Der Nichtgeländefahrer liebt banale Abenteuer. Das ist okay. Er erzählt dann nur gern daheim davon, als habe er den Mount Everest erstbefahren – vielleicht, um andere zu entmutigen, damits ned so voll wird.

Ich bin mit Michelin Pilot Sport 5 Niederquerschnitt auf riesigen Alufelgen auf den Sommeiller gefahren, ohne einen Kratzer in den Felgen. Die Locals fuhren mit Fiat Puntos hoch (Stahlfelgen mit Plastikkappen). Die GS-Fahrer fuhren im Stehen hoch, weil sie halt einfach gern stehen. Frei nach Farin Urlaub: „Es ist egal, was du fährst, Hauptsache ist: Es hat ein Rücklicht.“

Abenteuer in Banalien

Kommentare:

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  • Volker meinte am 26. September 2018 um 9:47:

    Die fette GS ist halt – äh – fett. Und mithin anstrengend. Ergo schaut auch der Fahrer angestrengt – wo doch beim Weltklassefahrer im Prospekt die ganze Geschichte im „schweren Gelände“ [tm] (R) (C) doch soviel entspannter wirkte.

    Bei den Felgen – egal ob Niederquerschnitt oder sonst ist übrigens nicht das Profil ein Problem, sondern die Abwesenheit von Schläuchen (und Reifenhaltern). Denn ein Steinderl oder schon angepaßt niedriger Luftdruck können Dir die Dichtigkeit ziemlich schnell vermiesen und dann stehst Du wie ein mir namentlich bekannter Herr mit Deiner zarten Marchesini-Felge von der Duke im Flußbett und kloppst mit Steinen auf dem Felgenhorn herum, damit sich der Reifen nicht sofort wieder von der Schulter wichst und Du ihn wieder aufpumpen kannst. Der Gesichtsausdruck verdüsterte sich übrigens mit jedem Schlag weiter, denn schöner wurde die Felge durch die Behandlung eher nicht.

    Das ist übrigens auf der Dolomitentour passiert, bei einer moderaten Bachdurchfahrt, wie sie nach Niederschlägen auch bei banalen Offroadanteilen gelegentlich notwendig ist. Meine Sanremos hat bekanntlich ein ähnliches Schicksal ereilt, urteile Du, wie hoch der Schwierigkeitsgrad bei unserer damaligen Geländeexkursion mit KTM 620 SM und Duke 690 war.

    Ich finde diesen SUV-Geländetourismus übrigens aus einem anderen Grund kontraproduktiv: Jahrzehntelang hat man uns Enduristen vorgehalten, wir würden mit unseren Kisten zuviel Lärm machen, die kostbaren Biotope ruinieren, Wurzelerosion betreiben, schädliche Flüssigkeiten in die Umwelt absondern und sonstige Argumente, die man sich aus den Fingern saugen kann.

    Nun fräst sich da ein Troß vom Zwei-Tonnen-Dickschiffen hoch, mit Kind, Kegel und DVB-T/DAB, campt wild und hinterläßt als Dankeschön noch ein Berg Kippen und Plastikmüll, denn es geht bekanntlich nichts über Leistungsgewicht und einen leeren Aschenbecher. Am Ende sieht es dann dort aus wie auf einer Skipiste im Frühling, die ist nämlich auch dafür gemacht, daß jeder Depp dort gefahrlos rauf- und wieder runterkommt.

    Aber nur mit Helm, freilich.

    • Clemens Gleich meinte am 26. September 2018 um 10:03:

      Och, beim Müll hat die Umwelterziehung schon ganz gut gegriffen. Selten noch lässt jemand was liegen. Selbst die Camper, die unterwegs ihre Chemietoilette per Knopfdruck auf die Straße entleeren, sterben glücklicherweise langsam aus.

  • Volker meinte am 26. September 2018 um 17:03:

    OK, dann sind die Gelände, wo ich mich immer mal rumtreibe, glücklicherweise die Ausnahme. Von den Überresten kann man sich nämlich locker einen Reifen- und Weißwarehandel aufbauen, der wild entsorgte Bauschutt ist evtl. so eine Münchner-Wertstoffhof-kostet-Geld-Sache.

    • Clemens Gleich meinte am 26. September 2018 um 18:50:

      Die wahrscheinlich ILLEGALEN Gelände, wa?

  • Marco meinte am 27. September 2018 um 8:21:

    Recht hast du! Hauptsache Spass und man hat die eigenen Grenzen etwas ausgekundschaftet.

    Ich fuhr neulich mit einem Kollegen über die Staumauer des Lac du Mont Cenis. Führ ihn das Offroad Erlebnis des Jahres, für andere wohl nur eine Randnotiz…

    • Clemens Gleich meinte am 27. September 2018 um 9:29:

      Ah, da waren wir auch für ein paar Fotos vom Stausee. Schön da, oder?

  • Volker meinte am 27. September 2018 um 10:00:

    Clemens, ich kann Dich leider nicht sinnvoll zitieren, weil mir – trotz ausgeschalteten Adblocker die notwendigen Knöpfe fehlen.

    Ad „Die wahrscheinlich ILLEGALEN Gelände, wa?“: Ich wüßte zwar nun nicht, was ein legal mit dem Kfz befahrbares Gelände zwingend von einem nicht legal befahrbaren Gelände in Sachen Müllaufkommen unterscheiden müßte, lasse mich aber gerne aufklären.

    De facto habe ich hier im Landschaftsschutzgebiet vom Münchner Osten schon kubikmeterweise Kühlschränke, Elektroschrott, Bauschutt, Reifen, Hausm-/Restmüll und anderen Plastikplunder angetroffen. Das darf man natürlich nur mit Sondererlaubnis befahren, aber ohne Anfeindung durchradeln.

    Beim Gebiet der Heidetaliban^W^Wdes Heidevereins München bzw. noch korrrrrrekter „Heideflächenverein Münchener Norden e.V.“ handelt es sich wohl ebenfalls um ein ausgewiesenes Biotop (mit vergrabener Munition). Wohl damit die Fische in den Tümpeln immer kühles Bier haben, versenkten mitfühlende Zeitgenossen das eine oder andere Gefriergerät. Unter der A99-Autobahnbrücke ist letztes Mal offenbar ein ganzer IKEA-Laster umgekippt.

    Lustige Randnotiz: Um – der seltenen Wechselkröte zuliebe – die weggefallene Verdichtung durch schweres militärisches Gerät zu sichern, rödelt der lustige Verein dort ganz offiziell mit Unimogs herum. No shit: https://heideflaechenverein.de/service/dokumente/froettmaninger_heide.pdf (S. 1, 2. Abs.).

    Hinten auf dem Gebiet der DB in Daglfing, das jetzt für Industrie und einen neuen Rangierbahnhof zubetoniert wird, hat sich auch eine recht interessante Symbiose aus campierenden – äh, wie sage ich das jetzt politisch korrekt? – Mitmenschen mit Abstammungsoriginalität und deren Hinterlassenschaften gebildet.

    Und beim Bergsteigen stapfe ich zwar nicht durch bergeweise Taschentücher und Plastikbeutel – versehentlich aus der Hosentasche gefallen dürfte der Kram aber auch nicht allesamt sein.

    Sagen wir so: Vielleicht gibt es bei den legalen Strecken irgendeine Müllabfuhr, die den Krempel regelmäßig wegschafft. Mit „Erziehung“ hat das freilich wenig zu tun. Oder es geht auf der wilden Endurostrecke die Meinung „legal – illegal – scheißegal“, keine Ahnung.

    Mir ist ja schon rätselhaft, was im Gehirn eines Menschen vorgeht, der eine Kippe aus dem Autofenster oder 100cm neben dem Mülleimer auf den Boden schmeißt. Nicht viel, so scheint es.

    • Clemens Gleich meinte am 27. September 2018 um 11:23:

      Meinst ned, es ist mit dem Müll wegschmeißen besser geworden als, sagen wir: in den Achtzigern?

  • Volker meinte am 27. September 2018 um 13:22:

    Weiß ned. In den Achzigern hat mich das nicht so interessiert, ich hab meinen Krempel aber auch noch nie irgendwo in die Landschaft gefeuert. Kann ja mal paar Fotos machen, wenn mir der Mist wieder auffällt.

    Gibts das eigentlich bei Euch in S auch, daß diese „kleinen Wertstoffhöfe“ irgendwie zur Deponie umgewidmet werden und jeder Depp dort seinen Scheiß hinschmeißt, egal, ob das nun Glas/Kunststoff/Weißblech/Papier ist oder sonstwas?

    Der Containermann räumts dann schon weg. Oder der Hausmeister.

  • Clemens Gleich meinte am 27. September 2018 um 18:02:

    Ist mir jetzt noch nicht aufgefallen. Bei den meisten Höfen steht da aber eine Hütte mit Platzwart und so. Da gehts dann sehr schwäbisch korrekt zu.

  • Volker meinte am 27. September 2018 um 19:37:

    Das sind dann die „großen Wertstoffhöfe“. Da könnt ihr Spätzlefresser den Bayern eh ned das Wasser reichen. Wer in München mit einem DAH-Kennzeichen ankommt, der hat verschissen und muß seinen Krempel wieder mitnehmen. Oder Nachts übern Zaun schmeißen. Nennt sich dann „Müllfee“.

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