Final Fantasy 15: schlechtestes FF evar

Meine Wintertradition: Jedes Jahr im tiefsten Dunkel hole ich mir ein Adventure oder RPG, das ich wie ein gutes Buch am Kamin in mich hineinknuspere mit all der Zeit, die man eben sonst draußen auf dem Mopped verbrächte. Dieses Jahr habe ich Final Fantasy 15 blind vorbestellt, weil ich viel FF-Titel sehr mag und die meisten zumindest okay fand. Ich sollte mit dem blind vorbestellen aufhören. Das ging schon bei Star Wars: Battlefront voll in die Hose. Und Final Fantasy 15 ist zu meinem großen Bedauern eins von Squares richtigen Fehleiern, die wir der Firma vergeben, weil ihre Höhenflüge uns entschädigen. Der Grund dieses Fails liegt ausgerechnet im Storytelling.

Final Fantasy weist alle typischen Eigenarten des RPG-Genres auf. Das heißt, man spielt diese Spiele ganz sicher nicht wegen toll flüssiger Steuerung, wilder Controller-Motorikakrobatik, realistischer Charaktere oder anspruchsvoller Denkaufgaben. Nein, man spielt ein RPG zuallererst wegen seiner interaktiven Geschichte. Final Fantasy 15 ist das erste mir bekannte Spiel, das großflächige Patches für die Story bekommen soll, also für seinen wichtigsten Kern, das Herz, die Seele. Denn ausgerechnet dort hapert es. Es ist wie ein Gaming-PC, der ausgerechnet beim Zocken abkackt oder ein Motorrad, bei dem ausgerechnet Motor und Räder nicht richtig funktionieren. Großer Frust.

Selbstverständlich hat FF15 eine Story, sogar eine FF-typische, mit epischem Umfang und schräg abgedreht. Man kann sie sich aus dem Film, Squares Infos, dem Spiel selbst und einem guten Schuss blinden Ratens irgendwie zusammenstückeln. Man muss das auch tun, wenn man sie verstehen will, denn das Spiel erzählt dir diese Story nicht. Es springt ruckartig an Storypunkte, an denen Dinge plötzlich selbstverständlich sind, die du nie vorher gehört hast. Ah ja, es wird also nicht mehr hell. Keine Ankündigung vorher, keine Vorbereitung auf den nächsten Sprung. Man fühlt sich in FF15 deshalb über die gesamte Spielzeit bis zum Ende wie ein Außenseiter, der keine Ahnung hat, worum es geht. Man fühlt sich so, weil es ja so ist. Dazu kommt peinliche Ingame-Werbung (in einem Spiel für 70 Euro!).

Ich persönlich glaube, dass Square sehr viel Mühe auf die offene Welt verwendet und sich darüber in Sachen Main Game verzettelt hat. Diese Entscheidung wäre besser nachvollziehbar, wenn das Spiel an sich nicht so vollständig geradlinig wäre. Du kannst nur einen Weg gehen. Die Dungeons sind kaum verzweigt (und man darf dort nie speichern, arg! Warum?!). Gegen Ende häufen sich Passagen, die im Prinzip nur noch Dungeons sind – dann mit Räumen, in denen du speichern darfst. How very 1995! Tschüss der offenen Welt, die der Spieler dann nur noch im Erinnerungsmodus bespielt. Far Cry 4 ist sowohl vom Storytelling als auch von dessen Umsetzung in einer offenen Spielwelt um Klassen besser gelungen, und das ist ein Shooter! Traurig.

Naja, abgehakt. Wenn wir ehrlich sind, hat die Marke Final Fantasy einige Ähnlichkeit mit der Marke Ferrari: Es gibt viel weniger echte Knaller, als wir uns das im Alltag immer vorstellen. Die Knaller knallen nur bei beiden immer so stark, dass sie die Gurken aus der Erinnerung verdrängen. FF15 war so eine Gurke. Ich freue mich auf Final Fantasy 7 Remake. Aber diesmal bestelle ich ganz sicher nicht wieder blind vor.

Kommentare:

ältere
  • Dirk Klatt meinte am 30. Januar 2017 um 12:02:

    Ich verstehe kein Wort, aber okay ich bin alt und fahre BMW ….Versuche es doch ‚mal mit Schach. Das beste Spiel, das ich kenne ….

    • Clemens Gleich meinte am 30. Januar 2017 um 12:08:

      Ich spiele eher Go als Schach. Go ist besser als Final Fantasy 15. 😉

      • Alexander meinte am 30. Januar 2017 um 12:35:

        Bin auch gerade dabei mich in Go „einzuarbeiten“. Hast Du ein paar Literatur- oder App-Tipps? Versuche mich mit Tsumego Pro an verschiedenen Problemen. Die Züge/Lösungen sind aber – auf meinem Niveau zumindest – nicht immer nachvollziehbar.

        • Clemens Gleich meinte am 30. Januar 2017 um 12:43:

          Tsumego hab ich auch. Wenn Du die Lösungen nicht nachvollziehen kannst, solltest Du Dir vorher die Grundlagen des Spiels erklären lassen. Es gibt viele Go-Clubs in Deutschland und alle freuen sich, wenn sie einen neuen Spieler indoktrinieren dürfen.

          • Alexander meinte am 30. Januar 2017 um 17:09:

            Ja, jemanden fragen zu können wäre bestimmt hilfreich (deshalb gefiel mir auch https://online-go.com/learn-to-play-go ziemlich gut; da erklärt wird). Die Basics habe ich mir natürlich vorher angelesen. Ich kann auch die meisten Züge nachvollziehen, aber leider nicht alle.

        • Clemens Gleich meinte am 30. Januar 2017 um 17:39:

          Es hilft einfach, grundlegendes Coaching zu kriegen darüber, was leben kann und was sterben muss. Ich kenne die Online-Kurse nicht, aber da hilft es meistens, wenn es interaktiv mit einem etwas Erfahreneren passiert.

  • eugen meinte am 30. Januar 2017 um 14:07:

    Grundsätzlich recht interresant, aber wo bleibt da die für den Süchtigen notwendige Dosis an KTM-Duke 690 R? (ich hab noch immer keine, der Händler hat aber gesagt, für 2017 kriegt er ab 03/17 genügend Modelle) dh., es fehlen aussagekräftige Fotos und das mantramäßige Vortragen, dass die KTM Duke 690 R, vor allem mit dem nun offensichtlich erhältlichen „Ergositz“ einfach das beste Motorrad zum motorradfahren ist und auch für 2017 bleibt, also, nicht das ich Zweifel hätte, aber ab und zu eine Bestätigung dafür fände ich super!

    • Clemens Gleich meinte am 30. Januar 2017 um 17:12:

      Hab ich noch nix über den Ergositz geschrieben? Schande über mich, in der MO hab ich es schon im Fuhrpark veröffentlicht.

      Ansonsten war ich halt im Urlaub und ansonsten war das Wetter sehr scheiße. Aber es taut zum Glück endlich. Dann kann ich vielleicht auch endlich mal was über die neuen Michelin Pilot Power 3 sagen.

    • Clemens Gleich meinte am 2. Februar 2017 um 11:32:

      Ich sehe grad, ich habe längst über den Ergositz geschrieben, nämlich hier: http://www.mojomag.de/2016/09/5000-km-ktm-690-duke-r-mj-2016/

      Nach diesem Artikel kam halt der Winter, aber ich mache gleich mal ein kleines Update.

  • Volker meinte am 1. Februar 2017 um 16:06:

    Servus!

    Vollkommen klar, daß der Clemens Go gegenüber dem komplexitätsmäßig total primitiven Schach bevorzugt. Aber seit AlphaGo mit seinem Elektronenhirn auch die Weltspitze vom Thron stürzt, müssen Fleischwesen sich ein neues Thema suchen. Motorradfahren vielleicht, denn autonomes Fahren wird wohl auch in absehbarer Zukunft ein Euphemismus für „betreutes Fahren“ sein, d. h. der Chauffierte sitzt weiterhin auf dem Marterstuhl, die Hände griffbereit am Lenker und die Verantwortung auf seinen Schultern.

    Die Finale Phantasie N°15? RPG? Da finde ich die russische Erklärung fürs Akronym (https://de.wikipedia.org/wiki/RPG_(Waffe)) und Haudraufspiele aus der Ich-Perspektive eigentlich unterhaltsamer.

    Wenn ich denn mal Zeit hätte und _meinen_ Fuhrpark betriebsfertig gemacht. Denn da hapert es besonders, neue Bremshydraulik, neue Reifen, die Umlenkhebelei, Schwingenlager, Plastikteile.

    Und Spocht freilich – statt dem guten Buch am Kamin. Sonst ist das Fahrzeug mal wieder viel viel fähiger als der Fahrer.

  • GodEmperorSchulz meinte am 3. Februar 2017 um 18:08:

    Wieso vergeudest du deine Zeit mit dem Spiel wenn THE WITCHER 3 im selben Universum existiert

  • Patric meinte am 18. März 2017 um 14:16:

    Gut zu wissen, dann werde ich wohl die Finger von dem Spiel lassen. War schon echt versucht es zu kaufen. Aber es wir Zeit, dass die Sonne mal wieder raus kommt. Lieber selbst auf Bike, als vor der Konsole einzustauben.

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