Weggeschmissen: Alpine Motosafe

Dieser Tage ergab es sich wieder mal bei einem langen Auftrag, dass ich 800 km An-/Abfahrt zu einem Termin abspulte, plus die Fahrten vor Ort. Solche Tage gibt es in meinem Job, diesmal war jedoch Eines anders: Zum ersten Mal, seit sie der Hersteller mir schickte, vergaß ich meine Test-Ohrstöpsel Alpine Motosafe NICHT. Ich wünschte mir aber bald darauf, ich hätte sie vergessen.

Für meinen Text damals verließ ich mich auf das Urteil der Leute, denen ich einen Satz davon weitergab. Ich hätte es besser wissen müssen. Wenn man Menschen etwas schenkt, finden sie es tendenziell immer gut, denn Menschen tendieren wider aller Vorurteile mehrheitlich zum Guten, Konstruktiven. Diese Ohrstöpsel sind aber leider nicht gut, zumindest bei mir funktionierten sie leider gar nicht. Mein Ausprobieren verlief so schlecht, dass ich mich frage, ob die Tester nicht bei weitem zu gut zu Alpine waren, zu langsam fuhren, hinter zu großen Windschildern saßen oder ob sie völlig andersartige Schallsensoren benutzen als ich.

Auf der ersten Tanketappe fuhr ich die Alpines mit den etwas weniger dämpfenden Einsätzen. Was mich sofort irritierte: Sie dämpften das Motorgeräusch der Duke weg, zusammen mit den niederfrequenten Windgeräuschen. Im mittleren bis hohen Frequenzbereich dagegen schlugen die Windgeräusche sehr laut durch. Für mit Ohrstöpsel wäre mir das viel, viel, viel zu laut. Es hat einen (kleinen) Vorteil, dass man mit montierten Ohrstöpseln an der Tanke den Tankwart hören kann. Der (große) Nachteil ist jedoch, dass in diesem kaum gedämpften Bereich ebenfalls hohe Schalldrücke herrschen, sogar schon auf der Duke, die nur mit Mühe über 200 km/h schafft (Windpfeifen). Das muss doch jemand mal gefahren haben! Und dann sagte er offenbar: „Ja, das verkaufen wir jetzt so.“ Alpine baut die Filter nach eigenen Angaben so, dass man den Verkehr noch hören kann. In diesem Frequenzbereich ist es aber weniger interessant als mir vielmehr viel zu laut, wenn ich mir schon Stöpsel einführe. Wenn ich den Verkehr hören will, fahre ich ohne.

Was furzt da in mein Ohr?

Um meine Ohren zu schonen, montierte ich beim ersten Tankstopp die stärker dämpfenden Einsätze. Kein hörbarer Unterschied. Die tiefen Töne waren weiterhin fast weg, ja, aber die mittleren und hohen blieben. Dazu kam, dass die Dämpfungswirkung stark von der Schädelhautbewegung abhängig war, ja sogar komplett flöten gehen konnte, wenn sich der Kiefer so oder so bewegt. Dann löst sich offenbar der Gummi vom Gehörgang, auf jeden Fall schlagen selbst die tiefen Töne wieder voll durch. Um das zu umgehen, steckte ich die Dinger immer tiefer ins Ohr, bis ich sie ohne Applikator nicht mehr herausbrachte. Half leider nichts.

Zur Krönung produzierten die Stöpsel im linken Ohr manchmal merkwürdige Resonanzgeräusche. Es hörte sich an, als furze einem jemand von innen direkt ans Trommelfell: *krrpfffrrzt* *krrppffrrrzt!* Die gelobte bessere Durchlüftung mag so sein, man merkt davon aber nichts. Die Ohrstöpsel schmalzen genauso zu wie Schaumstoff, man kann sie nur besser abwischen. Dieser Punkt blieb als einziger Vorteil erhalten. Man kann sie also gut reinigen, was natürlich nichts bringt, wenn man nichts davon hat, die Dinger in die Ohren zu stecken. Sie werden sicherlich für irgendwen funktionieren, sonst gäbe es die Firma längst nicht mehr, aber in meinem Fall hat überhaupt gar nichts richtig funktioniert außer Abwischen.

Vielleicht lesen das ein paar der ursprünglichen Stöpseltester und können noch einmal sagen, wie sie zu ihrem Test gefahren sind. Ich fuhr Autobahn in allen Geschwindigkeiten der Duke, also von Baustellen-80 bis die rund 200, die sie maximal schafft. Mein Helm war ein X-Lite X-802R. Mein Motorrad hat keinen Windschutz. Wer wie ich Schaumstoff-Dinger verträgt (es schälte sich als Hauptgrund für die Motosafe heraus, dass manche Motorradfahrer die Schaustoffdinger nur mit Schmerzen tragen können oder gar nicht), der sollte sie den Motosafes vorziehen. Ich habe ganz gute Erfahrungen mit den Ohropax-Schaumstoffdingern gemacht, die es zudem fast überall in der Apotheke gibt, wenn man seine mal wieder verloren hat. Kompleiänz-Teil: Ich kaufe die Ohropax ganz normal. Nur die Alpine-Dinger kriegte ich zum Test gestellt. Ich schmiss sie heute weg.

Kommentare:

ältere
  • Alexander meinte am 27. Mai 2017 um 14:54:

    Interessant! Das scheint dann zum Teil zumindest tatsächlich ein biologischer Unterschied zu sein. Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich die Stöpsel zum letzten Mal in Gebrauch hatte, weshalb ich auch nicht mehr weiss, bei welchen Geschwindigkeiten das war. Ich kann aber sagen, dass die Dämpfereinsätze einen wahrnehmbaren Unterschied gemacht haben (die stärkeren dämpften mir unbrauchbar stark) und dass ich auch bei Kopf- und Kieferbewegungen keine Flatulenzgeräusche (oder Geräuschänderungen) im Ohr hatte. Ich empfand die übrig gebliebenen Frequenzen tatsächlich als etwas angenehmer. Vielleicht war ich auch einfach nur zu langsam.

    PS: Helm war auch ein X-Lite. Modell weiss ich nicht aus dem Stegreif.

  • CHris meinte am 27. Mai 2017 um 17:23:

    So wie Du gefahren bist, fährt ja auch kein normaler Tester…*grinsfies

  • Tobias meinte am 27. Mai 2017 um 21:55:

    Hm… Ich habe heute eine Tour von ~260km damit gefahren. Grüne Filter, aber die Stöpsel habe ich um ca. 2mm gekürzt, sodass der Helm nicht draufdrückt. Helm ist ein Nolan 104evo, Windschutz habe ich auf der ZR-7 auch nicht. Trotzdem habe ich eine komplett andere Erfahrung: Windgeräusch ist fast komplett weg, Motorgeräusch ist nur leicht gedämpft, irgendwelche Resonanzen oder andere Störgeräusche gibt es nicht. Auch nicht bei hohen Geschwindigkeiten. Drücken tun sie auch nicht..
    Kann also nur an Deiner Murmel liegen 😉

    • Clemens Gleich meinte am 28. Mai 2017 um 13:34:

      Das wird wohl auch daran liegen, dass die Frequenzen des Motorgeräuschs Deines Vierzylinders wahrscheinlich deutlich über denen meines großvolumigen Einzylinders liegen.

      • Tobias meinte am 28. Mai 2017 um 14:32:

        Stimmt schon, Dein Motor klingt völlig anders – trotzdem _müssten_ die Stöpsel das Windgeräusch wegnehmen.

        • Clemens Gleich meinte am 28. Mai 2017 um 17:55:

          Die tiefen Frequenzen des Winds nehmen sie ja weg. Aber bei bisher jedem Helm (und ich bin einige gefahren) gab es zum tiefen Windwummern auch höhere Geräusche, z. B. an allen Kanten wie z. B. an der Scheibe oder den Lufthutzen. Breitband-Schaumstoff dämpft das alles mit weg. Das ist halt das Problem, wenn du einen Frequenzbereich nur schwach dämpfen willst: Wenn es dort laut wird, funktioniert dein Schallschutz nimmer.

  • Jan meinte am 28. Mai 2017 um 3:11:

    Habe die Motosafe nicht getestet aber das von der bauweise her ähnliche Konkurrenzprodukt „Senner MusicPro“. Die Dämpfung finde ich eigentlich ok, der Tragekomfort ist für mich aber auch nicht besser als bei Ohropax Schaumstoffdingern, habe sogar eher ein Druckgefühl im Kopf davon und in meinem linken Ohr dichtet das Silikondings nicht genauso gut ab wie rechts. Insofern irgendwie ein schlechteres Preis-Leistungs-Verhältnis als bei den Wegwerfteilen, wenn ich mal unterstelle, dass ich sie auch spätestens in nem Jahr verloren habe.

    (Testumstände: CRF1000L bis 140 km/h mit HJC RPHA 11 und Konzerte von Amon Amarth und In Flames, was ja dem Namen nach eher Sinn dieser Stöpsel ist. Als Gehörschutz für Arbeit mit schwerem Gerät im Dreck waren sie mir bislang zu schade.)

    Kauf ich nicht nochmal.

  • Tobi899 meinte am 2. Juni 2017 um 14:40:

    Ich benutze die Alpine Music Safe Pro, die so ziemlich baugleich sein müssten. Ich habe eigentlich gute Erfahrungen damit gemacht an 4 Tagen Rennstrecke bis ca. 270 km/h. Mopped ist eine 899 Panigale, Helm AGV K5. Windgeräusche wurden gut gedämpft, keine Resonanzen, kein Verrutschen. Das Motorgeräusch wird nur leicht gedämpft. Die Schaumstoffstöpsel, die ich vorher hatte, haben mir nicht getaugt. Da war ich völlig abgekoppelt und die Pani fühlte sich nach Elektro-Krad an 😉 Aber vllt. haben die Music Safe auch andere Filter drin als die Moto Safe.

  • TobiH@MF meinte am 14. Juni 2017 um 13:47:

    Hey Clemens, habe die Teilchen aufgrund deiner Geschichte auch mal ausprobiert (Tour Edition), komme aber zu einem völlig konträren Schluss. Ist schon spannend, wie die Meinungen so auseinandergehen können. Testete die Earplugs auf verschiedenen Nakeds und einer VFR 800 mit Helmen von LS2 (FF397 Vector), Premier (Monza) und Scorpion (Exo2000). Ja, es bleiben Windgeräusche erhalten, die aber deutlich abgemildert werden. Im Vergleich zu herkömmlichen Ohrstopfen blieben bei mir Außengeräusche trotz deutlicher Dämpfung gut hörbar – somit Zweck für mich erfüllt. LG, Tobi

    • Clemens Gleich meinte am 15. Juni 2017 um 10:40:

      Danke fürs Feedback, Tobi. Mich hat es irritiert, dass der Einzylinder fast komplett weggedämpft wird, die obertönigen Windgeräusche dagegen so wenig. Welche Geschwindigkeiten bist Du denn auf den Nakeds zum Test gefahren?

      • TobiH@MF meinte am 4. Oktober 2017 um 9:00:

        Sorry, habe deine Frage erst jetzt gesehen. War eine Landstraßentour bis etwa 130km/h.

  • Hajo B. meinte am 7. Juli 2017 um 20:51:

    Ich verwende Alpine Party Plugs sowohl beim State of Trance festival als auch im schuberth E1 auf ner GS. Mir taugen die Plugs brutal, da die Windgeräusche weg gedämpft werden. Nutze das aber nur bei Autobahndahrt. Leiwand!

  • Stephen meinte am 17. Juli 2017 um 23:42:

    Hallo Clemens,

    Ich fahre die Stöpsel auf einer ZX-6R mit einem xlite 802RR. Ja, die Windgeräusche bleiben, jedoch scheint mir die Lautstärke zurück gegangen sein. Wo du definitiv den Nagel auf den Kopf getroffen hast ist bei den Motoren Geräuschen, ich höre die 6er nur im Stand Brummeln bzw. oben raus schreien. Im Schiebebetrieb ist relativ viel verloren gegangen.

  • zensorsliebling meinte am 2. Oktober 2017 um 19:20:

    Mit diesen Mistdinger erzeugt man unter Umständen einen Ohrschmalzpfropf, der dann vom HNO entfernt werden muss. Ist mir mal mit den ähnlich geformten gelben Stöpseln aus Silikongummi passiert. Zu tief reingeschoben, weil das Ende sonst am Helmfutter schabte.

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