Kohle ist die Zukunft

Für die Lost-Places-Reihe habe ich es jetzt endlich nach Immerath geschafft. Die Defekte der Montagsduke hielten mich vorher zurück. Immerath gehört zu den Ortschaften, die für die Braunkohleförderung im Tagebau Garzweiler untergebaggert werden. Es wird gerade abgerissen. Die Kirche ist schon weg, es folgt der „Dom von Immerath“. Einige Bewohner leben noch dort, aber irgendwann müssen alle gehen nach „Immerath (neu)“. Die geförderte Braunkohle wird verbrannt, denn in Deutschland stammt der meiste Strom aus Kohle. Offenbar lohnt es sich: Ganze Ortschaften werden umgesiedelt, die Autobahn wird umgelegt, danach muss soweit eben möglich „renaturiert“ werden und so weiter. Es fahren sehr viele Dacias Patrouille, die dich sofort anzeigen, wenn du eine Linie überschreitest, sichtbar oder nicht. Ist uns passiert, obwohl wir superbrav waren: in kein Gebäude gegangen, keine geschlossene Schranke, aber irgendwo ein offenes Stück reingefahren, über dem „Werksstraße“ stand. Naja, werden sie wohl eh fallenlassen, solange gleichzeitig die Jugend in der zweiten Kirche herumturnt. Was Garzweiler mir mal wieder vor Augen führt: Alle Gründe, aus denen irgendwas nicht geht, sind Vorwände. Wenn sowas wie Garzweiler geht, geht alles. Man muss es nur wie in Garzweiler oder in China einfach über die Köpfe aller bestimmen. Die Geschichte dazu folgt im nächsten Roadster-Magazin. Danke an Sebastian Bauer für seine Fotos von mir.

Kommentare:

ältere
  • Made meinte am 3. Juli 2017 um 11:32:

    Auf den Artikel bin ich schon gespannt.
    Bitte nicht wundern wenn Du verärgerte Kommentare „erntest“ denn Aussagen darüber wie tatsächlich der meiste Strom in Deutschland produziert wird werden viele nicht gerne lesen ;-)))

  • Volker meinte am 3. Juli 2017 um 13:22:

    Hi Clemens!

    Danke für die stimmungsvollen Bilder.

    Zum Strom: Ja mei, was soll Deutschland auch tun, nach dem Atomausstieg? Die 600TWh (https://de.wikipedia.org/wiki/Bedarf_an_elektrischer_Energie#Deutschland) müssen vorläufig irgendwo herkommen und 32.6% sind eben 32.6%.

    Natürlich „geht alles“. Wenn die Lobby groß genug ist. Das hat noch nicht einmal mit „über die Köpfe aller“ oder Antidemokratie zu tun. Ganz im Gegenteil. Hier in Deutschland sitzen rund 80 Millionen Menschen herum, die wollen, daß die Glotze läuft, das Bier schön kalt ist, der i3 am nächsten Morgen 100% Ladestand anzeigt. Und in Immerath, Garzweiler, … hat es… wieviele Anwohner noch gleich? Ah, das Internetorakel weiß: 1154. Sagen wir 3000, mit Friends&Family, Ökoschwuchteln, Zu-Allem-Neinsagern und ein paar, die Kohle generell pfui finden aber auch keinen so rechten Plan haben, was stattdessen durch den Schornstein geblasen werden soll, wenn mal kein Wind bläst oder die Sonne untergegangen ist.

    Sobald uns der Atommüll irgendwann zu den Ohren rauskommt, wird es sicher auch nochmal lustig mit der Bestimmung von Endlagern. Schätze, auch dort wird es „höhere Interessen“ geben und verärgerte Anwohner, denen man einen Castor vor die Füße kippt.

    Dieses Lobby-Problem haben wilde Endurostrecken (was der Dirtbikefan auf der Panzerwiese nicht darf, kriegt die Allianz Arena München Stadion GmbH ganz demokratisch genehmigt) natürlich auch, MX-Pisten machen dicht oder erhalten Auflagen (http://www.amc-penzberg.com/Motocross.htm, sogar beim Freisinger Bär setzte es Beschwerden, die Viertakter würden vom Fluglärm des unweiten Franz-Josef-Strauß-Flughafens ablenken, incl. neuer dritter Startbahn), Radlfahrern verbietet man den Isartrail (wegen der bösen Wurzelerosion!) und allerwegen werden freudestrahlend immer effizientere Asphaltpisten für immer ineffizientere Blechdosen gebaut.

    Es gibt einfach eine überwiegende Mehrheit davon.

    Grüße,
    Volker

  • Helge Langer meinte am 4. Juli 2017 um 9:33:

    Das sieht aus wie Mordor

  • tobi meinte am 4. Juli 2017 um 9:47:

    Bringt das gelbe Visier eigentlich außer Stimmung was?

  • Clemens Gleich meinte am 4. Juli 2017 um 10:18:

    Es ist wie diese Skibrillen, man hat das Gefühl, mehr virtuellen Kontrast zu kriegen.

  • Marco meinte am 4. Juli 2017 um 18:05:

    Als Kind dachte ich immer, die Orte würden einfach vom Schaufelradbagger mitzerbaggert. Das fand ich immer sehr cool.

    Heute finde ich es weniger cool, aber hey, Wachstum ist alternativlos!

    Obligatorischer Link: https://www.youtube.com/watch?v=azEvfD4C6ow

  • zensorsliebling meinte am 10. Juli 2017 um 15:00:

    Schön ist das nicht. Aber zum Glück trifft es eine in meinen Augen seelenlose Landschaft, die vorher schon eine Agrarsteppe war. Das und die Arbeitsplätze im Tagebau lässt wenig öffentliches Geschrei aufkommen. Wer Brot ich ess‘ des Lied ich sing‘ gilt auch für andere regionale Monokulturen. Den abgrundhässlichen Nord- und Ostseebädern mit ihren Strandpromenaden kann ich auch keinen Reiz abgewinnen – es sei denn er ist unter 35 und trägt knappe Badekleidung.

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