15.000 km KTM 690 Duke R

Ich hätte annehmen sollen, als KTMs Vertrieb mir per Brief eine Garantieverlängerung für meine „Duke of Monday“ anbot. Denn unmittelbar nach Ablauf der Garantie fielen die Blinker aus, beziehungsweise: auf. Eine wie immer vollflächige Fehlermeldung zeigte einen „Licht-Fehler“ an, der aus falschen Durchgangswiderständen der LED-Blinker resultiert. Wenn schon Widerstände nur 2 Jahre halten, erfüllt mich das mit Sorge um einige andere Teile aus Mattihofen an meinem Stomper. Also zur Werkstatt. Dort fragte ich, ob sie auch Bremsscheiben abschleifen können, weil man dazu Spezialwerkzeug braucht. Die Scheibe vorn rubbelt. Der Mech sagte unerwartet zu, was leider ein Missverständnis war: Er schliff (grundlos) die AUFNAHMEN der Bremsscheibe neu ein. Als ich ihn fragte, ob er nicht bemerkt habe, dass das Ding weiterhin rubbelt, sagte er, dass er das nicht schlimm finde und dass bei Racing-Teilen Rubbeln normal sei (ich habe die Powerparts-Scheibe drauf). Sowas ärgert mich. Er kann diese Scheibe nur kalt gebremst haben, weil das Ding auf Temperatur so bockt, dass das ABS zu kotzen anfängt. Und (Sarkasmus) es ist ja bekannt, dass man im Racing mehr Geld ausgibt, um schlechter funktionierende Teile zu haben, jaja. Ich glaube, ich werde wieder mehr zu den Mayers in Korntal gehen. Die sind zwar weiter weg, aber sie kennen sich merklich besser aus mit allen Dingen, die mit schneller fahren zu tun haben, von Bremsbelägen bis hin zu Reifenbreiten.

Denn das fiel mir weiters auf: Die Kette der Duke schlägt gegen den Hinterreifen. Das tat meine alte Duke bei ungefähr denselben km-Ständen auch. Ich vermutete also eine vorzeitig gelängte Kette, obwohl die Verschleißmaße alle in Ordnung sind. Die Mayers sagten mir aber, dass der Michelin Power RS, den ich gerade fahre, in nominell 160 fast 180 breit ist und deshalb früher Kontakt mit der Kette aufnimmt. Weiters beunruhigt die Mayers so etwas nicht, weil sie wie ich auch so ein Verhalten von Supermotos und den Vorgänger-Dukes kennen. Kleine Nagespuren am Reifen sind noch kein Grund zur Beunruhigung. Die Kette bleibt also noch bis zum 20.000er-Service oder länger, je nach Verschleißwerten. Der Power RS fährt zwar auf der Duke sehr schön, die Hoffnung auf mehr Laufleistung als auf Michelin Pilot Power 3 ging jedoch nicht auf. Der RS hat doch keine 5000, sondern nach einem Blick ins Fahrtenbuch 4500 km runter und wird vor 5000 auf den Verschleißmarken sein. Deshalb will ich für den Winter wahrscheinlich Michelin Road 5 aufziehen, von dem ich viel Positives in Sachen Kalt-Grip hörte. Wenn der nicht klappt, habe ich auch Hoffnung auf die Performance des Conti RoadAttack 3. Bisher passten alle Continental-Reifen gut zur Duke. Ich habe ja eine Reifenmontiermaschine. Sebastian letztens so in leichtem Bewunderneid: „Du hast eine Reifenmontiermaschine? Freak.“ Also werde ich einen Schraubertag einlegen für Reifen wechseln und die Scheibe abbauen, um sie zum Schleifen einzuschicken an den Meister Lamprecht in Bamberch. Der hat eine Spezialmaschine und mangels Felge kann er nicht stattdessen grundlos die Aufnahmen neu einschleifen.

Mein Plan, 2018 mehr Duke zu fahren, ging schubweise auf. Vor allem diesen goldensten Oktober evar habe ich bis zum Letzten ausgeschleckt. Eine Woche habe ich komplett von Montag bis Sonntag, von früh bis spät auf der Duke verbracht. Ich hatte auch dieses Jahr noch das Gefühl, dass mir dieses Motorrad noch viel beizubringen hat, und dem war so. Für die Zeitschrift Motorradfahrer war ich bei der „KTM Riders Academy“, einem Motorradkursprogramm, das KTM vermarktet wegen mehr Sicherheit. Dabei hat mir der Coach Klaus endlich gezeigt, wie man ein leichtes Motorrad bei niedrigen Geschwindigkeiten lenkt. Da war ich immer viel zu grobmotorisch, weil ich auf einem Eisenschwein mit Stummellenkern gelernt habe und in der Folge Segelstangenlenker stets verflucht. Die Feindosierung wollte mir nicht recht gelingen, und obwohl mir das Problem bewusst war, fand ich alleine keine funktionierende Lösung. Klaus fand sie sofort. Jetzt habe ich eine ganz neue Freude an meinem Nichteisenschwein mit Nichtstummellenkern entdeckt, die ich in den Vogesen mit Sebastian und Lukas auf dreckigen Sträßchen auslebte, so als letzten großen Einkehrschwung vor dem Reifenwechsel. Ich habe ja überlegt, ob ich mir eine Husqvarna 701 Vitpilen holen soll, aber ehrlich gesagt fürchte ich mich davor, genausoviel Garantiefälle reparieren lassen zu müssen wie bei der Duke. Die läuft jetzt. Da mach ich erstmal nix.

Eine milde Spende für den kalten Winter! ?

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Kommentare:

ältere
  • eugen meinte am 30. Oktober 2018 um 7:49:

    …zefix, da bin ich schon wieder neidig und will ich auch das training bei ktm machen. wars gut gemacht? auf der homepage werden zwei (recht teure) kurse angeboten, basic und advanced, dh.: auch wenn ich schon mal gefahren bin, brings das basic trotzdem? danke vielmals im voraus

    • Clemens Gleich meinte am 30. Oktober 2018 um 10:31:

      Die Kurse heißen nur Basic und Advanced, weil sie aufeinander aufbauen. Basic ist ein Platztraining mit Auslegermotorrad, bei dem du das Meiste dieses Kurses lernst. In Advanced baut Klaus dann auf den ersten Tag auf und geht an den Berg. Ich fand den Kurs gut. Der hohe Preis kommt halt daher, dass 2 Trainer sich um maximal 6 Leute kümmern. Das ist fast Einzelcoaching.

      • eugen meinte am 30. Oktober 2018 um 15:31:

        danke, hab mich schon mal (basic) angemeldet, von wien dorthin halbwegs ok, btw: se duke 690 r is so vui lässig, ist für mich tatsächlich das einzig mögliche. (zuletzt im 10/18 ein paar tage südtirol, JA BIST DU DEPPERT, ganz allein am berg, die duke ist einfach ideal, rauf, runter, egal, ob schnell oder gemütlich, einfach top!)

  • Kai meinte am 30. Oktober 2018 um 11:14:

    Du hast eine Reifenmontiermaschine? Freak!

    Ich bin die 701 Vitpilen neulich mal gefahren und ich war bitter enttäuscht. Nicht, weil es ein schlechtes Motorrad ist. Aber es war irgendwie halt nicht so toll zu fahren, wie ich erhofft hatte. Mit der SMC/R 690 der Frau hatte ich deutlich mehr Freude und dabei bin ich gar kein SuMo-Fan.

    • Clemens Gleich meinte am 30. Oktober 2018 um 11:24:

      Ja, irgendwie waren viele Tester ähnlich enttäuscht. Ich glaub ned, dass ich da viel verpasse.

      • Kai meinte am 30. Oktober 2018 um 16:40:

        Es ist halt die Frage, was man erwartet. Das Marketing hat halt ein gewisses Bild aufgebaut. Ich hätte die blind gekauft. Ohne Probefahrt. Weil irgendwie anders und gut.

        Was ich (unter anderem) nicht mochte:
        + die Stummel nerven höllenmäßig
        + der Sitz ist für ein Serienmotorrad zu brutal
        + die Maschine wirkte bockig, aber nicht spaßig bockig
        + die Fahrt dauerte gut eine Stunde, ich gewöhnte mich an nix

        Dabei muss man immer beachten, dass ich ja eine Buell fahre. Ich bin als unbequem, bockig bis biestig und speziell durchaus gewöhnt. Vielleicht wäre ein längerer Test etwas milder, selbst wenn es nur ein Tag ist. Aber die kurze Proberunde mit Stadt und leichtem Berg (Wiener Umland) ließ mich deutlich Abstand von der 701 Vitpilen nehmen.

  • Volker meinte am 1. November 2018 um 18:19:

    Nur, damit ich das richtig verstehe: An Deiner Duke befinden sich LED-Blinker, sie haben aber einen Parallelwiderstand, damit sie sich benehmen wie Glühfadenlampenblinker, weil das Diagnosesystem den Strom durch die LED nicht messen kann oder will und diese Parallelwiderstände sind nun abgegammelt? Peinlich, peinlich.

    Das mit den rubbelnden Bremsen und der abgeschliffenen Bremsscheibenaufnahmen ist natürlich niedlich. Verstehendes Zuhören darf man beim Bildungsstand und den Arbeitswerten in Fachwerkstätten nicht mehr als Grundkompetenz annehmen. Frag also nicht, warum ich (nur) selber schraube.

    Übrigens _kann_ tatsächlich eine schiefe Bremsscheibenaufnahme die Rubbelei ausgelöst haben, von daher wäre die Werkstattarbeit ja gar nicht so weit daneben – wenn „einschleifen“ nicht ein totaler Euphemismus wäre.

    Der Typ hat die Scheibe runtergenommen, ist ein paar Sekunden mit einem Schleifschwamm oder einem 400er Schmirgelpapier rum und fertig ist die Laube. Von Dingen wie „planparallel“ reden wir hier lieber nicht.

    Rubbelnde Bremsscheiben sind generell ein sehr diffiziles Thema. Zunächst müßte man Kalt- und Warmrubbeln differenzieren, d. h. temporäre/thermische Effekte (die auf die Befestigung der Scheibe und ungünstige Materialpaarungen hindeuten können) oder eben permanente Effekte. Letztere können von nicht ganz orthogonalen Bremssätteln, ausgeschlagenen/verdreckten/klemmenden Belagführungen, losen Verbindungsschrauben zwischen den Belaghälften (ja, BTDT, eine Nissinanlage), lahmen Belaghaltefedern, Spiel im Rad-/Lenkkopflager, ausgenudelten Führungshülsen in der Gabel und 1001 anderen Dingen kommen. Manchmal reicht schon ein Antiquietschaufkleber auf der Belagrückenplatte oder Anschrägen der Beläge vor der Montage.

    Bei meinem olympischen Alptraum hatte ich mit schöner Regelmäßigkeit vorne rubbelnde Scheiben (kalt). ATE, Ferrodo, original VAG, Brembo, vollkommen egal. Ich maß an den Radnaben den Seitenschlag (mehr als einige Hundertstel dürfen das nicht sein), habe sie blitzeblank gereinigt und geplant, kein Erfolg.

    Im Endeffekt brachte eine ganz andere Schraubmaßnahme die Lösung: Federbeinstützlager, Stoßdämpfer, Koppelstangen/-gummis, die Dreieckslenker nebst Lagern und die Spurstangenköpfe mußten ausgetauscht werden. Danach herrschte mit den vorher „rubbelnden“ Bremsscheiben urplötzlich Ruhe im Fahrwerk.

    Ich würde übrigens diese papierdünnen Scheibchen nicht abschleifen. Mehr als 5mm Dicke haben die doch eh nicht und bei mehr als 1mm Abtrag sind sie für die Tonne. Und wenn Du sie magnetisch auf eine Planfräsmaschine ziehst, ist die Welligkeit sowieso schon weg.

    Also vielleicht mal eine radikalere Scheibe montieren, die zu den Sinterbelägen paßt und die Bremsscheibenaufnahmen jemanden anschauen lassen, der was davon versteht (und das passende Werkzeug hat). Wenn Deine Radnabe nämlich einen winzigen Dötzer hat (was bei den superleichten Dingern durchaus schnell passiert), dann wars das bei 320mm schon. Ich hab an der Suzuki nach einen minimalen MX-Hoppala auch 0.2mm von der Anlagefläche für die Bremsscheibe an der Radnabe runterdrehen müssen, war tricky.

    Kann auch nicht schaden, Deine radial verschraubten (sind es doch, oder?) Zangen genauer unter die Lupe zu nehmen. Wenn das nicht perfekt fluchtet, dann kann das schon die Ursache sein.

    Ansonsten fragst Du einfach den Max Hazan, ob er Dir noch eine seiner KTM 950 SMR raustut, die er für sich gebaut hat: http://www.bikeexif.com/hazan-ktm-950-sm
    Mit Einspritzanlage aber bitte.

  • Andre Hessling meinte am 6. November 2018 um 21:59:

    Bitte berichte weiter, wie sich Deine Reifen- und sonstigen Erlebnisse mit der 690er Duke weiter entwickeln. Ich habe mit aufgrund Deiner zumindest anfänglich positiven Berichte über die Power RS auch dann dafür entschieden – und bin eigentlich immer noch hellauf begeistert, aber eben auch erst 3000km darauf gefahren, davon jetzt 2,500km in einer Woche durch die Alpen. Mir geben die Power RS eine Sicherheit in den Kurven, den ich bisher noch nie so kannte … als würde immer noch mehr gehen und noch mehr, bis zu den Fußrasten und die sind nicht gerade wie bei einer Chopper angeordnet 🙂

    • Clemens Gleich meinte am 7. November 2018 um 9:54:

      Ich find den RS auch super. Der PP3 hielt ja auch nicht wirklich länger, Reichweite wäre also okay für mich.

      Jetzt im Winter soll halt was drauf, was kalt sofort funktioniert.

  • Volker meinte am 8. November 2018 um 10:34:

    Metzeler Racetec SM Rain (https://www.metzeler.com/de-at/produkte/reifen/racetec-sm-rain). Let‘s face it.

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