Dr. Gleichsam #3: Altherrenausfahrten

Was bisher geschah.

Bevor wir weiter über das Reiseendurieren reden, muss ich einen kurzen Stop ziehen, um die Triumph Tiger Explorer zu erklären. Es gibt ja nicht einen Grund, auf der herumzuhacken. Sondern viele. Diese Gründe sollten wir an dieser Stelle diskutieren, damit Interessenten beurteilen können, ob die Kritik für sie relevant ist oder nicht. Zuallererst ist die Tiger ein sehr großes Motorrad. Die meisten Reiseenduros sind irgendwie größer, doch die Tiger sticht dennoch heraus. Als Referenz darf die BMW R 1200 GS gelten, denn sie ist der meistverkaufte Meilenstein, den sie alle kopieren wollen. Die letzte Luft-Öl-gekühlte GS wog 240 kg vollgetankt, die Wasserboxer-GS 244 kg, jeweils mit den Alugussfelgen, wie sie auch am Tiger montiert waren. Der Tiger Explorer wiegt 271 kg vollgetankt. Tankinhalt bei beiden: 20 Liter. Diesen Brocken mehr merkst du, vor allem wegen einer Besonderheit des Tigers: Triumph brachte recht viel Gewicht recht hoch ein, was wohl vor allem am Dreizylinderblock liegt. Damit lassen sich die Räder gut unter dem Gewicht durchdrücken bei langsamer Fahrt, es stört aber, wenn sich bei schnellerer Fahrt nennenswert Kreiselkräfte aufbauen, und auf losem Grund generiert der Tiger das Problem, dass die Balance mit diesem Motorblock nicht so gut gelang wie bei der Konkurrenz. Nehmen wir die noch einmal viel schwerere Honda Crosstourer: trotz Mehrgewicht lässt die sich einfacher balancieren. Die leichtere GS auch.

Ich erhebe den Anspruch, dass eine Reiseenduro den meist ungeübten Reiseenduristen das Fahren möglichst einfach machen sollte.

Wie zu jeder Reiseenduro gibt es auch zum Tiger Videos, wie ein Crack damit durch den Dreck pest. Wir sollten da nicht vergessen, dass der Crack dasselbe auch mit einer Frau Strom macht oder einer Honda Hornet. Reiseendurofahrer sind sehr selten Cracks. Ich erhebe daher den Anspruch, dass ein Motorrad des Segments ihnen das Fahren möglichst einfach machen sollte, und hier versagte die Explorer. Am dritten Tag zickte das E-Gas herum, und bei jedem Start auf Schotter musste Patrick sich umständlich durch die Menüs drücken, um Traktionskontrolle und gegebenenfalls das ABS abzuschalten. Ob man das ABS abschalten muss, hängt außer am Untergrund an seiner Auslegung. An der KTM schaltete ich es selten ab, und es geht mit einem Knopfdruck. KTM verkauft außerdem einen Dongle, mit dem es aus bleibt nach einem Neustart. Traktionskontrolle hatte außer der Tiger kein Motorrad, und keiner vermisste es, jedes Mal eine Uboot-Atomwaffensequenz ins Display zu drücken wie auf der Triumph. Wenn man sie nicht drückte, kam man an Geröllhängen lose schaufelnd nicht mehr voran. Meine Kritik in einem Satz an der Tiger lautet also: Triumph hat hier ein Straßenmotorrad für Große gebaut, das meistens ganz okay fährt, aber nichts besonders gut kann. Es gibt keinen einzigen Grund, den Eimer zu kaufen, denn selbst wenn es nur eine Triumph sein darf: Kauf die Triumph Tiger 800! Tja, und entsprechend schwer hat es der fette Tiger in diesem Text. Vor allem, weil er obendrein noch mit siffender Touratech-Sitzbank verschlechtert wurde.

Saufen vom Supermarkt

Das in unserer Not aufgesuchte Hotel der letzten Folge lag am Fuß des Col de Sommeiller, der höchsten befahrbaren Alpenstraße. Oben am Parkplatz fehlen dir zur 3000 nur zwei, drei Meter. Früher konnte man die noch nachholen, indem man in Richtung Aussicht auf den Gletschersee bergan fuhr, heute begrenzen Holzbalken den Parkplatz. Um mittags keine Zeit zu verschwenden, waren wir dazu übergegangen, Brot, Wurst, Käse und Wasser mitzunehmen, damit wir überall Brotzeit machen könnten, zum Beispiel in 3000 Metern Höhe. Die stiegen wir jetzt an. Der Weg dort windet sich erst durch den Wald, relativ unspektakulär. Dann führt er an einem Stausee vorbei, an dem wir kurz auf den Tiger warteten. Ich kontrollierte auch den Ölstand der KTM. Oh. Oh-oh. Dieser Einzylinder verbrennt, wenn er heiß wird, relevant Öl. Das kannte ich von meiner 690 Duke auf der Rennstrecke. Wir fuhren in warmem Wetter auf losem Grund im kleinen Gang hohe Drehzahlen. Das war dasselbe. Der Ölstand zeigte zwar noch an, aber unter Minimum, sodass mir fraglich schien, ob man die R wirklich da hoch fahren sollte. Denn der eigentliche Anstieg am Col de Sommeiller beginnt erst deutlich nach dem Stausee. Mein eingepacktes Öl hatte ich in Stuttgart zurücklassen müssen, weil der Behälter undicht war. Doch zum Glück kam am Stauseestop eine andere KTM vorbei, und wo eine KTM auf Reisen ist, da findet sich auch Öl. Ein netter Österreicher auf 990 Adventure überließ mir den Schluck, der den Durst der R für den heutigen Tag stillen würde. Als Gegenleistung ließ ich ihn den Einzylinder einmal fahren. Das war nix für ihn, er sah auf der schmalen, kleinen Ziege zu albern aus.

Der Col ist eine wunderbare Straße, und bei gutem Fahrbahnzustand so einfach, dass sie jeder Motorradfahrer fahren kann. Wirklich: Im Sommer stehen da oben auch Honda VFR 750 und andere Fulldresser. Weil man die Straße auch mit Autos befahren darf, begegneten wir hier einigen Jeeps und Land Rovers. Das waren so Freizeitschotterer wie wir, erkennbar daran, dass sie selbst auf den langen, glatten Etappen die Geländeuntersetzung drin ließen und mit 3 km/h dahinkrochen. So wie ich in meinem Kopf voll schnell fuhr, erlebten sie in ihrem Kopf wahrscheinlich gerade eine voll krass schwierige Kletterstelle trotz Steigung Null. Beides natürlich Illusionen, aber schöne Illusionen.

Nach dem sanften Waldstück folgt der steilste Teil der Strecke, auf dem sie sich in eng aneinandergenudelten Serpentinen einen steilen Felshang hinaufwindet. Wem das Öl bis hierhin gereicht hat, findet sich bald auf einer herrlichen Hochebene wieder, auf der sogar noch ein paar Bäumchen wachsen. Die Straße führt hier über einen kleinen Bach, der dir die Option bietet, statt obendrüber auch durchzufahren, weil neben der Brücke eine Kiesfurt durchführt. Hier setzten wir Marc auf den Tiger, Patrick hinter die Kamera und mich nach einer Pinkelpause wieder auf die KTM, um den Aufmacher für die MO-Geschichte zu schießen. Da oben sammelt sich je nach Regenlage Wasser in einer großen Pfütze, durch die Vierradler dann gern fahren für ihr Abenteuer. Einfach sein lassen, die Pfütze ist auch keine Herausforderung, bringt aber Leute wie den Graffitti-Schablonen-Sprüher dazu, Schottergäste zu hassen.

Danach steigt der Weg steil an in eine unbewachsene Mondlandschaft. Wir fuhren auf den Parkplatz ein, und wie auf jedem Parkplatz am Ende jedes Schotterwegs stand dort natürlich schon ein alter Fiat Panda. DAS Schlechtwegauto schlechthin. Ansonsten standen dort: VW Polo mit Schlechtwegkit (unlackierte Stoßfänger), Citroen Saxo, aber keine Jeeps, denn die würden mit ihren 3 km/h frühestens eine Woche später eintreffen. Wir zogen uns das Supermarktzeug und einige von Patrick geschnorrte Zigaretten rein. Kurz wunderte ich mich über meine Kurzatmigkeit, dann fiel mir jedoch ein, dass wir hier ja auf dem Dreitausender picknickten. Schee. Die Lektion des Vortages mit unserer Überlastung war noch so frisch, dass wir es danach gut sein ließen für diesen Tag mit Schottern, im Supermarkt ein paar Liter Öl für die KTM kauften und dann den Campingplatz anliefen. Auf dem Rückweg winkte ich den netten Leuten in ihren Jeeps wieder. Sie hatten sich nicht sichtbar fortbewegt.

Zubehör des Tages: Fuel Friend (für Öl)

Ich sorgte vor. Ich wollte jedoch den Rüssel daheimlassen, und ohne den schließt der Deckel nicht dicht, sodass ich ohne losfuhr.
Ich sorgte vor. Ich wollte jedoch den Einfüllstutzen daheimlassen, und ohne den schließt der Deckel nicht dicht, sodass ich ohne losfuhr. Gibts beim Louis.

Rubbel die tote Katz

Im krassen Kontrast zum letzten Tag war es sehr angenehm, ganz entspannt ganz früh am Camping-Platz anzukommen. Wir versorgten die Pferdchen, wir bauten die Zelte im Hellen auf, wir lagen im Gras herum und lästerten über Touratech. Also ich jetzt. Weil man so gut drankommt, wie es bei einer Enduro sein sollte, schaute ich mir das Staubaufkommen im Luftfilter der KTM an (praktisch null), ich versuchte, die Koffer dicht zu kriegen (der nächste Regen zeigte: ohne Erfolg) und wir planten den nächsten Fahrtag. Wenn ich mit dem Motorrad unterwegs bin, spare ich mir meistens die Mitnahme von Handtüchern und trockne mich dann beim Campen eben am Schört ab. Das bemerkte ein Mitfahrer und reichte mir hilfsbereit ein Hightech-Leichtbau-Camping-Utensil: ein Reisehandtuch aus Mikrofaser, leicht wie eine Spinnwebe. Es war aber von der Wasseraufnahme genauso, als trockne man sich mit einer gut imprägnierten toten Katze ab, und weil es seit vielen Tagen nach Benutzung im Straßenstaub trocknete, roch es auch so wie diese Katze. Auch hier lernte ich wieder etwas übers Campen, nämlich wie meistens, dass ich nicht so ganz der Typ dafür bin. Fürderhin trocknete ich mich wieder an T-Shirts ab.

Wir fanden sogar gutes Essen abends:

Das Beste an diesem Camping-Platz war jedoch, dass wir zwei Tage hier blieben. Also konnte ich endlich einen Tag ohne die Alutröge fahren. Ich denke, auch diese Erfahrung gehört zum Reiseendurieren dazu: Ohne Gepäck wirkt selbst ein Tiger Explorer plötzlich springig wie eine junge Angela Merkel im Ostseebad. Bei der KTM und der Honda war der Unterschied natürlich am spürbarsten, weil anteilmäßig am größten. Wir nahmen uns den Col du Parpaillon vor, für den ich bei der abendlichen Routenplanung gestimmt hatte wegen seines Tunnels, den ich fotografieren wollte. Die flacheren Straßen am Fuß bestehen aus Lehmboden, können also bei Nässe sehr rutschig werden. Bei uns im Trockenen waren sie sehr griffig. Dann steigt der Weg ins Schichtgestein geschnitten entlang und die abrollenden Reifen produzieren interessante Fahrgeräusche auf dem Schichtsteingeröll. Die definierende Stelle dieses Passes ist jedoch der Tunnel, der an der Passhöhe durch die Bergspitze schneidet. Wer hier im Sommer durchfährt, kann durchaus noch auf einen geschlossenen Eispanzer treffen, oben von warmer Luft leicht angetaut, damit es auch extra rutschig wird. Mir erzählte später ein Adventure-Fahrer, wie er hier einmal seine Maschine liegend übers Eis zog, weil er sie nicht mehr alle drei Meter hinschmeißen wollte. Bei unserer Fahrt kam uns zugute, dass wir bis Anfang Oktober gewartet hatten: Eisfreier wird es hier nimmer. Es bleibt als nichtasphaltierte Erfahrung nur das Verschieben der Reifen unter dir im Sand der undurchsichtigen Pfützen. Der Tunnel ist bis auf die Enden unbearbeitet, sieht also aus wie das Innere eines Stück Darms. Man kann also quasi die Reise eines Stücks Kacke in die leuchtende Weiße der Schüssel auf dem Motorrad nacherleben! Interessant. Geht aber vielleicht auch nur mir so. Auf jeden Fall habe ich euch ein Bild davon gemacht.

Zubehör des Tages: der Denzel

Harald Denzel kompilierte etwa zur Zeit Christi Geburt schöne Alpentouren in seinen Büchern, die daher bis heute lesenswert blieben. -> Amazon. Was ich die ganze Zeit über die Streckenschwierigkeiten sage, gilt insbesondere für den Denzel und alle anderen Bücher: Harald und Co. können nur das bewerten, was sie bei ihrer Reise sahen. Die tatsächlichen, aktuellen Schwierigkeitsgrade müsst ihr daher immer selber vor Ort eruieren, vor allem die Wetterverhältnisse (vergangene, gegenwärtige, kommende).

Not so fast, mah friend!

Nach unserem freien Fahrtag bepackten wir für die nächste Etappe die Esel und den Tiger wieder. Der Plan: Über die Varaita-Maira-Kammstraße und die Maira-Stura-Kammstraße unseren letzten Camping-Platz in Limone (Italien) erreichen. Es war zunächst sehr romantisch, denn wir bewegten uns durch ein Nebelmeer, mal über der Oberfläche, mal darunter und mal mittendurch:

Der Weg war nicht wirklich schwierig, doch mit geringer Sicht, wegen Wochenende vieler Fahrradfahrer, einer Kuhherde und auf der Abfahrt große Schlammstellen anstrengender als die meisten Wege vorher. Wie gesagt: Es kommt rein auf den Zustand an. Wenn diese Schlammstellen trocknen, fährst da drüber wie auf deiner Hausstrecke.

Wenn du hier allein langgefahren wärst, dann wäre jetzt der Roomba durch die Hundekotze gefahren.

Als es daher auf der zweiten Kammstraße trocken wurde und gegen Nachmittag auch leerer, gab ich der KTM befreit die Sporen. Es kam, was kommen musste: KLANNG!! machte es, und obwohl ich sofort anhielt, schaffte ich das nur knapp ohne Sturz, denn die Luft war (wie es beim Schlauchreifen passieren kann) schlagartig weg. Ein Stein hatte den Schlauch mit Gegendruck von der Felge zentimeterweit geöffnet. Das betäubte mich einen Moment. Patrick sprach meinen bebaffelten Zustand später an. Ich kann mir vorstellen, wie ich ausgesehen habe. Denn was ich mir in der sinkenden Sonne vorstellte, war: Wenn du hier allein langgefahren wärst, dann wäre jetzt der Roomba durch die Hundekotze gefahren, um es mal metaphorisch zu sagen. Unallein stellten wir fest, dass natürlich kein Schlüssel fürs Vorderrad im versammelten Werkzeug lag. Allein mein Fehler, aber die Einsicht kam halt zu spät. Wir hielten die letzten Autos auf ihrer Abfahrt an – umsonst. Marc und Patrick schwärmten aus, um Werkzeug zu organisieren.

Mein ganzer nassforscher Spaß der letzten Tage verpuffte in diesem Moment der Klarheit. Schon als Kind war ich viel in den Alpen bergsteigend unterwegs, und was mir die Berge schon damals zeigten, stimmt auch mit dem Motorrad: Respektiere sie oder du spielst eben mit Pandoras Büchse Fußball. Zum Glück kamen bald darauf die beiden mit einem passenden Maulschlüssel zurück. Ein Mann in einem kleinen Rifugio sagte: „Ah! KTM! 27.“ Und reichte ihnen den Schlüssel. Ich war da offenbar nicht der Erste. KTM, könnt ihr diesem Fahrzeug BITTE Bordwerkzeug beilegen, zumindest die ungewöhnlicheren Schlüsselgrößen? Danke. Unter pornösem Gestöhne löffelten Patrick und Marc die Reifen von der Felge, tauschten den Schlauch, und wiederholten schließlich alles, weil aus irgendeinem unüberwindlichen Naturgesetz das erste Mal nie hält. Dann trug ich die KTM zärtlich zum Camping-Platz. Am Ende der Maira-Stura stehen einige Ruinen, an denen ich anhand des Denzels geplant hatte, ein Staubfahrfoto zu schießen. Der Reifenschaden sorgte dafür, dass dieses Foto in spektakulärem Abendlicht stattfinden konnte, was mich tröstete. Und meinen Mitfahrern war ich so dankbar wie schon lange keinem Menschen mehr.

Wir erreichten den Camping-Platz in Limone in völliger Finsternis, und bei Gott, hatten wir dann alle ein Anlegerbier nötig!

Zubehör des Tages: Luigis 27er-Maulschlüssel

Die Kritik vieler Leser an der KTM 690 Enduro R war, dass sie zu wenig Gewicht habe für eine „echte Reiseenduro“ ™. Meine persönlichen Kritiken waren ihr lächerlicher Lenkeinschlag und die Tatsache, dass kein Bordwerkzeug vorgesehen ist. Vot vere you sinking, KTM?! Am nächsten Tag organisierte ich mir einen 27er.

Die Gratenautobahn

Die unter Kradisten bekannteste Schotterstrecke der Alpen dürfte die Ligurische Grenzkammstraße (LGKS) sein. Im Denzel stand sie mit doch einiger Schwierigkeit drin, denn große Ausspülungen sollten uns erwarten, und Stephan hatte dort im letzten Jahr ziemlich hohe Stufen getroffen. Würden wir wirklich eine Strecke fahren, auf der wir ohne Enduros aufgeschmissen wären? Äh, nein. Als wir dort waren, hatten die Italiener die LGKS gerade frisch renoviert. Sie war glatt wie eine Schotterautobahn. Uns kamen Vespafahrer in Turnschühchen entgegen, die uns winkten. Da wir so gut vorankamen, hatte ich viel Zeit zum Fotografieren:

Oben wieder im Nebel dann eine unangenehme Entdeckung: der zweite Reifenschaden. Diesmal hatte es Patrick getroffen, der sich einen Nagel in den Hinterreifen des Tigers gefahren hatte. Wir diskutierten, aber schließlich schaltete ich einfach das Navi ein, um zur nächsten ihm bekannten Tankstelle zu fahren, denn, little-known fact: Alle Schotterstrecken dieser Tour stehen routbar in den Karten von TomTom, Garmin und Co. Wir rollten also den Hang hinunter in ein Tal. Es sah dort aus wie nach der Zombieapokalypse, wahrscheinlich also ein winterlicher Skiort, eine sommerliche Geisterstadt. Dort gab es NICHTS außer die nagende Angst, dass gleich ein unartikuliert brüllender Zombiefranzose dein Gehirn auffrisst. Stephan hielt Patrick an, um Alternativen zu diskutieren, aber da er letztendlich keine Alternative anbieten konnte, trumpfte Patrick: „Ich verliere Luft, während wir hier reden. Besser, wir fahren, solange noch was drin ist.“ Das taten wir also.

Der TomTom Rider führte uns noch durch zwei weitere Geisterstädte, aber hauptsächlich eine Schotterstrecke entlang, von der inklusive Harald Denzel niemand von uns je etwas gehört hatte. Sie bestand aus sanften Kurven und sehr vielen, sehr großen Querdämmen zur Entwässerung. Marc und ich fingen bald an zu springen. Und irgendwann donnerte die Erde, denn Patrick dachte „Ach, scheiß doch drauf!“ und ließ das Viech springen.

Wenn auf einmal alles besser wird, ist man sicher wieder in Italien.

Wenn man durch diese Berge da fährt, quert man häufig die Grenze zwischen Frankreich und Italien, denn zur Bauzeit dieser Straße verlief die Grenze etwas anders. Man weiß aber immer, wo man sich gerade befindet, denn alles wird auf einmal besser, wenn man in Italien ist. Nach den französischen Geisterstädten gelangten wir nun in einen echten Ort mit Menschen statt Zombies, in dem so viel los war, dass ein Nagel ein lösbares Problem schien. Zwar hatte die vom TomTom angesteuerte Tankstelle geschlossen und es gab auch keine Druckluft, aber auf dem Hof direkt dahinter lag eine urige Werkstatt, in der ein routinierter Mech Patrick das Loch für einen Zehner stopfte. Er bezahlte ihm dankbar zwanzig Euro. Das war so viel bequemer, als das Ding mit dem grisseligen Reparaturset selber zu flicken (BTDT).

“Das lief doch jetzt trotz allem gut“, sagte Stephan, als wir unter dem Baum im Werkstatthof unser Wurstbrot mampften. Wir hatten nämlich tatsächlich noch so viel Zeit, dass wir das Ziel unserer Reise noch schaffen könnten: das Mittelmeer. Und so wurde es beschlossen. Um für meine Geschichte einen Reiseenduro-Sieger zu küren, mussten wir ans Meer, an einen Strand, und ein Belegfoto schießen. Zuerst wollten wir nach Nizza, wir blieben dann aber in Italien, denn Sanremo hat ja auch Strände. Es hatte außerdem Verkehr. Viel davon. Sofort schalteten der Griesgram und ich um auf italienische Verkehrsregeln und schwammen mit den Rollern durch die teerig zäh fließende Masse der Büchsen. Genauso sofort waren die beiden Dickschiffe verschwunden. Ich probierte es noch zwei Mal, dann hielt ich an der Tankstelle an, um das Problem einzukreisen. Patrick kochte, physisch wie emotional. Als Odenwäldler war er es nicht gewohnt, durchs Blechmeer zu schwimmen wie ein staugeplagter Italiener oder Stuttgarter oder Griesgram. Stephan ging es ähnlich. Nachdem beide Dichschiffe in meiner Drei-Millionen-Punkte-Wertung sowieso vom ersten Tag an weit abgeschlagen hinten lagen, schlug ich vor, dass Patrick und Stephan sofort zurück zum Camping-Platz abdrehen sollten und ich mit Griesgram das Reiseziel alleine aufsuche, um einen Sieger zu küren. Ich schnallte aufgrund der 30° C in Sanremo meine dicke Tourenjacke auf meinen Rektaltank und stieg im ortstypischen italienischen Menschenleder an den Ellenbogen wieder auf. Ohne die beiden Supertanker bogen wir ungelogen nur zwei Mal ab und waren weniger als 20 Sekunden später an einem Strand. Und nicht nur an irgendeinem, sondern an einem SCHOTTER-Strand. Gott hat ein Auge für diese Details.

Das Feld auf ein Duell ausgedünnt: Welche ist die beste Schotter-Reiseenduro?
Das Feld auf ein Duell ausgedünnt: Welche ist die beste Schotter-Reiseenduro?

Und die tönerne GS-Skulptur für die beste Schotter-Reiseenduro geht an …

Uns beiden Finishern fiel quasigleichzeitig der alte Rennfahrerspruch ein: „To finish first, you have to finish first.“ Auf dem Schwimmschotter des Strandes standen die beiden Maschinen, die von Anfang an:

  • mehr Spaß machten
  • weniger ermüdeten
  • weniger verbrauchten
  • schneller fuhren, selbst auf kurvigem Asphalt-Geschlängel

Die Nachteile der KTM: Lenkeinschlag, Bordwerkzeug, Tankdeckel unterm Heckgepäck. Die Nachteile der Honda: geringe Reisegeschwindigkeit auf der Autobahn zusammen mit geringen Tanketappen.

An diesem Punkt war der Sieger recht klar die Honda. Doch später fuhren wir ja auch noch zurück, an einem Tag, über die Autobahnen und durch den Kreisverkehr des Todes, in dem man Schlittschuh laufen konnte und in dem sowohl die Honda als auch die Yamaha stürzten. Die Yamaha fraß dort Stephans Stiefel, um sich damit die Kette vom Blatt zu hebeln. Rider okay. Aber man überlege sich den Kauf so eines Abstreifers als Ténéré-Fahrer. Bohrungen sind vorhanden. Und das war alles superzäh mit der 250er-Honda, wenn die anderen problemlos 200 km lang 150 km/h fahren können. Aber die Überlegenheit der Honda im Zielgebiet einfach abstreiten konnte ich auch nicht. Zum Glück sah ich später, während solcher Überlegungen, ein Zeichen: einen Anhänger mit zwei BMW R 1150 GS drauf. Also, wer mit dem Hänger in die Alpen fährt, kann sich selbst wenig Besseres tun, als kleine 250er draufzustellen. Zum Beispiel die Honda CRF 250 L oder noch besser eine gebrauchte Yahama WR 250 R, wenn man sie günstig schießen kann. Dasselbe gilt für Alleinfahrer. Wer jedoch mit seinen Kumpels auf ihren Tigern und GSen auf Achse von Deutschland aus mitfahren möchte, braucht auf der 250er zumindest einen größeren Tank aus dem Zubehör.

Die Letzte Ausfahrt

Gut gelaunt carvten wir die Küste entlang in Richtung des Tenda-Tunnels, der zu unserem Camping-Platz führte. Zwei alte Herren auf Abendausfahrt. Ein frecher Italiener überholte uns auf einer 990 Adventure im Supermoto-Trimm. Dann standen wir alle drei an der Tunneleinfahrt. Rote Lampe. Nach 19:00 Uhr keine Durchfahrt mehr. Der Col de Tende gesperrt. Keine erkennbaren Alternativen. Auf des Italieners Helm stand „0+“ und „Allessandro“. Wir gestikulierten ihm zu, dass wir zur klassischen Kradistenlösung greifen wollten: bei jeder gesperrten Straße erst einmal gucken, ob man sich nicht doch durchquetschen kann, weils ja meistens geht. Ich überschlug kurz im Kopf: Die Dickschiffe mussten ebenfalls zu spät am Tunnel gewesen sein und waren wahrscheinlich zum selben Schluss gekommen. Das gab mir Hoffnung, denn wo ein Tiger durchkommt, würde Rallye-Alessandro ebenfalls nicht kneifen, und dann könnte er mir danach tragen helfen.

Der Col de Tende (it: Colle di Tenda) schlängelt sich extrem eng geschoben zunächst noch asphaltiert einen steilen Hang hinauf. Sowohl nach oben als auch nach unten kannst du da auf die angrenzenden, aufgemauerten Geraden gucken. Dann hört der Asphalt auf, ein lehmiger Boden mit vergleichsweise geringem Steinanteil folgt. Es staubte also wie blöd, denn Alessandro machte Druck, und wie das halt so ist, lässt man sich dann doch mitreißen. Wir rasten da hoch in der Dämmerung, was gleichzeitig meine These bestätigte, dass du auf diesen Schotterstraßen keinerlei Profil brauchst, solange es trocken bleibt. Der Grund für die Sperrung des Col de Tende war ein Felsausbruch, der in zwei großen Haufen hintereinander über der Strecke lag. MO-Leser schickten mir später Bilder mit dem Hinweis, das sei dann die Stelle gewesen, an der sie mit der Straßenmaschine umdrehten. Und tatsächlich dachte ich im schwindenden, letzten Tageslicht endlich doch: „Gut, dass ich etwas Enduro-artiges dabeihabe.“ Außerdem: „Wie zum heiligen Fick ist der Tiger HIER durchgekommen, wenn nur zwei Leute zum Tragen da waren?“

Alessandro ratlos auf den Felsbrocken. Wie die Adventure hier drüberwuchten?
Alessandro ratlos auf den Felsbrocken. Wie die Adventure hier drüberwuchten?

Wie anhand der Reifenspuren zu erkennen, fuhr Marc durch die schmale Lücke zwischen dem Felsen, auf dem Alessandro stand und dem Brocken daneben. Dann machte ich das Foto. Dann fuhr Alessandro los, versuchte Marcs Weg zu nehmen. Er setzte mit seinem Alu-Motorschutz seines viel breiteren Zweizylinders auf. Zu zweit schaukelten die beiden jedoch ein paarmal an der Maschine, dann ging es doch durch. Dann war ich dran. Hinter diesem ersten Haufen lag ein zweiter Haufen, den man an der rechten Seite überqueren musste, wo es recht einfach ging. Links ging es den Hang hinunter. Weder das typische „Ich-kann-nix-also-fahr-ich-mit-viel-Schwung“ des überforderten Endurofahrers noch ein Außenrum standen also zur Wahl. In meinem schon recht erschöpften Zustand sah ich mich zudem außerstande, die kleine Lücke sauber zu treffen. Mein Plan war daher, strack über diesen Brocken zu pfeilen. Wozu schließlich hatte mir KTM den Motorschoner gegeben, wenn nicht für sowas? Es entstand eine kurze Gestikulationsverwirrung, denn Alessandro stand auf dem Stein, um mir zu helfen, über den ich jedoch fahren wollte, und so lieb es gemeint war: Ich zweifelte daran, dass er ein Motorrad samt Fahrer im falschen Anfahrtswinkel vor dem Abgrund hätte bewahren können. Aber dann wraappp!, bonk!, dnkkss!, drüber, Bremse. Der zweite Haufen war wie gesagt einfach. Und so kam es, dass zumindest wir drei alten Herren ganz am Ende der Schottertour tatsächlich noch eine Fahreinlage meisterten, die wirklich in den Endurobereich gehört. Gleichzeitig erwachte in mir die Sorge um die anderen beiden: Nie und nimmer waren die hier durchgekommen. Handycheck: kein Empfang. Wir mussten unsere Sorge also auf später verschieben.

Die nun vollends dunkle Nacht wurde auf der Abfahrtsseite nun auch noch von Nebel unterstützt. Schlau wäre gewesen, hier vorsichtig langsam zu fahren. Aber eine Gruppe alter Männer ist stets nur so schlau wie ihr durchschnittlicher IQ geteilt durch die summierten Lebensjahre der gesamten Gruppe. Deshalb erinnerte mich die Abfahrt an diesen Joe-Bar-Comic, in dem nur Rücklichter gezeichnet werden. Das letzte Panel zeigt ein Krankenhausbett. Vor mir im Nebel zeichneten also zwei Rücklichter den wahrscheinlichen Fahrbahnverlauf. Ich legte einen Finger an die Bremse. Wenn mindestens ein Licht ausginge oder drehend kleiner würde, wollte ich sofort voll bremsen, damit statt alle drei nur zwei in den Abgrund fahren, denn einer muss ja die Geschichte erzählen. Erstaunlicherweise kamen wir jedoch heile in Limone an, winkten Alessandro ein Ciao und liefen auf dem Camping-Platz ein. Zu meiner Überraschung standen dort beide Dickschiffe, ein fröhlicher Stephan und ein frisch geduschter Patrick mit einem Bier. Potzdings!

Die Erklärung war weniger spannend, als ich mir für diese Erzählung erhoffte. Ich meine, es hätten ja Aliens mit einem Lastenufo gewesen sein können, mit sexuellen Gefälligkeiten bezahlte Bergfeen oder Alessandros zehn starke Kumpels mit einer Rampe und einem Radbagger. Tatsächlich kamen Patrick und Stephan am Tunnel an, als die Arbeiter ihn gerade geschlossen hatten. Auf diese Arbeiter redeten sie so lange ein, dass man sie doch noch durchfahren ließ. Ungefähr, als wir uns auf die gesperrte Straße aufmachten, mussten sie also bereits an den Zelten gewesen sein. Wir waren also alle gesund da, und Marc und ich hatten eine Altherrenausfahrt wie aus dem Comicbuch als Tourabschluss. Herrlich.

Am Ende …

Wir fuhren am nächsten Tag heim und trennten uns irgendwann in der Schweiz. Dieses auf-Achse-fahren war einfach nix für die Honda. Am Strand wollte ich der CRF den Siegerkranz übereichen, aber den hätte sie ja nur als Enduro verdient. Eine REISE-Enduro muss jedoch diese langen Straßenetappen besser schaffen, aus denen der größte Teil jeder längeren Reise besteht. Selbst auf unserer Tour, auf der wir jeden Stein suchten, den wir unter die Räder nehmen konnten, fuhren wir letztendlich 90 Prozent der Strecke (nicht: der Zeit) über Asphalt. Und da macht die KTM 690 Enduro R tatsächlich trotz ihrer Schwächen einen sehr guten Kompromiss, denn sie fährt wie eingangs erwähnt besser auf Asphalt, als man meint, und sie hält auf Schotter das Versprechen, das ihre Optik gibt. Ich denke, für mich hat sie doch den besten Kompromiss geschlossen. Hier also das Reiseenduro-Ranking für männliche Menschen mit 180 cm Größe, die so oft vergessen zu essen, dass man jede einzelne Vene sehen kann (Blutabnehmschwestern lieben meine Arme):

  1. KTM 690 Enduro R, weil sie wirklich beides gut genug kann
  2. Honda CRF 250 L, weil sie für einen unschlagbaren Preis den Alltagsenduroteil so gut kann
  3. Yamaha XTZ 660 Ténéré, weil sie so ein preiswertes, liebenswertes Weltraum-Design-Muli ist
  4. Triumph Tiger Explorer, weil sie halt leider auch dabei war

Und wie gesagt: Für Leute mit unsichtbareren Venen bin ich etwas später noch eine „richtige Reiseenduro“(tm) auf Single Trails in den Vogesen gefahren. Das hat mir die Augen geöffnet für den armen Patrick. Ich möchte noch allen meinen Mitfahrern danken. Ohne euch wäre es nicht gegangen, und ich bin euch dankbar für alles: die Fotos, die Camping-Hilfe, die Reifenreparatur. Ihr seid die Besten. Genauso danke an alle Leser, die bis hierhin mitgefahren sind! Ich bin so weit hintendran mit dieser längeren Geschichte, wie ich sie für die Kirschenkistenkasse zum Ausprobieren wollte, dass ich sie eigentlich nicht mehr bringen wollte. Aber es haben doch so viele eine Münze in den Hut geworfen, dass ich froh bin, es noch aufgeschrieben zu haben. Muchas merci.

Diese Alpentour war mein schönstes Motorraderlebnis in 2014. Ich verstehe jetzt die Reiseenduro-Fraktion sehr gut. Die Diskussion, ob man eine GS braucht, war ja schon immer müßig. Ich brauche auch meine Duke nicht wirklich, ich könnte auch Taxi fahren. Schreibt mir, was euch so auf diesen Routen passiert ist, Patrick hat eine Track-Aufzeichnung mit nur wenigen Lücken mitgebracht:

Epilog

Die Reifenreparatur an der KTM hielt exakt bis zum Zeitpunkt, an dem ich die 690 bei KTM Deutschland in Ursensollen mit einem Platten aus dem Transporter lud. Patrick hat sich zwischenzeitlich eine Honda CRF 250 L gekauft, und eine Trial-Maschine. Marc zerrte seine Alltagsenduro auf dem Rückweg über Fahrradrouten allein unter einem umgestürzten Baum durch: „Enduro halt.“ Stephan schaffte es auf der Autobahn gen Heimat, mit seinem Einzylinder trotz Riesentanks liegenzubleiben. Und wir alle trafen uns zu unserer nächsten Endurotour in den Pyrenäen auf Trial-Maschinen mit knapp 80 kg Lebendgewicht. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Kommentare:

ältere
  • Dr. Gleichsam #2: Der betäubende Biss des Tigers – Mojomag meinte am 29. August 2016 um 16:29:

    […] Außerdem müssen wir gleich zu Anfang der nächsten Folge über den Tiger sprechen. Warum hackt der Clemens so auf dem herum? I shall explain. […]

  • Volker Buescher meinte am 29. August 2016 um 17:47:

    Warum Tiger oder GS? Weil es REISE-Enduros sind.

    Anforderung an REISE: Bequem sitzen, Koffer, 160km/h Reisegeschwindigkeit, Reichweite Hinterreifen

    (Meine alte K1300S brauchte alle 2.200km einen neuen, also 4* Reifenwechsel bei einer Nordkapp Tour?) Das killt alle Sporttourer

    Also Tourer:

    BMW:
    1200RT 274kg
    1600GT 332kg (lach)
    Honda:
    Pan-European 326kg (oh gott!)
    Yamaha:
    FJR1300AS 296kg

    1200GS mit Koffern < 250kg

    Na, merkt der Gewichts-Nazi was?

    P.S.: Ich fahr ne 1200GSA und war mit ihr in den letzten 1,5 Jahren am Nordkapp, in Marokko, in Rom und dem Apennin und in den Pyrenäen. Ich habe sowohl in Marokko als auch in den Pyrenäen an Stellen umgedreht die ich mit meiner 99.5kg Trockengewicht Enduro die auch noch in der Garage steht einhändig ein Liedchen pfeifend hochgeballert wäre. Aber mit der wäre ich nie bis nach Marokko gekommen. So leidensfähig bin ich nicht…
    … und mit einer 690R wäre ich da auch nicht angekommen… Also was bleibt?

    • Clemens Gleich meinte am 29. August 2016 um 19:39:

      Yep, siehe die erste Folge. Für mich erfüllt die 690 alle deine genannten Punkte plus: Sie hat ein aufschaltbares Schlechtspritmapping. Es muss halt jeder seinen eigenen Kompromiss finden. Die scheußlichen Touratech-Koffer würde ich natürlich ned mitnehmen. Dann gehen auch mehr als 160 ohne Geschaukel. Reifenreichweite war bemerkenswert gut. Das Sporttourerproblem kenne ich nämlich auch, wenn da recht weiche Sportmischungen drauf sind.

      • Volker Buescher meinte am 29. August 2016 um 19:52:

        Na, die Sitzbank der 690R ist absolut nicht geeignet für Langstrecke (Nordkapp Tour = 750 km Durchschnitt am Tag), das geht einfach nicht mit so einem Enduro-Balken zwischen den Beinen…

        Was die Koffer angeht: Immer alles zu 100% trocken gehabt und es hat teilweise stark geregnet…

        • Clemens Gleich meinte am 29. August 2016 um 20:00:

          “Das geht einfach nicht“ heißt schlicht „ICH ganz konkret kann (oder häufiger: MÖCHTE) das nicht“. Maik sagt auch immer, mit Einzylindern könne man nicht reisen, aber ich fahre sowohl auf der Duke als auch auf der Enduro genau solche Tagesetappen natürlich, und ich fand die Sitzbank der Enduro R viel besser als die siffende Touratech-Matratze auf der Triumph. Es gibt ja auch Leute, die fahren ihre Extremtouren auf Guzzi, Honda C90, Fuffi-Roller, Panigale und wasweißich. Das geht alles, wenn man es lustig findet. Weder Du noch ich sind hier ein absoluter Maßstab, da MUSS jeder seinen eigenen Kompromiss finden.

          • Volker Buescher meinte am 29. August 2016 um 20:08:

            Na klar heisst das: „ICH will nicht mit einem Enduro-Balken 750 km am Tag fahren“.

            Wir sind hier schliesslich im Internet, was interessieren mich da andere Meinungen 😉

            Aber mal im Ernst: Klar ist das du die 690R gut findest, aber akzeptier doch das die Einschränkungen der 690R (z.B. nichtmal halber Tankinhalt meiner) oder der geringere Komfort nicht jedem gefällt.

            Ausserdem ist Reise-Enduro sowieso Unsinn. Entweder ich rappel 95% der Tour mit Stollenreifen auf Asphalt, oder ich fahr mit Strassenreifen und habe bei der ersten feuchten Wiese ein grösseres Problem.

            Also fahr ich meine Enduro mit Stollenreifen zu Hause (da gibt es noch genug Schotterstrecken) und drehe zur auf der Reise mit der BMW zur Not um.

          • Clemens Gleich meinte am 30. August 2016 um 12:40:

            Natürlich ist das meine Ansicht, steht ja immer wieder auch markiert dran. Viele finden diese Sitzbank unbequem, ich halt nicht. Im Gegenteil konnte ich mich da auf langen Autobahnetappen gut umsetzen. Die 12 Liter im Tank fand ich tatsächlich auch doof, denn erst mit den 14 Litern der Duke kannst du deine Tanketappen auf 300 km strecken. Und dann die nervige Heckbetankung! Und dann hats jedes Mal nach dem Tanken aus dem Überlauf gesifft, das hab ich ja völlig vergessen! Aber insgesamt hätt ich halt gegen keins der anderen Moppeds tauschen wollen. Am ehesten tatsächlich mit der Ténéré. Ich glaube, das ist ein gutes Muli.

  • Vol"TwinAir Bio Power 4ever"ker meinte am 29. August 2016 um 18:03:

    Ich hab nur kurz ne Frage zu http://i2.wp.com/www.mojomag.de/wp-content/uploads/2016/08/IMG_5522.jpg: In dieser „Enduro“ ist wirklich ein (trockener) Papierluftfilter drinnen, wie in meiner Dose? Echt jetzt? Mannomann. Ich glaub, ich bin zu alt für sowas…

    • Clemens Gleich meinte am 29. August 2016 um 19:37:

      In allen heutigen Großserienfahrzeugen sind Papierfilter drin. Wenn du die unterwegs reinigen willst, musst sie auspusten. Es gibt für die KTM alternativ auch einen Schaumstofffilter, den man wie früher auswaschen kann.

      • Vol"TGIF"ker meinte am 2. September 2016 um 18:11:

        Sers Clemens!

        OGG. Bzw.: O tempora, o mores.

        Tempura… Mmmmmmh!

  • Ernie Troelf meinte am 29. August 2016 um 21:11:

    zur LGKS: diese ehemals spannende Straße ist mittlerweile nicht nur komplett plattgewalzt und langweilig, sondern auch nur noch von Mittwoch bis Sonntag für maximal 80 Fahrzeuge geöffnet und kostet jetzt obendrein auch noch 10€ Maut. #kannsteknicken

  • Andreas meinte am 30. August 2016 um 11:26:

    Dit hat mir Spaß gemacht zu lesen.

  • Dirk Klatt meinte am 30. August 2016 um 15:08:

    Eine gute Alternative zwischen allen Extremen ist aus meiner Sicht die F800GS(A). Die kann alles recht ordentlich, aber nichts herausragend. Auf langen asphaltierten Strecken ist sie außerordentlich komfortabel, ohne zu viel Blockprofil zu fressen, im Gelände aber auch sehr brauchbar.
    Sehr schöner Bericht, der Lust macht.

  • Franz meinte am 31. August 2016 um 11:49:

    Preiswertes Lesevergnügen! Freue mich schon auf die zu lesende TrialTour da ich mich mit alten Trail-Mopeds (Bultaco usw.) abmühe und die Qualen schon ahnen kann 😉

  • Christoph meinte am 31. August 2016 um 14:26:

    Sehr schöner Bericht! Will jetzt auch ein Enduro Dings 😀

  • mito meinte am 31. August 2016 um 17:12:

    Hat Spaß gemacht zu lesen. Sehr schön egoman geschrieben.

    Das ideale Motorrad für so ne Ausfahrt gibt es ja leider nicht.
    Die KTM kommt dem sehr nahe, die beschriebenen Nachteile leider nicht so leicht lösbar.
    Alternativ ne 800 GS auf 180 Kilo abspecken und tadaa…

  • Oliver meinte am 4. September 2016 um 19:24:

    Sehr schöner Bericht, und auch die Bilder gefallen mir gut. Bin vor 3 Wochen ebenfalls den Sommeiller und Col du Parpaillon gefahren, mit meiner 1150 GS, hat Spaß gemacht.
    Aus dem Tunnel du Parpaillon kam uns ein alter Mann entgegengefahren, in Trainingsanzug auf einem Straßenroller mit Topcase, Zelt und Schlafsack hinten drauf. Er sah auch so aus, als hätte er Spaß gehabt. Da schließe ich mich meinem Vorredner an, das ideale Motorrad dafür gibt es wohl nicht.

  • Bla meinte am 12. September 2016 um 19:03:

    Schöne Geschichte.

    Meine Reisedampferempfehlung bleibt die Transalp (die Modelle bis anno 2000). Wiegt auch über 200kg, aber ist von Honda und hat einen Kettengleitschutz. Und einen kleinen Wendekreis. Und Bordwerkzeug für alles wichtige. Und einen 18L-Tank. Und wenn die Böcke mehr als 100Mm drauf haben, haben die Fahrer bestimmt auch Öl dabei.

  • Michael Schiebold meinte am 27. Oktober 2016 um 10:55:

    Außerhalb Islands ist Schotter nur Kies. Diese Erinnerung ist mir von einer Reise auf die Insel im Jahre 1990 geblieben. Das Motorrad war eine Kawasaki KLR 650 (Einzylinder, 48 PS, Tankinhalt 21 Liter (!), keine 190 kg, Baujahr 1988) mit Krauserkoffern, HP-Topcase und Plastetonne auf dem Rücksitz. Danach wurden meiner Meinung nach keine Reiseenduros mehr gebaut.

  • Markus meinte am 24. November 2016 um 19:03:

    Moin,
    bin wie immer etwas spät. Habe deinen Bericht mit viel Freude (besonders auch an der Kunst des sprachlichen Ausdrucks) gelesen. Auch das Ergebnis der Kür kann ich gut nachvollziehen, da auch ich ein Fan von Leichtgewichten bin, obwohl ich selbst eher das Gegenteil mit schlecht sichtbaren Venen darstelle.
    War in der Region lange nicht mehr. Meine damalige TT600E kam mit mir und dem Fahrwegzustand sehr gut zurecht. Die Anreise erfolgte aber mit einem Anhänger. Swar September und wir hatten recht gutes Wetter. Alles was wir vorher „gedenzelt“ hatten war wie beschrieben.
    Aber das härteste war das Erlebnis der Westflankenbefahrung der Mt. Jafferaupiste nach Bardonnechia runter. Ich hatte vorher gelesen, daß ein paar Enduristen bei ihrer Abfahrt Skilift-Bauarbeiter nach dem Weg fragten. Die Antwort sei dann ein heftiger Schlag auf den Tank mit einer Brechstange gewesen. DAs hatte ich in den Bereich der Märchen und Mythen einsortiert und bin dann selbst später auch dort runtergefahren.
    Mir ist dann als ich fast unten war (und so blöd war, langsam zu fahren) ein ortsansässiger Schäfer mit einem LAndrover einfach hinten ins Moped gefahren. Die ganze Geschichte kann man im untersten Absatz der folgenden links lesen (Wobei meine Schreibkünste unvergleichlich schlechter als die Deinen sind).
    Es ist zwar lange her. Aber man sollte sich im Klaren darüber sein, daß nicht nur die im Denzel beschriebenen Strecken witterungs- und gemütsabhängig sind.

    http://friditec.de/enduro2003/enduro_markus_bernd_2003.htm
    http://friditec.de/enduro2003/foto_uebersicht.htm

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