Kurzes Australien-Tagebuch: bromantischer Pärchenscheiß am Strand

Nachdem ich endlich ein Hotelzimmer hatte und Harald (Koleos sei Dank) ein Fahrrad zur Mobilität, konnten wir uns beide etwas entspannen, Urlaub machen. Bilder und Text der GSX-R waren in der Redaktion, ich hatte luxuriöse neun Stunden geschlafen. Melbourne liegt am Meer, deshalb schlug ich einen Tag an Stränden abhängen vor. Mit Haralds Lieblingsmusik vom iPhone auf die Bose-Anlage dudelnd rollten wir also die Port Phillip Bay entlang zu ihrem südlichen Zipfel. Es war Pulli-kühl. Ein mir wichtiges Ziel war es, endlich einen Hut zu finden. Wer die australische Sonne versteht, hat einen. Doktorvater Michael Brand empfahl Harald, sich möglichst schnell einen zu besorgen: „Und wenn man schon einen kauft, dann sollte es auch ein möglichst alberner sein.“ Diese Hut-Philosophie konnte ich zu 100 Prozent unterschreiben.

Im Wohlfahrtsladen auf Hutsuche mit Österreicherin. (Bild: Harald)

Nach einem Strandspaziergang beim Kaffee setzte sich ein nettes australisches Ehepaar zu uns. Der Ehemann sagte drei Wörter, weil die Ehefrau alle anderen Wörter sagte. Sie empfahl uns, auf dem Landzipfel um Fort Nepean bei den heißen Quellen zu baden und einen Hut für ein paar Dollar bei der Wohlfahrt auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu kaufen. Ich glaube, sie hielt uns für ein schwules Urlauberpaar, das fürsorgliche Hinweise braucht. Das war ja nicht allzu weit weg von der Wahrheit. Allerdings passten mir dann doch die Damenhüte im Wohlfahrtsladen leider nicht so wirklich. Die Verkäuferin im Bild war eine emigrierte Österreicherin, die uns auf Deutsch (well: -ish) ansprach. Das Prinzip der Läden: Du bringst gut erhaltenes Zeug da hin, das wird billig verkauft und der Erlös kommt einem guten Zweck zu.

An den heißen Quellen hatte Harald keine Lust auf Baden und hätte zudem eine Badehose kaufen müssen. Also paddelte ich im Hafen von Sorento allein im kühlen (~18° C), erstaunlich klaren Buchtwasser herum wie ein Otter mit Seewespenangst und danach spazierten wir zum Fort Nepean, einer ehemaligen Armeebasis. Ganz bis zum Landende wollte Harald dann nicht mehr laufen, und weil es ja auch für ihn ein Urlaubstag war, gingen wir stattdessen etwas früher zur Abendessen-Location im Portsea Hotel. Auch dieses Hotel empfahl uns die fürsorgliche Kaffeefrau. Es hatte einen großartigen Speisekartenschreiber. Alles auf der Karte klang superlecker, sodass uns die 27 Dollar für ein Hauptgericht nicht scheuten. Leider lag das Fertigkeitsniveau des Kochs bei weitem nicht auf dem des Speisekartenschreibers. Wir erhielten kein tolles, für Australien-Verhältnisse jedoch zumindest okayes Essen. Plus Bier zum Tarif 12 Dollar die Pint (~0,5 Liter). Alles zweitrangig, denn in dieses Hotel geht man nicht des Essens oder Trinkens wegen, sondern, weil man an dieser Aussicht sitzt:

Aussicht von der Terrasse des Portsea Hotel: speisen, während die Ozeanriesen vorbeiziehen.

The Great Ocean Road

Am nächsten Tag: die Great Ocean Road (GOR). Diese Strecke wurde mir vorher als „schönste Küstenstraße der Welt“ beschrieben. Als großer Freund von Küstenstraßen musste ich das also sehen. Harald war für einen weiteren Tag Urlaub ebenfalls zu haben, obwohl ihn seine ungeklärte weitere Wohnsituation eigentlich ans MacBook drängte. Die GOR deckt sich mit meinen Erfahrungen aller Empfehlungen, die alle Touris kriegen: schön, aber nicht definierend für das Land. Das Interessante an dieser Straße ist gar nicht, dass es die schönste wäre (mir fallen schönere ein), sondern dass sich die Schönheit über fast 250 Kilometer entlangzieht. Sowas gibt es anderswo tatsächlich nicht. Wie jede empfohlene Panoramastraße leidet die GOR unter koreanischen Miet-Suffs, die da mit 12 km/h entlangtuckern und in zufälligen Intervallen Vollbremsungen für Fotos hinlegen. Mein Wunsch nach einem Motorrad hielt sich daher in Grenzen. Ein paar kurze Meter freies Geschlängel erlaubten zwischendrin im legalen Geschwindigkeitsbereich spürbare Querkräfte. Harald beschwerte sich recht früh über ebendiese. Dann liefen wir wieder auf einen Kia auf. Eher eine Strecke zum Cruisen und Gucken. Am besten beschreiben wohl einfach die Bilder die Great Ocean Road:

Meiner Eigenschaft als Foodblogger nachkommend kommentiere ich das Mittagessen: Ich kaufte einen wabbligen Burger, Harald bestellte aus reinem Interesse Toastbrot mit Vegemite. Das ist ein zu braunem Matsch eingekochtes Gewürz mit einiger Beliebtheit in Australien. Till Ferges hatte es mir am ersten Frühstück gezeigt und es war sehr eklig. Dazu muss man aber sagen, dass Till das Zeug auf ein süßes Croissant in Nutella-Dicke geschmiert hatte, eine ganz offensichtliche Fehlbedienung, wenn man die von der Serviermenge ableitbaren üblichen Streichdicken betrachtet. Dünn über eine Schicht Butter gestrichen schmeckt das nicht mehr schlimm, sondern halt wie ein Gewürz.

Verteidigungsstellung aus dem Gabel-Budo gegen Vegemite-Bewurf. Harald schoss dann aber doch nur ein Foto.

Auf der Rückfahrt badete ich am Surferstrand, den wir auf der Hinfahrt kennengelernt hatten. Der zeigte noch einmal die Besonderheit der australischen Sonne, vor allem an kühleren Tagen wie diesem. Bei über 40° C muss dir keiner sagen, dass du besser aus der Sonne gehst, das machst du schon von allein. Bei unter 20° C dagegen freut sich der Europäer dagegen eher über die Sonne, setzt sich ihr genussvoll aus, und dann altert er in Australien mit der Geschwindigkeit eines Bratapfels im Industrieofen. Ich trug vor dem Baden wasserfeste Sonnencreme mit LSF 30 auf. Nach zehn Minuten zog ich mich wieder an und spürte erste Strahlenverbrennungshinweise. Ich bin gar nicht besonders sonnenempfindlich, ich war mehrfach in den Tropen, ich war in Afrika, aber die Sonne in Australien muss für sich selbst ganz neu bewertet werden. Man kaufe einen Hut!

Diese Geschichte wird im australischen Busch fortgesetzt, dem für mich besten Teil der Reise. 

Schmeiß 1 Euro in die Pärchenscheißkasse! ?

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