Warum du keinen Kindle Oasis 2 kaufen solltest

Weil der Akku so schnell leer ist wie in einem Tablet. Ja, das war‘s schon. Ich dachte mir, ich lasse das übliche Vorgelaber weg und komme sofort zum springenden Punkt. Bei Interesse folgt nun das Vorgelaber: Ich habe meinen alten Kindle Keyboard verloren, als er mir von einem hohen Regal fiel und seine Scheibe zersplitterte. Das war tragisch für mich, weil ich auf dem Ding locker 300 Bücher gelesen hatte und kurz davor mit ihm aus einer 90° C heißen Sauna kam, was er wie alles sonst problemlos weggesteckt hatte. Nur den Fall dann eben nicht mehr. Vielleicht wurde ich unvorsichtig nach der ganzen Robustheit mit in der Badewanne, im Schnee, im Regen, in der Wüste und in der Sauna.

Nach einer ausreichenden Trauerzeit bestellte ich mir einen Kindle Voyage, der gerade als heißester Scheiß der E-Reader galt. Heiß: nope. Scheiß: oh, ja. Das Ding hatte einen so scheußlichen Farbverlauf der Hintergrundlampen, wie ich ihn nie vorher sah und nie wieder sehen wollte. Ich sah ihn dann aber auch bei drei Tauschgeräten, sodass ich zum Schluss kam, dass die Dinger alle fehlkonstruiert sind. Seitdem las ich auf dem Smartphone, das im Flugmodus lange genug durchhält, ein schön hochauflösendes Display hat und eine nicht scheußliche Displaybeleuchtung. Dann las ich auf diesem Smartphone, dass man besser schläft, wenn man abends nicht auf blaue Hintergrundlampen schaut und bestellte einen Kindle Oasis 2, bei dem man die Hintergrundlampe nämlich abschalten kann.

Als er kam, dachte ich an den Vorgänger (Oasis ohne 2). Der trug den größeren Teil seiner Batterie in der magnetisch angedockten Hülle. Das Hauptgerät hatte nur eine kleine Batterie. Das neue Kindle Oasis hat jetzt eine Batterie von immerhin 1000 mAh, einen stromsparenderen Prozessor (Freescale i.MX7), eine Hülle ohne Batterie, die so kacke war, dass Amazon sie gleich zur Markteinführung wieder aus dem Sortiment nehmen musste, eine Hülle aus durchscheinend dünnem Alu, das wieder Leute als „hochwertig“ bezeichnen, die schielen, vor allem aber mit trotz aller Technik: dieser schniepigen Akkulaufzeit. Ich schaltete sofort die Lampe und die WLAN-Antenne aus. Brachte nichts. Das Ding muss alle drei, vier Tage an den Stecker; in etwa genauso oft wie mein Android-Tablet, das Videos streamt und Zappel-Websites anzeigt. Forenmenschen gaben viele Tipps zu „das pendelt sich ein“, alles Quatsch. Amazon lügt mit „wochenlanges Lesen“. Gemeint ist wahrscheinlich: Wenn du wochenlang nur 30 Minuten alle zwei Tage liest, kann das klappen. Also, mit Antenne aus …

Wie Amazon das hingekriegt hat, weiß der Teufel. Ich meine: Solange man nur auf eine Seite glotzt, kann das Teil pennen, und die alten Generationen taten das auch. Das ist doch der Vorteil des Refresh-freien E-Ink-Displays. Mein Kindle Keyboard lud ich alle paar Wochen auf. Ich habe das Oasis behalten, weil ich das mit dem Schlaf langfristig ausprobieren will (bis jetzt merk ich nix). Aber wenn du einen E-Reader kaufen willst, dann überlege dir gut, ob du nicht lieber kostenlos in den Fluchmodus schalten und den kostenlosen Kindle-Reader für Android oder iOS benutzen willst. Man kann abends ja auch ficken statt lesen, wenn das mit den blauen Lampen wirklich stimmt …

Kommentare:

ältere
  • Jochen meinte am 17. Juli 2018 um 8:38:

    Dann bin ich ja froh, dass ich in den letzten „Schmeiß-den-alten-Schrott-raus“-Aktionen (sprich: „Prime Day“, „Cyber Week“, „Glorious Orange Leader Month“) keinen Oasis dahergeklickt habe.
    Obgleich auch dann sauteuer, schien mir das Teil ja sehr edel und ausgefeilt zu sein. Aber gerade die Akku-Lebensdauer ist ja das, was an den e-Readern eigentlich so überzeugend ist.

    Hast Du denn schon mal einen Paperwhite ausprobiert? Die dort verwendete Beleuchtung soll augenschonend sein, ich würde sie jetzt als leicht grünstichig bezeichnen. Dafür ist das Ding bisweilen spottbillig (in den genannten Aktionen um die 70 Flocken) und extrem hart im Nehmen (aufgrund einer medizinischen Stress-Situation flog der Paperwhite meiner Angetrauten in einer gepfefferten Ballistik gegen die Wand und hat das locker weggesteckt).

    Die einschlägigen Tablets des Anbieters haben auch eine Augenschon-Funktion, dann sieht aber alles ekligst gelbsüchtig aus.

  • Clemens Gleich meinte am 17. Juli 2018 um 8:53:

    Paperwhite hatte ich nicht, die Bildschirme sind aber afaik mittlerweile bei allen Amazon-Geräten bis auf die günstigsten dieselben. Ich dachte, ich gebe mir die etwas nettere Variante, war halt nicht so gut wie gedacht. Zum edel: Mich stört schon, wie dünn das Alublech ist und dass die Aussparung für den USB-Stecker nicht entgratet ist wie bei billigstem Chinascheiß.

  • Marco Sollazzo meinte am 20. Juli 2018 um 8:18:

    Hallo Clemens, ich verwende den Paperwhite seit einem dreiviertel Jahr und davor hatte ich den Touch über mehrere Jahre in Benutzung. Die Akkulaufzeit des Paperwhite ist lang, wenn auch nicht ganz so lang wie beim Touch, was klar ist, da beim Paperwhite auch bei „auf null“ gestellter Beleuchtung das Display immer noch etwas hinterleuchtet ist.

    Das Display hat meiner Meinung nach keinen auffälligen Farbstich aber da der Paperwhite mein erster beleuchteter E – Reader ist fehlt mir die Vergleichbarkeit.

    Die Verarbeitung finde ich gut. Im Vergleich zum Touch ist der Paperwhite etwas flacher und hat auf der Rückseite eine Gummierung (heißt glaub ich Soft – Touch..?).

    Lieben Gruß, Marco

  • Volker meinte am 22. Juli 2018 um 16:21:

    Deinen alten Elektrobuchleser hast vermutlich schon entsorgt, daher akademischer Rat: Bei manchen dieser Dinger kann man die Glasscheiben (oder Elektrotintendisplays) auch ersetzen. Muß nicht immer ein Spaziergang sein, kann sich aus Gründen des Nervenkostüms aber genauso lohnen, wiw bei meiner alten Geschirrspül- und Waschmaschine. Geschissen auf den Prime Day. Unpackbar schrottigen Billigramsch zu Premiumlieferkonditionen zu bekommen bleibt eine Schnapsidee.

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