiegen und habe mich gewundert, dass der Akku nach 10 Kilometern schon fast leer war und mir damit mal wieder bewiesen war, dass diese E-Mobilität doch ein rechter Scheiß ist. Aber: Der Clemens und ich wollen mich widerlegen und testen bald, wenn das Bein wieder gut ist, ein E-Mountainbike – wahrscheinlich von BMW, weil das irgendwie was mit Motorrädern zu tun haben könnte. Das Problem: Ich habe Angst vor dem Test. Was passiert, wenn wir das gut finden? Was sagt uns das über uns? Ist das der nächste Schritt zum türkisfarbenen Softshell? Finden wir das dann cool, weil es praktisch ist? Was wird aus uns? Ich habe Angst.

Clemens sagt: Das ist das BMW-Logo-E-Bike, das ich am Strand von Barcelona entlang geradelt bin. Wenn man den Chip austrickst, sollten über 70 km/h drin sein. Aber ich hab mich auch alt gefühlt: beim Tragen.
Clemens sagt: Das ist das BMW-Logo-E-Bike, das ich am Strand von Barcelona entlang geradelt bin. Wenn man den Chip austrickst, sollten über 70 km/h drin sein. Aber ich hab mich auch alt gefühlt: beim das Teil Treppen Tragen. Ein elektrischer E-Bike-Treppenlift wär schön …

Kommentare:

ältere
  • Frank Kemper meinte am 16. Mai 2014 um 22:41:

    Dafür, dass der Text vor Arroganz und Homophobie nur so triefte, war er denn am Ende doch nicht geschliffen genug, um den Autor cool und abgeklärt wirken zu lassen. Eher wie ein Bürscherl, das sich einen Hipster-Bart stehen lässt, weil das jetzt alle so machen.

  • Stefan meinte am 17. Mai 2014 um 9:14:

    @Frank Kemper: von jemandem der darüber redet wie wichtig Mode ist, der zum Mopedfahren schon mal gerne ein weißes Lederjäckchen trägt und den Bauchumfang eines Teenagermädchens hat zu behaupten er wäre Homophob ist in etwa so wie mit dem Pajero nach Spanien zu fahren: man hat keine Ahnung.

    • Clemens Gleich meinte am 17. Mai 2014 um 13:54:

      @Stefan: Homophob ist Timo wirklich nicht. Auch Franks „Arroganz“ kann ich nicht so wirklich feststellen, weil zur Arroganz gehörte, dass Timo das alles ernst meint. Wenn man davon ausgeht, kann man ihn auch gleich fragen, wie sich die Wechseljahre anfühlten damals, erzählen Sie als alte Frau doch mal, Frau Großhilde …

      Dieser Text ist einfach mit Buchstaben herumgealbert. Ich schreib das hier allerdings mehr fürs Protokoll rein, denn gedanklich aufnehmen wird es eh keiner. Beim Reiseenduro-Einschätzen dachten ja auch alle, das ist ein Vergleichstest, der genau so gemeint ist, dass folglich nur Barbie und Ken einen Croissanttourer kaufen dürfen.

      Ich mag solche Texte. Sie erzeugen zwar Reibung mit Leuten, die meinen, sie wüssten genau, was der Autor wie gemeint hat und warum (die Trefferrate solcher Einschätzungen liegt bei bestenfalls null Prozent), aber wenn man nur Artikel publizieren wollte, die möglichst wenig Menschen missverstehen können, dann ist man bei der Warnwestenkaufberatung im Tourenfahrer. Die ist gut und hat ihr Publikum, aber das Thema interessiert mich nicht, das macht der Nitschke-Verlag oder die Motorpresse bereits sehr gut.

  • Klausi meinte am 17. Mai 2014 um 14:24:

    Ich finde die E-Bikes geil. Morgens zum Strand radeln, abends evtl. bei Gegenwind, und von der Sonne ausgelaugt gemütlich nach Hause dackeln.
    Andere Kollegen fahren mit Kinderanhänger, ohne Helm 40 Km/h. Wie man die Elektronik überlistet sieht man u.a. auf youtube, aber das weiss der Freundliche auch.
    Ich habe so ein Teil noch nicht, da sie ja Geld kosten, und weil meine Frau meint, ich sei zu jung dafür (48) – die hat auch keine Ahnung.
    Allerdings finde ich den FrontNabenAntrieb wirklich tuntig, das kommt mir nicht ins Haus, wenn dann schon eher Bosch-Antrieb an der Tretkurbel !
    Bei der Probefahrt bin ich im 8.! von 8 Gängen angefahren, ohne Probleme – da guckt man schon dumm aus der Wäsche. Und die Reichweite liegt je nach Leistungsabruf, weit über 10 Km – hat der Kollege da son ausgelaugtes Teil vom Aldi gefahren ???

  • Volker meinte am 18. Mai 2014 um 14:08:

    Timo,

    ich finde „schwul“ trifft es schon ganz gut.

    Was soll diese ganze politische Korrektscheiße, wo man nicht einmal mehr „Neger“ sagen darf (wie mir ein Neger mal erklärte, sei er inbesondere empfindlich gegenüber scheinheiligen Wortkonstruktionen wie „Farbiger“ – bunt, näh? – oder gar „Maximalpigmentierter“, den das sei der wahre Rassismus), „behindert“, „Arsch“, „Schwanz“ oder eben „schwul“, z. B. wenn man tuntig-peinlich, hilflos-rosa, pussymäßig oder unmännlich-uncool meint.

    Schwul allerdings nicht wegen Elektroantrieb oder niedrigem Durchstieg (was soll das Geheule mit dem kleinen OP-Kratzer, die werden das schon richtig zusammengenagelt haben – pack Dich halt nicht gleich wieder beim Zieltable-Backflip auf die Fresse, dann haut das schon hin), sondern wegen des peinlichen Logos am Lenkkopf, der wirklich oberpussymäßigen Bremsanlage , des Minimalfederwegs (jedes Kickboard hat mehr) und natürlich der megapeinlichen Reichweite.

    Aber das kennen wir ja vom weißblauen Propeller und speziell dessen Elektroderivaten. Kurz macht es marketingmäßig ein bißchen „Hui“ oder „brömm“ und schon ist der Tiger raus aus dem (Elektronen)Tank. Wie z. B. beim Schwul-3, pardon, i3, wo – ich zitiere wörtlich aus http://www.bmw.de/de/neufahrzeuge/bmw-i/i3/2013/start.html – „[…] jedes Detail, jedes Merkmal, einfach alles am BMW i3 mit eDrive auf das pulsierende Leben in der Großstadt zugeschnitten ist […]“.

    Zugeschnitten auf die Homo-Kneipe vielleicht, oder die Fahrt zum Proktologen. Insbesondere bei der „kundennahen Reichweite im effizientesten Modus“ von sensationellen 160km. Kein Wunder bei 1300kg leer. Man kann sich aber 120kg für den Range-Extender sparen und stattdessen das Pussy-Bike in den (zu kleinen) Kofferraum packen, das reicht sicher bis zum nächsten Taxistand in der pulsierenden BMW-Phantasie.

    Viele Grüße,
    Volker

    • Clemens Gleich meinte am 19. Mai 2014 um 9:58:

      @Volker: Äh, ich möcht ja keine Keile in Deinen BMW-Hass werfen, aber das gefahrene Rad ist nicht von BMW, sondern das angestrebte und abgebildete ist es. Das hat dann auch mehr als 10 km Reichweite, und gechipt rennt es der Sage nach über 70 km/h. Das muss ausprobiert werden!

  • Volker meinte am 19. Mai 2014 um 15:37:

    Servus Clemens!

    OK, dann wäre das in $Billiglohnland für BMW zusammengeschraubte Elektrorad ja sogar erfreulich unschwul. Zumindest, wenn der Chip mit Aufdruck „StV(Z)O“ ausgebaut oder umprogrammiert wurde. Das Strampelfeigenblatt könnte man sich bei 70km/h dann aber gleich schenken – an mir ist heute jemand mit etwas vorbeigedübelt, was am ehesten wie eine Elmoto HR2 evo mit Pedalen oder ein Stealth Bomber [1] aussah.

    Unpackbar unglaubwürdige Kombo: 50km/h mit entspannt-lässiger 60er Kadenz, während ich mir auf dem MTB einen abschwitze. Aber Strafe muß sein: Wenn es dafür ein (Leichtkraftrad-)Taferl braucht, dann hocke ich mich doch gleich auf eine Zero FX oder eine Freeride E.

    Ciao,
    Volker

    [1] http://www.stealthelectricbikesusa.com/bomber-electric-bike.html

    • Clemens Gleich meinte am 20. Mai 2014 um 11:41:

      Oder war es eine e-Rockit, Volker? Würde zu Schicki-Trudering doch super passen.

  • 3-plus-1 meinte am 20. Mai 2014 um 12:53:

    @Clemens Gleich
    > Dieser Text ist einfach mit Buchstaben herumgealbert. Ich schreib
    > das hier allerdings mehr fürs Protokoll rein, denn gedanklich
    > aufnehmen wird es eh keiner. Beim Reiseenduro-Einschätzen
    > dachten ja auch alle, das ist ein Vergleichstest, der genau so
    > gemeint ist, dass folglich nur Barbie und Ken einen Croissanttourer
    > kaufen dürfen.

    Also ich _habe_ den Reiseenduro-Vergleichstest für bare Münze genommen. Hast ja auch ganz recht mit deiner Meinung, vor allem der hier zur Triumph Tiger Explorer:

    > Die Sitzposition ist seltsam. Man fühlt sich ein bisschen so,
    > als säße man als Kind am Tisch und kann kaum drüber gucken.
    > Recht hoch das alles da vor einem.

    Ich habe mich lange dagegen gewehrt, aber es hilft nichts, du hast Recht, dies ist bislang die einzige Straßenmaschine, auf der ich mich nicht wie am Kindertisch oder im Kinderkarussel fühle. Werde ich wohl kaufen müssen … mit dann noch Heckhöherlegung, Fußrastentieferlegung und Sattelaufpolsterung wird‘s dann sogar mit mir stimmig aussehen.

    Zu E-Bikes kann ich nur sagen, dass ich die _zuerst_ neutral gesehen habe, aber die Dinger nun sehr kritisch sehe. Da werden viel zu viele Rentner mit jahrelanger Fahrradabstinenz aufsteigen und dann runter fallen. In der Folge wird unser Nanny-Staat uns normalen Radfahrern, zusammen mit den E-Bikern, eine Pflicht zum Tragen der blödsinnigen Styroporhütchen reindrücken. Keine schöne Aussicht!

  • Klausi meinte am 22. Mai 2014 um 22:55:

    Rentner sind wir auch irgendwann – wir bekommen nur kein Geld – viel zu negativ belegt, der gemeine Rentner! Meine Mutter (75) will son Ding nicht haben – ist was für alte Leute . . . 😉
    Ich, über 25 Jahre jünger, würde so ein Teil nehmen !
    Geht mal davon aus, dass die Rentner schon seit Jahren so ein Teil fahren, das war am Anfang die Hauptzielgruppe ! Nun sind wir dran !
    Kennt Ihr noch die Teile, mit Sachs-2-Takt-Motörchen, hinten an der Fahrradschwinge – so ein Ding ist neulich an mir vorbei geheizt ! Opa mit irgendetwas, das wie Helm aussehen sollte, Versicherungskennzeichen, 2-Takt-Fahne – wie ne wilde Sau – aber er lebt . . . 🙂
    Und diese Dinger gibt es schon seit so um und bei den 80er-Jahren – auch mit Strom damals !
    Gefährlich wird es doch erst jetzt, wenn wir mit den frisierten Teilen in der City auf dem Fahrradweg . . .

  • Frank Kemper meinte am 24. Mai 2014 um 0:31:

    @ 3-plus-1: an deiner kritischen Betrachtung der Pedelec-Welle ist in meinen Augen viel dran. Mit den Dingern rauscht jeder Vollgreis, der es gerade noch so auf das Rad schafft, mit Vmax 25 durch die Gegend – eine Geschwindigkeit, die Vollgreise erstens auf dem Rad nicht (mehr) gewohnt sind und die zweitens nicht mehr mit ihren Reflexen korrespondiert.

    Und nach meiner unmaßgeblichen Beobachtung richten sich die meisten dieser Geräte eindeutig an Senioren. Ich sehe da eine unschöne Unfallwelle auf uns zu rollen – und danach eine Radhelmpflicht. Shyce.

  • Volker meinte am 29. Mai 2014 um 8:18:

    Servus Clemens!

    Hmmm. Eine e-Rakete also (http://www.erockit.net)? Wäre natürlich möglich gewesen. Aber: Wie konnte ich dann diese Eiterbeule unten am Brustrohr übersehen? Und dieses hodenartige Gebimsel, das da in der Rahmenschleife angebracht ist? Normalerweise falle ich da sofort bewußtlos vom Radl, wenn mir so ein „Design“ begegnet. Aber ausgeschlossen ist freilich nichts, eine gewisse Grundhäßlichkeit ist mir bei dem Teil schon im Gedächtnis geblieben.

    Aber da Häßlichkeit offenbar ein Verkaufskriterium ist, prophezeie ich dem Produkt eine rosige Zukunft. Incl. der Skatersneaker, der Sonnenbrille und dem megaschwulen Halbschalenhelm, unter dem das Grinsen nur noch chirurgisch zu entfernen wäre. Kein Wunder: Nur Volldemente oder Zeitgenossen mit Hirnschlag würden sich auf so einen Kackstuhl setzen. Der Senior mit Hüftprothese kriegt sein Knie nicht hoch genug.

    @Frank: Das mit dem Helm ist eine sehr ernste Sache. Dagegen hilft leider nur ziviler Ungehorsam (d. h. Helmverweigerung trotz Strafandrohung) oder ich steige gleich auf meine „Sempre Competizione“. Denn wenn ich mich eh schon aufrödeln muß wie zur MX1-Weltmeisterschaft, dann kann ich mich auch gleich auf was draufsetzen, was den Aufwand auch rechtfertigt.

    So, und jetzt eine Runde auf der Panzerwiese…

    Ciao,
    Volker

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