Gelesen: The Second World War

Es ist ein bisschen schade, dass deutsche Schüler im Geschichtsunterricht mit dem Zweiten Weltkrieg überfüttert werden, bis sie mental kotzen müssen, denn diese Periode der Geschichte ist eigentlich genauso spannend, wie sie wichtig bleibt. Sie hat definiert, wie wir heute in Europa leben, und wie wir in Beziehung zu Amerika stehen. Ich hatte das Glück, dass mir niemand zur Schulzeit Goethes Faust aufzwang, deshalb konnte ich es später selber für mich entdecken. Ähnlich war es bei der deutschen Geschichte, die mir sehr unlangweilig von einer Zeitzeugin vermittelt wurde. Wer also den wichtigsten und interessantesten Teil der jüngeren Geschichte lesend erfahren möchte, kann schlimmeres tun, als Winston Churchills Monsterwerk „The Second World War“ zu lesen.

Das Besondere dieses Monsterwerks ist, dass Churchill praktisch allein aus seiner eigenen Perspektive spricht, unterlegt mit der jeweiligen Korrespondenz (Churchill kommunizierte bevorzugt schriftlich). Gerade das macht es für deutsche Leser spannend, denn wir erfahren in der Schule ja fast ausschließlich die nachkriegsdeutsche Sicht auf den Krieg. Viele Punkte fehlten in meinem Geschichtsunterricht auch komplett. Woher kam denn das Geld zur Aufrüstung so kurz nach dem Ersten Weltkrieg? Wer bereitete hinter den Kulissen schon vor?

Und dann eben der Moment, in dem Frankreich fällt. Die Beziehung Großbritanniens zu Frankreich belastet das bis heute. Die Briten standen plötzlich allein da, und zogen ihr Ding dennoch weiter durch. Das war ein definierender Moment für diese Nation, und ich glaube auch, dass Churchill recht hatte: In seinem Herzen bewunderte Hitler die Briten. Deshalb hoffte er ja auch bis zuletzt, den Krieg mit ihnen vermeiden zu können. Er schätzte sie jedoch falsch ein. Dass sie nach ihrer ewigen Appeasement-Politik so entschlossen agieren würden, konnte sich Deutschlands Diktator offenbar nicht mehr vorstellen.

Vielleicht kann ich ja doch den einen oder anderen im Geschichtsunterricht Überfütterten zum Lesen bewegen. Es lohnt sich. Stellt euch ein Epos vor, viel größer und unendlich viel krasser als Tolkiens Kriege um Mittelerde, und dann auch noch wirklich passiert, mit überlebenden Opas, die dabei waren, die man noch fragen kann, wenn man sich beeilt! Schwer vorstellbar, welche Geschichte spannender sein soll als diese:

The Second World War, 6 Bände

Kommentare:

ältere
  • DaDone503 meinte am 2. Mai 2015 um 10:09:

    Ich verbrachte 2 Jahre mit diesen Werken; Exzellenter Stoff – nicht zu vergessen, das Churchill einen 1953 Nobelpreis in Literatur erhielt; dieses Werk gewährt auch tiefe Einblicke in die Vorgänge im Zusammenhang mit Stalin sowie die Aufteilung Europas;

  • Chris meinte am 6. Mai 2015 um 20:35:

    Ich als Nachkriegsdeutscher kann nur sagen dass Geschichte nichts weiter ist als die Luegen der Sieger die die Geschichte(n) schrieben.Und wer daran nicht glaubt der ist ein ganz poeser Nazi und gehoert eingesperrt.Um die Luegen der Sieger zu schuetzen gibt es den Paragraphen 130.Das Ganze nennt sich dann „Demokratie“ und „Freiheit“ trotz Parteienverboten und Menschen die in der BRD im Knast sitzen weil sie von ihrem angeblichen Grundrecht auf freie Meinungsaeusserung gebrauch gemacht haben…da hatten die Menschen in der DDR schon mehr Freiheit den sie mussten nur an die Ueberlegenheit des Arbeiter- und Bauernstaates glauben der BRDeutsche aber an Holocau$$t und Kriegssschuld um ewig sein hart erarbeitetes Steuergeld nach Bruessel,Wall-Street und Israel zu ueberweisen.
    Es waere schon fast zu lustig wenn es nicht so traurig waere wie wir Deutsche seit Versailles uns verarschen lassen…Ja Hitler ist in Polen einmaschiert.Aber man verschweigt uns dass die Polen die deutsche Minderheit verfolgte und ermordete.Ein kleiner lokaler Konflikt wurde mit der Kriegserklaerung und dem Angriff Englands und Frankreichs am 3. September 1939 zum 2.W-K !
    Ja der boese Herr Hitler war Schuld der sich die Frechheit herausnahm seinem Volk Brot und Arbeit zu geben anstatt dass Geld an Spekulanten und Banken wie unsere heutige Frau Merkel nach Israel und GoldmanSachs zu ueberweisen…Hitler beging die Todsuende sein Volk von Zinsknechtschaft und Arbeitslosigkeit zu befreien.Wo kaemen wir den da hin wenn dies ein Vorbild auch fuer andere Voelker geworden waere.Glueckliche Menschen und nicht Zinsknechte und Lohnsklaven…
    Klar Deutschland hatte Schuld in den Augen der Sieger so wie auch Saddam Hussein und seine nie gefundenen „weapons of mass destruction“ Schuld daran waren dass Millionen Irakis von Amerikanern und Englaendern in Namen von „Freiheit und Demokratie ermordet oder vertrieben wurden…
    Die Luegner und Luegen sind diesselben.Damals wie heute!
    Egal ob damals der Krieg gegen Deutschland oder heute in Palaestina,Irak,Syrien,Yemen,etc…
    Und jetzt schlagen sie die Trommeln zum Angriff auf Russland oder den Iran…WW-3?
    Natuerlich sind Russland und der Iran Schuld wenn man der Luegenpresse glaubt…Im Westen nichts Neues !
    Nur die Gedanken sind frei in unserer BRDDR einer kleinen Kolonie der Sieger von 1945…
    Traurig aber wahr!

  • 3-plus-1 meinte am 6. Mai 2015 um 21:28:

    @Chris

    Au weiha. Was du da alles zusammen verrührst ist schon übel. Allein der Vergleich mit den nicht gefundenen Massenvernichtungswaffen im Irak mit dem Nazi-Regime passt ja nun hinten und vorne nicht. Die NS-Massenvernichtungswaffen WURDEN gefunden. Nun ja, nicht alle. Die Reste der Atombomenexperimente wurden undokumentiert in die Asse verklappt (darum will das auch niemand ernsthaft wieder rausholen) und nach dem Projekt „Glocke“ sucht man auch vergeblich, aber dass die V2 mitsamt Erfinder Wernher von Braun direkt in die USA zur patriotischen Mondmission verschifft wurde, dürfte auch dir nicht entgangen sein. Im Schlepptau von „Operation Paperclip“ kamen dann die Wissenschaftler auch anderer Sparten mit und durften die gesamte US-amerikanische Rüstung des kalten Krieges aufbauen. Die Amerikaner hatten vor der Messerschmitt Me 262 kein vergleichbares Düsenflugzeug und sie standen staunend vor der Horten H IX, nur um daraus binnen Jahrzehnten die F-117 Nighthawk zu entwickeln.

    Also die deutsche Militärtechnik war schon führend. Das nutzt nur nichts wenn – wie mit Adolf Hitler – ein Wahnsinniger (und das meine ich jetzt ausschließlich in Bezug auf Militärstrategie) die Befehle erteilt und in jede Himmelsrichtung Fronten eröffnet. Gegen ALLE kann man nur mit völliger Zerstörung untergehen. Ein paar stramme Kammeraden hatten zwar schon den Schimmer, dass das so im Fiasko endet, aber selbst Rudolph Hess, der heimlich mit dem Flugzeug nach England zu Friedensverhandlungen aufbrach, fiel dann in Ungnade beim „Führer“.

    Nein, was mich an der Aufarbeitung von 1939 bis 1945 in der Schule im Westen immer so störte, war zum Einen, dass nur und ausschließlich diese Jahre bedacht wurden. Kein „wie kam es dazu“ und kein „was war danach“. Das hätte sich auch nicht verargumentieren lassen, war wir so kurz nach diesem Weltenbrand schon wieder als Soldaten mit der Mission zum Brudermord in eine Armee gezwungen wurden. Einen anderen Zweck hatte die Bundeswehr nämlich nicht. Zur Belustigung der Siegermächte, wären – wie auf einem Stratego-Brett – nämlich Nationale Volksarmee und Bundeswehr aufeinandergeschickt worden, wäre der Kalte Krieg heiß geworden.

    Zum Anderen ging mir auch diese Betroffenheitsperspektive auf den Sack. Immer schön alles aus Sicht der nahezu nicht eingriffsmächtigen Bevölkerung geschildert, die sich dann aber vor allem schuldig fühlen sollte. Nur 1939 war nicht 2009. Da gab es kein Internet und die Zeit Zeitung zu lesen war auch nur einer kleinen Klasse vorbehalten. Da wählte man dann den Bürgermeister, der für den Ort das Beste tat. Dass da auf Reichsebene etwas passierte, was man nicht wollte? Konnte man das wirklich wissen? Das sagen dann heute die, die auch Angela Merkel gewählt haben, weil sie gesagt hat es gäbe mit ihr keine Maut … aber dann Koalitionszwang und so, wissen schon, also doch. Kurzum, heute lassen sich die Wähler mit Schwung über den Tisch ziehen aber werfen den Menschen der 1930er vor mit viel weniger Informationsmöglichkeiten etwas nicht gewusst zu haben.

    Ach und was mir dann noch gegen den Strich geht, ist, wenn dann im Zuge des Unterrichts Personen, wie die Geschwister Scholl als Vorbild in den Himmel gehoben werden. Was die Lehrkörper da wollten, waren doch nur Kanonenfutteridealisten heranziehen. Was dämlicheres als im Land selber in einer Diktatur zu protestieren kannst du nämlich nicht machen. Während Profiteure des Regimes, wie Elly Beinhorn oder Lenie Riefenstahl, biblisches Alter über 100 erreicht haben, waren die Protester ruckzuck an die Wand gestellt. Und wofür? Na, als abschreckendes Beispiel. Toll viel erreicht! Und nach dem Krieg? Da hat sich dann die Masse der Kollaborateure in Ihnen reingewaschen und in das Horn des „Wir waren nicht alle so“ geblasen.

    Kurzum, wenn du in einer Diktatur lebst, dann mach nie was sie wollen mit, aber wenn du ihnen DEIN DING verkaufen kannst, dann hast du gewonnen (nicht wahr, Herr von Braun?). Willst du nicht mitmachen? Dann verkrümel dich still in ein anderes Land. Und wenn du das Regime wirklich hasst? Dann verkrümel dich in ein Land, dass Gegner deiner Diktatur ist und unterstütze sie. Fang aber nie mit mahnendem Protest innerhalb der Diktatur an. Damit bist du nur der Arsch für alle und schnell tot. Das bringt dir nichts.

    Leider war Letzteres das Ziel der „entnazifizierenden“ Schulerziehung. Die durften ja auch politisch nichts anderes sagen, denn der „Bürger in Uniform“ konnte und sollte ja nicht opponieren, denn Deserteure wurden bei der Bundeswehr und der Nationalen Volksarmee genau so bestraft, wie bei der Wehrmacht. So weit war man da nicht auseinander. Was auch nicht wundert, denn an der Spitze standen ja die gleichen Leute. Aber auch das hat bis heute „das Volk“ nicht begriffen. Sonst würde man nicht ernsthaft glauben die umbenannte „Organisation Gehlen“ hätte ernsthaft ein Interesse daran die NSU-Morde aufzuklären.

  • 3-plus-1 meinte am 6. Mai 2015 um 21:51:

    PS:

    Lügenpresse ist ein verbranntes Wort … und es ist zu zahm. Ich nenne sie „Brandstifterpresse“ und würde wirklich gerne jedem Lohnschreiber persönlich auf die Schnauze hauen, der unterschwellig tatsächlich den Weg „beschreibt“, wie wir uns wieder Aufrüsten sollen, um gen Russland in den Krieg zu ziehen.

    So viel sollte man aus der Geschichte gelernt haben: NIE WIEDER EIN RUSSLANDFELDZUG!

    Und selbst wenn Putin persönlich vor laufender Kamera kleine Kinder ausweidet, muss es vor dem Hintergrund der Deutschen Vergangenheit klar sein, niemals wieder auf Ketten nach Moskau fahren zu wollen.

    Ich hege aber immer noch die Hoffnung, dass die deutsche Bevölkerung DAS nicht mitmacht. Da gibt es doch bestimmt noch Erinnerungen an die Erzählungen des (Ur-)Opas aus der 6. Armee, die nahelegen, dass diese Erfahrung sich nicht zu wiederholen lohnt.

    Von mir aus sollen das die US-Truppen machen. Da ist man ja nachhaltig lernresistent und hat es auch in Afghanistan versucht, nachdem die Rote Armee schon nachhaltig gescheitert war.

  • Chris meinte am 8. Mai 2015 um 18:23:

    Zum Thema 8. Mai und der sogenannten „Befreiung“ und der angeblichen Souveraenitaet der „Bundesrepublik“ gibt es auf http://www.globalfire.tv 2 sehr interessannte Artikel zu lesen…

  • MarkusT meinte am 16. Juni 2015 um 20:42:

    Hallo,

    danke für den Tip, hab mir das Buch aufgrund deiner Empfehlung gekauft und fand es sehr interessant zu lesen. Klar muss man berücksichtigen, das es der Britische Premierminister geschrieben hat. Die Briten sind sehr glorreich:) und seiner Meinung nach war er Maßgeblich für den Erfolg notwendig. Aber gewisse Hintergründe die man in der Schule nicht lernt, sind dargelegt und vieles wird dadurch verständlicher. Besonders da der WW2 relativ komplett und aus einer Hand geschildert wird.

    Markus

  • Chris meinte am 10. Juli 2015 um 20:05:

    Ein sehr guter Film zum Thema.Vorsicht!Nichts fuer schwache Gemueter…
    http://www.hellstormdocumentary.com

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