Die verdammte Lügenpresse schlägt wieder zu

Letzte Woche stellte ich eine Kolumne hier ein, die ich eigentlich für Heise Autos geschrieben hatte, die vom Supernunzio. Dazu schrieb ich, dass den Kollegen wohl die Kollegenschelte zu stark war. Ich hätte wissen können, dass im aktuellen Klima gleich das Geschrei kommt von Zensur und Lügenpresse, aber ich bin trotz meiner Selbstdarstellung eben doch nicht allwissend. Es tut mir ein bisschen leid, dass es offenbar für Einige Wasser auf ihre komischen Gebetsmühlen war, und es tut mir vor allem deshalb leid, weil gerade Heise am mutigsten Themen von mir bringt, die Andere mit der Kneifzange nicht anfassen. Heise Autos hat mich dafür bezahlt, Daimlers Verwicklungen in die finstere Contra-Affäre mit Folter, Vergewaltigung und Kindesraub anzuprangern. Kein anderes Auto-Outlet hatte das Thema überhaupt, und meine Hauptquelle Gaby Weber wird für ihre Arbeit meistens eher angegangen. Bezahlt wird sie unter Anderem von Telepolis, auch Heise-Verlag. Auf Heise Autos kritisierten wir unsere eigene Szene, den SUV und machten uns überhaupt über alles lustig, was eben lustig ist. Wenn mal was abgelehnt wird, liegt das oft an momentaner Stimmung oder es passt halt nicht. Heute habe ich wieder eine Kolumne, die ich eigentlich für Heise schrieb, in diesem Fall für den Hauptkanal Heise Online. Und diesmal möchte ich es eindeutiger sagen: Dieses Thema fand Jürgen Kuri so interessant, wie Martin Franz von Heise Autos Nunzios Quantasie interessant fand. Sie wollten diese eher schwierigen Themen (Heise paddelt ja auch wie jeder Verlag mit Experimenten zum Digitalvertrieb herum), aber sie wollten sie halt anders. Im Ebook-Fall: kürzer. Ich werde mich bei einem neuen Anlass mal wieder hinsetzen und eine von vornherein kurze Fassung schreiben, die sich zum Beispiel den Aspekt „Was empfinden Leser als fairen Digitalpreis?“ herausnimmt. Aber den Rundumschlag poste ich jetzt, sonst wird er zu alt. Das ist einfach dieses taktische Hinhalten der Lügenpresse.

Verlage, die Ebook-Leser hassen

Kommentare:

ältere
  • 3-plus-1 meinte am 5. März 2015 um 10:49:

    Ach Clemens, zieh dir und Heise Online den Schuh nicht an. Zusammen habt ihr doch den Ruf eines Piratensenders mit ordentlicher, technischer Umsetzung.

    Für die meisten – und mich – ist „Lügenpresse“ doch aus zwei Gründen ein Aufreger. Zum einen, weil ein aus Journalisten zusammengesetztes Gremium den Begriff als Unwort ausgerufen hat und das den Beigeschmack der Selbstreinwaschung trägt. Wahrheitsministerium per Selbstdefinition.

    Zum anderen geistert doch eben nicht den Menschen der Begriff „Lügenpresse“ durch den Kopf, wenn es um rechts-links Themen geht. Nein, so ein Gefühl manifestiert sich immer dann, wenn es erstens um die Organe geht, denen die typische Omi bedingungslos glaubt (Tagesschau, Heute, Deutschlandfunk, etc.) und zweitens dort schon offensichtlich keine ergebnisoffenen Interviews ausgewählt werden … und wenn es doch anders läuft als vorher abgesprochen, man das Einprügeln in die eigene politische Agenda spüren kann. Etwa so wie hier:

    http://blog.fefe.de/?ts=aa094447

    Kurzum, Lügenpresse ist es dann, wenn man „Leitmedien“ nicht mehr vom Neuen Deutschland unterscheiden kann. Die Gradwanderung der Motorpresse zwischen Produktwerbung und -test sehe ich nicht als Lüge. Ein bischen bejubeln darf ja sein, ist ja nicht wie in den Klatschblättern, denn ihr habt ja echte Begeisterung für die Thematik und das darf man auch lesen … wenn ab und zu Scheisse auch als solche bezeichnet wird (und eine GS kein Alpenmaster wird wenn unter 50.000 km der Motor platzt :-)=)

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