Geschraubt: Rothewald-Steckschlüsselsatz

Nach der Video-Vorstellung habe ich den großen Rothewald-Steckschlüsselsatz an der Honda VFR 800 F und der KTM 690 Duke R ausprobiert. Es verhält sich mit diesem Produkt ziemlich genau as advertised: Das ist Werkzeug in einer Qualität, in der du wirklich damit arbeiten kannst – zu einem fairen Preis. Einen runterholen auf die Qualität kann man sich wie gesagt eher nicht, aber es gibt auch keine relevanten Kritikpunkte. Der geschätzte Ulf Penner hat auch so einen Kasten und keine Beschwerden darüber. Also kann man offenbar sogar seinen Lebensunterhalt damit bestreiten. Ich habe (wie Ulf wohl auch) noch etwas schöneres Werkzeug (meins ist von Hazet), mit dem die Arbeit marginal besser flutscht, aber ich bin kein Genussschrauber, falls es so etwas überhaupt gibt. Für Arbeits- oder Gelegenheitsschrauber reicht das Zeug völlig aus. Die Louis-Werkstatt, wo die Showbikes entstehen, arbeitet natürlich auch damit, um ein Gefühl für ihr Produkt zu erhalten.

Ein Kritikpunkt vorab waren die drei Ratschen. Die braucht man tatsächlich nicht wirklich. Da sie nun einmal aber in diesem Kasten liegen, verbleiben Nüsse nach kurzer Zeit einfach länger an Ratschen. Im typischen Fall der Radmontage am Motorrad lasse ich zum Beispiel die mittlere Ratsche vorne liegen (Radachse: 45 Nm), die lange hinten (Radachse: 90 Nm) und renne mit der kleinen herum für die Detailschrauben. Braucht man also nicht, man gewöhnt sich aber schnell an den zusätzlichen Komfort.

Den Bremskolben-Auseinanderdrücker habe ich nun auch ausprobiert bei der Montage der neuen Bremsscheiben und würde sagen: Braucht man wirklich nicht. Noch in der dünnsten Stellung ist er zu dick, um in üblicher Nähe sitzende Beläge auseinanderzudrücken. Um die Kolben ohne Beläge zu drücken, fehlt dem Teil Fläche. Es kommt zu unguten Kippmomenten an den Kolben. Die Idee hat mir gefallen, sie funktioniert nur in meiner Praxis schlicht nicht richtig.

Beim Bremsscheiben montieren ist mir das Bit Torx TR 40 abgeschert bei 30 Nm nach Drehmomentschlüssel. „TR“ steht für „Tamper Resistant“, das sind die Torx-Schrauben mit Stift. An der KTM gibt es die nicht und die Louis-Werkstatt sagt, die hohlen Bits halten es nicht, wenn sie ohne den stützenden Stift verwendet werden. Es gibt natürlich auch normale Torx T40, die ich noch überprüfen werde. Die Louis-Werkstatt hat sie ausprobiert und erst bei 55 Nm Verformungen festgestellt, berichtet sie. Ehrlich gesagt habe ich überhaupt nicht darüber nachgedacht, dass TR40 aufgrund des Lochs nicht funktionieren könnte, weil ich bisher auch die mit Loch immer auch in normalen Torx eingesetzt habe, ohne dass es einen Unterschied machte. Dazu habe ich aber keine Messwerte in der Erinnerung, weiß also nicht, wie viel Drehmoment anlag. Experten mögen sich gern dazu äußern.

Was mir nicht gefällt, ist der Plastikkoffer. Man kann ihn sehr leicht falschherum öffnen und sich dann eine Viertelstunde beim Puzzlespiel „Welche Nuss in welche Aussparung?“ ärgern. Wem das einmal passiert ist, der achtet künftig darauf, aber es passiert dann halt dem nächsten Handlanger grad wieder. Der Koffer schließt zudem so labbrig, dass bei aufrechtem Transport mit Vibrationen Teile auch bei korrekter Öffnungsrichtung herausgefallen sind, zum Beispiel die Bits. Insgesamt kann ich aber das sagen, was eigentlich alle Anderen auch über diesen Steckschlüsselsatz gesagt haben: Für den Preis machst du nichts falsch hier.

Hier gibt es den Steckschlüsselsatz

Hier gibt es den Bremskolbenauseinanderdrücker

Kommentare:

ältere
  • Volker meinte am 1. Dezember 2016 um 18:32:

    Ähm. Habe ich das recht verstanden: Du bist so verzweifelt, daß Du einen hohlgebohrten TX40 (aka. TR40) Bit tatsächlich für Bremsscheibenschrauben der KTM einsetzt, die aber gar keine manipulationserschwerende Version verbaut hat?

    Puh.

    Bei den Bits zahlt sich ein bissl mehr Kohle schon in höherer Qualität aus, gibt es auch bei Schraubendrehern zu beobachten. Ich bevorzuge diese Teile hier: https://www.amazon.de/dp/B00MUJ39AM, haben sich schon oft als Problemlöser bewährt. Zuletzt irgendwelche festgegammelten Kreuzschlitzschrauben vom Deckel des vorderen Ausgleichsbehälters an der Bremspumpe.

    Der gute Wera hat den Kopf glatt abgerissen, was nicht tragisch ist, denn der Stumpf ging mit der Knipex Cobra (https://www.amazon.de/dp/B0002BUGZ6) easy rauszudrehen. Empfehlung!

    • Clemens Gleich meinte am 1. Dezember 2016 um 18:44:

      Ich bin nicht so verzweifelt, sondern ich griff mir einfach das erstbeste passende Bit, ohne darauf zu achten. Wie gesagt steckt im Kasten ja noch ein normales T40-Torx. Ich kenne die TR-Dinger tatsächlich selber nur von Elektronik, konkret Spielekonsolen, bei denen die Hersteller nicht wollen, dass man das aufmacht. Also sehr kleine Schräubchen.

  • Martin meinte am 1. Dezember 2016 um 19:18:

    Ich habe mit dem Rothewald-Zeugs auch nur gute Erfahrung gemacht. Obwohl meiner Meinung nach nicht alles bei Louis gute Qualität hat (Camping-Sachen sind eher günstig als gut), diese Rothewald-Werkzeuge sind eine Empfehlung.

    • Frank meinte am 23. Dezember 2016 um 7:12:

      Gemessen an der Supermarkt-Qualität, die das Campingzeug von Louis hat, ist es noch nicht einmal günstig.

      Was ich an dem Rotewald-Schlüsselsatz vermute: Er ist von seiner Zusammenstellung her für Motorräder geeignet. Ich habe mir zu meinem ersten Motorrad vor zehn Jahren bei „Bauhaus“ einen Steckschlüsselsatz der Hausmarke Wisent gekauft, funzt bis heute einwandfrei. Allerdings musste ich drei Innensechskant-Bits nachkaufen (mit denen kann man eine halbe Yamaha zerlegen), und die Hälfte aller Teile im Koffer habe ich moch nie benutzt.

      • Clemens Gleich meinte am 23. Dezember 2016 um 15:10:

        Mm. Ich sehe nicht, dass Louis das Werkzeug für mehr Marge verkauft als Andere.

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