TomTom tot, Garmin röchelt

Lange habe ich gerätselt, wo sich das TomTom Rider das Wasser bei Regen reinsaugt. Ich habe die Dichtungen überprüft und erneuert und sicherheitshalber gefettet. Ich habe die Hülle auf Vibrations-Mikrorisse untersucht. Nichts. Im letzten Starkregen drang wieder so viel Wasser ins Gerät, dass es wie in einem Aquarium hinter der Scheibe stand. Der Rider brachte mich noch einige Kilometer tapfer nach Hause, wo ich ihn sofort auseinanderlegte zur Trocknung. Leider alles zu spät: Am nächsten Morgen zeigte das Gerät nur noch einen weißen Bildschirm an. Nachdem es einige Wochen in der Ecke lag, fiel mir auf, dass das Glas ungleichmäßig in der Fassung hängt. Das war des Rätsels Lösung: Die werksseitige Dauer-Verklebung der Frontscheibe hält offenbar nicht auf Dauer. LITERALLY Scheibenkleister!

Ich kaufte deshalb vom freundlichen Philipp sein Garmin Zumo 590 und installierte den Riesenkraken-Kabelbaum in der Duke. Er hatte schon angemerkt, dass der Akku wohl nicht mehr ganz frisch sei, was ich nicht schlimm fand, weil der bei Garmin per Akkufach ohne Werkzeug so einfach zu wechseln ist. Nach ca. 1500 km auf der Einzylinder-Duke sank die Akku-Performance von „nicht mehr ganz frisch“ auf „schaltet sich sofort hart aus, wenn der Bordstrom geht, um dann bei jedem Start neu zu booten“. Ich schaute also nach einem neuen Akku. Dabei fand ich zum Glück holländische Tipps (die Holländer sind irgendwie sehr Garmin-versiert) zum Thema Akkustecker: Die erste Generation des 590 hatte Probleme mit den Kontakten ab Werk (weiß aus Korea, siehe Aufmacherbild von meinem damaligen Test). Man musste sie nachbiegen. Mit den neuen Akkus sei das Problem behoben, sagte Garmin. Ich habe so einen neuen Akku und weiß daher, dass das nicht stimmt. Kurz nachgebogen und der Akku performt wie frisch in Japan geboren.

Sowohl TomToms als auch Garmins teure Motorrad-Spezial-Hardware versagt also auf lange Sicht am Motorrad. Das betrübt mich, weil ich solche Geräte bisher immer gegen die Lösung „ich fahr einfach mit Schmatzfon“ verteidigt habe. Umso mehr betrübt das, weil beide Hersteller einfach keine Software können. Wir hatten auf unserer Herbsttour durch die Vogesen außer einem Zumo 590 und einem Zumo 390 auch ein Google Pixel 2 mit Calimoto-App und USB-Stromstecker vom Louis dabei. Wie gut da im direkten Vergleich die Software funktioniert, brachte mich nahe an den Wasserrand der Tränen – vor allem, weil Calimoto noch vor etwa einem Jahr so richtig Scheiße aus der Hölle war. Keine Kurvensuche in Ortschaften. Abschnittsweise Kurven suchen. Super einfacher Routenplaner als Web-App am Laptop oder Mobil-App auf dem Smartphone. Wenig Fehler. Der Abstand zu den Spezialgeräten war auf traurige Art enorm. Wahrscheinlich wird also das 590 mein letztes spezielles Motorrad-Navi sein. Wenn ich neu kaufen muss, weil die Duke das Garmin zerrüttelt hat, kaufe ich irgendein robustes Outdoor-Android-Gerät wie das Caterpillar CAT S41 und habe ein Gerät, das für weniger Geld alles am Motorrad besser kann, und darüber hinaus noch alles Mögliche abseits des Motorrad kann. Ich habe Motorrad-Spezial-Hardware immer verteidigt, aber mir gehen langsam die Argumente aus. Schade.

Schmeiß einen Euro in die Caterpillar-Kasse! ?

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Kommentare:

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  • Tobi@MF meinte am 25. Oktober 2018 um 12:04:

    Frage am Rande: Hast du dem Caterpillar CAT S41 schon einmal einen eigenen Artikel gewidmet. Finde ich spannend, und wenn es irgendwo kaputt gehen könnte, dann bei dir 😛

    • Clemens Gleich meinte am 25. Oktober 2018 um 12:17:

      Ne, habe ich nicht. Wir werden es herausfinden, wenn ich einen kaufe und dann über den fluche. 😉

  • Max meinte am 25. Oktober 2018 um 12:12:

    Hmm, ich fahre ein Zumo 350 seit 2014 an 3 unterschiedlichen Moppeds und über … ähm … 40tkm bei jedem Wetter.
    Das Ding ist auch ab und an mal runtergefallen und funktioniert immernoch tadellos.

    Ich hatte auch mal mit Telefonen probiert und da war das Problem oft, dass die nach wenigen Stunden und Sonneneinstrahlung einfach nichts mehr machten, weil der Thermosensor zuschlug. Mal abgesehen von der fast unmöglichen Bedienung mit Handschuhen, der schlechten Ablesbarkeit, dem Gefummel beim Anbringen inkl. Strom usw.

    Das Garmin kann ich auch einfach dranlassen bei Pausen und schaltet sich automatisch an und aus. Somit ist die Streckenaufzeichnung immer gegeben, im Gegensatz zum Telefon, an das man dann ständig denken muss.

    Aber vielleicht hast Du einfach kein glückliches Händchen was das angeht. 😉

    • Clemens Gleich meinte am 25. Oktober 2018 um 12:21:

      Das mit der Temperatur kenn ich auch, deshalb Outdoor-Handy. Mit Handschuhen kann ich ein TomTom oder Garmin auch nur bedingt bedienen, spätestens beim Tastatur-Einsatz ziehe ich jedes Mal einen Handschuh aus. Was TomTom tut (kapazitiver Touchscreen mit einstellbarer Empfindlichkeit), tun auch Outdoor-Handys.

      Wie gesagt: Ich war auch immer für Spezial-Hardware, aus den von Dir genannten Gründen. Aber nachdem ich es im direkten Vergleich mal gesehen hab, frag ich mich schon, ob ich mich so quälen muss.

      Naja, wir werden sehen. Vielleicht hält das Zumo 590 jetzt mit frisch gebogenen Kontakten auch voll lange. Noch zweifle ich aber …

  • Jörgen meinte am 25. Oktober 2018 um 14:13:

    Hi, zur Info. TomTom ist das Problem bekannt und mit Hilfe der Admins im TT Forum werden Display Schäden noch auf Kulanz geregelt. Schau mal ins TT Forum unter Display im Rider Verzeichnis

    • Clemens Gleich meinte am 25. Oktober 2018 um 14:15:

      Danke für die Info! Jetzt isses aber zu spät, hab schon das Garmin gekauft.

  • Frank meinte am 26. Oktober 2018 um 0:43:

    Ich kann deine Erfahrungen nicht nachvollziehen. Ich fahre seit 2006 Mopped und habe zuerst mit einem frühen Windows-PPC-Smartphone mit TomTom-Software rumgemacht. Das war die Pest: Dauernd Ärger mit der Stromversorgung, dauernd war die Scheiß-Plastiktasche beschlagen etc. 2010 kaufte ich mir dann einen TomTom Rider 2, den hatte ich insgesamt auf drei Motorrädern. Nach fünf Jahren war die Ladehalterung ausgeleiert und neigte zu Wackelkontakten. Das Gerät selbst lief einwandfrei, stürzte nie (lies: nie) ab und hat sogar einen Crash auf meiner GS überlebt, den die GS nicht überlebt hat. 2015 habe ich den TTR 2 gegen den Rider V4 ersetzt, komplett mit Lifetime-Maps. Auch dieses Gerät ist komplett wasserdicht und tut im Wesentlichen was es soll. Neulich hat es sich reproduzierbar aufgehängt, weil ich in der südniedersächsischen Steppe zwischen Walsrode und Hannover die Route unterbrach und nach einer Tankstelle suchen wollte. Offenbar kennt das Gerät die Meldung „Hier gibt es weit und breit keine Tanke“ nicht und sucht einfach immer weiter. Beide Teile hatten/haben ihre kleinen Macken, aber eine Landkarte funzt ja auch nicht in jeder Situation gleich gut. Mein Rider V4 hat mich mit Mitteleuropa-Lifetime-Map 249 Euro gekostet, ich finde, das war gut angelegtes Geld.

    • Jörgen meinte am 26. Oktober 2018 um 9:07:

      @Frank, das V4 war auch das Beste Navi was TT gebaut hat. Ich bereue eigentlich auf die neuen 4xx und 5xx umgestiegen zu sein. Ich habe zwar nur Software Fehler aber die nerven auch. Also V4 solange behalten wie es geht.

    • Clemens Gleich meinte am 26. Oktober 2018 um 13:35:

      Mein Urban Rider war auch super. Läuft heute noch, verwende ich noch. Der Rider 400 dagegen ist nach etwa 30.000 km im Arsch, wegen Wassereintritt. Dieses Problem ist ein Konstruktionsfehler, kannst ja mal durch die Foren schauen, das trifft viele früher oder später. Genauso Garmins Steckerproblem.

    • Clemens Gleich meinte am 26. Oktober 2018 um 13:35:

      Ach ja: Bis auf den ANSCHALTER, den TomTom damals nicht hingekriegt hat. Bei niedrigerer Spannung kannst die Kiste nimmer anschalten.

  • Volker meinte am 26. Oktober 2018 um 11:28:

    Motorrad und Motorrad sind natürlich auch zwei paar Stiefel.

    Auch wenn Deine Duke jegliche schlechte Manieren früherer LC4s abgelegt hat, ist sie doch ein Einzylinder und Vibrationen bröseln Dir auf lange Sicht nicht nur die Plomben aus den Zähnen, die Titanimplantate aus den Knochen oder den Fugenkitt aus Displayscheiben, sie killen auch Steckverbindungen, Akkukontakte, Schraubverbindungen und Glühfäden.

    Dagegen kann man natürlich bissl was tun, freilich nicht, wenn die Reihenvierzylinderfahrer mit ihren Kabelbinderlösungen den Plunder auch so kaufen und mangels Regenfahrt auch kein Undichtigkeitsproblem am Strippenverhau auftritt.

    Schlaufernsprecher zur Navigation wurden ja schon hinlänglich diskutiert, ich wüßte jetzt kein aktuell verfügbares Modell, das (m)eine typische Motorradtour ohne Nachladen durchhielte. Also navigiert die Nutzerschar entweder nur vom Kühlschrank ins Scheißhaus oder ist aussließlich bei schönstem Wetter auf staubarmen, topfebenen Straßen unterwegs, weil sonst würde die Riesenkrake ziemlich schnell absaufen, Staub husten oder die Mimik zu einem Haufen E-Schrott zusammengerappelt werden.

    Umso peinlicher, daß nun ausgerechnet Software, die erwiesenermaßen günstigste Komponente im Gesamtpaket, der Sargnagel für dedizierte (Motorrad)Navis sein soll. Wie auch immer.

    Ich benutze seit Ewigkeiten ein Garmin Oregon 300 (über die Sinnfälligkeit von kapazitiven vs. resistiven Displays, Handschuhbedienbarkeit und Ablesbarkeit bei hellem Sonnenlicht will ich hier nicht streiten), da hat man augenscheinlich einiges an Anstrengung unternommen, das Ding abzudichten und gegen die „good Vibrations“ zu härten. Einen Teil trägt wohl auch meine handgeklöppelte Lenkerhalterung (mit RAM-HOL-GA31U, Aluklappschelle von Zeta, zwei rautenförmigen Aluplatten und dazwischen Gummi-Metalllager), für die man wohl schon ein neues Werwerfnavi kriegt. Die Software im Oregon ist… ähm… sagen wir mal: „Das Windows 95 der Navigation.“.

    Mein Beileid jedenfalls zum elektronischen Massensterben auf Deinem Krad.

    • Clemens Gleich meinte am 26. Oktober 2018 um 13:32:

      Naja, die Software ist eben seit einiger Zeit eben nicht mehr der billigste Part, sondern der, an dem du am meisten Geld verdienst oder verlierst. Da sind einige Hardware-Experten ins Hintertreffen geraten.

  • Volker meinte am 26. Oktober 2018 um 11:51:

    Ad Caterpillar CAT S41 (https://www.catphones.com/en-us/cat-s41-smartphone): IP69, 2m Tauchtiefe, MIL-SPEC 810G, Shock and Drop, „bis 44 Tage Standby“ (5Ah, non removable), MicroSD-Slot, 2G/3G/4G/LTE, 152x75x12.85mm^3, 218g. Android 7.0, annähernd bloatwarefrei liest sich auf dem Papier schonmal nicht schlecht.

    Für 370€ aufm Amazon (https://www.amazon.de/dp/B0757WWS4W) sollte es besser nicht so unpackbar schrottig sein, wie mein Sonim XP1 „Featurephone“ damals, das ich für den Wilden Westen der USA dringend benötigte.

    Kommentare wie „Nach dem letzten Systemupdate stürzt das Handy beim Zugriff auf die SD Karte einfach ab und bootet neu.“, „Alles super … nur telefonieren kann man mit diesem Gerät kaum…. Immer wieder Netzabrüche, Gesprächsabruch“, „manchmal konnte ich die Pins meiner SIM-Karten eingeben und hatte bis zu 10 Sekunden die Android Oberfläche. Dann fuhr es wieder herunter, bzw. machte es einen Neustart.“, … lassen in dieser Häufigkeit aber nicht gerade hoffen, selbst wenn man die wenig IT-affinen DAUs abzieht.

    Entscheide selbst, ob Du Dir diesen Spaß antun willst. Dann aber evtl. bei einem Händler bestellen, der in Sachen „Rückabwicklung“ nicht rumzickt.

    • Clemens Gleich meinte am 26. Oktober 2018 um 13:30:

      Wie viel haben denn Sonim XP-1 und das Cat miteinander zu tun? Sind die irgendwie verwandt?

  • Volker meinte am 27. Oktober 2018 um 15:53:

    Das Sonim XP-1 wurde damals als unzerstörbares Outdoor(feature)phone für den harten Einsatz beworben und war im Realbetrieb unpackbar schrottig und bestenfalls hart zu meinen Nerven. Der amerikanische Hersteller und sein Servicecenter stellte sich tot, die deutsche Niederlassung hatte von all den Problemen, die sich über insgesamt drei Exemplare hinzogen, noch nie was gehört, ich blieb auf durchaus relevanten Kosten sitzen.

    Das Cat S41 wird als unzerstörbares Outdoor(smart)phone für den harten Einsatz beworben. Und wie man so auf Amazon liest, ist es unpackbar schrottig, kann nach Firmwareupdate keine SD-Karten mehr, nutzt eine mittlererweile schon etwas angegraute Android-Version und der Kundendienst ist ein andauerndes Ärgernis.

    Die Verwandheit beschränkt sich auf die Eigenschaften „Outdoor“, „ruggedized“, amerikanische Hersteller und Schrottigkeit.

  • Volker meinte am 27. Oktober 2018 um 16:11:

    Ad „Naja, die Software ist eben seit einiger Zeit eben nicht mehr der billigste Part, sondern der, an dem du am meisten Geld verdienst“ muß man schon die Herstellungskosten und den erzielbaren Verkaufserlös differenzieren. Software kann immer noch billig in der Herstellung sein, aber trotzdem – in Form von Features – Kohle in die Taschen der Hersteller spülen.

    Wir sehen das ja gegenwärtig bei den Autos: Mit bissl Software bringt man dem Raddrehzahlsensor eine Reifendruck“messung“ bei. Nahfeldkommunizierende Sensoren in der Felge wären jedenfalls teurer.

    Etwas indisches Hokuspokus und schon wird aus dem Nebelscheinwerfer mit Eingangsdaten vom Lenkwinkelsensor und anderen Quellen ein praktisches Kurvenlicht für ganz ganz Arme. Und die Aktuatoren für richtiges Kurvenlicht hat man sich auch gespart.

    Dann die tolle Coming-Home-Funktion. Eine Menüoption im FIS mehr und ein Datentelegramm, das einem Steuergerät etwas später geschickt wird. Schon haben wir eine richtig innovative Sache.

    Oder Tipp-Blinken. Gaaaaanz cool.

    Im Vergleich ist der Manneken Pis bei Audi (aka. „dynamischer Blinker“) ja ein Geniestreich der Ingenieurskunst, man hat da doch tatsächlich in den elektronischen Gegenwert eines NE555N und eines 74HC4017N aus dem Elektronikmuseum investiert. Wundert mich eh, wie das jemals eine EU-Zulassung bekommen konnte, wo doch die harte Einschaltkurve der LED vor nicht allzu langer Zeit als das totale Sicherheitsfeature beworben wurde.

    Aber irgendwie muß man die langweiligen Karren dem Clientel ja schmackhaft machen, und wenn es penetrant sportlich aus dem Auspuff eines PKW mit DSG furzt. Das übrigens ebenfalls eine reine Softwaresache. Auch nur eine Millisekunde schneller kommt man damit an der Ampel jedenfalls nicht weg. Da lobe ich mir die Rennstarttaste am Bimpf (Software), wo Du aber nach dem 10. Versuch nicht spielen darfst und im Fehlerspeicher denunziert wirst.

  • Hans-Peter meinte am 9. November 2018 um 23:59:

    Hi, habe mir das CAT S41 für‘s Navigieren auf dem Motorrad zugelegt und bin damit auch bei größter Hitze über die letzte 3000 km Tour gut klar gekommen. Im Gegensatz zu dem vorher benutzten S4 active hält das Ding problemlos einen Tag durch, wobei ich die Navigation (OSMAND) so eingestellt habe, dass der Bildschirm nur bei Manövern angeht. Verpackt wird das einfach in eine Tasche. Ich bin eher der planende Typ und hole mir einen Track am Morgen von kurviger.

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