Neue Kawasaki Z 1000 fährt wie die alte

Schottenring, tiefster Winter 2014 (also August). Wir sitzen auf einer Hütte im November(August)Nebel, die Birkenscheite prasseln im Kamin, der heiße Tee passt zu den warmherzigen Gesprächen. Frank (Name von der Redaktion mangels Ideen nicht geändert) gibt zu: „Die beste Kawa aktuell ist ja die Z 1000 SX. Die ist super.“ Da muss ich an Irland denken. Überhaupt: Die Z 1000 war schon toll, auch unverkleidet. „Reinhold“ hätte ich meine genannt, vielleicht auch „Hartmut“, auf jeden Fall irgendein Name, mit dem man damals im Pott nach Kohlen graben konnte. Dieses Heulen aus der Airbox im Resonanzbereich, dieses kleine Konzert nur für mich, den Fahrer!

Die neue Z 1000 hat mich bisher nicht sonderlich interessiert, und zwar einfach, weil ich sie angesichts von BMW S 1000 R und KTM 1290 Super Duke ein bisserl überholt fand. Wer würde denn sein Geld lieber in die Z 1000 stecken statt in die BMW, die ja auch nicht schlecht klingt, aber leichter, stärker und schneller ist und außerdem dieses weiß-blaue Propellerlogo trägt, das alle haben wollen? Aber dann sagte der Mann gegenüber (nennen wir ihn „Carsten“, weil er so hieß), dass die neue Z noch viel lauter heult als die alte. Deshalb bin ich am übernächsten Morgen mit dem Schmatzfon kurz knipsend zwischendrin zwei Runden mit der aktuellen Z auf dem alten Schottenring gefahren.

Alles beim Alten

Das ist immer etwas schwer ohne den direkten Vergleich, aber so aus weiter Entfernung betrachtet hat sich außer der Verkleidungstapete nicht viel geändert. Die Ergonomie ist immer noch super, wenn es auch so geblieben ist, dass die Fersen auf den Endtöpfen aufliegen, wenn die Fußballen auf der Raste stehen. Die Abstimmung ist auf andere Art entartet, aber immer noch nicht super. Mann, Kawa, schau dir die BMW an! Da muss 2014 bissl mehr kommen. Es gibt keinen Schlangenlederimitatsitz mehr, was ich sehr schade finde. Der Motor bleibt toll. Das Heulen kommt mir aber nicht bemerkenswert lauter vor. Vielleicht hat mein Gehör signifikant nachgelassen in diesen vier Jahren, das mag sein.

Die Gestaltung nennt Kawa „Sugomi“, was ich mit „Scheußlichkeit“ übersetzen würde. Sind halt ehrlich. Die Traktionskontrolle von der SX gibt es aus für Europäer vollkommen unerfindlichen Gründen in der nackt scheußlichen Z nicht. Wenn man Kawa Japan fragt: „Warum?“, dann sagen sie: „Sugomi.“ Wir wollen scheußlich sein. Vielleicht auch: Wir wollen scheußlich schlecht verkaufen. Wir wissen, dass alle nach Schlagwörtern einkaufen, wir haben das Schlagwort „Traktionskontrolle“ fertig als Software, aber Geld finden wir scheußlich. Sugomi. Hai, hai. Domo.

Die restlichen Änderungen sind mir egal. Neuer Tacho. Hm. LED-Lampen. Schön. Stimmiges Tentakel-Design. Gut. Aber ich muss jetzt den Satz schreiben, der aus Heften gern rausgestrichen wird, weil er keine Neumotorräder verkaufen hilft: Im Kern ist das Motorrad sich so treu geblieben, dass ich empfehlen würde, die alte Z günstig zu schießen und das gesparte Geld in Sprit zu investieren, in einen Schlangenlederimitatsitz oder vielleicht in ein Federbein, das einem weniger krass ins Kreuz tritt, wenn es was ausfedern soll.

Kawasaki Z 1000 Modelljahr 2014

Ist: so wie die alte Z 1000.
Kos­tet: 12.395 Euro
Leis­tet: 143 PS (104 kW) bei 10.000 U/min.
Stemmt: 111 Nm bei 7.300 U/min aus 1.043 ccm.
Wiegt: 222 kg vollgetankt.
Tankt: 17 Liter Super.
Hat: keine Traktionskontrolle, wegen „Sugomi“.

Kommentare:

ältere
  • uli meinte am 20. August 2014 um 23:17:

    Wie hoch ist eigentlich die geschätzte Halbwertszeit des aktuellen Motorrad-Designs..?
    Schöner Bericht, übrigens.

  • waldru meinte am 23. August 2014 um 19:17:

    Hat mir gefallen – der Bericht!
    Aber mir fehlt eine Aussage zum Auspuffdesign.
    Analog zu Deinem Begriff Tentakeldesign schlage ich vor:
    Auspuff => in Form gepresste Tentakelscheiße.

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