Dicke Umarmung

Als ich meinen Abnehm-Rant schrieb, meldeten sich einige Dicke mit der Beschwerde, ich habe etwas konkret gegen Dicke. Das tut mir sehr leid, denn nichts liegt mir ferner. Ich mag Dicke genauso wie Dünne. Vielleicht sogar etwas mehr. Als Kind wollte ich immer dick sein. Ich habe mich vor den Spiegel gestellt, meinen Bauch herausgebogen und über das Hohlkreuz hinten den Bademantel fallen lassen. Dann lief ich durch die Wohnung mit meiner simulierten Plauze. Nein, es geht mir wie immer nur darum, dass es einfach nervt, wenn Leute innerhalb der gesetzlichen Freiverhaltenszone bestimmen wollen, wie Andere zu leben haben. In der Motorradszene sind halt die meisten Leute tendenziell dicker, also höre ich Ernährungsratschläge eben hauptsächlich von übergewichtigen Personen, und sie klingen genauso absurd wie mein Vater, der während jeder Autofahrt säuft (“für die Nerven“) und dabei sagt, ich solle am Freitag kein Feierabendbier trinken, weil Alkohol doch ungesund ist.

In anderen Szenen kann es aber ganz anders ausschauen, also glaube ich, dass ich das Leben der Dicken besser verstehe als die meisten. Es würde mich auch furchtbar nerven, wenn die Yoga-Tusse mir alle zwei Tage erzählt, wie ich mit Durchfall aus CHIA-Samenschleim sofort aussähe wie Brad Pitt in Fight Club, und mein Fett, das sei ja so ungesund, und wann wolle ich denn endlich mal mit zum Yoga kommen, wo ich mich zum Deppen machen soll zwischen all den Schlangenmenschen mit meiner Beweglichkeit wie ein Motorblock. Geh weiter, Weib! Ich weiß genau, wie ich ausschaue. Wenn ich darunter dereinst leide, werde ich etwas tun. Vorher nehme ich mir mein Menschenrecht auf Selbstbestimmung heraus. Deshalb sollten wir zusammen die Chiaschleimer genauso wie die „Iss-doch-mal-was“-Motorblöcke behandeln: mit Ignoranz. Augen verdrehen, Thema wechseln. „Darf ich mit Ihnen über die Triumph Street Triple sprechen?“

Kommentare:

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  • Frank meinte am 18. Juni 2016 um 21:07:

    Lieber Clemens, dass es in der Motorradszene mehr Kritik von Dicken an Dünnen gibt als umgekehrt, ist getrost in den Bereich der persönlich verzerrten Wahrnehmung zu verweisen;-) Es ist allerdings auch so, dass 1,70 Meter-Bürscherl mit 65 Kilo auf den Rippen schon einen dummen Spruch riskieren, wenn sie kategorisch jedes Kraftrad über 150 Kilo fahrfertig als „unpackbar“ geißeln. „Für dich vielleicht…“ ist da ja noch ein freundliches Statement.

    • Clemens Gleich meinte am 20. Juni 2016 um 11:19:

      Wer ist dieser 1,70 m große Mann, der zu jedem Krad „unpackbar“ schreibt? Muss ein Österreicher sein, vielleicht auch ein Südtiroler.

    • Wolfgang Lonien meinte am 21. Juni 2016 um 5:41:

      Zur „verzerrten Wahrnehmung“: ich bin 1,78m und roundabout 65kg und fahr ‚ne NTV (210kg vollgetankt, immerhin mit Kardan). Packbar, auch wenn Street Triples oder die MT-07/MT-09 sicher besser für mich wären.
      “Unpackbar“ denk ich eigentlich nur – und dann aber immer – wenn ich vor ‚ner auf den Hauptständer aufgebockten GS stehe, was‘n Berg von ‚nem Motorrad! Und ja, ich bin schon mal V-Strom 1000 gefahren, schönes bequemes Mopped vor allem für zwei, aber muß ich sowas in der Garage herumwuchten? Nicht wirklich…

      • Frank meinte am 21. Juni 2016 um 9:38:

        In diesem Thread geht es ja – aus Clemens‘ Wahrnehmung – darum, dass ihm, der wohl eher under- als overtall und eher under- als overweight ist, alle möglichen Leute, die dicker sind als er, aufs Ohr texten, wie er sein Leben ändern müsse, um mehr Speck auf die Rippen zu bekommen. Mir, der ich in meiner Physiognomie genau das Gegenteil von Clemens bin, geht es genau anders herum. Und ich nehme speziell in der Motorradszene eine große Gehässigkeit wahr gegenüber alten, grauen, dicken Männern, gern auch welchen, die so viel Geld haben, dass sie sich davon eine verfettete BMW kaufen. Das ist natürlich auf unendlich vielen Ebenen utter Bullshit. Auf jeder Motorrad-Veranstaltung, auf der ich bislang war, war grau die dominierende Haarfarbe (von den glatzerten Typen mal abgesehen), und wenn du keine dicken Leute treffen möchtest, dann solltest du eher zum nächsten Marathon-Training gehen als auf einen Motorradtreff. Und was das Gewicht angeht: Mei, eine BMW R1200GS mit 1,2 Liter Hubraum und über 100 Nm Drehmoment quasi ab Leerlaufdrehzahl wiegt ca. 240 Kilo. Eine Honda VFR 800 auch.

        Wenn du mit deiner Größe mit meiner GS fahren wolltest, würde das vermutlich kaum gehen, bei über 90 cm Sitzhöhe und herabgesetzten Rasten. Aber warum sollte denn das auch gehen? Schließlich würden mir deine Hosen ja auch nicht passen.

        • Clemens Gleich meinte am 21. Juni 2016 um 10:15:

          Frank, das mit der verzerrten Wahrnehmung geht Dir also exakt genau so wie mir. Es gibt die von Dir wahrgenommene Gehässigkeit genauso wie das von mir wahrgenommene Getue, nur eben mit höchster Wahrscheinlichkeit in beiden Fällen nicht so stark, wie wir das wahrnehmen.

          Ich bin mit 180 cm normal groß und mit einem BMI von 20 normal schwer. Viel langweiliger normal geht kaum noch. Mein Wahrnehmungsbereich ist demnach viel relevanter als Deiner, weil er näher an der gesamtgesellschaftlichen Normalität liegt. Wir müssten jetzt nur noch die lokale Normalität der Motorradszene messen.

          Da das ein für uns nicht sinnvoll schaffbares Unterfangen bleibt, möchte ich auf den Ursprung zurückkommen: Ich habe Leuten, die sich verletzt fühlten, eine versöhnliche Erklärung angeboten. Ich verachte Leute nicht wegen ihres Gewichts, ich will am liebsten gar nicht über Essen sprechen, das hör ich grad im Bekanntenkreis dauernd wegen ihrer Diäten.

          Und die Erklärung, warum ich Gewicht bei Reiseenduros immer kritisiere: Weil es wichtig ist, das zu wissen, bevor man in ein Schlammloch fährt. Grad bin ich die neue Ducati „Enduro“ gefahren, auf einer Trial-Piste. Keiner wollte da fahren, weil echtes Gelände mit 260 kg nur Vollkönnern noch Spaß macht. Also nahm der Guide alle mit auf eine Runde stinknormale Feldwege. Das fanden sie toll. Das ist eine wichtige Information über diese Fahrzeuge, und sie ist wichtiger als bei Straßenmaschinen, weil es auf der Straße weniger Lehmlöcher gibt, auf denen sich dein Motorrad um 180° ohne weiteres Zutun dreht (ist bei Ducati jemandem passiert).

          Wenn Du konkret kein Gelände fährst, bist groß genug, diese Information als für Dich irrelevant abzuwerten. Sie ist aber nicht für jeden irrelevant. Sonst hätten ned alle so gegeiert auf eine Africa Twin mit zumindest mal ~180 kg fahrfertig.

          • Frank meinte am 21. Juni 2016 um 12:15:

            Ich glaube, bei der Bewertung der Bewertung des Essverhaltens durch andere Leute sind wir uns völlig einig. Ich finde es übrigens noch absurder, dass man einem Sigmar Gabriel sein Übergewicht ankreidet, als dass man Sahra Wagenknecht ankreidet, dass sie mit Herrn Lafontaine das Lager teilt – beides hat nichts mit dem zu tun, wofür diese Leute stehen oder nicht stehen. Ach übrigens, falls sich ein Weißbier (isotonisch! linksdrehend! aber sowas von!!) mit deiner Diät vereinbaren ließe: Übernächstes Wochenende sind wieder BMW Days in Garmisch. Meine Handynummer hast du.

  • Clemens Gleich meinte am 21. Juni 2016 um 12:55:

    Bin auch in Garmisch. Gerne auf ein Bier!

  • Wolfgang Lonien meinte am 21. Juni 2016 um 14:14:

    Alles Bayern hier? Mei – ich trauer immer noch Freising hinterher…
    Ach ja: gegen Dicke und Dünne hab ich auch nix. Und bei Moppeds hab ich meine Grenzen ausgetestet, die GS wär definitiv nix für mich – mag ned auf Fußspitzen tänzeln und dabei 240kg plus eine eventuelle Beifahrerin balancieren. Hatte ich schon (ca. 230kg bei der V-Strom), brauch ich nicht nochmal.
    Ich hatte mich übrigens vertan und meine Größe wie vom Bund gemessen angegeben – bin nämlich nur 1,76m. Damit ist ‚ne Shiver schon grenzwertig, oder die Transalp meines Bruders, auch wenn die mir noch keine Angst einjagen. Bin aber trotzdem froh ein Mopped mit normaler Sitzhöhe zu haben.
    Viel Spaß bei Eurem Bier!

  • 3-plus-1 meinte am 22. Juni 2016 um 13:15:

    Nun ja, Gewicht ist wichtig und man sollte seins wissen, dann kann man auch bei Wilbers und co. die richtigen Federn ordern. Anders lässt sich ja kaum ordentlich fahren, außer man wiegt wie Clemens nur 70kg (angezogen) und fährt grundsätzlich allein.

    Ansonsten kann ich mit einem „du bist zu fett für die Maschine“ noch leben, theoretisch könnte ich ja schon abnehmen. Aber wenn Presse und sendungsbewußte Fahrer Abfeiern, dass eine neue Afrika Twin „endlich“ so schön niedrig geworden ist und damit indirekt zum Kampf auf hohe, lange und große Motorräder blasen, geht mir regelmäßig das Messer in der Tasche auf.

    Abnehmen könnte ich rein theoretisch aber die 2m Körpergröße bleiben. Daher ist es wichtig, dass Riesenmaschinen vom Schlag der BMW GS Adventure u.ä. bleiben. Wenn weltmarktkonform die Modellpalette jedes Herstellers auf den 1,75m-DIN-Menschen angepasst ist, wird die Auswahl nämlich für uns Große bei Null sein. Daher empfinde ich diese Rufe der Kleinen alles niedrig und leicht gemacht zu bekommen, schon fast als bösartigen Angriff auf mein Hobby für mich.

    Aber bis diese Egalisierungszwerge sich durchgesetzt haben, bin ich erst mal was bei Yamaha demnächst passiert. Vielleicht der 900er Dreizylinder in der XTZ? Oder eine MT-10 Tracer (aka. Tracer 1000)? Das könnte dort noch was werden. Honda habe ich aber abgeschrieben, dort entsteht schon heute nichts mehr für Fahrer über 1,90m.

    • Frank meinte am 22. Juni 2016 um 14:00:

      Also erstens: An meine Brust, Bruder im Geiste. Zweitens macht leider niemand ab Werk Moppeds für Zweimetermänner, und während selbstverständlich jedes rumänische 6.000-Euro-Auto und jedes 150-Euro-Fahrrad von Tchibo einstellbar ist, muss man nach solchen Möglichkeiten bei Motorrädern immer noch suchen. Darüber würde ich gern und ausgiebig mal in einer Motorradzeitung ranten. Clemens, hast du da einen Kontakt?
      Bei Honda war ich immer genau deiner Meinung, habe aber dennoch der Vollständigkeit halber auf der neuen Affentwin gehockt und war positiv überrascht. Klar, bis bei der für einen Zweimetermann alles passt, muss man hier und da noch etwas fummeln, aber das muss man an einer GS ja auch.

      • Clemens Gleich meinte am 23. Juni 2016 um 16:57:

        Ach ja, Frank: Es gab solche Rants schon und gibt sie immer mal wieder, Du kannst sowas einfach an die Standard-Redaktionsadressen schicken, inklusive heise.de/autos (autos@heise.de). Kleine schreiben das ja auch gelegentlich.

  • 3-plus-1 meinte am 23. Juni 2016 um 16:13:

    @Frank

    Ich merke, wir verstehen uns. Aber statt eines einmaligen Rant, hätte ich in den einschlägigen Postillen gerne eine launische Textbox im Waldorf-Stadtler-Stil. So im Prinzip „Was halten Hagrid und Bud (Spencer) von diesem Motorrad“. Dazu dann noch eine regelmäßige Kolumne, wie man aktuelle, neue und klassische Motorräder auf groß umbauen kann (und wo Hopfen und Malz verloren ist).

    Das nun gar kein Hersteller Motorräder für 2m-Menschen baut, stimmt nun auch nicht so ganz. Die BMW GS habe ich nicht getestet. Das war aber – neben der Breite – eine emotionale Sache. So wie für viel zu Viele die Antwort auf das richtige Auto „VW Golf“ lautet, wollte mir (mit meiner Statur) dann auch jeder ungefragt eine R 1200 GS Adventure aufschwatzen. Dagegen habe ich mich erfolgreich gewehrt. Das musste auch anders gehen … und es ging. Ich habe mir eine 2009er V-Strom 650 auf Sporttourer umgebaut. Der Motor gefällt mir und die Optik ist nun so VFR-ig, wie es für Lange überhaupt geht.

    Wenn einem aber der Motor egal ist, kann man ergonomisch schon sagen, dass eine Yamaha XTZ 1200 Super Ténéré für 2m auch ohne Umbauten passt. Bei der Triumph Tiger Explorer muss man im Prinzip nur den viel zu weichen Sitz durch was Hartes Polstern lassen und das passt auch (nur der Winkel der Instrumente ist zu steil). Und wenn ich ehrlich bin, gibt es für Große auch nichts bei der neuen Suzuki V-Strom 1000 ABS einzuwenden, wenn man die hohe Sitzbank mitnimmt, die Suzuki direkt anbietet. Leider war es das am dann am aktuellen Markt schon fast.

    Auf der neuen Afrika Twin habe ich auch gesessen und muss zwar sagen, dass es das Motorrad von Honda ist, auf das man als Langer schon am Besten passt (auf allen anderen passen die Knie nicht unter die Sicken am Tank). Was mir aber bei dem Bike negativ auffällt, ist der fehlende Platz für den rechten Fuß nach hinten. Mit Schuhgröße 50 stoße ich da immer an der Auspuffverkleidung an. Machen kann man auch nichts, denn bislang scheint es keine Anlage zu geben, die auch die Krümmer durch andere (mit veränderter Verlegung der Rohre) ersetzt.

    Aber das Motorrad ist schlicht nicht die Antwort auf die Frage geworden, wie eine moderne Afrika Twin aussehen sollte. Es ist ein schlankes, leichtes Funbike geworden. Der richtige Name müsste auch eigentlich „Kawasaki KLE 1000 ABS“ sein. Wer von der KLE 500 kommt, deren Zweizylinder-Reihenmotor, die Ergonomie, Gewicht und Handlichkeit toll findet, aber bessere Bremsen, eine bessere Federung und ordentlich mehr Bums aus dem Motor haben will, dem würde ich die nAT ans Herz legen. Für diese Fahrer ist das der direkte und perfekte „Upgrade-Pfad“.

    • Clemens Gleich meinte am 23. Juni 2016 um 16:55:

      Ich finde auch, dass es mit Auswahl für Große eher besser geworden ist als schlechter, weil vor allem im Touring-Bereich viel mehr Sitzhöhenvariablität ab Werk angeboten wird. Hondas Africa Twin gibt es zum Beispiel von 800 bis 900 mm Sitzhöhe, damit deckt man schon etwas mehr ab als nur die Spitze der Glockenkurve. An den Krümmerblechen bin ich glaub ich auch angestoßen, das passiert auch schon unter Schuhgröße 50.

      Tatsächlich habe ich seit MO-Anfangszeiten immer darauf Wert gelegt, meiner Einschätzung meine Körpergröße und mein Gewicht beizutragen, damit man es einordnen kann. Wenn besonders Kleine oder Große bei den Testfahrten dabei waren, habe ich ihre Eindrücke mit verwurstet.

      Es wird aktuell wahrnehmbar Werbung für Kräder niedriger Sitzhöhen gemacht, weil das eins DER Zugargumente für das Wachstumssegment schlechthin ist: Hipster oder wie man sie nennen will, die jetzt über die Kulturschiene zum Motorradfahren kommen. Denen geht es nicht um Sport, sondern um Leifsteil, deshalb wollen sie sich superwohl fühlen können, Fahrdynamik ziemlich egal, und dazu gehört bei einer Mehrheit von Anfängern ein niedriger Sitz. Ich habe auch schon 2-m-Männer auf niedrigen Choppern glücklich gesehen, vielleicht dann halt mit Rastenvorverlegung.

  • Wolfgang Lonien meinte am 24. Juni 2016 um 14:23:

    Bei den bezahlbareren? NC750S für Kurze und NC750X für Längere? Ist ja auch ‚n Ansatz, oder?

  • 2016: it is murder – Mojomag meinte am 30. November 2016 um 17:41:

    […] die Fettdiskussion musste ich auch letztens denken, weil ich für den Sport einige Kilogramm Masse aufbauen möchte, […]

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