Schreibmaschinen: Google Pixel C

Weil doch noch Fragen dazu kamen: Ich habe sowohl das NVidia Shield Tablet als auch das Surface Book ersetzt. Mir und den meisten unbekannt hat Google vor einiger Zeit ein Android-Tablet für Schreiber gebaut. Keine Ahnung, warum sie das taten, denn so viele Schreiber gibt es ja nicht. Das Teil floppte wie ein Wal am Strand. Google musste es also günstig abverkaufen, daher kriegte ich das Ding damals für 350 Euro. Verbaut darin sind 3 GByte RAM, NVidias SoC Tegra X1, der auch im Shield TV arbeitet, ein sehr heller, sehr kaltblau beleuchteter (Tageslicht!) Bildschirm und das alles verpackt in eine Verarbeitung, dass du jemandem den Kopf damit einschlagen kannst im Notfall. Allein die Dicke des Alublechs! An dieses Tablet kannst du Neodym-magnetisch eine Bluetooth-Tastatur schnappen, die sich für Zehnfinger-Blindschreiber eignet, sogar auf dem Schoß. <- Das ist für mich ein wichtiges Kriterium für unterwegs, weil es nicht überall Tische gibt.

Die Hardware ist also top. Ich musste lachen, als jemand sagte, 350 Euro für ein Android-Tablet würde er nie ausgeben. Die Alternativen bei Apple kosten ein Mehrfaches und gelten in der Apfel-Parallelwelt als total günstig (im Vergleich zu einem Mac Mini für fünfeinhalbtausend Euro). Die Tastatur kostete noch einmal um die 100 Euro. Man kann den Bildschirm auf die Tastatur legen, er wird dann von Magneten gehalten. Das hat Google in Kalifornien ausprobiert, in Cafés und Unis. Ich habe es in Nordfriesland auf Amrum ausprobiert und kenne den Nachteil, der Google nicht auffiel: Wenn auch nur ein Staubkorn oder gar ein Sandkorn zwischen Tablet und Tastatur gerät, verkratzt es durch diese magnetisch schwimmende Aufhängung das Display beim Transport. Jetzt ist das Ding eh abverkauft, glaube ich. Aber zu dem Preis griffen glaube ich noch viele Schreiber zu, die das Ding jetzt erst mal nicht mehr hergeben.

Die Software ist … Android. Ja, man kann zwei Apps gleichzeitig nebeneinander laufen lassen (Viereck länger gedrückt halten), aber schon im Hintergrund Youtube-Musik weiterlaufen lassen geht nicht mehr. Android-Nutzer kennen das alles. Word im Play Store ist kostenlos, funktioniert aber bei vielen Dateien gar nicht (Absturzschleife). Ein einigermaßen genauer Stift wie beim Shield wäre schön, gibt es aber nicht. Es gibt nur die Fingerersatz-Dinger. Der Dateimanager ist wie bei iOS auch eine Frechheit. Er verschluckt sich an Zip-Archiven und du kannst keine Ordner erstellen. Zum Glück gibt es Dateimanager von Drittherstellern. Mit dem USB-C-Port kann man per Adapter auch Geräte anschließen, bei mir sind das normalerweise USB-Sticks mit Bildern oder Videos drauf. Die meisten gehen, manche gehen nicht, Ursache unbekannt.

Meine Texte schreibe ich weiterhin im schönen Jotterpad. Dabei stellte ich anfangs fest, dass mein Pixel C warm wird beim reinen Tippen (alle anderen Anwendungen waren aus). Ich konnte dem groß dimensionierten Akku beim Schmelzen seines Ladestands zuschauen nur beim Tippen. Die Akkuverbrauchs-Daten von Android helfen gar nicht, denn die schauen sich nur die Bildschirmzeit einzelner Apps an, können also nicht erkennen, wenn Prozesse CPU-Wärme verbraten. Nach kurzer Netz-Recherche fand ich den Täter: die Rechtschreibprüfung. Offenbar ist die bei Android so ineffizient programmiert, dass sie bei Zehnfingertipptempo die CPU heiß rödelt. Abgeschaltet, aber peinlich ist das schon. Windows kriegt es massiv effizienter hin, iOS bei meinen letzten Zehnfingertippversuchen auch.

Weil im Android-Tablet-Markt nichts geht, gehört das Pixel C immer noch zu den leistungsfähigsten Geräten dort, vor allem bei 3D-Leistung oder sonstigem GPU-Zeug (TensorFlow). Die Tastatur ist super. Das C steht bei mir die meiste Zeit in der offenen Laptop-Stellung herum. Die Einschränkungen von Android führten aber dazu, dass dieses Gerät nicht die alleinige Reiseschreibmaschine sein konnte. Deshalb habe ich es tatsächlich gewagt, nach der Wandlung der stets kaputten Surface Books ein Surface Pro zu kaufen. Das musste ich auch umtauschen, aber jetzt habe ich tatsächlich eine Rarität: ein funktionierendes Surface. Ich liebe es. Werde ein andermal berichten.

Kommentare:

ältere
  • qwertz meinte am 5. November 2018 um 22:46:

    Vielen Dank für diesen Einblick. Schade, dass ich nicht schon vor ‚nem Jahr gefragt hatte, als es das „HP-Palm Foleo der Neuzeit mit Tabletmodus“ noch zu vernünftigem Taler gab. Traurig dabei, dass der „Android-Tablet-Markt, in dem nichts geht“, immernoch schwindelerregende Preise aufruft (bspw. 650 € für ein Samsung Galaxy Tab S4).
    Noch trauriger fand ich (aufgrund deines Hinweises zum Surface Pro 6), dass der Einsteiger (i5, 8GB RAM, 256 GB) bereits 1050 € kostet. Und der Klick zu 16 GB RAM überall sonst maximale Ausstattung abverlangt – und den Preis verdoppelt. Die Nachbildung meines aktuellen Laptops (Sony Vaio Pro 13 mit i7-4500U@1800MHz, 8GB RAM, 256 GB SSD, Touchdisplay, im Sommer 2013 für 1600€ gekauft) lässt ein Pro 6 auf 1650€ kommen. Ist das der Inflationsausgleich der vergangenen 5 Jahre? Und dann kommen noch 200€ für TypeCover und Pen dazu? Umpf…

    • Clemens Gleich meinte am 6. November 2018 um 10:16:

      Genau, das Tab S4 ist das einzige Gerät, das da noch nachkam, Schreiber- und leistungsmäßig. Es kostet aber (wie Du ja festgestellt hast) fast das Doppelte des Pixel C mit einer schlechteren Tastatur.

      Im Vergleich zum Vaio bezahlst du bei ALLEN aktuellen auf schön gemachten Geräten vom Macbook über Microsoftzeug und Dell XPS bis hin zu China-Alternativen von Huawei NATÜRLICH auch das Schöne. Vaio war Plastik. Microsoft verbaut Magnesium. Der Rest verbaut Alu. Das kostet alles Geld. Plastik in schön ist selten geworden.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.