Dauerständer: Energica Ego gefahren

Das erste elektrische Superbike ist da! Aber was soll man damit machen? Streunern geht nicht mangels Reichweite, Rennstrecke geht nicht mangels Schnelllader an den Strecken. Bleibt der Posing-Betrieb, den sie sich mit anderen überteuerten Dauerständern teilt.

Mit dem Motorrad auf der Landstraße fahren ist vor allem Eines: Streunern, die Freude an der Fahrt ohne räumliches Ziel. Motorradfahrer streunern maschinenunterstützt durch die (Mittel-)Gebirge. Streunern ist in seiner Urbedeutung ungeplant. Streuner bewegen sich außerdem stets weiter, als man denkt. Unplanbarkeit und Langstrecke sind Dinge, die Elektroantriebe schon immer sehr schlecht konnten, ja: Sie waren der Grund, überhaupt den Verbrennungsmotor zu erfinden. Und jetzt gibt es nach der Brammo Empulse wieder ein Motorrad, das zu einem Zweck gebaut wurde, den es nur sehr unzulänglich erfüllen kann: die Energica Ego, das elektrische Superbike.

Aber im Stand stimmt es wenigstens: Die Maschine sieht toll aus. Die italienische CRP-Gruppe, Hersteller des Fahrzeugs, protzt mit hochwertigem Finish und Verkleidungsteilen aus der Lasersinter-Maschine (eine Sorte 3D-Drucker), für die Ingenieure eigens neue Pulver entwickelten, um CRPs Lasersinter-Kompetenz zu demonstrieren. Kurze Fasern aus Kohlenstoff oder Glas sollen das Plastik immerhin doppelt so widerstandsfähig machen wie einfaches Plastik, auch wenn das natürlich weit von laminierten Matrix-Werkstoffen entfernt liegt. Die Lampenmaske der ersten Sonderedition „45“ (für 45 Jahre Firmenbestehen) schmückt sich außerdem mit einer Lampenmaske, die mit Zirkonoxid plasmabeschichtet ist — einfach, weil es geht.

Sofort beim Aufsitzen fällt auf, wie gut die Ergonomie passt. Offenbar halfen CRP hier ihre Einsätze in der elektrischen Rennserie TT Zero. Rasten, Griffe und Bedienelemente liegen genau dort, wo sie bei einem Sportkraftrad liegen sollen. Umgewöhnungspunkte gibt es wenig. „Wir haben uns überlegt, ob wir eine Kupplung simulieren sollen“, sagt ein CRP-Techniker. „Aber letztendlich fanden wir das dann doch unnötig.“ Der Gasgriff dosiert das Drehmoment des Motors feiner als jeder Verbrenner. Er hat außerdem einen Klickschalter kurz nach der Null-Position. Dort hingedreht rollt das Motorrad mit abgeschalteter elektrischer Bremse, ein virtueller Leerlauf also. Ansonsten ist diese elektrische Bremse wie üblich stufenweise einstellbar, genauso wie das Ansprech-Mapping des Drehgriffs. Es gibt sogar einen Rückwärtsgang zum Rangieren.

Liegt lieber in langen, schnellen Kurven, das Teil.
Liegt lieber in langen, schnellen Kurven, das Teil.

Der Rückwärtsgang erfreut besonders, nachdem man das Gewicht der Kiste gespürt hat. 258 kg laut Datenblatt. Da der Akkuträger recht hoch baut und außerdem von der Leistungselektronik gekrönt wird, fährt sich das Motorrad nicht unähnlich einer mit hoch bauendem Beifahrer beladenen Fireblade. Schnelle Wechselkurven sind nicht das Ding der Ego, lang gestreckte Liegekurven schon viel eher, denn die Balance der Maschine ist ausgezeichnet.

Unerwartet: laut

Dasselbe gilt für das Fahrgeräusch. Die Ego klingt genau so, wie in den Siebzigern futuristische Elektroautos in Filmen akustisch untermalt wurden: Wuuiiiiiiirrr! Das Geräusch ist bemerkenswert laut, geschätzt lauter als meine Duke. Es entsteht im absichtlich gerade verzahnten Ein-Gang-Untersetzungsgetriebe, das die 195 Nm des Motors auf das Hinterrad überträgt. „Mein Bruder ist Formel-1-Techniker“, erzählt die bei CRP für Energica verantwortliche Livia Cevolini. „Er schlug vor, das Getriebe gerade zu verzahnen, um eben dieses Geräusch zu erzeugen.“ Die Nennleistung des melonengroßen Permanentmagnet-Motors liegt bei 100 kW. Leistung und Drehmoment lesen sich erstmal nach viel, doch die auf 240 km/h ausgelegte sehr lange Gesamtübersetzung macht die Kraft sehr gut beherrschbar.

Überhaupt wirkt die Maschine sehr verkaufsfertig, sehr durchdacht. Ähnlich großserienhaft sehen sonst nur noch die KTM Freeride E und die Harley Livewire aus — kein Vergleich zur Bastelbude Brammo Empulse. Nur: Was soll ein Motorradfahrer mit der Ego machen? Auf der Landstraße langt die Reichweite ohne Nachladen nicht einmal dazu aus, meine Tante zum Kaffee zu besuchen und zurückzufahren (62 km einfach), zumindest, wenn ich fahren will und nicht nur ultrazärtlich dahinrollen, wie es auf so einem Superbike eine Farce ist.

Fährt schon schön. Aber wohin? Bis zu meiner Tante komm ich jedenfalls nicht.
Fährt schon schön. Aber wohin? Bis zu meiner Tante komm ich jedenfalls nicht.

Für die Rennstrecke hat Energica mitgedacht und bietet einen Onboard-Schnelllader für Gleichstrom an, der den 11,7-kWh-Akku in 20 Minuten wieder zu 80 Prozent volllädt. Die Rennstreckenreichweite gibt CRP realistisch mit 50 km an. Es wäre also möglich, auf einem typischen Renntraining einen kurzen Turn zu fahren und zwischen den Turns immer zu laden — wenn es Schnelllader an Rennstrecken gäbe, wonach derzeit nichts aussieht. Lohnt sich nicht, winken die Streckenbetreiber ab. Der Energica Ego mit ihren 25.000 Euro Serienpreis oder bis zu 50.000 Euro für die Erst-Edition 45 bleibt also das typische Einsatzgebiet anderer Hochpreis-Superbikes wie Ducati Panigale R, die nur kurz zum Treff gefahren werden und ansonsten im Stand altern, im Schutze der Garage des Sammlers. „Es ist ein Spielzeug“, gibt letztendlich auch Livia Cevolini zu.

Ich warte weiter auf sinnvolle Nicht- oder Kurzstreuner, auf eine Stadt-Supermoto oder die Serienversion der Freeride E.

Solide aufgebaut und gestaltet, alles aber nur als Fingerübung. Motorrad fahren kann man damit leider nicht.
Solide aufgebaut und gestaltet, alles aber nur als Fingerübung. Motorrad fahren kann man damit leider nicht.

Energica Ego

Ist: so ein Dauerständer wie andere überteuerte Techno-Italiener
Kostet: ab 25.000 Euro
Leistet: 136 PS (100 kW) von 4.900 bis 10.500 U/min
Stemmt: 195 Nm von 0 bis 4.700 U/min
Wiegt: 258 kg
Lädt: 11,7 kWh
Fährt: 150 km bei 80 km/h (gäähn), 100 km bei 100 km/h, 50 km auf der Rennstrecke
Hat: es jetzt irgendwie nicht gebraucht.

Bilder: Peter Musch und ich

Kommentare:

ältere
  • Richard Anacker meinte am 27. Juli 2014 um 19:55:

    hätte ich Moos, wäre das Bike also genau auf mich zurecht geschnitten, wenn ich mir die km-Leistungen meines letzten Moppeds der letzten Jahre anschaue. Zuletzt hätte ich nichtmal nachladen müssen, während des gesamten Jahres 🙂

    Genau richtig für die Donnerstag-Abend-Rennmeile hier in Mainz, um den ganzen Bauern mal zu zeigen, wo das nächste Cafe ist^^

  • Clemens Gleich meinte am 27. Juli 2014 um 19:55:

    Wenn ich dieses Dein Profil hätt, würde ich sofort auf was Elektrisches sparen.

  • Richard Anacker meinte am 27. Juli 2014 um 21:09:

    Ich spare drauf bis zur Rente keine Schulden mehr zu haben, dass ich dann mit 500 Euro keine Kredite mehr zu bedienen habe 🙂 – aber danach, versprochen, mach ichs

  • Clemens Gleich meinte am 28. Juli 2014 um 9:36:

    Vielleicht gibt es bis dahin ein Regierungsprogramm „kostenlose elektrische Superbikes für verdiente Kradisten in Rente“. Wenn ich Bundeskanzler bin, wird das der erste Punkt auf der Agenda.

  • Winfried V. Berlepsch meinte am 28. Juli 2014 um 11:19:

    Wer die 25.000 Öcken hat, der schraubt sich für die Renne einfach so‘n Dieselstromer aus‘m Straßenbau in ‚nen ollen Transit und schon hat er seinen Schnelllader.

  • Thimo meinte am 28. Juli 2014 um 11:22:

    Finde ich gut. Ein E-Moped mit den von Dir geschilderten Eigenschaften fände ich auch gut, nur nicht von KTM (mag die Kürbis-Marke nicht).

    Wenn ich die Kohle hätte und nicht schon auf eine gute 1098 als Zweitmoped zur 996 sparen würde – her damit! Und täglich mit nem schicken Moped mit Strom zur Arbeit.

    Onkel Jensen from the US and A war begeisterter (schöne Bilders): http://www.asphaltandrubber.com/reviews/energica-ego

  • Clemens Gleich meinte am 28. Juli 2014 um 11:26:

    @Winfried V. Berlepsch: Zeige mir diesen Dieselgenerator, bitte. Ich mein: Das Mopped soll ja auch noch reinpassen. Oder fährst dann mit dem LKW-Zug vor?

  • Clemens Gleich meinte am 28. Juli 2014 um 11:27:

    @Thimo: Aber warum dann nicht mit dem BMW-Großrollerdings fürs halbe Geld fahren? Das pendelt viel besser, das Teil.

  • Winfried V. Berlepsch meinte am 28. Juli 2014 um 11:56:

    @ Clemens:

    Hier, klein und fein.
    http://mittronik.com/de/power-systems/stromaggregate/3000_diesel/stromerzeuger-super-leise.php

    Über Effizienz von wegen Verbrenner fahren, statt mit Verbrenner Laden reden wir ja nicht.

  • Clemens Gleich meinte am 28. Juli 2014 um 12:01:

    170x74x100 cm und 570 kg. Wenn Du die Ego noch reinkriegst, bist bei jedem normalen Transit schon überladen. Aber immerhin: Ich dachte, die wären noch größer. Miniaturisierung FTW!

  • Clemens Gleich meinte am 28. Juli 2014 um 12:04:

    Ach ja: Du brauchst dann noch die Leistungselektronik, den Gleichstromlader. Die günstigsten fangen bei knapp 10.000 Euro an, vielleicht kriegst das auch noch in den Transporter. Langer Sprinter muss es dann aber schon sein.

  • Clemens Gleich meinte am 28. Juli 2014 um 12:04:

    Ich seh schon, wir müssen das bauen und den Feldversuch starten …

  • Hilly Hunger meinte am 28. Juli 2014 um 12:07:

    Zumindest wäre, bei dem Wandel zum Elektrobike die ganze „Krawalldiskussion“ vom Tisch. Siherlich geht es dann natlos über zur „die Scheißdinger sind so leise, man erschrickt richtig!“ Diskussion. Ich persönlich würde auch elektrisch Auto oder Motorrad fahren wenn es die gleichen Werte und Vorraussetzungen liefert wie aktuelle Verbrenner.

    • Clemens Gleich meinte am 28. Juli 2014 um 12:10:

      Die Ego ist ziemlich laut, da erschrickt man sich höchstens vor dem Geräusch.

  • Thimo meinte am 28. Juli 2014 um 12:56:

    “@Thimo: Aber warum dann nicht mit dem BMW-Großrollerdings fürs halbe Geld fahren? Das pendelt viel besser, das Teil.“

    Familie Quandt bekommt von mir keinen Cent. Und selbst wenn, der BMW-Roller sieht imho halt bescheiden aus. Wie fast alles … aber lassen wir das.

    Wenn diese ganzen Retro-Studien (Smart, Yamaha, Suzuki, …) praxistaugliche und bezahlbare Wahrheit werden sollten, denke ich ernsthaft darüber nach.
    Müsste halt nicht unbedingt „Retro“ -Design sein.

  • David Schulenberg meinte am 28. Juli 2014 um 14:54:

    Mich würde mal interessieren wie sich eine Zero so im Vergleich schlägt, deren Mopeds erscheinen mir etwas ausgereifter und kommen auch weiter.
    http://www.zeromotorcycles.com/
    http://www.edelweissbike.com/de/cont/def/naturwunder-alpen-emissionsfrei.html

    • Clemens Gleich meinte am 28. Juli 2014 um 14:59:

      Welche Zero kommt weiter als die Ego? Kenne keine. Ich bin die Zero S gefahren, und die kam mir ganz bestimmt nicht „ausgereifter“ vor, sondern bastelbudiger.

  • David Schulenberg meinte am 28. Juli 2014 um 15:40:

    Ah okay.
    Dachte nur weil sie bei der Alpentour ~200 km/Etappe angeben aber dann hat sich das ja erledigt.

    • Clemens Gleich meinte am 28. Juli 2014 um 16:57:

      Realistisch bleiben. Die Zero schafft wahrscheinlich je nach Höhenprofil rund 100 km rund gefahrene Landstraße. Wenn Du ständig am Gas ziepst oder in den Alpen entsprechend weniger. Das ist halt die ganz kurze Runde zwischen Kaffee und Abendessen. Etappen von 200 km kann man dann anbieten, wenn es keine Raser und mittags eine dreistündige Ladepause gibt.

  • Volker meinte am 28. Juli 2014 um 18:59:

    Hallo Clemens!

    Ich bewundere Deine Ausdauer.

    Leider habe ich die bei Deinem Beitrag nicht, schon ein paar Buzzwords wie „Lasersintern“, „Zirkonoxid“ und „Plasmabeschichtet“ reichen. Der Zeigefinger dreht am Scrollrad, der visuelle Kortex nimmt unterschwellig was von „258kg“, „Superbike“ und „Rückwärtsgang“ wahr, im Corpus callosum wird es neuronal elektrisch, Ergebnis der Kommunikation zwischen linker und rechter Gehirnhälfte daraufhin soetwas wie der Ansatz einer Plausibilisierungswarnung.

    Nicht böse sein, aber der Dauerständer ist mir schon an diesem Punkt zusammengefallen, weicht bald einer niedergeschlagenen Mut- und Antriebslosigkeit wenn ich die von den Loremo- und Mute-Machern schon reichlich überstrapazierten Markteinführungsversprechen jetzt auch aus Mattighofen zur Freeride E hören muß.

    Dann tanzt die Ziffernfolge 2_5_0_0_0 für eine egomanische Konzeptkiste vor meinen Augen und ich schließe mich Deinem Fazit an: Gäääääähn.

    Können die ihre Venturekapitalisten nicht anders verarschen? Oder wenigstens zu BMW gehen und denen zeigen, wie man diese schöne Technik des C Devolution Plastikschafs (OK, vielleicht ohne die Rekopulationsfunktion) in ein Gehäuse zwängt, das halbwegs hübsch aussieht? Oder wir legen enfach den BPCE-Nachfolger als B_MW-K_TM-C_RB-B_rammo neu auf und hoffen auf ein Gefährt, das mit Straßenzulassung aber ohne diesen pornösen Gendefekt im Myostatin (Stichwort: Muskelmäuse) daherkommt.

    Gnade.

    Viele Grüße,
    Volker,
    schaut heute Abend ein paar Folgen „Real Humans – Echte Menschen“ (aka. Äkta människor), die dortigen Hubots kann man an USB aufladen und sie schaffen auch mehr als zwei Schritte mit einer Füllung. Echte Science Fiction also.

  • Frank Kemper meinte am 30. Juli 2014 um 0:27:

    Der Rückwärtsgang ist in dem 258-Kilo-Hobel nur deshalb verbaut, weil so was elektrisch nicht mehr als ein Schalter ist. Die neue Honda VFR 800 wiegt kaum weniger, hat keinen Rückwärtsgang und es vermisst ihn auch keiner.

    Clemens, du hast mal geschrieben, es käme die Zeit, wo E-Bikes gekauft werden, nicht weil sie umweltfreundlich oder günstig sind, sondern weil sie geil fahren. Das mit dem Fahren klappt schon ganz gut, nur die Reichweite und der Preis stimmen noch nicht. Wobei: Ob die Reichweite reicht oder nicht, hängt vom Einsatzzweck ab. 100 Kilometer bei normalem Tempo sind für einen Roller zum Pendeln ganz okay, denn wer mehr als 100 km am Tag pendeln muss, der nimmt dazu eher keinen Motorroller. Aufgeladen wird über Nacht, das ist praktischer als alle drei Tage an die Tanke fahren. Oder ein Elektro-Crosser: Wenn der eine halbe Stunde AK-Fahrt durchhält, ist eher der Fahrer am Ende.

    Bei normalen Straßenmoppeds sehe ich das E-Thema noch gar nicht. Das einzige Elektro-Fahrzeug, das eine Reichweite bietet wie meine GS, wiegt 2,1 Tonnen und kostet 100.000 Euro.

  • Dirk Klatt meinte am 30. Juli 2014 um 9:51:

    Ich glaube nicht an Strom als Energiequelle zur Fortbewegung, es sei denn, er käme aus eine Oberleitung oder von Kontaktschienen wie bei Carrera.Gas, Wasserstoff oder irgendein anderer brennbarer Stoff werden letztlich die Lösung sein.

  • Clemens Gleich meinte am 30. Juli 2014 um 10:39:

    @Frank Kemper: Ich halte die Reichweite des BMW-Rollers mit rund 100 km auch für völlig ausreichend für seinen Einsatz. Über die Alpen großrollern fällt halt weg, aber wer das will, kauft sich halt einen T-Max. Genauso der KTM-Crosser. Es GIBT schon heute sinnvolle Einsatzgebiete. Deshalb wundert mich sowas wie die Brammo oder das hier umso mehr. Naja, zum Posen ist Reichweite eh wurscht.

  • Volker meinte am 30. Juli 2014 um 10:57:

    Hallo!

    @Frank: „Elektrisch nicht mehr als ein Schalter“? Hmmm. Da muß ich was übersehen haben. So eine elektronisch kommutierte, womöglich sogar elektrisch erregte Gleichstrommaschine mit 100kW Boost schenkt sich jetzt wieviele Amperes ein? Und wie müßte so ein Schalter aussehen, wenn das Ding soundsoviele Wicklungen hat?

    Spaß beiseite.

    Natürlich hat man in Fahrzeugen, die auch (unnötigerweise) rekopulieren – pardon – rekuperieren können (das deutsche Wörtchen „Energierückgewinnung“ klingt vermutlich nicht marketingwirksam genug), einen Vierquadrantensteller eingebaut. Dem kann man tatsächlich recht einfach (über Software im Fahrtregler) beibringen, den Motor rückwärts anzusteuern. Und nicht, daß man einen energieeffizienten E-Motor jetzt zwingend fahrt- bzw. drehrichtungssymmetrisch auslegen müßte.

    Der „elektrische Schalter“ ist da aber der geringste Kostenfaktor, neben den Ausgaben für indische Softwareentwickler z. B., die die Rückwärtskennlinie und einige Plausibilisierungsfunktionen hineincoden müssen, damit sich der wackere Pilot nicht beim Ampel-Holeshot mit einem inversen Wheelie in den Hintermann einbaut.

    Nur so ganz am Rande.

    Und natürlich ist das Reichweitengesudere bei Elektrokonzepten einfach nur am Anwendungszweck vorbeigedacht. Vielleicht kommen die Kraftfahrer ja irgendwann auf den Trichter, daß man nicht nur die 1200GS für urbanen Geländeeinsatz, ein Kabrio für Sonnenschein, das SUV für den Sport, den Kombi für die Familie, den knutschigen Kleinwagen für die Frau und den Transporter zum Umzug besitzen (oder leihen) könnte, sondern eben auch ein pragmatisches Elektrodings für das, was mit Kraftfahrzeugen die meiste Zeit passiert:

    Sich gefüllt mit 100kg Fleisch durch den Stau schleppen, dabei durchschnittlich 16 Kilometer je Weg und täglich insgesamt rund 40km zurücklegen (Quelle: Destatis [1]). Wenn sie nicht gerade Parkraum fressen, da die restlichen knapp 23 Stunden sowieso Pause ist.

    Ciao,
    Volker

    [1] https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/TransportVerkehr/Querschnitt/BroschuereVerkehrBlick0080006139004.pdf?__blob=publicationFile

  • Frank Kemper meinte am 31. Juli 2014 um 23:59:

    Volker hatte Widerworte:

    “Der „elektrische Schalter“ ist da aber der geringste Kostenfaktor, neben den Ausgaben für indische Softwareentwickler z. B., die die Rückwärtskennlinie und einige Plausibilisierungsfunktionen hineincoden müssen, damit sich der wackere Pilot nicht beim Ampel-Holeshot mit einem inversen Wheelie in den Hintermann einbaut.“

    Ich zitiere mal den BMW-Produktmanager, der bei den BMW-Days die E-Roller betreute:

    “Zum Rückwärtsgang muss man sagen, das hat sich natürlich angeboten, wenn man schon einen Elektromotor hat.“

    Allein die Tatsache, dass die von Clemens besprochene Energica einen Rückwärtsgang hat, zeigt mir, dass das technisch nicht so schwer sein kann. Denn vermisst hätte den Rückwärtsgang bei dem Teil wohl keiner.

  • Rainer meinte am 14. Mai 2017 um 12:18:

    Zum cruisen wohl ungeeignet. Allerdings für die Tägliche Fahrt zu Arbeit (10-50km) perfekt. Keine Spritkosten etc.
    Denke die nächsten Jahre werden die bestimmt günstiger, dann gibts hoffentlich was mit nem >15kW/h Akku für <10k Euro.

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