Ausfahrten gegen Geld

Jan von Ausfahrt.tv hat sich den Frust von der Seele geschrieben, der viele Automedienschaffende plagt. Hier kann man es lesen, aber es kommt nichts Neues, also reichen eigentlich die ersten Sätze, in denen die Gesamtklage schon mitschwingt. Er sagt wie alle, dass das ja so doof sei mit dem Präsentationskarussell, aber man MUSS da ja dabeisein. Ich bestreite das gänzlich. Wie lang hat es gedauert, bis den Typen von BimmerToday mal jemand eingeladen hat? Hat er da geweint und nix mehr geschrieben über die Themen, die ihn eben so bewegt haben bei BMW? Nope. Oder aus eigener Erfahrung der Punkt mit der Zeit: Ist es denn so schlimm, später über ein Auto zu berichten? Nein, denn später kann man eine gescheite G‘schicht machen, statt anderthalb Stunden vom Flughafen zum Hotel fahren. Und dann die Klage mit der Werbung: „Wir BRAUCHEN das Werbegeld zum Leben! Also sollen es uns die Autohersteller geben, weil sie es Anderen (Beispiel Print) auch geben!“ Die einzig richtige Antwort darauf ist die von Kathrin Passig: Nur weil du etwas machst, hast du noch kein Anrecht darauf, dass dir jemand Geld dafür gibt. Sonst werde ich morgen hauptberuflicher Ficker.

Eigentlich kann man diese Klagegeschichten, die es in weitestgehend identischer Form auch von Print-Kollegen gibt, auf einen Kernpunkt einkochen: Ihr seid nicht frei. Das ist es, was an der Seele zwackt. Freiheit ist aber kein Gut, das mit Erfolgsaussicht passiv-aggressiv eingefordert werden kann. Freiheiten muss man sich nehmen. Da fängt Jan schon richtig an, indem er sich die Freiheit nimmt, auch mal eine Einladung abzusagen, wenn eine Teilnahme ihm sinnlos erscheint. Das ist ja auch das große No Go der Szene. Lieber geht ein Sportautomagazin zum neuen Pups-Corsa ohne jede Berichterstattungsabsicht, als dass man eine Einladung absagen würde. Was für ein Quark. Als ob dem Hersteller dadurch geholfen wäre, dass der Prakti höflich sozialisierend ein paar Schnittchen frisst. Nein, Jan, zum beklagten Äffchen haben dich nicht die Hersteller oder die Agenturen gemacht. Du hast dich selber zum Äffchen gemacht. Nimm dir die Freiheit, das nicht mehr zu tun.

Kommentare:

ältere
  • Bjoern Habegger meinte am 11. Mai 2015 um 10:52:

    ..sonst werde ich morgen hauptberuflich Ficker.

    Damit wäre alles gesagt 😉 Danke.

  • Jan Gleitsmann meinte am 11. Mai 2015 um 13:14:

    Ein wenig schafe, dass Du Dir nicht die Mühe gemacht hast, meinen Artikel zu lesen. War ja aber auch ziemlich lang. Der Punkt auf dem Du genüsslich rumreitest ist mir gar nicht so wichtig. Aber was solls. Jeder eben so wie er will und kann.

  • Frank Kemper meinte am 11. Mai 2015 um 13:24:

    Clemens hat – wie so erschreckend häufig – recht. Bei Bloggern kommt strafverschärfend hinzu: Es gibt keinen Rechtsanspruch eines Bloggers mit 150 PI am Tag, von Volksagen oder Opel Zucker in einer ähnlichen Dosierung in den Arsch geblasen zu bekommen wie der Kollege von ams. Scheißleben, ist aber so.

  • Clemens Gleich meinte am 11. Mai 2015 um 14:05:

    Klar hab ich das gelesen. Du darfst aber gerne noch klären, was denn dann so wichtig war, wenn nicht die besprochenen Punkte.

  • Jan Gleitsmann meinte am 12. Mai 2015 um 1:27:

    Wenn Du es gelesen hast, frage ich mich, wie Du KLAGEN und ANKLAGEN verwechseln konntest. Zudem habe ich brav berichtet, wie ich mein Geld verdiene. Dass ich eben OHNE die Werbegelder der Industrie gut auskomme. Ich weiss ja nicht, in welchen Verhältnissen Du lebst, aber ich habe Familie und ein Haus. Und ich bin wirklich nicht so leichtsinnig mich in die Selbstständigkeit zu begeben, ohne ein gewisses Konzept zu haben.
    Selbstverständlich ist es fein, dass Du Deine Geschichten später machen kannst. Aber mein Format beruht nicht auf dem Erzählen von Geschichten. Dafür bin ich jedoch recht erfolgreich. Auch das steht in meinem Text.
    Alles, was ich mir wünsche ist eine gewisse Gleichbehandlung. Was Du da oben zusammengeschrieben hast, ist in der Tat das alte Lied von sich selbst überschätzenden Blogger, der alles haben will. Gerade von Dir hätte ich doch deutlich mehr Differenzierung erwartet. Darum geht es mir in meinem Text aber nun mal so gar nicht.

  • Volker meinte am 12. Mai 2015 um 9:52:

    Servus Jan!

    Luxusproblemchen schmerzen immer am meisten und ganz gleich, ob Du es nun klagen oder anklagen nennst: Aus Deinem wortreichen Lamento geht für mich nur hervor, daß Du es fies findest, für ein Hobby, das Du einigermaßen beherrscht, nicht auch noch Kohle zu verdienen. Das kann funktionieren (wie diverse Youtube-Modelle beweisen), in dem von Dir gewählten Umfeld aber offensichtlich nicht.

    Das ist das Schöne aber auch gleichzeitig die Krux an der relativ freien Marktwirtschaft: Die Verträge sind frei, es regiert Angebot und Nachfrage. Solange Du und Deine Mitstreiter also kostenlos anbietet, wird auch kostenlos nachgefragt. Das ist in der bloggenden Zunft ganz offensichtlich so, auch Fotografen (an)klagen, daß ihnen liquide Amateure mit €€€-Equipment die Jobs wegnehmen.

    Ich (kein Haus, trotzdem Familie) käme jedenfalls nie auf die Idee, mich zu beschweren, daß irgendwelche Inder günstiger Software entwickeln als ich. Und daß im Consultingbusiness (und anderen Metaberufen) ein Preisdumping eingesetzt hat, welches u. A. BMW mit sogenannten „Projektauktionen“ antreibt.

    Mein Arbeitgeber (operiert schwerpunktmäßig im Bereich „automotive Consulting“, d. h. mit Leiharbeitern) sah sich außer Stande, dem entgegenzutreten. Ich habe gekündigt und mich aus dieser Sparte verabschiedet. Das ist meine Art, Nein zu sagen, die einzige Freiheit, die nach „Love it“ und „Change it“ noch bleibt: „Leave it“.

    Wie Du siehst, sind wir perfekt emanzipiert. Ich bekomme kein Geld für mein Hobby und Du auch nicht. Und beruflich singen wir das Lied dessen, der unsere Brötchen bezahlt.

    Ciao,
    Volker

  • Clemens Gleich meinte am 12. Mai 2015 um 21:26:

    Jan: Du weist deshalb explizit am Ende des Textes darauf hin, dass das jetzt kein Gejammer ist, weil Du selber siehst, dass es welches bleibt. Eine Anklage ist auch eine Klage. Das ist wie jemandem sagen, wie scheiße er ist, um dann zu folgen mit „… das soll aber jetzt keine Kritik sein, ne“.

    Und noch einmal zur Zeit: Ich kenne mittlerweile eine gute Handvoll Beispiele, bei denen Entscheider auch immer dachten, neue Modelle müssen immer sofort drin sein. Dann haben sie es mit später gescheit machen probiert. Hat genauso funktioniert. Außer der Motorrad machen das mittlerweile zumindest gelegentlich fast alle Motorradhefte. Vielleicht lohnt es sich ja, das mal zu probieren auf Ausfahrt.tv, um mal konstruktiv zu werden.

    Von den Lebensverhältnissen werden wir schon vergleichbar sein. Ich such grad ein Haus, kein Kind, dafür halt Stuttgart (teuerstes Wohnpflaster Deutschlands mittlerweile). Wenn sich ein Lebensstandard dieser Art mit Weblog und Youtube-Kanal bestreiten lassen (ist das so?), dann bist mir als Auftragstexter eh weit voraus. Das würde ich auch sofort machen.

  • 3-plus-1 meinte am 13. Mai 2015 um 16:43:

    Ich kann mir bei der ganzen Diskussion nur mit der flachen Hand vor den Kopf schlagen, um zu kommentieren WIE blöd da eigentlich alle Beteiligten sind.

    Da läuft die Führerscheinreform der 125er Einstiegsklasse komplett an den 15 bis 16 Jährigen vorbei, weil die Hersteller nicht auf den Portalen werben, wo sich die jungen Männer (!) im Internet tummeln. DESWEGEN entwickelt aus der Altersklasse keiner Interesse, denn sie wissen einfach nicht WIE geil das ist, was sie fahren dürften (KTM 125 Duke, Yamaha MT-125, usw.). Ältere Freunde, die an das Hobby heranführen gibt es nicht und wenn geworben wird, dann nur in Publikationen wie MOTORRAD, die nur wir alten Säcke lesen. Lernt die Branche daraus? Nein, die jammert und schiebt die Kaufzurückhaktung darauf, dass die Jugendlichen „lieber“ mit dem öffentlichen Nahverkehr fahren. Na sicher doch.

    Dagegen hat nun wieder Liberta Garage mit optisch genialen Choppern auf 125er Basis Insolvenz angemeldet, weil sie sich für hipp erklärt haben und junge Leute angesprochen haben. Die wären aber für den teuren Bausatz nie Kunde gewesen. Das wäre der Rentner mit Autoführerschein vor 1980, dem man nur mal SAGEN muss, dass er jetzt 125er offen fahren darf. Der hätte sich auch für den Eigenzusammenbau mit dem Enkel begeistert … aber um in der Apothekenumschau zu werben war man sich bei Liberta wohl zu fein.

    Das Problem zieht sich durch die ganze Kraftfahrzeugbranche. Daihatsu hatte mit dem Copen oder dem Trevis schicke Autos im Portfolio, das man gut an die urbane Single-Frau hätte bringen können. Wußte die aber, dass es die Autos überhaupt gibt? Nö, denn in ihrer Lektüre tauchte keins der Modelle je auf. Einzig das Brechmittel „Materia“ wurde mal beworben.

    Aktuell baut Kia mit dem Dreitürer Picanto noch den schicksten Kleinstwagen – viel besser als der im neuen Release verhässlichte Smart – aber wird der beworben? Nein, natürlich nicht. Kia hält sich natürlich für was Besseres und bewirbt nur den Sportage (und maximal den Ceed).

    So scheint es mir als setzen konsequent alle großen Hersteller auf das falsche Medium und suchen mit schlafwandlerischer Sicherheit den falschen Kundenkreis für ihr eigentlich gar nicht so schlechtes Produkt. Bei Motorrädern ist das am Schlimmsten, geh da mal in ein Geschäft und such dir eine Maschine aus und möchte satt umgebaut haben (nicht bei Harley). Da spührt man richtig das „kaufe was du siehst oder verschwinde“) zwischen den Zeilen. Kein Wunder, dass es mich dann zum Privatgebrauchtkauf und der Suche nach einer Umbauwerkstatt getrieben hat.

    Was lernen wir daraus? Na vor allem warum es BMW so gut geht: Die bauen Motorräder für alte Säcke, werben in Postillen für alte Säcke und haben auch sofort einen Fuhrpark bereit wenn so ein Alter Sack aus der Redaktion mal eine Testfahrt machen möchte.

    Wie könnte man es besser machen? Bei den Japanern habe ich da keine Hoffnung, wenn die hier mal was gut verkaufen, begreifen die selber nicht warum und machen das Nachfolgeprodukt dann wieder schlechter. Aber ich will ja nicht nur rumstänkern sondern mal was Konstruktives bringen. Nehmen wir mal KTM. Außer das die eine Filiale in Hamburg mal endlich benötigen, empfehle ich neben den jetzt schon verfügbaren 125ern noch eine 125 Adventure zu bauen (so ähnlich wie die ehemalige Varadero 125) und sich dann mit krass-geilen Rennclips bei Youporn reinzukaufen. Im Zuge des Marketings wird die Rubrik „Cumshot“ in „White Power“ umbenannt und jeder dritte Clip ist zwangsweise einer mit so nem Schluchtenscheisser-Mokick. DAS wäre zielgruppenkonformes Marketing, denn der potentielle Ready-to-race-Kunde guckt keine Katzenvideos.

  • Jan Gleitsmann meinte am 14. Mai 2015 um 13:07:

    nur noch nachgereicht:

    @Volker: „Aus Deinem wortreichen Lamento geht für mich nur hervor, daß Du es fies findest, für ein Hobby, das Du einigermaßen beherrscht, nicht auch noch Kohle zu verdienen.“ Es ist schon lustig, schreibt man kurz und knapp, dann heisst es, man liefere nicht genug Informationen. Schreibt man ausführlich, ist es ein wortreiches Lamento. Und schön, dass nur der finanzielle Teil bei Dir angekommen ist. Ich hatte ja durchaus zwei Arten der Wettbewerbsverzerrung angesprochen, der Zugang zu den Inhalten und das Geld. Und im Gegensatz zu Dir bekommen ich Geld für mein Hobby, weil ich es eben zu meinem Beruf gemacht habe.

    @Clemens: Meine Intention mit dem Disclosure war es eigentlich, Leute wie Dich abzufangen, die aus den Zeilen „Rumjammern“ heraus lesen wollen. „Ja, ich weiss, ihr denkt, ich will nur rumjammern, darum geht es mir aber gar nicht. Lies nochmal gründlich!“ Das wollte ich damit bezwecken. Aber oft ist es ja nunmal so und ich will mich davon nicht ausnehmen, dass einem bestimmte Trigger sofort in eine bestimmte Richtung denken lassen.

    Was Deinen Vorschlag bezgl. der späteren Veröffentlichung angeht, so ist es nicht so, als hätten wir es nicht längst ausprobiert. Es bringt aber nichts. Oder richtiger: Bei gleichem Aufwand ist der ROI deutlich kleiner. Das ist dann in meinen Augen ein schlechtes Modell.

    “Wenn sich ein Lebensstandard dieser Art mit Weblog und Youtube-Kanal bestreiten lassen (ist das so?), dann bist mir als Auftragstexter eh weit voraus.“ Eben das habe ich nicht geschrieben. Die Einnahmen von Youtube haben wir immer nur genommen, um uns hardwareseitig besser auszustatten. Die Einnahmen aus meinem Blog haben nur die Einnahmen aus meinen Auftragsarbeiten ergänzt.

  • Clemens Gleich meinte am 14. Mai 2015 um 16:08:

    Jan: Danke für die Infos. Interessant, dass euer Format offenbar wirklich zeitabhängig ist. Gleichbehandlung wird es auch weiterhin nicht geben, aber Gleichbehandlung aller hat eh einen Haufen Nachteile.

  • Testfreak meinte am 16. Juni 2015 um 14:03:

    Schon super!

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