Das Ende naht

In den letzten beiden Jahren mangelte es mir nicht an Geld, an Aufträgen. Das verwundert mich immer noch, weil alle Kunden und die gesamte Branche an sich immer geringere Umsätze generieren. Das Tempo des Verfalls ist hoch genug, dass ich mich ernsthaft frage, ob nicht jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, nach was Anderem zu schauen, solange man sich halt finanziell noch bewegen kann. Wenn nix mehr geht, hat man nur noch schnelle Verzweiflungsoptionen. Also gehe ich ganz konstruktiv einige Möglichkeiten durch und freue mich über euren Input.

Owned Media

Der englische Begriff „Owned Media“ stammt aus Sicht der Werbetreibenden, also der Agenturen oder gleich Hersteller. Es geht also um Publikationen, die den Agenturen oder Herstellern direkt gehören. Diese Publikationen werden ganz normal mit Text, Bild, Video bestückt, haben aber durch ihre eindeutigen Besitzverhältnisse auch eindeutige Themen. Die Autos sind nie schlecht. Sie werden nie verglichen, schon gar nicht mit was potenziell Besserem. Man kann aber durchaus interessante Geschichten machen, indem man Dinge tut, die dem Auto oder Motorrad die Rolle eines Protagonisten geben. Da muss also nichts bewertet werden, damit es interessant ist. In diesem Gebiet investieren die Leute noch Geld, zumindest im Autobereich. Im Motorradbereich gibt es sehr wenig Owned Media, mir fällt ad hoc nur Triumph ein. Bei den Autos gibt es da jedoch viele Objekte.

Vorteil: Hier gibts noch Geld.

Nachteile: Du kannst nur Konzern-kompatible Texte bringen und das Auto muss dir im Text egal sein (keine Kritik).

Buchverlag finden

Mein Verständnis vom Schreiben war schon immer: „Ich bin Geschichtenerzähler.“ Das überschneidet sich mit Journalismus hauptsächlich im Fachartikelbereich. Wenn dieser Bereich in den nächsten Jahren nichts mehr abwirft, möchte ich ja immer noch Geschichten erzählen. Deshalb schreibe ich gerade neben der anderen Arbeit her mein Endzeitbuch „Der Gottesmörder“ fertig. Statt direkt zu Verlagen wie beim ersten Mal will ich mit dem fertigen Text an die Agenturen herantreten, weil ich mich in der Buchverlags-Szene überhaupt nicht auskenne und neben Buch schreiben nicht die Zeit habe, mich in diese Szene einzukratzen. Das wäre so mein Lieblings-Szenario: Bücher schreiben. Nun werden die meisten Manuskripte abgelehnt. Gerade deshalb werde ich mit dem Feedback des ersten Buchs dieses zweite Buch auf jeden Fall versuchen. Wenn das dann auch kein Agent (in diesem Fall) vertreten will, hab ich es zwei Mal versucht, das ist denke ich ausreichend für ein belastbares Ergebnis in Sachen „wie stehen die Chancen?“.

Selber verlegen finde ich nicht schwierig, aber das ist auch für den Verlag nicht die schwierige Arbeit. Nein, die Hauptaufgabe ist Vertrieb und Verkauf, ein Publikum finden, und hier liegen auch einige Gründe, warum Manuskripte üblicherweise abgelehnt werden: Es muss ins Programm passen, es soll in die aktuellen Strömungen passen, es muss besser (oder bei vergleichbaren Aussichten billiger) sein als das, was aus den USA per Übersetzung eingekauft wird – alles Dinge, die du von außen nicht einsiehst, die über Geschichtenaufbau und Sprachqualität hinausgehen. Ich kann diesen Vertrieb nicht nebenher neben der anderen Arbeit erledigen, das habe ich jetzt an mehreren Projekten festgestellt. Ich brauche dazu die Infrastruktur eines Verlags. Das ist auch nix Besonderes. Ich kenne keine Autoren, die Angebote von Verlagen ablehnen, ihnen die Vertriebsarbeit gegen entsprechende Beteiligung abzunehmen. Es mag das geben, aber sehr selten.

Vorteil: a Draum!

Nachteil: Fast alle Buchmanuskripte werden abgelehnt.

Werbetexter

Wie schon öfter beschrieben arbeite ich auch als klassischer Werbetexter: Es gibt eine Anzeige oder ein Booklet oder ein Plakat, in das der bestmögliche Text soll. Oder ich arbeite gleich von Anfang an an Kampagnen mit, das ist am schönsten. Die Arbeit ist gut bezahlt und macht mir Spaß, sie ist aber nicht planbar. Die Agenturen und deren Auftraggeber wissen ja, was sie in der nächsten Zeit wie bewerben wollen. Da kannst du von außen ohne einen Einblick in die Pläne nur Blindschüsse vorschlagen, das bringt also nichts.

Ein vollkommen anderes Thema sind die sogenannten „Advertorials“, zu deutsch: Schleichwerbung. Das sind von Werbekunden bezahlte Beiträge für Publikationen, die wie normale Artikel der Redaktion aussehen sollen. Die mache ich nicht, denn die finde ich scheiße, auch und gerade für das Objekt, in dem sie erscheinen sollen, denn sie verkaufen die Substanz desselben. Der Run auf das vermeintliche Rettungsboot Schleichwerbung hat die Medienkrise deutlich beschleunigt. Vor allem die eh schon magere Glaubwürdigkeit geht damit noch schneller den Abfluss runter. Genauso habe ich keine Lust auf „Influencer Marketing“, zu deutsch ebenfalls: Schleichwerbung.

Vorteil: schöne Arbeit, gut bezahlt

Nachteil: nicht planbar, und die „neuen Werbeformen“ sind alles Schleichwerbung

And now for something completely different

Ich habe ja auch mal was Gescheites gelernt und kurz als Programmierer gearbeitet. Wir haben damals eins dieser Transponder-Schließsysteme entwickelt, das man heute in vielen Hotels findet, mit der Schlüsselverwaltungs-Software für Windows, Treiber für das Lesegerät, eigener Mechatronik für die Schlösser, sowas. Nebenher habe ich eine Spiele-Engine für DirectX (Windows) entwickelt, mit der mich Electronic Arts in Aachen einstellen wollte. Da ich gleichzeitig eine Zusage von der c‘t hatte, ging ich lieber dahin, weil ich schreiben wollte. Mein Coder-Hintergrund hilft mir bis heute bei entsprechenden Artikeln, ich kann aber nicht so einfach ins Coden zurück, auch wenn ich mich auf einen aktuellen Stand bringen würde. Es fehlt Arbeitserfahrung. Das ist bald zwanzig Jahre her. Ich würde mich nicht einstellen. Ich würde mir auch als Freelancer keine Aufträge geben. Aber wenn das mit dem Prosa schreiben so weitergeht, würde ich trotzdem gern den Versuch wagen, noch einmal Code zu schreiben, und zwar für Mobilgeräte (iOS & Android). Ich mag das Umfeld: Es geht immer um klar umrissene, einzelne Aufgaben, die eine App löst – ein bisschen eine Rückkehr zur Tools-Programmierung der Siebzigerjahre. Also schaue ich vielleicht einmal, ob ich eine brauchbare App an den Start bringen kann, denn wenn man so eine hat, denken potenzielle Auftraggeber doch eher, dass man das eventuell noch einmal schafft.

Vorteil: Coder sind gesucht.

Nachteil: Ich bin Alteisen.

Leserfinanzierung

Es gibt mittlerweile einige leserfinanzierte Objekte – schon zwangsläufig, weil die Werbung immer weniger einbringt. Das prominenteste Beispiel ist die New York Times (NYT), deren Einkünfte auch online mittlerweile zu zwei Dritteln direkt von den Lesern stammen statt von den Werbekunden. Die NYT anzuschauen, lohnt sich deshalb, weil sie einen Anpassungsprozess zeigt. Am Anfang fanden alle die krude Paywall scheiße, sie kostete massiv Leser. Die Technik verbesserte sich aber zu weniger nervig, wichtiger aber: Die Leute gewöhnten sich daran. Wir bieten seit über einem Vierteljahrhundert alles kostenlos im Netz an, sodass sich alle dran gewöhnt haben. Jetzt beschweren wir uns, dass sich die Leser an das Angebot gewöhnt haben. Das ist doch Quatsch. Veränderungen brauchen etwas Zeit, bis Leute sich dran gewöhnen. Der springende Punkt bei allem, auf das du ein Preisschild kleben willst: Es muss einen gefühlten Wert haben, sonst bringt dir auch der kleinste Preis nichts. Diesen Wert fühlen Leute glaube ich selten bei einzelnen, konkreten Artikeln zum Thema Kraftfahrzeuge. Sie können dasselbe Gefasel zur neuen GS überall praktisch gleichwertig lesen, und dieser gleiche Wert liegt nahe Null. Wenn wir auch Owned Media mitnehmen, ist es für Leser häufig schlauer, direkt zum Hersteller zu gehen, der alle Daten richtig listet.

Ein gefühlter Wert bildet sich also nur heraus, wenn:

  • das Thema sehr nischig, also selten ist,
  • die Aufbereitung selten gut ist
  • oder der Kontext außenherum den Wert setzt.

Punkt 2 und 3 hängen direkt zusammen. Die Aufbereitung eines einzelnen Artikels kann im KFZ-Bereich nicht so gut sein, dass sie aus extrem tollen kostenlosen Aufbereitungen heraussticht. Wenn die Daimler AG einen zehntausend Euro teuren, gigantisch fotografierten Roadtrip kostenlos ins Netz stellt, wie willst da deiner Geschichte ein nicht lächerliches Preisschildchen geben? Deshalb setzte die NYT auf den Kontext: „Wir erzählen dir, wie es wirklich war. Bei uns erhältst du die beste unabhängige Einordnung der Bedeutungen.“ So etwas geht auch bei einer KFZ-Publikation, stelle ich an meiner Arbeit fest. Der Leser merkt irgendwann schon, dass er ernst genommen wird als Kunde statt als Argument für Werbung. Wenn das gut klappt, kann man auf diesen Wert ein Preisschild bappen. Wir müssen da auch nicht rätseln, ob das überhaupt funktioniert: Die meisten Fachmagazine bieten längst zu Preisen an, zu denen die Leserfinanzierung die Werbung überwiegt. Nur deshalb gibt es immer noch so viele, zu Preisen von fünf, sechs, acht, zehn Euro. So ein Preisschild auf Kontext braucht aber eine gewisse Mindestgröße, glaube ich. Meine eigenen Experimente muss ich mit “inconclusive“ in der Ergebniszeile unterschreiben. Für die wenigen Leser hier hat es sich finanziell nicht gelohnt, extra Artikel zu bauen. Eine Conversion Rate auch nur auf dem halben damaligen Niveau würde jedoch heise.de/autos sehr gediegen finanzieren. Nun zeigen kleine Erhebungen immer starkes Rauschen. Ums Probieren kommt man also nicht herum. Dass sich kaum einer traut, verstehe ich. Aber letztendlich stehen die Verlage am selben Punkt wie ich: Noch können sie sich finanziell bewegen, noch können sie Sachen ausprobieren. Wenn der Zeitpunkt kommt, an dem das Management zugibt: „jetzt müssen wir aber, wir haben keine Wahl mehr“, ist es längst zu spät. Die NYT fing 2011 als eine der ersten Zeitungen mit einer „metered paywall“ an. Ihre Kunden finden das heute selbstverständlich.

Vorteil: Leserfinanzierung ist eine gültige, mögliche Lösung, für die es funktionierende Beispiele gibt, im Print, aber auch mehr und mehr online.

Nachteil: Man muss das Experiment wagen und braucht eine gewisse Größe der Publikation. Daher traut sich im KFZ-Bereich niemand.

Ist es wirklich so schlimm?

Ich kann nur für Ausschnitte der Medienwelt sprechen, die ich gut überschaue. Bei Tageszeitungen und Fachzeitschriften in den Bereichen IT, Freizeit und KFZ geht es seit meiner Berufsanfänge nur rückwärts. Die Branche ist da noch über keinen Berg. Im Gegenteil beginnen die Bereinigungen gerade erst. Die Medienbranche kam fettgefüttert aus den Neunzigern, in denen es ein dickes Überangebot an Werbegeld gab. Sie hält jedoch zu einem erstaunlich großen Teil immer noch an den damaligen Methoden fest, weil die ja so einen Goldregen produzierten. Die Verlage schütteln weiter fleißig, verzweifelt, es fällt aber nur ab und zu eine magere Münze aus dem Bäumchen, um die sich dann alle kloppen.

Über die letzten zwei Jahre hat sich meine Arbeit für Motorradmagazine (Print) fast auf Null reduziert. Print-Magazine zahlen meistens pro Seite. Wenn du also mal einen aufwendigen Einseiter verkaufst, geht das gut, solange du immer wieder auch Vielseiter hast, die deine Mischkalkulation über die Zeit ins Plus heben. Da die Verlage aber immer weniger Geld ausgeben können, reduzieren sich die Seitenzahlen der eingekauften Artikel. Aufwendige Geschichten erscheinen so kurz, dass sie sich nicht mehr lohnen. Bleiben kurze Geschichten mit geringer Marge. Schwierig.

Investieren werden die Verlage nicht mehr groß, soviel zum Thema „Online-Motorradmagazin“. Viele Eigner wollen sich nur noch in ihre Rente rüberretten. Ich drücke ihnen die Daumen, dass sie es schaffen, um ihretwillen, aber für die Hefte ist es egal. Sie werden sterben, wenn die Eigner gehen – abgemagert, schwach, uninteressant als Investition. Wer ein Motorradheft kaufen wöllte, kann schon jetzt unter großer Auswahl wählen, denn das Verkaufsgeld würde die Zeit bis zur Rente überbrücken. Aber wer sollte kaufen? Timo hat mich damals bei seinem Weggang gefragt, ob ich die MO kaufen würde. Nein. Ich würde vielleicht den Markennamen kaufen, aber nicht für richtiges Geld, sondern maximal für einen symbolischen Castiglioni-Euro. Das kommt doch sonst nie wieder rein. In Österreich haben Redakteure das „Motorrad Magazin“ inklusive der Abonnenten vom Verlag gekauft und es funktionierend neu aufgestellt. Nur gibt es halt in Österreich lediglich zwei Motorradmagazine am Kiosk, die sich kaum in die Quere kommen. Bei uns gibt es viel mehr Konkurrenz. Wer hier über so einen Move nachdenkt, wird es eher ähnlich wie ich tun: Marken kaufen, aber nicht für das Geld, das die Eigner dafür haben werden wollen. Die eigentliche Investition fließt dann in das Experiment, diese Marke modern aufzustellen.

Der Grund, warum es mir finanziell noch gut geht, liegt wahrscheinlich auch darin, dass die Konkurrenz vom Platz verschwindet. Wer eine Möglichkeit erhält, geht woanders hin. Ich rate jungen Menschen mit Interesse gerade vom Journalismus als Feld ab. Sollen sie lieber erstmal was Gescheites machen. Zum Schreiben wechseln kann man immer, das zeigen die Redaktionen aller Zeiten voll heterogenster Herkünfte vom Schreiner bis zum Physikprofessor. Vom Schreiben zurück wird schwer. Mit jahrzehntelanger Erfahrung blöd daherlabern ist eine Fähigkeit, die sonst nur im Marketing geschätzt wird, in das Schreiber folglich am liebsten wechseln. Ich liebe diesen Job. Aber ich zweifle dieser Tage stark, dass er mich bis zur Rente bringt. Anregungen sehr willkommen.

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Kommentare:

ältere
  • Kai meinte am 30. November 2018 um 16:37:

    Kompakt zusammengefasst: ich arbeite seit fast anderthalb Jahren wieder fest in einer Agentur. 😉

    • Clemens Gleich meinte am 30. November 2018 um 17:05:

      Alles richtig gemacht, dad i sogn.

  • Martin meinte am 30. November 2018 um 16:37:

    Es ist schwer, Dir etwas zu raten, zumal ich nicht unabhängig bin, was deine Person betrifft. Daher nur in aller Kürze.
    Den Traum vom Buchautor haben, glaube ich, schon viele geträumt. Einige von ihnen meinten ein Thema zu haben, was sonst niemand hat und eine riesige Lücke füllen würde. Das ist meines Erachtens in den meisten Fällen Wunschdenken. Zumal bei überschaubaren Auflagen auch nur überschaubares Geld fließt. Sehr überschaubares.

    Werbetexter – ich glaube, auf Dauer macht dich das nicht glücklich.

    Leserfinanzierung – ein hartes Brot, weil wir hier noch einen weiten Weg des Verständnisses der Leserschaft zu gehen haben. Ich sehe Chancen für die Zukunft, doch heute oder morgen wird das nichts.

    Es ist eine Marktbereinigung im Gange, die ausgerechnet von denen beschleunigt wird, denen es aktuell noch halbwegs gut geht. Der Aufprall wird für viele aber kommen und dann um so heftiger sein. Die Beschleunigung wird vorangetrieben durch eine Lustlosigkeit und fehlendes Interesse an jeglicher Qualität. Mir hat ein neuer Autor einen Text voll inhaltlicher und orthografischer Fehler angeboten. Nach meinen Hinweisen darauf bekam ich die Antwort, dass er ja nicht für Ingenieure, sondern für das breite Publikum schreiben würde. Ich finde die Einstellung, „das breite Publikum wird schon nicht merken, was ich da an Dünnsinn verfasse“, bedenklich.

    Das zeigt aber auch: Autoren wie du werden eine Marktbereinigung überstehen. Denn sie haben was zu sagen und sind in der Lage, dies auch zu tun. Von daher mache ich mir bei einigen größere Sorgen, was die Zeit bis zu ihrer Rente betrifft. Und die sind dieser weitaus näher als du.

    • Clemens Gleich meinte am 30. November 2018 um 17:04:

      Martin, zum Buchautor werden pflege ich denke ich realistische Aussichten, weil ich ja schon ein Buch schrieb, das ganz normal abgelehnt wurde. Dazu hatte ich ein paar Rückmeldungen, dass andere Bücher mit vergleichbarer Textqualität interessant sein könnten, sodass ich diesen zweiten Versuch noch tätigen werde. Da geht es um Herzblut, das ist sicher nicht mit den kleinen Chancen ökonomisch zu erklären. Nur zum Hinweis: Ich schreibe keine KFZ-Bücher, sondern Fantasiegeschichten, komplett ausgedacht. Macht mir Spaß, immer schon.

      Dass Andere trotz der Lage der Szene Schluder rausrotzen, hilft mir genauso wie wenn sie gehen. Beides sorgt dafür, dass mehr Leute zu mir kommen. Ich frag mich aber dennoch, ob das auf Dauer reicht. Dass ich leserlich schreiben kann, heißt noch lang nicht, dass ich damit auch in zehn Jahren noch Geld verdienen kann. Die Geschwindigkeit des Verfalls in den letzten Jahren beängstigt mich, Martin. Ich dachte, das verlangsamt sich in den unteren Regionen auch mal. Kein solcher Effekt in Sicht.

      • Martin meinte am 30. November 2018 um 17:26:

        Eine Marktbereinigung heißt in den meisten Fällen ja nicht, dass der gesamte Markt verschwindet. Vor 25 Jahren waren Medien einer der wichtigsten Kanäle für Unternehmen zu ihren (potenziellen) Kunden. Das ist vorbei und kommt auch nicht mehr zurück, der Kuchen wird also kleiner. Schrumpft er auf Null? Ich denke nicht, dafür interessiert das Thema Kfz dann doch zu viele.
        Ich glaube, dass es für Autoren wie dich in diesem weniger gut ausgestatteten Umfeld nach wie vor einen auskömmlichen Platz gibt.

  • Jürgen Theiner meinte am 30. November 2018 um 16:44:

    Fühl‘ mich grad ein wenig wie nach einem Zahnarzt-Besuch. Grade, als es mir gelingt, ein bisschen motorisierten Text zu Monitor zu bringen, ziehst Du mir mit Deinem Artikel den schönsten Zahn aus dem Antlitz.

    ..verdammt..

    Danke trotzdem für Deinen Text! 😉

    • Clemens Gleich meinte am 30. November 2018 um 16:56:

      Du, ich wünsch Dir nur das Beste. Es hilft Dir aber auch nix, wenn ich Dir unrealistische Phantome über diese Szene kreiere, mit denen Du Dich kurz gut fühlst, bis Du erkennst, dass ihnen jede Substanz fehlt. Lieber gleich wissen, worauf man sich einlässt.

  • motophil meinte am 30. November 2018 um 17:33:

    Wenn Du technisches Verständnis hast und schreiben kannst, ist technische Redaktion nix für Dich?

    • Clemens Gleich meinte am 30. November 2018 um 17:50:

      Doch, ich mache praktisch alle Textarbeiten. Hab ja z. B. auch viel Lektorat gemacht.

  • Hajolo meinte am 1. Dezember 2018 um 2:06:

    Per Patreon bezahlter Podcast (vielleicht mit alten MO-Hasen)

    Ich hatte in den nuller Jahren die Gamestar abonniert. Als die Redakteure nach und nach wechselten und mein Interesse abebbte habe ich das Abbo gekündigt und hie und da noch mal auf der Webseite gelesen.

    Durch Zufall bin ich auf den http://www.Gamespodcast.de gestoßen. Zwei alte Gamestar-Redakteure aus meiner „Abo-Zeit“ die zunächst jeden Sonntag einen gratis Podcast machten. Wie zu meinen Print-Abo Zeiten bin ich wieder voll hängen geblieben.

    Das Angebot des Gamespodcast hat sich seitdem umfangreich erweitert, durch ein Monatsabo per Patreon mit mittlerweile fast täglichen Podcasts. Das Argument für den Gamespodcast ist : GLAUBWÜRDIGKEIT und UNABHÄNGIGKEIT

    Und Podcast-Vorteil: Im Auto, in der Bahn, auf dem Rad oder im Wartezimmer zu konsumieren.

    So wie ich sind mittlerweile über 2000 Backer (vermutlich hauptsächlich alte Gamestar-Leser, die sich hier ernst genommen fühlen) dabei.

    Wenn es etwas vergleichbares mit dir, TIMO GROSSHANS, MAIK SCHWARZ und deinem TOBY geben würde, wäre ich sofort dabei und vielleicht viele andere ehemalige Leser der MO von vor 10 Jahren.

    Was der Mo heute einfach fehlt sind so Geschichten wie von euch damals. Beer and Loathing

    • Clemens Gleich meinte am 1. Dezember 2018 um 10:44:

      Timo, Maik und Tobi kann man aus jeweils unterschiedlichen Gründen nicht für sowas aktivieren, hauptsächlich wegen ihrer Arbeitgeber, die so was wenn dann natürlich selber machen wöllten. Das ist aber auch nicht so schlimm, weil Motorradfahrern als Hobby viel kleiner ist als Zocken. Selbst der beste Podcast in den USA verdient kaum was über Patreon.

      Davon ab: Seit JAHREN sprechen Sebastian und ich drüber, einen Podcast nicht nur über Motorräder, sondern auch über Autos zu machen, über alles halt, was schnell fährt, und das fangen wir jetzt endlich mal an, nicht weil es direkt Geld brächte, sondern weil es Spaß macht und zu allen anderen Aktivitäten passt.

  • Snagger meinte am 1. Dezember 2018 um 6:32:

    Es nennt sich Disruption, die alten Weiden verdorren und es muß ein neuer Weg gegangen werden, hinein in das Unbekannte. Was du in jungen Jahren als Herausforderung betrachtet hast, das Einarbeiten in neue Themenfelder und den Erfolg geniessen, geht heute in der Angst gegenüber der Veränderung unter. Der geschilderte Druck „ noch kann ich mich bewegen“ ist weniger materiell als mental, denn mit zunehmender Unzufriedenheit im alten Umfeld werden die Perspektiven übersehen. Die Listen der Möglichkeiten sind interessant, in der Summe aber erlebte Erfolge in den alten Welten. Ich finde es immer gut, sich nach Typen zu richten, zu hinterfragen was diese antreibt und ob mich diese Motivation auch weiterführt ( ja, auch in die Rente ;-). War so ähnlich nicht der Grund für die vorherigen Veränderungen ?

    • Clemens Gleich meinte am 1. Dezember 2018 um 10:17:

      In den über 20 Jahren hat halt noch niemand diese Krise disrupted. Ich sehe auch jetzt niemanden, egal wie jung. Das Höchste der Gefühle sind Dinge wie Blendle, die Disruptionen anderswo kopieren wollen, es aber nicht schaffen. Ich sehe nur Früchte in der langsamen Umerziehung der Leserschaft, auch online zu zahlen.

      Social Media, da dachten viele (vor allem junge) Leute: Das wirft jetzt journalistisch alles um. Dann sprangen alle drauf. Jetzt weinen sie ob der eingegangenen Abhängigkeiten.

      Online-Videos, das wird die Zukunft, dachten auch viele. Mittlerweile kannst schön sehen, dass Online-Videos dieselben Zwänge plagen wie Text und Bild, sie sind nur teurer. Und wenn du auf Youtube bist, hast noch die algorithmischen Zwänge der Plattform dazu.

      Was ich sagen will: Das Grundgeschäft des „ich erzähl dir jetzt mal was“ hängt nicht am technischen Medium, sondern an menschlichen Eigenschaften. Die Medien sind in den überdüngten Neunzigern viel zu groß gewachsen, jetzt muss da ein Sterben stattfinden. DANACH finden wir heraus, auf welchem Niveau Menschen Journalismus tatsächlich wollen, denn sie werden mehr dafür bezahlen müssen. In den letzten 10 Jahren haben US-Zeitungen ca. ein Viertel ihrer Leser verloren. Die Abopreise stiegen um 40 bis 60 Prozent, hauptsächlich, um die Werbeverluste auszugleichen. Do the Marktwirtschaft.

      Im weiteren Verlauf dieser Krise werden wir glaube ich etwas Ähnliches sehen wie in der Musik: Die Leute werden ihr Geld leicht anders verdienen. Musiker früher lebten hauptsächlich von Datenträger-Tantiemen. Heute haben Konzerte einen großen Anteil, daher auch die enorm gestiegenen Ticketpreise. Und die Presse wird sich von der alleinigen Werbeabhängigkeit lösen müssen, zumindest so weit, dass sie in kleinerem Umfang überleben kann.

  • ingo meinte am 1. Dezember 2018 um 8:43:

    Mir geht‘s gerade ähnlich. Mein Geschäft als IT-Consultant hat sich durch eine Gesetzesänderung letztes Jahr erledigt, und wenn ich bin nicht mal böse darum, weil die Kunden immer schwieriger und unverschämter wurden und mein Herzblut sowieso nicht daran hing, anderer Leute Netzwerke zu planen oder zu warten.

    Und ich schreibe tatsächlich gerade Romane – vorher als Hobby (zwei Amazon-Selbstveröffentlichungen, brachten zusammen ein paar hundert Euro), derzeit als Versuch, davon eventuell leidlich leben zu können. Ein Manuskript liegt bei den Agenturen (als Exposee, logisch, diese Leute brauchen ewig für das Sichten von ein paar Seiten Text), ein weiteres schreibe ich gerade. Das ist, brauche ich wohl kaum erklären, als tägliche Arbeit ganz schon anstrengend – psychisch.

    Nur: Selbst wenn das gelingt, ist es wenig Geld. Man kann davon gerade so leben, nach allem was man liest. Selbst erfolgreiche Autoren wie Christian von Aster sind prekäre Soloselbstständige. Mit dem Gedanken muss man sich erst mal anfreunden können, sein Leben entsprechend einrichten. Ich schwanke immer wieder, ob ich das wirklich will und vermute jetzt mal, dass es Dir genauso ginge.

    Ich habe mich diesen Sommer sogar hingesetzt und ein Skript für einen Pilotfilm einer Serie geschrieben – war aber nach Ansicht meiner Ersten Leserin nicht gut genug, um es einzuschicken. Aber es ist halt auch ein Gedanke: „Neue“ Medien mit Texten beliefern. Die Autorin Lena Falkenhagen verdingt sich zum Beispiel heutzutage als kreative Schreiberin für eine Computerspielfirma.

    Wenn alles, was man sich vorstellen kann, kein Geld abwirft, gibt es zwei Optionen: Akzeptieren, dass man was völlig anderes machen muss, oder akzeptieren, dass es kein Geld bringt.

    • Clemens Gleich meinte am 1. Dezember 2018 um 9:57:

      Viel Geld verdient man als Schreiber eh nicht. Das wäre für mich vollkommen okay. Es wäre auch okay, nur die Hälfte meiner Zeit für Bücher zu haben und die andere für Artikel.

      • ingo meinte am 1. Dezember 2018 um 10:08:

        Man muss das quantifizieren, glaube ich. Mit „wenig Geld“ meine ich „ALG2-Aufstockerniveau“.

        • Clemens Gleich meinte am 1. Dezember 2018 um 10:36:

          Mm. Leben können will ich schon davon.

  • Flachzwilling meinte am 1. Dezember 2018 um 16:17:

    Lieber Clemens,
    diese Zwickmühle kenne ich nur zu gut. Nachdem das väterlich vorgesehene und gemachte Nest an der Baukrise zerbröselt war, schlug ich hektisch und ratlos den Weg des Automobilkaufmanns ein. Autos und Motorräder: Yay! Verkaufen: Buuuh!
    Da mein Verkaufsgeschick spektakulär schlecht war (und ist), das Beraten mir aber locker von der Hand ging, machte ich nach abgeschlossener Ausbildung flugs ein Volontariat bei einer offroad-orientierten Zeitschrift in München (Timo und ich hatten da lustigerweise einen gemeinsamen Kurs an der Journalistenschule belegt). Der Job war traumhaft: Auto fahren, dummes Zeug drüber reden und auch noch Geld dafür bekommen.
    Als ich nach Abschluss des Volontariats aus wirtschaftlichen Gründen nicht übernommen wurde, kam leider wieder das katastrophale Verkaufsgeschick zum Zuge: Als freier Schreiber, der seine Texte an den Mann bringen muss, bin ich eine totale Niete.
    Nach ein paar Jahren Herumeierei habe ich dann auf Technische Redaktion (in Festanstellung) umgesattelt und dort zumindest eine lebenswerte Nische gefunden. Klar, die Kreativität sollte man im Zaum halten, aber dafür kann ich die faktenbezogene und terminologische Pingeligkeit voll ausleben. Falls es mal wirklich zur Hand im Mund kommt, wäre das für jemanden von Deinem Kaliber durchaus eine sichere Bank, denn gutes Personal wird händeringend gesucht.
    In die von Hajolo [http://www.mojomag.de/2018/11/das-ende-naht/#comment-4305] geritzte Kerbe würde ich auch noch mal schlagen: Fleißige und (da haben wir‘s wieder) glaubwürdige Podcaster wie z.B. Holgi (WRINT) können sich sowohl verwirklichen als auch davon leben.
    Genau wie Du und Sebastian reden ein Kumpel, mein Bruder und ich auch schon seit geraumer Zeit von einem Auto-zentrierten Podcast, allein die Ausrichtung und das finale „Commitment“ hängen da noch irgendwie auf Halbacht.
    Wenn Ihr sowas hinbekommt, habt Ihr auf jeden Fall jetzt schon Stammhörer.

  • Volker meinte am 2. Dezember 2018 um 18:55:

    Clemens, das mit „Owned Media“ und „Werbetexter“ waren ja mehr so rethorische Fragen. Den Goldregen „Leserfinanzierung“ kennst Du bereits aus der Mojomag-Kirschenkistenkasse. Nicht.

    Einen Buchverlag finden? Kann man machen. Das darf dann aber nicht ein Florilegium aus „Clemens seine besten Blogbeiträge“ sein, sondern eher ein Dan-Brownischer Kassenschlager. Wird schwer.

    Beim Thema „Coder“ kann ich bissl mitreden. Ja, sie sind gesucht. Arbeitest Du aber nicht bei MS, Google oder denjenigen großen Buden, bei denen die Kohle noch einigermaßen locker sitzt, darfst Du auch dort den Gürtel enger schnallen.

    Ein „Anbieter von Software sowie von Beratungs- und Kreativdienstleistungen für die industrielle 3D-Visualisierung, der sich zudem befaßt mit Implementierung von computerbasierter Visualisierung als Bestandteil des Produktlebenszyklus, um digitale CAD-Konstruktionsdaten unternehmensübergreifend verfügbar zu machen“, bei dem ich rein zufällig als Teamleiter arbeite, zahlt seinen Codern (Java/JS/CSS/Web Full Stack, C++, C#, Unity, Unreal, …) z. T. wirklich lächerlich niedrige Gehälter, hart an der Mindestlohngrenze. Und ich als nicht budgetverantwortlicher „2nd-Line-Manager“ rede mir zu den alljährlichen Zielerreichungs- und Gehaltsanpassungsgesprächen den Mund fusselig, daß es die vierte Nullrunde in Folge und weit unter marktüblichen Tarifen eine saftige Fluktuation gibt und geben wird, bei der wir uns natürlich voll ins eigene Fleisch schneiden.

    Bedenke also gut, bei wem Du da einsteigst.

    OK, Du bist vielleicht nicht ganz so der Opi wie ich – oberhalb von 40 Lenzen giltst Du in der Branche trotzdem als „schwer vermittelbar“ und schwierig, so Du nicht gerade der welteinzige Lisp- bzw. Cobol-Entwickler bist oder Bock auf Consulting-Endoparasitentum als Codingnomade ohne echte eigene Wertschöpfung Bock hast. Die willigen, günstigen und anspruchslosen Außerdeutscheuropäer stehen bereits Schlange, denen macht auch ein 15m^2-Wohnklo ohne Frau-Kind-Motorrad-Hund nix aus. Vorerst.

    Ob Du es durch App-Entwicklung (ja, das machen wir hier in der 3D-Visualisierungsbutze freilich auch, zumeist im Automobilumfeld) zu einem ordentlichen Gehalt schaffst, wage ich auch vorsichtig zu bezweifeln.

    Hmmm. So richtig Werbung für SW-Entwicklung habe ich ja nun nicht gemacht. 😉 Darfst Dich aber gerne per e-Mail bei mir rühren, dann diskutieren wir Erwartungshaltungen und auch Zahlen.

    Denn da, wo ich arbeite, braucht man händeringend „3D Pipeline Software Developer C++“, „Virtual Reality Software Developer C++“, „3D Realtime Artists Unity“, „Professional Developers Unity“, „Frontend Developer HTML, CSS, JavaScript“, Salestypen und – haha! einen „Department Lead Development“. Der Schleudersitzposten schlechthin, Burnout garantiert.

    Volker

    • Clemens Gleich meinte am 3. Dezember 2018 um 11:43:

      Volker, das ist nett, aber wie geschrieben: Niemand wird mich einstellen nach 20 Jahren nix gemacht. Ich würde mich auch nicht einstellen. Es geht nur drum, ob man IT-Dienstleistungen selbständig anbieten kann. Das siehst Du eher pessimistisch. Ich sehe es genauso. Bücher: Natürlich Romane. Sammlungen bringen nur als Zweitverwertung was.

      Owned Media und Werbetexter sind keine rhetorischen Fragen, sondern der einzige Aufwärtstrend der Branche: Die Hersteller haben Geld, das sie in Werbung stecken oder gleich in eigene Publikationen. Wenn man es ganz oben abgreift am Erzeuger statt ganz unten, wo nur noch Pfennige fallen, kommt da auch was rum. Man muss es nur planbar machen. Das sind schöne Arbeiten, es sind aber auch andere Arbeiten. Ich würde sagen: Für die Mehrzahl meiner heutigen Leser zu 100 Prozent uninteressant.

      • ingo meinte am 3. Dezember 2018 um 12:25:

        Hinsichtlich selbstständige IT-Berater verweise ich mal auf etwas, das auch meiner Erfahrung entspricht:

        https://blog.fefe.de/?ts=a5d5ac1d

        Da hat das Auftragsvolumen letzthin enorm abgenommen.

        • Pille meinte am 13. Dezember 2018 um 15:55:

          Moin,

          Scheinselbständigkeit und Freiberufler in der IT sind tatsächlich ein Thema. Ich sehe es aber nicht so dramatisch wie der Leser bei fefe. Ich sehe schon seit ca. einem Jahr, dass sich die Firmen darauf einstellen: Extra Räume für Externe, teilweise sogar eigene Infrastruktur. Keine direkten Weisungen vom internen Projektleiter mehr sondern vermehrt kleinere Pakete die als Gewerk raus gegeben werden.

          Das Problem ist nämlich: auch Externe von großen Beratungshäusern sind von den neuen Gesetzen betroffen. Da gehts dann zwar um „Arbeitnehmerüberlassung“ statt Scheinselbständigkeit, aber mit den gleichen/ähnlichen Auswirkungen. Insofern muss man sich als Autraggeber mit den neuen Regeln arrangieren, einstellen wird man nämlich in der Regel niemanden wollen nur wegen eines größeren Projekts.

          Sinn macht das Ganze natürlich überhaupt nicht, die ganzen prekär beschäftigten Leiharbeiter in der Produktion wird es trotzdem weiterhin geben. Die sind nämlich viel leichter regelmäßig durchrotierbar als ein SW-Experte mit Spezialwissen…

      • Volker meinte am 3. Dezember 2018 um 18:01:

        Hachja. Ein orthografischer Fehler, den ich irgendwie immer wieder mache…

        Zur r*h*etorischen Frage muß ich mich vielleicht noch etwas erklären: Als Werbetexter und/oder Owned-Media-Lieferant prostituierst Du Dich als Jubelperser für irgendwelche Kunden – meist aus dem Kraftfahrzeugsektor – weil da offenbar immer noch die Kohle relativ locker sitzt.

        Wenn Du die Lügen- oder zumindest Schönschreiberei vor Deinem Gewissen verantworten kannst, wäre trotzdem zu überlegen, das unter einem Pseudonym zu tun, denn eines ist dann garantiert dahin: Deine mir durchaus wertvolle Glaubwürdigkeit.

        Den superlativ-überschwenglichen Artikel zur unpackbaren Geilheit des neuen 2018er BMW M850i xdrive (aka. G15) z. B. und warum man als Sportwagenfan *UN*BE*DINGT* 530PS aus 4.4L Hubraum und Allrad in einem fast zwei Tonnen schweren Blechsarg mit den Dimensionen 5×2 Metern benötigt, kannst Du noch so oft mit „Clemens Gleich hat jetzt den Marketinghut auf“ taggen.

        Begegnet mir und anderem Stammpublikum dann wieder ein ehrlicher, unzensierter Artikel, sind wir halt skeptisch. Oder klicken [X] Unsubscribe.

        Klar, am Ende muß irgendwer die Brötchen bezahlen. Schon klar. Ich wollte ja auch nur diskutiert haben, womit Du als Aufwärtstrendsetter möglicherweise bezahlst.

        • Clemens Gleich meinte am 3. Dezember 2018 um 18:29:

          Werbetexte erscheinen ohne Autoren in Anzeigen und Booklets. Das stört gar ned. Bei Owned Media hast du einen Punkt, aber die meisten Leser verstehen durchaus, dass man im Daimler-Kundenmagazin keine Kritik des beschissenen Lenkwinkelsensors der S-Klasse lesen wird.

          Glaubwürdigkeit bringt mir ja nur dann was, wenn ich ein Leben damit leben kann.

  • Volker meinte am 2. Dezember 2018 um 19:00:

    P.S.: Falls Du irgendwas brauchst, was ich kann oder habe (Ausnahme: Geld habe ich nicht und bezweifle daß ich es mittel- bis langfristig beschaffen kann), dann sag Bescheid. Wir könnten z. B. mal wieder die Welt retten, sinngemäß.

  • Heiner meinte am 2. Dezember 2018 um 19:42:

    Hmmm… bisher bin ich an diese Fragen mit der EInstellung rangegangen: „Egal wie unser Medium in Zukunft aussehen wird – es wird immer einer gebraucht, der den Content dafür produziert!“ – ergo fühlte ich mich als Redakteur erstmal nicht bedroht, sondern habe eher die Kollegen aus dem Layout und/ oder Vertrieb bedauert…

    • Clemens Gleich meinte am 3. Dezember 2018 um 11:35:

      Ich sehe überall, dass es eben nicht egal ist. Der Spiegel schmeißt immer wieder Redakteure raus. Den Content produzieren dann weniger Menschen und mehr Maschinen, auch ein Trend, den wir gern verdrängen. Der Huber-Verlag hat auch eben Leute entlassen, weil die Roadster nicht läuft wie erhofft.

      Mich beunruhigt die Geschwindigkeit des Niedergangs.

  • Andreas meinte am 3. Dezember 2018 um 11:37:

    Ich kenne Deinen Familienstand nicht. Je unabhängiger Du bist, desto größer wird Deine Auswahl sein. Aus meiner eigenen Erfahrung (u. a. 20 Jahre angestellter Werbetexter) glaube ich mit Anfang 50 zu wissen, dass es für Schreiber keinen „sicheren“ Job mehr gibt. Dem Jugendwahn der Agenturen und dem voraussehbaren Tritt in den Hintern habe ich mich mit Mitte 40 durch Flucht entzogen. Heute, im börsennotierten Konzern, schwebt das Damoklesschwert der Headcount Reduction über mir, und schon bei der nächsten Konjunktur- oder Kursdelle könnte es fallen. That‘s life.
    Da ich Deine vielschichtige und bildhafte Schreibe sehr schätze, würde ich natürlich begrüßen, wenn Du uns noch lange als kritischer Autor erhalten bleibst. Falls jedoch Dein Sicherheitsbedürfnis wachsen sollte (was ich nachvollziehen kann), würde ich in den sauren Apfel beißen und bei einem Hersteller anheuern. Nebenbei schreibst Du Bücher, um Deine literarische Freiheit zu leben. Und falls die kommerziell einschlagen, konzentrierst Du Dich darauf. Hat ja bei anderen auch geklappt.

  • Griesi meinte am 3. Dezember 2018 um 15:33:

    Geh mal in eine Buchhandlung und schaue nach, was ein Fantasy-Roman durchschnittlich kostet, ich habe da aktuell keinen Überblick mehr, weil ich da schin ein wenig länger raus bin.
    Rechne damit, dass Du mit Glück 10% des Netto-Preises von jedem verkauften Buch bekommstst. Die Vorauszahlung, die Du als Autor bekommst, entspricht in der Regel diesen 10% bei einer komplett verkauften Erstauflage, die je nach Verlag bei 2.000 bis 4.000 liegen wird.

    • Clemens Gleich meinte am 3. Dezember 2018 um 18:31:

      Sind das Daten zu Belletristik oder doch zu Fachliteratur? Habe zu Belletristik leicht andere. Dein Argument bleibt so oder so erhalten.

  • Griesi meinte am 3. Dezember 2018 um 20:13:

    Fantasy-Belletristik. Wir können uns gerne via Mail oder DM noch wieter austauschen.

  • Xir meinte am 4. Dezember 2018 um 10:44:

    Wenn ich meine Motorradzeitschrift lese, gibt es nur einen* bei dem ich nach einigen Absätzen erstmal nach dem Autor schaue.
    Du hast einen eigenen, wieder erkennbaren Stil.
    In einer Zeit in der Werbetexte von Artikeln von automatisch generierten Texten kaum zu Unterscheiden sind, freue ich mich immer über deine Artikel.
    Vielleicht ist genau dies, mehr persönliche Meinung, mehr Stil, mehr Erfahrungen, mehr Nähkästchen, auch die Rettung der Motorradmedien.

    • Xir meinte am 4. Dezember 2018 um 10:48:

      vergessen:

      *du und Alan Cathcart….mag bei Ihm aber an der Übersetzung liegen.

      • Clemens Gleich meinte am 4. Dezember 2018 um 11:54:

        Alan ist auch im Original gut zu lesen. Er hat sich einfach bis ins Alter seine Freude am Thema und seine Neugier bewahrt, was die meisten kaum zehn Jahre lang schaffen.

  • Manni meinte am 15. Dezember 2018 um 9:19:

    …wieder Coden – vergiss es.
    Das machen andere, mit aktuellem Know How, besser, schneller und viiiel billiger.

    Es sei denn, man hat eine goile Idee ;°)

    …die habe ich (auch mal etwas mit Compiler gelernt).
    Aber die Chancen, dass es sich nur ganz kurz rentiert, bis andere auf den Zug aufspringen, ist groß und dann?!

    Geniale Lichtblicke hat man nicht jeden Tag – Hunger schon…

    …schreibe ruhig weiter – dein Stiel rulez.

  • Manni meinte am 15. Dezember 2018 um 9:22:

    Stiel mit ie – bitte korrigieren manmanman

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