Testprotokoll KTM 1290 Super Duke GT

KTM hat eine GT-Version ihrer Super Duke gebaut, bei der die Geometrie gleich blieb, der Motor aber Euro 4 kann und noch mehr Dampf hat. Oh, und das ganze Touring-Ornat hat sie natürlich auch. Sie fährt daher, wie man sich das vorstellt: Wie eine für Rentner umgebaute 1290 Super Duke, also bequem schnell. Ich mach jetzt mal eine Liste der Dinge, die neu sind, mit Einordnungen:

  • Dickere Sitze
  • Rahmenfeste Lampe
  • Lenker höher und breiter
  • Kurvenlicht: Wie bei der „Super Adventure“ schalten sich schräglagenabhängig je Seite bis zu drei LED-Scheinwerferchen aus den Seitenverkleidungen zu, um die Kurve besser zu beleuchten. Bin es leider noch nicht in der Nacht gefahren.
  • Reifendruckkontrollsystem über Sender in den Ventilen.
  • Windschild, mit einer Hand einstellbar. Ich stell immer ganz nach unten, damit der Helm nicht wackelt ab 130 km/h.
  • Entspanntere Rastenposition vorne und hinten
  • Quickshifter, leider ohne Autoblipper zum Runterschalten
  • Pirelli Angel GT als Serienbereifung. Steht ihr ganz gut.
  • Größerer Heckrahmen, und stabiler isser auch, für eine Zuladung von 225 kg.
  • Euro 4: Bei Ducati wärs eine schlechte Nachricht, bei KTM wurde der Motor nach Ansicht der Dagewesenen weder leiser noch schwächer. Im Gegenteil hat er noch weiter unten noch mehr Dampf, bei gleicher Nennleistung wie die R.
  • Heizgriffe
  • Beheizte Sitze (optional in den Powerparts)
  • Bosch MSC: Schräglagen-ABS, das hinten mitbremst, damit es vorne weniger aufstellt.
  • Größerer Tank: jetzt 23 Liter. Ist ein ziemliches Fass, das da vor deinem Bauch sitzt, weil drunter ja noch die Airbox Platz finden muss.
  • Einstellbares Motorbremsmoment (optional): Keine Ahnung, wer das haben wollen könnte, ich habe nie das Bedürfnis, das Motorschleppmoment umzustellen. „Huch! Es ist Faschingsdienstag! Ich fahre mit halber Motorbremse!“ Ne.
  • Selbst rückstellende Blinker
  • Tempomat: Es wär schön, wenn die Bedienung links wäre, weil mit Bedienknöpfen für die Gashand ist Geschwindigkeit einstellen unnötig fummelig. Verdacht: KTM hat das so gemacht, damit sie den Griff links ned teuer ändern müssen.
  • Berganfahrhilfe (optional): Hat mich eher genervt, als dass es nützlich war. Im Auto gern, am Motorrad stört es mich beim Rangieren am Berg.
  • Semiaktive Dämpfung: Wie bei der Super Adventure, nur neu abgestimmt, jetzt ohne Klickgeräusche. In den Modi „Komfort“ und „Street“ setzt KTM hier ein Anti Dive ein, ähnlich der BMW R 1200 R. Funktioniert gut, ist aber sehr gewöhnungsbedürftig. Auf „Sport“ darfst die Maschine zum Einlenken wie gewohnt zusammenstauchen.
  • Einstellbare Fußrasten (optional)
  • Navi-Träger (optional)
  • Integriertes Koffersystem (Träger Serie, Koffer optional): Die Koffer sind wirklich schön eng ans Heck gequetscht, und an jeder Seite passt ein Integralhelm rein. Ohne Koffer schaut das Heck auch gut aus, auch weil die Aufnahmen aus poliertem Alu schick gemacht sind.
  • Superschiaches Design: Das ist halt ein Naturgesetz: Touring schaut an Motorrädern immer kacke aus. Wenn es nicht kacke ausschaut, kauft es keiner.

Ich habe einen Fahrbericht für einen lieben Print-Kollegen geschrieben. Das Fazit konnte er in seiner Publikation nicht brauchen, aber da ich es sehr auf den Punkt gebracht finde, schreibe ich es jetzt hier hinein: Die Nase der GT könnte ich mental nicht verkraften in meiner Garage. Das Motorrad kostet ab 17.995 Euro (ohne Koffer). Ich würde mir davon eine 1290 Super Duke R kaufen plus einen gebrauchten Mazda MX-5 für meine Sozia. Dann kann sie auch mein Gepäck mitnehmen.

2016-02-24 KTM GT Mallorca-2208

KTM 1290 Super Duke GT MJ 2016

Ist: eine Super Duke für Rentner.
Kostet: 17.995 Euro plus Nebenkosten ohne Koffer
Leistet: 173 PS (127 kW) bei 9.500 U/min
Stemmt: 144 Nm bei 6.750 U/min aus 1.301 ccm
Wiegt: 229 kg vollgetankt, lässt dich aber auch 225 kg zuladen.
Tankt: 23 Liter Super.
Hat: alles, was der Tourer wünscht: volles Elektronikpaket, Windschutz, Gepäcksystem, aufrechte Herrenreiterposition für Gewalttouren und das alptraumhafte Aussehen, ohne dass ein Tourer keine Chance hat am Markt. Könnte also trotz des hohen Preises mehr verkaufen als die Super Duke R.

 

Hier noch ein kurzes Video, das ich am Kaffeestop aufnehmen konnte:

Kommentare:

ältere
  • Sabine Kastner meinte am 1. April 2016 um 18:33:

    Scho schiach….

  • Jörg Eilermann meinte am 7. April 2016 um 14:11:

    Die könnte ich mir schön saufen.

  • Made meinte am 4. Mai 2016 um 13:29:

    HaHaHa, der Zusammenhang zwischen alptraumhaftem Aussehen und Verkaufszahlen ist nicht von der Hand zu weisen ->> siehe dazu auch BäEmWeh GEESS und viele andere Mopeds aus dem Propeller-Imperium ;-)))))))

  • Boxerlust meinte am 26. Juli 2016 um 7:56:

    Die KTM 1290 Superduke GT ist schon nicht schlecht.Doch ich warte ob an den Geruechten was stimmt dass bald die GS 1400ccm bekommen soll.Mit 150PS/140NM Boxer,Telelver und Kardan samt 17 Zoll Vorderrad waere das die perfekte Waffe fuer die Strasse !
    An der KTM gefaellt mir die Kette,die Gabel nicht und das es in meiner Naehe es einfach keine guten KTM Haendler samt Ersatzteilversorgung gibt.

    • Clemens Gleich meinte am 26. Juli 2016 um 11:37:

      Ja. Einer der Gründe, warum ich eine KTM kaufte: Hier gibt es zwei sehr gute Händler. Finde ich sehr wichtig. Die Gabel der GT kann übrigens auf Wunsch ein Anti-Dive, in der Stärke vergleichbar wie die Telelever-Auslegungen von BMW.

  • Boxerlust meinte am 26. Juli 2016 um 21:51:

    @ Clemens was Ihr von der Fachpresse leider nicht versteht dass selbst eine elektronische Gabel immer nur Eins kann.Federn oder sich beim Bremsen verhaerten.Der Telelever kann Beides gleichzeitig!Auf topfebenen Rennstrecken kein Problem,auf buckeligen Landstrassen ist die Gabel dem Telelever unterlegen.Und Kette ist was fuer Fahrraeder oder Rennstrecke.Wenn es die S1000XR mit 150PS Boxer,TL und Kardan kommt werde ich zuschlagen !

    • Clemens Gleich meinte am 27. Juli 2016 um 11:05:

      Und was Du als jemand, der es nicht ausprobiert hat, nicht verstehst: Die Vorteile des Telelevers existieren nur in der Theorie. In der Praxis funktioniert schon die normale Telegabel besser, und wenn man ein Antidive will, funktioniert das auch über Unebenheiten in einem aktiven Fahrwerk besser als im Telelever. Um das zu verstehen, kannst Dir ja mal die zeitliche Auflösung des Systems anschauen. Sie kann so viel in so kurzer Zeit, dass für den Fahrer eine Quasigleichzeitigkeit herauskommt. Probier es doch einfach mal aus. Fahr die neue R 1200 R. JEDER, Fachpresse oder nicht, sagt, dass die bemerkenswert gut fährt.

  • Boxerlust meinte am 27. Juli 2016 um 19:41:

    @ Clemes.Ich habe meine R1200R 2014 TL und Ohlins Daempfern im Vergleich zur neuen LC mit ESA Gabel verglichen.Auf glatten Strassen kein Problem.Wenn es aber buckelig wird oder noch harte Bremsmanoever dazukommen ist der TL der Gabel ueberlegen.Warum?Das Federbein des Telelevers kann viel weicher ausgelegt werden als die Gabelfedern und buegelt daduerch die Unebenheiten viel feinfueliger aus.Beim harten Bremsen bleiben beim Telelever ca 75% des Federweges erhalten und das ABS macht nicht auf weil das Vorderrad weiter sauber alle Buckel ausbuegelt.Der Bremsweg ist kuerzer und das Motorrad taucht nicht ein.
    Bei der ESA oder auch KTM Gabel verhaertet die Elektronik die Gabel um einem Abtauchen entgegenzuwirken.Die Gabel kann Unebenheiten nicht mehr so fein wie der mechanische Telelever ausbuegeln und kann sogar auf Block gehen was 0 Federweg zur Folge hat.Das ABS macht dann auf,Bremswege werden laenger,oder es kommt sogar zum Sturz weil das Vorderrad der Gabel den Grip verliert.Wie gesagt auf topfebenen Rennstrecken ist dies kein Problem auf buckeligen Landstrassen schnell gefahren ist der Telelever der Gabel aber weitaus ueberlegen !
    Dazu kommt nocht dass der TL keine Lenkkopflager die schnell verschleissen benoetig und dass Upside Down Gabeln gerne durch Insektenschmutz an ihren Dichtungen sich ihres Oeles entledigen und dann sich in einen Pogostick verwandeln.
    Die Telegabel gehoert I‘m Strassengebrauch in‘s Museum.Das hatte BMW schon im Jahre 1993 gezeigt und nur die „Fachmagazine“ haben rumgenoergelt wegen angeblich fehlenden Feedbacks als koennte Jemand der Tester schnell genug fahren um sich ueber angeblich fehlendes Vorderradfeedback zu beklagen.Selbst ein Rossi bekommt nicht genug Feedback von seiner 25000 Euro teuren Ohlins Gabel sonst wuerde er sich nicht so oft uebers Vorderrad ablegen.So muessen es oekonomische Gruende sein warum BMW fast ein 1/4 Jahrhundert spaeter die Telegabel an manchen Boxern wieder verbaut!An Rennmaschinen oder Moto Krossern hat die Gabel noch Berechtigung sonst sollte man sie aber nur zum Essen verwenden…;-)))
    Und ja die R1200R faehrt gut aber nicht besser als die alte R1200R die nur 15PS weniger was man kaum spuert aber dafuer TL und einen gut ablesbaren Drehzahlmesser hat !
    Und zu Deiner „Quasigleichzeitigkeit“…der mechanische Telelever kann gleichzeitig federn und einem Abtauchen entgegenwirken !
    Die elektronische Gabel kann nur Eines.Federn oder sich Verhaerten um einem Abtauchen beim Bremsen entgegenzuwirken.
    Der einzige kleine Vorteil bei all den Nachteilen die ich der Gabel zugestehe ist dass durch das Abtauchen die Gabel etwas steiler und dadurch das Motorrad beim Einlenken theoretisch etwas handlicher wird.
    Aber das war‘s dann schon…

    • Clemens Gleich meinte am 27. Juli 2016 um 21:54:

      Graue Theorie. Nicht jede Rennstrecke ist „topfeben“, und wenn der Telelever in der PRAXIS Vorteile hätte, würden Rennmaschinen damit Siege einfahren, mindestens im Road Racing mit ihren Buckelpisten.

  • Boxerlust meinte am 28. Juli 2016 um 18:19:

    @ Clemens…keine Theorie sondern Praxis !Der groesste Vorteil wo man auf einer motorisch voellig unterlegenen R1200S gegenueber weitaus staerkeren 4 Zylindern richtig Meter Machen konnte war vor Kurven auf der Bremse;Telelever!Und Rennstrecken haben meist perfekten Asphalt so dass die suendhaft teuren Ohlin$$$ Renngabel sehr hart ausgelegt werden koennen und damit eh wenig beim Bremsen eintauchen…
    Nochmals der Vorteil des Telelevers ist das er ein mechanisches Anti-Divesystem ist dessen Federhaerten sehr weich ausgelegt werden koennen um sehr feinfuehlig alles auszubuegeln.Eine elektronische Gabel kann nur eines.Federn oder sich verhaerten um einem Abtauchen beim Bremsen entgegenzuwirken bis sie auf Block geht und keine Bodenwellen mehr ausbuegeln kann.
    Der Telelever ist klar besser und angeblich fehlende Rueckmeldung ist nur blabla der Luegenpresse.Denn selbst ein goettlich begabter Ausnahmefahrer wie Rossi legt sich uebers Vorderrad ab mit seiner Ohlins Spezialgabel weil sie Ihm offentsichtlich nicht genug Feedback gibt…Telelever ist besser als ESA Gabel es sei den man braucht das Abtauchen beim Bremsen und das Stuckern/Springen des Vorderrades auf schlechten Fahrbahnbelaegen um zu wissen dass ein Sturz imminent ist…;-)))
    Sicherlich ein Michal Dunlop gewann auf einer S1000RR ueberlegen das haertere Strassenrennen der Welt TT aber das beweist nicht dass er mit einem TL noch schneller haette fahren koennen !Wobei es natuerlich bei einem 4 Zylinder fast unmoeglich ist einen Telelever zu adaptieren.Hier eignet sich natuerlich der Boxer perfekt weil kein Auspuffsystem im Weg steht…

    • Clemens Gleich meinte am 28. Juli 2016 um 19:48:

      Wie gesagt: Theorie. Wenn man mit dem Telelever auf der IOM richtig Meter machen könnte auf jeder Runde, in der Bremszone oder sonstwo, hätte längst jeder dort eine.

  • Boxerlust meinte am 29. Juli 2016 um 18:22:

    @ Clemens;REnnfahren hat nichts mit schnellem Landstrassenfahren zu tun.Man braucht das richtige Werkzeug fuer den Job.Auf einer glatten Rennstrecke an einem inline-4 Zylinder tut es eine harte Ohlinsgabel sicherlich gut.Auf einer buckeligen Landstrasse hat der Telelever aber Vorteile das Vorderrad GLEICHZEITIG alle Buckel feinfuelig auszubuegeln und beim Bremsen nicht in die Knie zu gehen.Die ESA Gabel kann nur entweder oder.Federn oder Verhaerten um beim Bremsen dem Abtauchen entgegenzuwirken…Probier das mal aus beim naechsten mal wenn Du eine LC R1200GS gegen eine LC R1200R schnell und hart in den Bergen faehrst.Beim diesjaehrigen „Alpenkoenig“ haben Beide MO und MRD gepennt und weder GS noch R zum Vergleich antreten lassen…Zufall?Ich glaube nicht denn BMW will R/RS weiter verkaufen an die kein TL passte weil der Kuehler im Wege stand…LOL
    Und ja auf kurvigen Rennstrecke konnte ich damals mit meiner nur 122PS schlappen R1200S Zeiten fahren wie andere auf 50PS staerkeren GSXR 1000 weil ich dank des Telelevers so unverschaemt spaet und hart bremsen konnte.Haette die R1200S eine Gabel gehabt haette ich keine Chance gehabt die fehlenden 50PS wettzumachen.Praxis nicht Theorie.
    Gut damals vor 10 Jahren gab es noch keine ESA Gabeln…

    • Clemens Gleich meinte am 29. Juli 2016 um 18:28:

      Road Racing und schnelles Landstraßenfahren haben einiges miteinander zu tun. Schau, wir haben verstanden: Du findest den Telelever super. Viele Andere halt nicht. Das ist jetzt eben so.

  • Testprotokoll KTM 1290 Super Duke GT - Westbiker´s Checkpoint meinte am 5. November 2016 um 13:53:

    […] […]

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